Bayernweit bessere Bäche. Ein Bach darf wieder Bach sein.

Im Titelbild: Die Döberten bei Bad Staffelstein (Lkr. Lichtenfels) als gutes Beispiel. Der Bach kann wieder frei fließen und die Fische können ungehindert schwimmen. Nur noch ein paar große Sandsteine am Ufer deuten darauf hin, dass es hier vor kurzem noch ganz anders aussah. Dr. Carolin Lang-Groß vom Landschaftspflegeverband Lichtenfels hat an der Döberten bei Stublang (Bad Staffelstein/Lkr. Lichtenfels) im Auftrag der Stadt Bad Staffelstein mehrere nicht mehr benötigte Wehre zurück gebaut. (Quelle: WWF/Sonja Greimel)

Wie wird aus einem technisch geprägten Bach wieder ein lebendiger Lebensraum? Und muss Gewässerentwicklung immer ein großes und teures Bauprojekt sein? Antworten auf diese Fragen bekamen 32 Mitarbeitende aus bayerischen Naturparken und Rangerinnen und Ranger bei einer zweitägigen Gewässerschulung in den Landkreisen Lichtenfels und Bamberg.

Organisiert wurde die Schulung gemeinsam vom Landschaftspflegeverband Landkreis Lichtenfels e.V., Flussparadies Franken, dem Projekt „Auf zu lebenswerten Bächen“ der Regierung von Oberfranken und Fluss.Frei.Raum. Ziel war es, fachliche und rechtliche Grundlagen zu vermitteln, naturnahe Gestaltungsmöglichkeiten im Rahmen der Gewässerunterhaltung zu zeigen und die Teilnehmenden zu ermutigen, auch in ihren eigenen Regionen für lebendige und durchgängige Bäche aktiv zu werden.

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Vom Gewässer verstehen zum Gewässer gestalten

Was einen Bach ökologisch wertvoll macht, wurde nicht nur im Seminarraum der Feuerwehr Ebensfeld vermittelt. Bei Exkursionen an der Döberten konnten die Teilnehmenden verschiedene Gewässerstrukturen und konkrete Beispiele direkt vor Ort betrachten und diskutieren. Hier bekamen sie auch einen Einblick in die vielfältige Welt der Gewässerorganismen.

Dabei ging es auch um einen Perspektivwechsel: weg von massivem Uferverbau sowie starren Stahl- und Betonbauweisen, hin zu naturnahen Lösungen, die sich stärker an den natürlichen Prozessen eines Gewässers orientieren. Denn natürliche Strukturen schaffen unterschiedliche Strömungen, Rückzugsräume und Lebensbedingungen für Fische und andere Wasserlebewesen.

Am zweiten Tag wurde schließlich selbst mit angepackt. Am Leitenbach in Gundelsheim arbeiteten die Teilnehmenden unter Anleitung des Gewässerexperten Georg Hermannsdorfer und mit Unterstützung des Wasserwirtschaftsamtes Kronach direkt im Gewässer. Gemeinsam wurden Ufer und eine Insel bepflanzt, um für mehr Beschattung und Stabilisierung der Ufer zu sorgen. Zudem wurde der Fischpass am Wehr mit einfachen Maßnahmen abgedichtet und von Schlamm befreit, um wieder einen durchgängigen Wanderweg für Fische und andere Gewässerorganismen zu schaffen. Über langfristige Lösungen zur Schaffung der Durchgängigkeit wurde an diesem Beispiel diskutiert. Beim Einbau von Weidenfaschinen und Weidengeflecht wurde den Teilnehmenden vermittelt, dass Ufer auch mit lebenden Bauweisen und „Schnittabfällen“ gesichert und mit ihrer Hilfe Strukturen im Gewässer geschaffen werden können.

Am Leitenbach in Gundelsheim (Lkr. Bamberg) wurden ingenieurbiologische Methoden zur Gewässerverbesserung und Ufersicherung gelernt. Weiden, Erlen und Wasserschneeball werden das Gewässer beschatten und für Strukturvielfalt sorgen. Die Wurzeln der Schwarzerle wachsen in den Fluss hinein, stabilisieren die Ufer, reinigen das Gewässer und bieten Lebensraum für kleine Wasserorganismen und Fische. (Quelle: WWF/Sonja Greimel)

Gute Gewässerentwicklung braucht gute Zusammenarbeit

Naturnahe Gewässerentwicklung funktioniert allerdings nicht im Alleingang. Gerade bei Maßnahmen an sogenannten Gewässern III. Ordnung ist die frühzeitige Abstimmung zwischen Kommune, Wasserwirtschaft, Naturschutz und Fischerei entscheidend. Die Schulung bot deshalb auch Raum für den fachlichen Austausch und zeigte, wie unterschiedliche Perspektiven zusammengebracht werden können.

Ein wichtiger Aspekt dabei: Ökologische Verbesserungen müssen nicht immer groß und teuer sein. Auch innerorts lassen sich mit überschaubaren Maßnahmen wertvolle Strukturen schaffen. Gleichzeitig brauchen naturnahe Lösungen Zeit, um sich zu entwickeln und ihre Wirkung zu entfalten.

Das Projekt Fluss.Frei.Raum brachte seine Expertise zur ökologischen Durchgängigkeit und naturnahen Gewässerentwicklung in die Schulung ein. Gemeinsam mit seinen Partnern setzt sich das Projekt dafür ein, Barrieren in Bächen und Flüssen abzubauen, Gewässer wieder besser miteinander zu verbinden und ihnen mehr Raum für natürliche Entwicklung zu geben.

Die zweitägige Schulung sollte deshalb über die Landkreise Lichtenfels und Bamberg hinauswirken: Was am Leitenbach gemeinsam gelernt und praktisch erprobt wurde, soll als Wissen und Erfahrung in die Naturparke und Regionen der Teilnehmenden weitergetragen werden. So kann aus einer einzelnen Maßnahme ein Impuls für viele weitere lebendige Bäche werden.

Über Fluss.Frei.Raum

Fluss.Frei.Raum setzt sich für frei fließende und naturnahe Gewässer in Bayern ein. Gemeinsam mit seinen Partnern werden Barrieren beseitigt, die ökologische Durchgängigkeit verbessert und natürliche Gewässerdynamik wieder ermöglicht. Projektpartner sind WWF Deutschland, BUND Naturschutz Bayern, Landesfischereiverband Bayern, Landschaftspflegeverband Rhön-Grabfeld und Bayerischer Kanu-Verband. Das Projekt wird vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert.

Flussparadies Franken

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