Im Titelbild: Ein marmornes Buch ist in der Ausstellung zu sehen.
Kirchenräume als Ausstellungsräume sind nichts mehr Ungewöhnliches. Die aktuelle Ausstellung in der Hallstadter Annakapelle eignet sich ausgezeichnet für die Darbietung von Kunst, – aber: „Von den Bänken sieht man nichts, die Bücher liegen einfach herum, sie sind nicht auf ein Podest gestellt mit dem Warnhinweis ‚Achtung Kunst‘“, erklärte der Künstler Clemens Muth aus Unterneuses-Ebensfeld, seine Intension anlässlich der Eröffnung. Sie seien wertvolle Begleiter des Menschen, der sie sich nicht nur in Regale stellt, sondern auch mit auf die Couch nimmt und dann kurz weglegt.“
Die neun gezeigten Skulpturen stellen alltägliche Situationen dar. „Buch mit Kopf“ versinnbildlicht, dass der Inhalt des Werkes im Kopf verarbeitet werde. Das Material, polierfähige Steine, wechselt von Marmor, Kalkstein, Basalt bis Diabas oder Kunstmörtel. Die Oberflächenbehandlung erfolgte teilweise mit Wachs; – es darf aber auch in der Ausstellung berührt werden.
Adelheid Waschka, 1. Vorsitzende des Annakapellenvereins e.V., als Veranstalterin, erklärte, dass diese Kunstwerke ursprünglich 2007 für einen größeren Kontext geschaffen worden waren. Nach dem Konzept des früheren Bistumshistorikers Erik Soder von Güldenstubbe aus Würzburg (Texte), Religionslehrer Otto Schneider aus Klosterlangheim (Idee und Realisation) und eben Bildhauer Clemens Muth, waren sie Teil von komplexen Installationen, die damals als Ausstellung auf Wanderschaft ging. Die Installationen sind mittlerweile zweitverwendet oder aufgelöst. Geblieben sind die Buchwerke. Viel zu schade, um sie nicht mehr der Öffentlichkeit zu zeigen, testierte Adelheid Waschka, zugleich Kunsthistorikerin M.A. Die Intension der jetzigen Ausstellung verbindet die „Texturen“ von Erik Soder von Güldenstubbe als Meditationen wieder mit den Büchern. Ein lokaler Bezug wurde mit Hinblick auf die Tätigkeit von heiligen Frauen, wie Anna und Monika hergestellt, die ihren Kindern Maria und Augustinus das Wort Gottes näher bringen. Die fränkischen Heiligen, wie Kilian und Bonifatius, werden häufig mit dem Buch dargestellt, als Kämpfer für Gott oder als sie den Märtyrertod finden.
Clemens Muth bei der Ausstellungseröffnung. Foto: Johanna Maiwald
Da die Ausstellung als Auftakt der Annakerwa zu sehen ist, wurde von Pfarrvikar, Pater Dieter Lankes, und den Anwesenden aus der von Alois Albrecht zusammengestellten Anna-Andacht u.a. zwei Kapitel gebetet: „Anna erzählt von Gott und seinem Bund mit dem Volk Israel“, sowie „Anna lehrt Maria beten“. Seit dem Ende des Mittelalters wird die Szene „Mutter Anna ihre Tochter lehrend“ mit einem Buch dargestellt. Andrea Netter-Eder umrahmte die Veranstaltung musikalisch mit bezaubernden Klängen der historischen Orgel .
Die Ausstellungsdauer wurde jetzt bis zum Donnerstag, den 30. Juli 2026, verlängert, sie ist jeweils von 15 bis 17 Uhr in der Hallstadter Annakapelle in der Bahnhofstraße zu besichtigen.
Adelheid Waschka




