Hochwasserschutz in Kemmern eingeweiht – 9,4 Millionen Euro für mehr Sicherheit

Im Titelbild: Die Enthüllung der Infotafel gleich neben der Aussichtsplattform mit Umweltminister Glauber, Bürgermeister Gerst, Ministerpräsident Söder und MdL Dremel.

Mit Musik, Segensworten und Politprominenz ist am Freitag, 6. Februar 2026, der verbesserte Hochwasserschutz in Kemmern offiziell seiner Bestimmung übergeben worden. Ministerpräsident Dr. Markus Söder war ebenso zu Gast wie Staatsminister Thorsten Glauber.

Die Gemeinde feierte damit den Abschluss eines mehrjährigen Großprojekts, das den Ort künftig deutlich besser vor extremen Hochwasserereignissen schützen soll. Treffpunkt zur Einweihung war die neu gestaltete Aussichtsplattform nahe dem Mainufer und dem Festplatz. Nach einer musikalischen Einlage durch die Geracher Musikanten und einer Aufführung der Grundschule Kemmern – die Kinder sangen ein Friedenslied – begrüßte Baudirektor Hans Hemmerlein vom Wasserwirtschaftsamt Kronach die Gäste.

Anschließend sprach Ministerpräsident Söder. „Der Klimawandel ist Realität, und daher sind Maßnahmen zur Klimaanpassung nötig“, so der Ministerpräsident. Zudem reiche es nicht mehr, nur die großen Flüsse abzusichern. In Kemmern sei daher auch die Binnenentwässerung überarbeitet worden, hinzu komme die Gestaltung der Bereiche im Rahmen der Städtebauförderung. „Das Geld hier ist sehr gut angelegt“, schloss Söder. „Hochwasserschutz ist Heimatschutz.“ Umweltminister Thorsten Glauber blickte auf den Spatenstich vor vier Jahren zurück und wünschte der Gemeinde, dass sich Hochwasserereignisse wie etwa im Jahr 1961 nicht mehr wiederholen, auch Dank der nun verbesserten Situation.

Die Kinder der Grundschule Kemmern hatten eine Gesangseinlage mitgebracht.

Beim Spatenstich vor vier Jahren wurde ein Überblick der Baumaßnahme gezeigt. Quelle: WWA Kronach
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Auch die EU zahlte mit

Für die Gemeinde Kemmern war es ein besonderer Moment: Erster Bürgermeister Rüdiger Gerst bezeichnete die Einweihung als „Meilenstein in der über tausendjährigen Geschichte“ des Ortes. Der Main sei stets Lebensader, aber auch Gefahr gewesen. Gerade das schwere Hochwasser vom Januar 2003 mit einem Rekordpegel von 7,03 Metern habe gezeigt, wie dringend Verbesserungen nötig waren.

Die Planungen für die Deichnachrüstung reichen bis in die Jahre 2005/2006 zurück. Seitdem hat sich die Gemeinde intensiv mit Fachbehörden, Planungsbüros und Bürgerinnen und Bürgern abgestimmt. Ein wichtiger Schritt war der Planfeststellungsbeschluss am 23. Januar 2020 sowie die anschließende Finanzierungsvereinbarung mit dem Freistaat Bayern. Die Gesamtinvestition beläuft sich auf rund 9,4 Millionen Euro. Hohe Förderungen gab es dabei durch den Freistaat Bayern und auch die Europäische Union, die über drei Millionen Euro beisteuerte. Die Gemeinde übernahm im Gegenzug die Unterhaltskosten und Instandhaltungsarbeiten und muss nach aktuellem Stand voraussichtlich erst einmal keine Zahlungen mehr leisten.

Bürgermeister Rüdiger Gerst bei seiner Ansprache.

Nicht nur technische Bauwerke

Die eigentliche Bauphase begann mit dem Spatenstich am 11. März 2022. In den vergangenen vier Jahren wurden bestehende Deiche verstärkt, neue Schutzabschnitte errichtet und technische Anlagen wie Schöpfwerke und Pumpstationen modernisiert. Grundlage war eine Neubewertung des Hochwasserrisikos unter Berücksichtigung eines Jahrhunderthochwassers plus Klimazuschlag von 15 Prozent.

Eine Besonderheit des Projekts ist die Verbindung von technischem Hochwasserschutz mit städtebaulicher Gestaltung. Die neue Aussichtsplattform mit Sitzstufen fügt sich in das Ortsbild ein und schafft zugleich einen attraktiven Aufenthaltsbereich am Main. Ergänzt wurde die Planung durch das Würzburger Architekturbüro Rösch, während die Ingenieurarbeiten von spezialisierten Fachplanern übernommen wurden.

Auch einen Eintrag ins Goldene Buch der Gemeinde gab es.

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Rüdiger Gerst

Viel Einsatz vor Ort

Nach den Reden folgte die Enthüllung von Informationstafeln sowie ein kirchlicher Segen durch Pfarrer Philipp Janek und Pfarrerin Susanne Wittmann-Schlechtweg. Anschließend zogen die Gäste zum Sportheim des SC Kemmern, wo ein Imbiss wartete. Dort gab es noch einige weitere Grußworte, unter anderem von der Bundestagsabgeordneten Emmi Zeulner. Sie dankte Bürgermeister Rüdiger Gerst und auch dem Kemmerner Gemeinderat – man habe sich hier des Themas angenommen, auch, wenn manches kompliziert gewesen sei. Und dieses Engagement habe sich gelohnt.

Bürgermeister Gerst nutzte den Anlass, um Dank auszusprechen: An das Wasserwirtschaftsamt Kronach, die beteiligten Ministerien, Planungsbüros und Baufirmen – sowie an jene Grundstückseigentümer, die Flächen für das Projekt bereitgestellt hatten. Ebenso würdigte er das Verständnis der Bevölkerung für unvermeidliche Einschränkungen während der Bauzeit.

Mit der offiziellen Einweihung sei nun sichtbar geworden, was jahrelange Planung und Zusammenarbeit möglich gemacht hätten: ein nachhaltiger Schutz für Kemmern.


Viele Fotos von der Einweihung finden Sie in unserer großen Bildergalerie (zum Öffnen einfach ein beliebiges Foto anklicken, zum Beenden der Anzeige das X in der Ecke oben wählen).

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