Unbedingt notwendig, aber teuer: Wie steht es um die Innensanierung des Rathauses?

Veröffentlicht am 27. Februar 2013 von Johannes Michel

Von außen ist das Breitengüßbacher Rathaus nach der Sanierung ein echtes Schmuckstück geworden – auch wenn hier und da über die rote Überdachung des Eingangs gestritten wird. Innen sieht es allerdings ganz anders aus: WC-Anlagen funktionieren nicht mehr, es fehlen ein Aufzug und auch Brandschutzdecken. In der Gemeinderatssitzung vom 26. Februar 2013 stellte Architekt Christian Eichler, unterstützt von Mitarbeiterin des Ingenieurbüros ecoplan, die Maßnahmen in Sachen Innensanierung vor. Die Kosten waren den Gemeinderäten allerdings deutlich zu hoch.

Trockenlegung, Außensanierung und Neubau des Eingangsbereichs mit einem behindertengerechten Zugang: Drei der vier Bauabschnitte am Rathaus in Breitengüßbach sind bereits abgeschlossen. Vor fünf Jahren wurden die verschiedenen Bauabschnitte erarbeitet, auch die noch ausstehende Innensanierung. Damals lagen die Kostenberechnungen auf Basis einer Schätzung bei Brutto 672.000 Euro.

Im Rahmen der Sanierung soll das Rathaus nach Plänen von Eichler ein vollkommen neues Bild erhalten. Hinter dem Eingang könnte ein Infopoint mit Touchscreen-PC die Besucher empfangen und erste Informationen über die Gemeinde darstellen. Die Büros im Erdgeschoss würden neu angeordnet, eine Aufzugsanlage böte Barrierefreiheit. Auch das Trauzimmer soll überarbeitet werden. Geringe Eingriffe wären im ersten Stock fällig, hier ginge es nur um eine Flurabtrennung aus Brandschutzgründen sowie um einen neuen Kopier- und Abstellraum. Der Sitzungssaal im zweiten Stock stünde ebenfalls im Fokus, außerdem ein großer ein Sozialraum. Im Dachgeschoss könnten Registraturen und die Lüftungsanlage untergebracht werden.

Rathaus Innensanierung Breitengüßbach Empfang
So könnte der neue Eingangsbereich im Rathaus aussehen. In der Mitte der Infopoint, entlang der Treppe eine Zeitachse mit der Darstellung der Gemeindegeschichte („Kunst am Bau“).

Neue Heizung und Elektrik

Wichtig wird auch eine neue Heizanlage sein. Aufgrund der geringeren Anschaffungs- und Wartungskosten sieht die Planung eine Gasbrennwertheizung vor, der aktuelle Heizkessel ist für das nun gedämmte Gebäude überdimensioniert. Durch eine zentrale Lüftung soll das gesamte Gebäude jederzeit mit Frischluft versorgt werden, eine Wärmerückgewinnung würde Verluste minimieren. Ausgetauscht werden müsste auch die gesamte Elektroinstallation. Neue Lampen, Verkabelungen für Strom und EDV sowie Medientechnik stellen damit einen großen Kostenfaktor der Gesamtsanierung dar – über 200.000 Euro könnten hier anfallen.

Eichler gab zum Ende der Präsentation eine vollständige Kostenübersicht. Durch Steigerungen der Baukosten seit 2008 um etwa 20 Prozent sowie eine genauere Begutachtung des Gebäudes entstünden Kosten in Höhe von 1,275 Millionen Euro. Mit eingerechnet sind auch Abbrucharbeiten, eine Ersatzlösung für die Bauzeit (ca. drei Monate), der Dachgeschossausbau, notwendige Brandschutzdecken und eine neue Möblierung. Damit summieren sich die Gesamtsanierungskosten auf knapp 1,5 Millionen Euro. „Der Neubau eines vergleichbaren Gebäudes hätte etwa 1,7 Millionen Euro gekostet. Das zeigt, dass sich die Sanierung, auch bei einer wie gerade vorgestellten Maximallösung, auf jeden Fall rechnet“, erläuterte Eichler.

Rathaus Breitengüßbach nach Außensanierung
Das Rathaus heute, nach der Außensanierung.

Vorschlag: Varianten vorstellen, fraktionsübergreifenden Beschluss fassen

Nach Eichlers Ausführungen äußerte sich zuerst Bürgermeister Reiner Hoffmann: „600.000 Euro sind im Haushalt für die Innensanierung eingestellt. Wir werden uns also einschränken müssen. Wichtig für ein öffentliches Gebäude sind aber Ausstattungen wie behindertengerechte WCs und auch ein Aufzug. Es wäre unverantwortlich, das Gebäude so zu belassen, wie es aktuell ist.“ Eichler wies darauf hin, dass die aktuelle Kalkulation von keiner Eigenleistung der Gemeinde, etwa durch den Bauhof, ausgehe. Einzelne Bauabschnitte, also die Aufteilung der Sanierung auf mehrere Jahre, machten aber keinen Sinn.

Gemeinderat Rainer Klehr (Unabhängiger Bürgerblock, UBB) stellte die Frage: „Was ist wirklich notwendig, um die Verwaltung gut aufzustellen?“ Eichler entgegnete, der könne sich vorstellen, zwei Sanierungsvarianten zu präsentieren, die auch verschiedene Ausstattungsvarianten böten. Bernhard Pfister (SPD) bezeichnete die Kosten als „viel zu hoch. Wir sollten bis nach der Bürgermeisterwahl warten und der neue Bürgermeister soll dann mit den Fachplanern überlegen, wie sich die Kosten sinnvoll reduzieren lassen.“ Alois Ludwig (CSU) empfahl, den Bauausschuss miteinzubeziehen. „Alle Fraktionen sollten den Beschluss tragen und sich einbringen.“ Auch er sprach sich für die Erarbeitung mehrerer Varianten aus.

Bernhard Milsch (Freie Wählergemeinschaft Zückshut) machte direkte Einsparungs-Vorschläge: „Ein Ersatzgebäude braucht es nicht, wir können hier die Turnhalle nutzen. Parkettböden würde ich streichen, ebenso die Umzugskosten.“ Er ergänzte, einer Sanierung nur dann zuzustimmen, wenn ihm ein Finanzplan für die Investitionen der Gemeinde in den nächsten Jahren sowie eine Übersicht des aktuellen Schuldenstands vorlägen. Bürgermeister Hoffmann nahm die Diskussion auf und einstimmig wurde die Innensanierung des Rathauses an den Finanz- sowie Bauausschuss überwiesen. Dort sollen weitere Diskussionen geführt werden, bevor der detaillierte Sanierungsplan erneut Thema im Gemeinderat sein wird.

Weiterer Tagesordnungspunkt: ICE-Ausbau

Wenig Neues brachte die Information der beiden Bürgerinitiativen „Das bessere Bahnkonzept“ und „Bahnsinn Bamberg“. Stefan Kabitz („Das bessere Bahnkonzept“) erläuterte, worauf die Gemeinde im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens, das im Sommer 2013 laufen soll, achten müsse. Besonders Ersatzbrücken und Fahrwege für die Baustellen-LKWs würden gerne vergessen. Armin Moritz von „Bahnsinn Bamberg“ sollte erläutern, ob Breitengüßbach sich der Bamberger Initiative für eine Umfahrung (im Falle Breitengüßbachs eine Westumfahrung entlang der A73) anschließen solle. Die eigentliche Antwort blieb Moritz aber schuldig. Die Probleme: Die Planfeststellung in diesem Sommer – Breitengüßbach ist hier früher dran als Bamberg. Und: Sollte Breitengüßbach eine Umfahrung für die ICEs erhalten, müsste die Bahn keine baulichen Veränderungen an der Bestandsstrecke vornehmen und Güter- und Regionalzüge würden weiterhin ohne Schallschutz durch Breitengüßbach fahren.

Johannes Michel. Grafiken Rathaus und neuer Eingangsbereich: Architekturbüro Eichler

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  1. Bernd Wießmeier 27. Februar 2013 at 12:32 - Antworten

    Ich wünsche den Breitengüßbacher Kollegen drei Dinge zu ihrem / unserem Rathaus:

    Bürgerfreundlichkeit: Ein modernes wirkendes, einheitliches Raumkonzept mit seiner Gestaltung schafft eine freundliche und positive Wirkung auf die Bürger, die ihr Rathaus besuchen. Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Amtsstuben kommt dieser Umstand zu gute. Haben sie doch mit einer zeitgemäßen Einrichtung auch eine bessere und effektive Möglichkeit zur Arbeitsgestaltung. Hauptpunkt der Bürgerfreundlichkeit muss aber die Mobilitätsfreundlichkeit, die Barrierefreiheit, sein. Besonders unseren älteren Mitmenschen, zu denen alle einmal werden, muss ein einfaches sicheres Bewegen im Rathaus möglich sein, und zwar zu allen Bereichen!

    Gebäudesicherheit: Der vorbeugende Brandschutz hat einen wichtigen Stellenwert. Es schafft Sicherheit für die Mitarbeiter und Bürger. Doch gilt die hohe Sicherheit auch dem Gebäude und dessen Nutzung: dem Rathaus. Ein Brand in dem wichtigsten öffentlichen Gebäude einer Ge-meinde hätte fatale Auswirkungen auf das Leben in einer Gemeinde. Keine Anträge, keine Ge-nehmigungen, keine Überwachung wäre mehr möglich. Alles muss erst wieder aufgebaut wer-den. In einem Rathaus ist das Gemeindeleben gespeichert, wird dort abgewickelt.

    Zukunftsgestaltung: Wenn sich abzeichnet, dass ein Gebäude seinen Aufgaben nicht mehr ent-spricht bleibt eine Sanierung nicht aus. Ob hierzu ein Ausschuss mehr tagen muss, fraktions-übergreifende Einigkeit abhängig sein soll oder gar die Frage des Bürgermeisters verknüpft wird darf keine Rolle spielen. Funktionsgebäude nutzen sich ab und gehen nicht von selbst mit der Zeit mit. Jedem Rathauschef muss bewusst sein, dass nach 30, 40 oder Jahren öffentliche Ge-bäude überplant gehören. Kein Parkett, was dann? Keine neue Heizung, aber? Oft bleibt eine Sachentscheidung an den zu leistenden Kosten hängen und die zukünftige Wirtschaftlichkeitsbetrachtung bleibt außer Acht. Wer dann zu viel spart zahlt die Jahre später drauf.

    Ich wünsche Breitengüßbach ein modernes bürger- und mitarbeiterfreundliches Rathaus das den modernen Ansprüchen einer Kommunalverwaltung auch den nächsten Jahrzehnten gerecht wird.

    • Manuel Pfister 19. März 2013 at 21:59 - Antworten

      Wenn man eine Rathaus Innensanierung mit 600.000€ als Kostenschätzung angesetzt hat, dann sollte man sich auch daran halten!
      Auch wenn das im Jahre 2008 statt gefunden habe, als Fachplaner hat man auch eine Verantwortung nach der HOAI für die Kostenschätzung.
      Das über diesen Zeitraum durch Material-und Lohnkosten auch Mehrkosten entstehen ist in Ordnung, aber wenn man nach fünf Jahren die Kostenschätzung mehr als verdoppelt dann ist etwas falsch gelaufen!
      Die Argumente man könne die Gemeinde-(Bauhof)Arbeiter mit einsetzen um Kosten zu sparen verschönere nur die Kosten nach Außen aber nicht die Gesamtkosten.

      Man muss auch bedenken im August kommt die HOAI 2013, dadurch entstehen für den Fachplaner höhere Abrechnungsgebühren an die Gemeinde.

      Fazit:
      Wer profitiert wirklich an so einer Undurchsichtigen Rathaussanierung,
      nicht der Gemeindebürger der die Kosten letztendlich bezahlen darf.
      Modern ist gut aber es müsse bezahlbar bleiben!

      Wenn ein Bürger ein Haus baut und die Kosten zu 100Prozent überschreitet,
      dann wird er erkennen das etwas falsch gelaufen ist.
      Und mit der Konsequenz leben müssen, aber dies trifft hier auf die Politik und Soziale Verantwortung der Beteiligten nicht zu!

      So entstehen nur mehr Schulden, aber keine Lösung!

      • Bernd Wießmeier 21. März 2013 at 07:59 - Antworten

        Die DIN-Norm DIN 276 regelt die Kostenermittlung im Bauwesen. Zurzeit sind nur der Teil 1 Hochbau (zuletzt aktualisiert 2008-12) und der Teil 4 Ingenieurbau gültig.

        „Dieser Teil der Norm gilt für die Kostenplanung im Hochbau, insbesondere für die Ermittlung und die Gliederung von Kosten. Sie erstreckt sich auf die Kosten für den Neubau, den Umbau und die Modernisierung von Bauwerken sowie die damit zusammenhängenden projektbezogenen Kosten; für Nutzungskosten im Hochbau gilt DIN 18960.“

        (Auszug DIN 276-1:2006-11)
        Quelle: Wikipedia

        —–

        Eine Verdoppelung der Kostenschätzung ist zwar nicht üblich, kann aber auch aufgrund geänderter rechtliche Belange oder Vorgaben des Bauherren oder eben die extreme Kostenerhöhung im Baugewerbe der letzten Jahre durchaus entstehen. Hier müsste man sich aber die Unterlagen im Bauamt anschauen. Die genauen Kosten können im übrigen immer erst nach der Submission der Ausschreibungen nach der VOL/B festgestellt werden.

        Und als Gemeindebürger werde ich auch bei höheren Mehrkosten kein Geld aus meiner Tasche an die Gemeinde zahlen müssen. Die geplanten Investitonen müssen im Haushalt der Gemeinde eingeplant sein. Der Haushalt muss ausgeglichen sein, da er sonst von der Regierung nicht genehmigt wird.

      • Manuel Pfister 21. März 2013 at 11:00 - Antworten

        Ich denke jeder der mein Kommentar gelesen hat, konnte nachvollziehen das ich nicht die (HOAI) Abrechnung erläutern wollte, sondern erklären will das im Haushalt ca.600.000€ eingeplant sind.

        Auch nicht wesentlich mehr zur Verfügung stehe die ausgegeben werden sollen bzw. können!
        Jeder Bürger ist im Einzelnen von dem Haushalt in einer Gemeinde betroffen.
        Man sollte mit dem Haushalt als Politiker und auch Planer seine soziale Verantwortung zeigen.

        Mit freundlichen Grüßen

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