Was ist den Menschen vor Ort wichtig?

In den vergangenen Wochen war viel von Abschied die Rede. Im Seelsorgebereich Main-Itz gab es große Veränderungen, insbesondere personell. Wie es weitergeht und warum ein Fragebogen eine Richtschnur für die Zukunft liefern könnte, erklärt der leitende Pfarrer Markus Schürrer im Interview.

Auf die Pfarreien im Seelsorgebereich Main-Itz sind größere Veränderungen zugekommen. Können Sie kurz skizzieren, was in den vergangenen Monaten passiert ist?

Markus Schürrer: Am offensichtlichsten ist die personelle Veränderung. Mit dem Weggang von Pfarradministrator Kurian aus Zapfendorf und Pfarrer Braun aus Rattelsdorf wird der Stellenplan der Erzdiözese weiter umgesetzt. Dieser sieht vor, dass es im gesamten Seelsorgebereich nur noch einen einzigen Pfarrer gibt, den sogenannten leitenden Pfarrer. Dieser wird mit dem Verwaltungsleiter, der seit April 2021 in unserem Seelsorgebereich angestellt ist, sowie den Ehrenamtlichen in den Kirchenverwaltung und den Sekretärinnen schwerpunkmäßig in allen Gemeinden, die keinen „eigenen Pfarrer“ mehr haben, für die Verwaltung verantwortlich sein. Alle anderen Geistlichen und pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernehmen schwerpunktmäßig die Seelsorge, oft Pfarrei-übergreifend. Der Schwerpunkt liegt künftig auf der Teamarbeit, sowohl zwischen den Hauptamtlichen als auch zwischen den Haupt- und Ehrenamtlichen.

Welche konkreten Auswirkungen hat das auf die Seelsorge vor Ort und auch auf die Gottesdienste, besonders in kleineren Kirchen und Orten?

Für die Seelsorge ist die Herausforderung, dass es uns gelingt, an den entscheidenden Lebenswendepunkten weiterhin für die Menschen da zu sein, die uns brauchen. Wir sind ein Geistlicher weniger, die Aufgaben werden in vielen Bereichen komplexer. Die Menschen werden sich künftig daran gewöhnen müssen, dass immer wieder einmal ein anderes Team-Mitglied vor Ort ist. Das ist aber hinnehmbar, weil es ja auch immer wieder dieselben Personen sind. Die Kunst wird es sein, die Anliegen der verschiedenen Gemeinden unter einen Hut zu bekommen. Am Beispiel der Gottesdienste bedeutet das: Wie können wir es schaffen, in möglichst allen Kirchen auch weiterhin regelmäßig Gottesdienste zu feiern? Ich bin der Überzeugung, dass das gelingen kann, wenn alle zu ein wenig Verzicht und Rücksichtnahme bereit sind. Darüber hinaus setzen wir auf die Ehrenamtlichen, die in regelmäßigen Abständen Wortgottesdienste vor Ort feiern. Wir wollen bei den Gottesdiensten keine Zentralisierung auf die großen Gemeinden hin.

Pfarrer Markus Schürrer bei seiner Begrüßung in Kemmern vor drei Jahren.

Wie erleben Sie die Wirkung von Kirche vor Ort momentan? In welchen Situationen kommen Menschen insbesondere auf Sie zu?

Im Unterschied zur großkirchlichen Stimmungslage erleben wir weiterhin, dass wir gefragt sind. Taufen, Beerdigungen, Trauungen, die Nachfrage nach seelsorgerlichen Gesprächen, all das ist unverändert hoch und das Bedürfnis steigt teilweise sogar. Gleichzeitig erleben wir die ansteigende Anzahl an Kirchenaustritten, die uns als Seelsorger vor Ort sehr betroffen machen.

Im Seelsorgebereich Main-Itz läuft gerade eine Fragebogen-Aktion. Was ist die Idee dahinter und was versprechen Sie sich von den Ergebnissen?

In den vergangenen Jahren ging es stark um Struktur- und Verwaltungsfragen. Welche Pfarrei arbeitet künftig mit welcher zusammen? Im Evangelium gibt es eine Stelle, wo Jesus einen Blinden fragt: Was soll ich dir tun? Erst dann findet seine Heilung statt. Wir glauben, dass wir als Kirche oft Antworten auf die Fragen der Menschen geben, die diese so gar nicht haben. Daher wollen wir zunächst einmal fragen und hören. Dazu hat ein Team aus Haupt- und Ehrenamtlichen in Rücksprache mit dem Seelsorgebereichsrat einen Fragebogen entwickelt. Der Fragebogen ist sicher eine stark vereinfachte Form, zu Rückmeldungen zu kommen. Wir würden uns wünschen, dass er von vielen Menschen ausgefüllt wird, von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, Familien und Alleinstehenden, von Kirchenmitgliedern, aber auch von denen, die der Kirche nicht nahestehen oder auch von Ausgetretenen. Die Fragebögen werden in die Haushalte verteilt und können den ganzen Oktober über in die Briefkästen der Pfarrhäuser geworfen oder in den Kirchen abgegeben werden. Zusätzliche Fragebögen liegen in allen unseren Kirchen oder Sie finden ihn auf allen unseren Homepages. Die Ergebnisse werden dann in ein so genanntes Pastoralkonzept unseres Seelsorgebereichs Main-Itz einfließen. Das klingt ziemlich hochgegriffen. Letztlich geht es um die Frage: Welche Bereiche der Seelsorge dürfen auf keinen Fall fallengelassen werden, selbst wenn wir weniger Personal, Ehrenamtliche und Ressourcen haben? Wir sind sehr gespannt, was den Menschen an Kirche vor besonders wichtig ist. Der Fragebogen ist eine Art Richtungsangabe für unser Handeln.

Was muss passieren, damit Kirche ihren immer noch hohen Stellenwert behält?

Ich kann mich nur wiederholen: Wir – und damit meine ich alle getauften Christinnen und Christen – sollten an den entscheidenden Wendepunkten des Lebens für die Menschen da sein, ihnen zuhören und sie begleiten. So wie es der Satz sagt „Verkünde das Evangelium, wenn nötig, nimm Worte dazu.“

Den Fragebogen können Sie sich auf den Internetseiten der Pfarreien herunterladen, zum Beispiel hier.

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