Zu Gast bei den Reservisten: Waffenkunde, Wachausbildung, Hören und Sehen bei Nacht

Veröffentlicht am 21. September 2013 von Lena Thiem

MIT BILDERGALERIE!

Gut ausgebildet und in der Bundeswehr gedient stehen im Raum Bamberg/Forchheim knapp 1.000 Reservisten bereit, um im Krisenfall dem Land wieder zu dienen. Sie organisieren sich meist in Soldaten- und Reservistenkameradschaften, die nicht nur als Verein im Gemeindeleben aktiv sind, sondern sich auch weiterhin militär-fachlich interessieren und in Eigenregie Vorträge und Übungen für die Kameraden organisieren. Dies unterstützt die Bundeswehr, die auf die Bereitschaft der Reservisten zum Wiedereinsatz zählt, und sorgt ebenfalls für regelmäßige Übungen und Weiterbildung der bewährten Kräfte, um diese in Krisenzeiten als sogenannte „Regionale Sicherheits- und Unterstützungskräfte“ (RSU-Kräfte) einsetzen zu können.

Hinter verschlossenen Türen

Ein von der Reservistenkameradschaft Kemmern selbst organisierter Vortrag beschäftigte sich im Bereich der Waffenausbildung mit der sicheren Handhabung von Handfeuerwaffen. Dabei ging es in erster Linie darum, sich verschiedene Besonderheiten der einzelnen Waffentypen und der richtigen Handhabung wieder in Erinnerung zu bringen. Thomas Kohles und Markus Albrecht stellten verschiedene Handwaffen vor. Am Beispiel der baugruppengleichen „P 38“, „Sig Sauer“ und „P 8“ werden die Unterschiede der einzelnen Exemplare besprochen. Besonderes Augenmerk liegt hier auf den Sicherheitsaspekten. Der Schütze muss sich immer bewusst sein, in welchem Zustand seine Waffe ist, wozu eine Sicherheitsprüfung durchgeführt wird. „Entspannt und gesichert“ sollte die Waffe bei der Übergabe und bei Nichtgebrauch sein. Für den Transport ist sie zudem zu entladen und die Munition getrennt von der Waffe zu aufzubewahren – so bestimmt es das Waffengesetz in Deutschland.

Im zweiten Schritt zeigt Thomas Kohles, wie die Munition aussieht, wie die Handwaffen geladen und entladen werden und was dabei bezüglich der Reihenfolge und der Sicherheit zu beachten ist. Noch technischer geht es dann beim Zerlegen und Wiederzusammenbauen zu: Bolzen, Abzug, Hahn, die Begriffe fliegen einem um die Ohren. Fachdiskussionen über die Handhabung sowie Vor- und Nachteile der einzelnen Waffentypen schließen sich an.

2013-07 Reservistenkameradschaft Kemmern  7Markus Albrecht zeigt, wie eine Pistole in ihre Einzelteile zerlegt wird.

2013-07 Reservistenkameradschaft Kemmern  12Auch ein Karabiner wird von Thomas Kohles fachgerecht auseinander gebaut und die Funktionsweise der einzelnen Bauteile erklärt.

Natürlich ist für die Reservisten auch immer interessant, welche Waffen gerade von den Kameraden im aktiven Dienst verwendet werden. Um diese Waffen auch im Schussbetrieb kennenzulernen, gibt es von der Bundeswehr zusätzlich dienstliche Veranstaltungen – im Militärslang DVags – auch zu anderen Bereichen wie Wachausbildung, Hören und Sehen bei Nacht und zu sicherheitspolitischen Fragen. Auch vor Ort bei den jeweiligen Reservistenkameradschaften werden größere Maßnahmen durchgeführt, um die Reservisten zu schulen und auf dem neuesten Stand zu halten. Der Seniorenwettkampf in Kemmern im September beinhaltet Handgranatenweit- und -zielwurf, einer Sanitätsstation zum Versorgen von Verwundeten, Schlauchbootübersetzen im Baunacher Baggersee, Waffendrill, also Waffen zerlegen und wieder zusammenbauen auf Zeit, militärische Fahrzeugerkennung, eine Wachausbildung mit Alarmposten, Kampfmittelerkennung mit Minen und Granaten. Natürlich alles verbunden mit einem Marsch nach Karte und Kompass durch Feld und Flur.

Die Bundeswehr unterstützt solche Übungen durch die Bereitstellung der nötigen Materialien und durch einen Stabsfeldwebel, der im Jahr mindestens sieben solcher DVags für die Reservistenkameradschaften betreut und zwischen Reservistenkameradschaften und Bundeswehr vermittelt.

Reservisten als Mittler zur Gesellschaft

Die Reservisten diskutieren offen mit „ihrem“ Stabsfeldwebel Manfred Klöpffer, dass es für sie zunehmend schwerer wird: Einerseits ziehe sich die Bundeswehr aus der Fläche zurück und möchte die entstehende Lücke durch RSU-Kräfte schließen, andererseits würden sukzessiv Mittel für Übungen für die Reservistenkameradschaften gekürzt und Auflagen für die Durchführung erschwert. Dazu kommt, dass nicht jeder Reservist, der sich meldet, auch wirklich als RSU-Kraft genommen wird. Innerhalb Deutschlands sollen diese für Sicherheit und schnelle Hilfe im Katastrophenfall oder für die Objektsicherung und Zivilschutz eingesetzt werden. Im Auslandseinsatz gibt es kaum Einsatzchancen für RSU-Kräfte.

Im Raum Bamberg/Forchheim betreut Stabsfeldwebel Klöpffer aktuell rund 2.000 Reservisten, davon 999 „in Uniform“ unter 65 Jahren, die an dienstlichen Veranstaltungen sowie an Lehrgängen teilnehmen. Bei diesen liegen inzwischen die Schwerpunkte besonders auf Hilfe und Schutz der Zivilbevölkerung und nähern sich den ehrenamtlichen Helfern und Rettern wie THW, Feuerwehr, Wasserwacht und Sanitätern an, wie die Lehrgangsinhalte verraten: „Bergen und Retten“, „Löscheinsätze“ und „Ersthelfer im Auslandseinsatz“. In der Ausbildung an der Waffe steht zunehmend die richtige Handhabung wie auch die Sicherheit beim Schießen für den Schützen im Vordergrund.

Die 30 Reservisten und die insgesamt 150 Mitglieder des Soldaten- und Reservistenkameradschaft Kemmern sind über die Weiterbildung hinaus sehr aktiv und auch im Gemeindeleben vertreten. Ehrensache ist der Einsatz am Volkstrauertag, aber natürlich auch das Fastenessen, Seniorennachmittage und die Fischkerwa gehören zu ihren Aktivitäten. Mitglied werden kann jeder, der sich dem Soldaten- und Kameradschaftsgedanken nahe fühlt, wie ihn Peter Krüger, Oberstleutnant der Reserve, formuliert: „Soldaten sind vom Krieger zu gut ausgebildeten, kriegstüchtigen Soldaten mit dem Ziel der Friedenserhaltung geworden.“

Lena Thiem

 

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  1. Manfred Klöpffer 28. September 2013 at 19:28 - Antworten

    Hilfe, meine Name wurde wieder vergewaltigt (SMILE)

    Grüße

    • Lena Thiem 29. September 2013 at 20:14 - Antworten

      Das lag natürlich nicht in meiner Absicht, danke für den Hinweis und entschuldigen Sie bitte diese Unachtsamkeit. Ich hoffe, ich konnte ausreichend „Erste Hilfe“ leisten.

      Viele Grüße,
      Lena Thiem

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