Arbeit im Stillen – schon seit über 25 Jahren

Der Aushilfspriester Dr. Samson Badugu gründete am 18. Juni 1995 mit einigen Frauen und Männern aus seinen Wirkungsorten Rattelsdorf, Marktgraitz, Bamberg, Erlangen und Nürnberg in Ober- und Mittelfranken einen Verein. Dieser sollte ihn nach seiner Rückkehr nach Indien bei seiner Arbeit in der Diözese Cuddapah (ca. 400 Kilometer nördlich von Madras, jetzt Chennai) mit 400 Missionsstationen unterstützen.

Die Diözese Cuddapah (Kadapa) liegt im Bundesstaat Andhra Pradesh in Südindien mit ca. 80.000 Katholiken. Der Anteil der Daliths, der so genannten „Unberührbaren“, liegt dort bei 99 Prozent. Sie sind meist Analphabeten und beschäftigen sich als Tagelöhner in der Landwirtschaft. Das Geld für die Schulbildung der Kinder kann von den Eltern nicht aufgebracht werden und so beschäftigen sich diese im Straßenbau, Haushalten und Feldarbeit. Besonders benachteiligt sind Frauen und Mädchen. Die Mädchen, die den Eltern eine große Belastung sind, weil sie später bei Heirat eine hohe Mitgift an den Bräutigam zahlen müssen, werden oft als Hausmädchen weggegeben. Sie werden oft Opfer von Vergewaltigung und werden zu allen möglichen niedrigen Diensten gezwungen. Die Folgen sind Prostitution, Krankheit, AIDS und Siechtum. Niemand kümmert sich später um diese erwachsenen Frauen.

Bei „Wanitha wani“ geht es darum, den Kreislauf der Armut mit einer guten Schul- und Weiterbildung und auch Berufsausbildung zu durchbrechen. Der Verein mit zurzeit 57 Mitgliedern legt besonderen Wert auf die Bildung von Frauen und Mädchen.

Schule, Ausbildung und mehr

Von 1999 bis 2016 wurden viele Projekte gefördert: jahrelange Unterhaltskosten für fünf Ordensschwestern in den Waisenhäusern wurden aufgebracht, Schülerinnen wurden mit Schuluniformen, -lernmaterial, -geld und -essen versorgt, Examens- und Studiengebühren bezahlt, Camps für Mädchen der High School ausgerichtet, junge Frauen in Haushaltsführung und Hygiene unterrichtet, zu Schneiderinnen ausgebildet, Näh- und Stickkurse gehalten. Die Nähmaschinen und Material dafür konnten die Frauen behalten, damit sie eine Schneiderei in den Dörfern eröffnen konnten. 22 Patenkinder konnten in weiterführende Schulen mit Erfolg bis zum Abitur geführt werden. Einige Mädchen erhielten Studiengebühren für ihr Technologiestudium.

Pfarrer Samson mit zahlreichen Kindern.

Der Ansprechpartner in Indien ist Pfarrer Samson, der damals Professor am St. Johns Regional Seminary Hyderabad für Kirchenrecht und Liturgie war und jetzt eine Gemeinde in Proddatur betreut. Seit 2016 arbeitet der Verein mit RAIDS*, einer unabhängigen, nichtstaatlichen Organisation, die keine Gewinnziele verfolgt, zusammen. Mr. Tyagaraju, Rektor an einer staatlichen Schule in Pulivendula, gründete diese. Er ist ein evangelischer Freund von Pfarrer Samson. Mit dieser NGO wurde für Unterstützung von Demonstrationen zum Schutz von ungeborenen Mädchen, AIDS- Aufklärung und gegen Frühverheiratung (12 Jahre) von Mädchen gesorgt.

Die Einrichtung Child-Help-Line, Telefon für Kinder in Notsituationen, wurde unterstützt und das Geld für die daraus resultierenden Heimaufenthalte aufgebracht. Prostituierte Mädchen wurden von der Straße zurückgeführt in eine Brücken-Schule, und missbrauchten Mädchen mit medizinischer und psychotherapeutischer Hilfe geholfen. Ein Auto-Kauf zum Transport von Schulkindern zur Schule, Benzin, Reparatur und Fahrergehalt, sowie die Errichtung von Schulungsräumen waren dafür unumgänglich. Die Versorgung der Schulkinder mit Trinkwasser, Trinkflaschen und Trinkwassercontainern für die Gesunderhaltung, sowie Essen für arme Schulkinder gegen Unterernährung wurden ebenso gebraucht. Die Rehabilitation von sexuell ausgebeuteten Mädchen war ein neues Arbeitsfeld. Dazu waren Gehälter für Lehrer, Berater, Ausbilder und Ärzte notwendig.

An Talasemia erkrankte Mädchen, eine erbliche Erkrankung des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin‎), die sich auf den ganzen Körper auswirken kann, benötigen Bezahlung von Medikamenten, Arztbesuchen und Reisekosten. Weiterhin erfolgte die Unterstützung für berufliche Selbstständigkeit von Mädchen und deren beruflicher Ausbildung in Computertechnologie und in Modedesign.

2019 wurde durch besondere Spendenbereitschaft der Kauf von zehn Wasserbüffelkühen für die Ernährung von Teilfamilien vorgenommen. Der Überschuss an Milch wird verkauft und kann für die Grundsicherung des Lebens verwendet werden. 2020 war dann ein außergewöhnliches Jahr weltweit: Der Virus Covid 19 hat auch in Indien für viele Infektionen gesorgt und ist noch nicht am Höhepunkt angelangt. Viele Tagelöhner mit ihren Familien flüchteten aus den Großstädten und kamen in ihren Dörfern rund um Kadapa (Cuddapah) in sechs Kreisen des Bezirks, bei 3.600 Familien an. Ein Hilferuf vom Rektor der Schule in Pulivendula, die wie alle Schulen geschlossen wurde, wurden an die Mitglieder weitergegeben, die nochmals in die Tasche griffen. So konnten bisher rund 4.500 Euro für den Kauf und die Verteilung von Frischgemüse gesandt werden. Da die Schulen geschlossen sind, fällt die Schulspeisung, oft als einzige warme Mahlzeit des Tages der Kinder, weg. Aber auch die Beschaffung von Mundschutz und Desinfektionsmitteln wurde wichtig.

Der Vorstand des Vereins.

Im Rückblick brachten 25 Jahre Wirken des Vereins so manche Herausforderung. Man muss die Mitglieder bewundern, die neben ihrem Mitgliedsbeitrag immer wieder zu zusätzlichen Spenden bereit sind. Die Hilferufe nehmen kein Ende… Dieses Netz der Hilfe und Solidarität aber auch nicht.

Der Verein arbeitet ehrenamtlich, es entstehen keine Verwaltungskosten und Spenden werden zu hundert Prozent an die Bedürftigen weitergegeben. Der kleine Verein ist dankbar für jede noch so geringe Spende, Bettelbriefe werden von ihm nicht versendet.

Vielleicht wollen Sie den Verein unterstützen? Dann wenden Sie sich bitte an Frau Maria Butterhof, E-Mail : info@wanithawani.de oder spenden sie direkt an: Wanitha Wani, Ligabank Bamberg, IBAN: DE 96 7509 0300 0009 0024 21. Bei Angabe der vollen Adresse erhalten sie eine Spendenquittung.

Verein Wanitha-Wani, Marlies Butterhof

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