Michelin als neue Keimzelle für Mobilitätstechnologien?

Veröffentlicht am 2. Oktober 2019 von Redaktion
Logopädie Scheßlitz


Auf der Liste der Unterstützer der Beschäftigten des Michelin-Werkes Hallstadt stehen seit Montagabend auch fünf Kabinettsmitglieder. Die Staatsminister Hubert Aiwanger, Kerstin Schreyer, Melanie Huml, Thorsten Glauber und Staatssekretär Thomas Silberhorn informierten sich auf Einladung von Landrat Johann Kalb vor Ort über die Situation der Beschäftigten und des Werkes. Sie sicherten zu, den anstehenden Transformationsprozess aktiv mitzugestalten.

Kabinettsmitglieder, Kommunalpolitik, Unternehmensleitung, Mitarbeitervertretung und die Spitzen von Kammern und Arbeitsverwaltung stimmten erste Unterstützungsmaßnahmen ab. Sie waren sich darüber einig, dass zunächst alles getan wird, um die Beschäftigung der Michelin-Mitarbeiter zu sichern. „Hier ist zuvorderst Michelin in der Verantwortung. Wir wollen, dass jeder Mitarbeiter eine Beschäftigung findet“, so Landrat Kalb. Parallel dazu wird an einer Wiederbelebung, an einer Revitalisierung des Standortes gearbeitet. „Wir wollen, dass hier eine Keimzelle für Mobilitätstechnologien der Zukunft wie zum Beispiel Wasserstoff entsteht.“ 

„Wir stehen zur Verfügung, für die Beschäftigten und für die Region gute Lösungen zu erarbeiten“, so Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. Er empfahl allerdings den Beschäftigten, „einen alternativen Arbeitsplatz anzunehmen, wenn er adäquat bezahlt wird. Auf der anderen Seite geht es darum, hier auf diesem Grund neue Betriebe anzusiedeln, neue Geschäftsideen zu entwickeln. Das kann mit Michelin-Mitarbeitern geschehen. Aber nach meiner Einschätzung wird es für den einen oder anderen eine Zwischenlösung brauchen, bei der er oder sie zunächst woanders untergebracht werden muss.“

Bayerns Arbeitsministerin Kerstin Schreyer betonte: „Die angekündigte Werksschließung bedeutet für die Betroffenen und ihre Familien einen ganz erheblichen Einschnitt. Als Arbeits- und Familienministerin ist es meine Aufgabe und mein persönliches Anliegen, mich für die Beschäftigten einzusetzen. Deshalb ist es wichtig, gemeinsam alle Möglichkeiten auszuloten, damit die Betroffenen wissen, woran sie sind. Sie und ihre Familien brauchen so schnell wie möglich eine berufliche Perspektive. Dabei muss jeder Einzelne in den Blick genommen werden, insbesondere auch Beschäftige mit Behinderung, ältere Beschäftigte und natürlich die Auszubildenden.“


Die Staatsminister Hubert Aiwanger, Kerstin Schreyer, Melanie Huml, Thorsten Glauber und Staatssekretär Thomas Silberhorn informierten sich auf Einladung von Landrat Johann Kalb vor Ort über die Situation der Beschäftigten und des Michelin-Werkes Hallstadt.

„Als gebürtige Hallstadterin hat mich die Entscheidung von Michelin sehr getroffen“, so Staatsministerin Melanie Huml. „Ich bin froh, dass wir heute besprechen konnten, wie es für die Mitarbeiter weitergehen kann. Zweitens ist es dann auch wichtig zu klären, was mit dem Gelände geschieht, so dass wir hier wieder Beschäftigung schaffen können.“

Hallstadts Bürgermeister Thomas Söder sagte: „Die Werksschließung ist für uns eine emotionale Geschichte. Hallstadt ist mit Michelin groß geworden. Wir haben in der Vergangenheit immer sehr gut mit Michelin zusammengearbeitet, werden dies auch weiterhin tun und Michelin bei der Entwicklung von nachhaltigen Anschlusskonzepten für die Mitarbeiter und das Firmengelände unterstützen. Da unsere Stadt von der Automobilindustrie abhängig ist, befürchten wir nun einen Dominoeffekt anderer – der Automobilindustrie nahe stehender – Betriebe.“

Der Erfolg der Revitalisierung wird nach den Worten von Staatssekretär Thomas Silberhorn stark davon geprägt sein, wie flexibel Michelin bei der Bereitstellung des Geländes ist. „Das Wichtigste ist aber zunächst, gemeinsam Lösungen für alle Beschäftigen zu finden“, sagte Silberhorn. Umweltminister Thorsten Glauber setzt auf eine gute Lösung für die betroffenen Mitarbeiter und ihre Familien. „Wir stehen an der Seite der Menschen in Oberfranken. Wir wollen, dass die Mitarbeiter weiterhin eine gute Zukunft in der Region haben können.“

Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke forderte, dass die Beschäftigten ihren Abfindungsanspruch auch dann behalten, wenn sie selbst kündigen, weil ein Ersatzarbeitsplatz gefunden werden konnte. Der Sprecher der Michelin-Gruppe, Cyrille Beau, sagte dies daraufhin grundsätzlich zu.

  „Michelin fühlt sich dem Umfeld seines Standorts und dem wirtschaftlichen Wohlergehen der Region um Hallstadt bei Bamberg verbunden. Unsere oberste Priorität ist es, für jeden unserer Mitarbeiter zufriedenstellende Zukunftsperspektiven zu finden. Michelin wird in enger Partnerschaft mit den zuständigen Behörden die Mitarbeiter für neue Arbeitsplätze qualifizieren sowie Abfindungen beim sofortigen Ausscheiden anbieten“, versicherte Cyrille Beau, Generalsekretär Nordeuropa von Michelin. „Darüber hinaus beabsichtigt Michelin in enger Zusammenarbeit mit den politischen und wirtschaftlichen Akteuren der Region ein Revitalisierungsprogramm zu lancieren, um neue zukunftsfähige Arbeitsplätze hier am Standort zu schaffen.“

Für das Unternehmen machten außerdem  Remi de Verdilhac, Generalsekretär der Michelin Gruppe, Jerome Monsaingeon (Corporate Public Affairs und Jens Schlemmer, Direktor des Werkes Bamberg deutlich, dass man froh darüber ist, mit Partnern aus der Politik an einem Strang zu ziehen. Man werde so schnell wie möglich an nachhaltigen Lösungen für die Mitarbeiter arbeiten und den Wandel aktiv mitgestalten. Man habe hier bereits Erfahrungen sammeln können. Remi de Verdilhac zeigte sich besonders beeindruckt von der Professionalität, der Würde und dem Pflichtbewusstsein der Beschäftigten. „Alle sind nach der Bekanntgabe der Schließung wieder zur Arbeit erschienen.“

„Es herrscht Enttäuschung und Wut gegenüber der Konzernzentrale.“ So beschrieb Betriebsratsvorsitzender Josef Morgenroth die Stimmung in der Belegschaft. Man habe mit dem Schlimmsten gerechnet – aber erst mit Ablauf der für ganz Deutschland geltenden Standortsicherungsvereinbarung zum Ende 2022. Morgenroth war zuversichtlich, dass aus dem Revitalisierungskonzept ein Erfolgsmodell werden könne. „Dafür brauchen wir jedoch sicher mehr Zeit.“

Landrat Johann Kalb informierte über den Fahrplan der nächsten Tage. Schon am Dienstag, 1. Oktober, werden sich die Wirtschaftsförderung des Landkreises, die Personalverwaltung von Michelin, die IHK und die Agentur für Arbeit abstimmen, welche Lösungen es für die neun Auszubildenden gibt, die erst vor wenigen Wochen bei Michelin gestartet sind. Deren Ausbildungszeitraum reicht über den Januar 2021 und damit über das nun verkündete Ende des Michelin-Standortes Hallstadt hinaus.

Am 7. Oktober wird der Runde Tisch zur Revitalisierung des Standortes erstmals tagen. Dort soll besprochen werden, welche Zukunftsthemen auf dem Areal umgesetzt und neue Beschäftigung geboten werden kann. Für den 9. Oktober hat Landrat Johann Kalb zu einem Wirtschaftsbündnis eingeladen. „„Jeder muss prüfen, wie er in dieser schwierigen Situation helfen kann. Das beginnt mit der Nennung offener Stellen und reicht bis zum Schaffung neuer Arbeitsplätze.“ Am 14. Oktober tagt die Task Force. Dort geht es im Wesentlichen darum, Arbeitsplätze für die 860 Michelin-Mitarbeiter zu finden.

Michelin hatte am Mittwoch, 25. September, die 858 Beschäftigten des Hallstadter Werkes informiert, dass die Produktion Anfang 2021 eingestellt werden soll. Das Unternehmen hatte eine sinkende Nachfrage nach 16-Zoll-Reifen sowie eine starke Konkurrenz aus Asien für diese Weichenstellung verantwortlich gemacht.   

Landratsamt Bamberg. Fotos: Daniel Löb

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