Im Titelbild: Ein originelles Geschenk: das Feuerwehrauto GW-TS aus dem 3D-Drucker. Foto: Martina Drossel
Die Feuerwehr Oberleiterbach besteht 125 Jahre. Landrat Kalb spricht von einem Vorzeigeort, Kreisbrandrat Renner zeigt sich sehr stolz. Wie Bürgermeister Senger die Verantwortlichen überrascht.
Dass ein Schirmherr traditionell positiv von „seinem“ Jubelverein spricht, ist gelebte Praxis. Wenn ein Landrat eines 150.000-Einwohner-Landkreises im 270-Seelendorf-Dorf allerdings geradezu ins Schwärmen kommt, ist das zweifelsohne nicht alltäglich. Genau das tat Johann Kalb bei der Floriansmesse, dem Beginn des Jubiläumsjahres „125 Jahre Feuerwehr Oberleiterbach“. Auch Kreisbrandrat Thomas Renner sollte es ihm im Anschluss beim Festkommers gleichtun. Und da war dann noch das Feuerwehrauto, das der scheidende Bürgermeister Michael Senger zwar nicht aus dem Hut, wohl aber aus der Tüte zauberte.
Es war ein Auftakt nach Maß für die Männer und Frauen um die Vorsitzenden Philipp Kunzelmann und Jürgen Schug sowie die Kommandanten Niko Dumsky und Markus Drossel. Die Feuerwehruniformen funkelten nur so in der Frühlingssonne, als sich der Jubelverein mit seinen Ehrengästen und dem befreundeten Patenverein der Feuerwehr Kleukheim sowie begleitet von Pfarrer Philipp Janek bei einem Festzug durch den Ort auf den Weg zur Sankt-Laurentius-Kirche machte.
Äußerer Schutz, innere Haltung
Feuerwehr, so rief Pfarrer Janek den Besucherinnen und Besuchern der Floriansmesse zu, lebe nicht von Einzelkämpfern, sondern von der Gemeinschaft. Der Heilige Florian sei auch keine anonyme Person, die sowieso keiner kenne, sondern stehe als Symbol für den Mut, die Bereitschaft, den Zusammenhalt und für die große Feuerwehrfamilie, die mehr umfasse als „nur“ die Leute in Uniform. Es seien der äußere Schutz und die innere Haltung, die die Feuerwehrmänner und -Frauen auszeichneten. Gerade in der Feuerwehr sei es wichtig, nicht nur selbst mutig in den Einsatz zu gehen und das umzusetzen, was geübt wurde, sondern vor allem, sich auf den Partner bedingungslos verlassen zu können.
Der Auftakt des Festjahres war für den Schirmherrn ein Schlusspunkt: Es war die letzte öffentliche Veranstaltung des scheidenden Landrats des Landkreises Bamberg, Johann Kalb. „Oberleiterbach liegt mir schon ein bisschen am Herzen“, sagte er und blickte auf viele Erlebnisse der vergangenen Jahre zurück. Voller Respekt hob er dabei das aufopferungsvolle Engagement, den unbändigen Willen und den starken Zusammenhalt hervor, die das Dorf immer wieder gezeigt habe.
Schwärmte von einem Vorzeigedorf: Der scheidende Landrat Johann Kalb (2. V. re.) übergibt die Urkunde an Vereinsvorsitzenden Philipp Kunzelmann. Der designierte Bürgermeister Andreas Hofmann (li.) und der scheidende Bürgermeister Michael Senger (re,) freuten sich mit dem Jubelverein. Foto: Martina Drossel
Kreisbrandrat Thomas Renner bei seiner Ansprache. Foto: Martina Drossel
„Nicht mehr selbstverständlich“
„Das zeigt, wie dieses Dorf tickt“, lobte er. „Gerade Feuerwehr ist nicht mehr selbstverständlich. Ihr habt das über 125 Jahre überragend gut gemacht.“ Dass sich auch junge Leute in Oberleiterbach in die Pflicht nehmen lassen, sei Garant für die Zukunft. „Ihr habt eine Vorzeigeortschaft, in der immer wieder etwas Neues geschieht und es immer weiter vorwärts geht.“
„125 Jahre gelebter Bürgersinn, 125 Jahre Zusammenhalt im Ort, aber auch 125 Jahre selbstloser Einsatz für eure Bürgerschaft, für eure Mitmenschen, die bei euch leben, im Markt Zapfendorf und darüber hinaus“, bilanzierte Kreisbrandrat Thomas Renner. Die Gründung sei in eine Zeit gefallen, in der es noch keine Brandschutzvorschriften gegeben habe. „So hat die Gemeinschaft selbst Verantwortung übernommen.“
In einem Festzug ging es durch das Dorf zur Kirche. Foto: Martina Drossel
„Ortswehren sind unverzichtbar“
Selbsthilfe, Disziplin und Kameradschaft bildeten bis heute das Fundament der Feuerwehr. „Anpacken, machen und durchziehen, statt lange zu fragen: Dafür sind die Feuerwehren Garanten. Wir können stolz sein, dass das System Feuerwehr noch so läuft.“ Aber: „Technik alleine löscht keine Feuer, es sind die Männer und Frauen, die sich in ihrer Freizeit in die Verantwortung nehmen lassen. Ortsfeuerwehren bleiben dabei ein unverzichtbarer Bestandteil des Sicherheitskonzepts.“ Alle seien in der Pflicht, alles dafür zu tun, dass diese Selbsthilfe in den Ortswehren aufrecht erhalten bleibe. „Mit bezahlten Kräften können wir diesen Dienst niemals leisten. Zumal die Herausforderungen nicht weniger werden. Umso wichtiger ist es, Feuerwehren anständig auszurüsten.“ Den Aktiven des Jubelvereins rief er zu: „Eure Vorfahren wären stolz auf euch!“
Dass der Markt Zapfendorf voll umfänglich hinter seinen Wehren stehe, sollten sowohl der scheidende Bürgermeister Michael Senger als auch der designierte Bürgermeister Andreas Hofmann alsbald betonen. „Eine Gemeinde ist nur so stark wie diejenigen, die sich für sie einsetzen“, betonte Senger. Für die Feuerwehr Oberleiterbach ist bereits ein Gerätewagen Tragkraftspritze, ein GW-TS, bestellt. Wohl in 2027 wird der speziell auf- und ausgerüstete Ford Ranger wohl seinen Dienst aufnehmen. Senger hatte bereits ein 3D-gedrucktes Modell dabei. „Ihr engagiert euch leidenschaftlich seid das Rückgrat eures Ortes“, betonte er.
Blick in den Saal.
„Wirklich sehr beeindruckend“
„Eineinviertel Jahrhundert Einsatz ist wirklich sehr beeindruckend“, sagt Andreas Hofmann. „Gerade in den kleinen Orten sorgen die Feuerwehren ja nicht nur für Sicherheit, sondern sind auch sehr wichtig für die Gemeinschaft.“ Mit Blick auf das Miniatur-Auto sagte er: „Der GW-TS wird ein echter Meilenstein für die Freiwillige Feuerwehr Oberleiterbach. Dann seid ihr nicht mehr auf Zugfahrzeuge angewiesen. Ein solches Auto bietet viele Vorteile.“ Für Schmunzeln sorgte er mit dem folgenden Satz: „Mit 125 Jahren ist die Feuerwehr Oberleiterbach genau im richtigen Alter, um endlich ihr erstes Auto zu bekommen.“ Mit diesem würden sich dann aber auch die Aufgaben verschieben – und mehr werden.
Auch der stellvertretende Landrat Bruno Kellner ließ es sich nicht nehmen, seine Glückwünsche zu übermitteln. „Es ist so wichtig, dass es Leute in einem Ort gibt, die sich in einer Feuerwehr engagieren“, stellte er heraus.
Martina Drossel




