„Verkehrsberuhigter Geschäftsbereich“

Veröffentlicht am 26. Februar 2016 von Johannes Michel

„Für eine Stadt dieser Größe ist eine solch große Zahl von anwesenden Bürgern absolut unüblich“, sagte Roland Wölfel von der CIMA Beratung + Management GmbH. „Hallstadt überrascht uns immer wieder.“ Anlass der Bürgerbeteiligung war das Verkehrskonzept für die Innenstadt. Rund 300 Bürger hatten sich im Kulturboden eingefunden – und es gab viele positive, aber auch kritische Stimmen.

Es schwierig, es allen recht zu machen. So wird es auch bei der Innenstadtsanierung in Hallstadt sein. Denn bald werden insbesondere der Marktplatz und die Lichtenfelser Straße von vielfältigen Maßnahmen profitieren, andere Stadtgebiete eher weniger. Und darauf machte auch der ein oder anderen Bürger aufmerksam. „Wie sieht es mit der Verkehrsbelastung in der Bamberger Straße aus?“ Oder: „Verlagert sich der Verkehr bei einer Verkehrsberuhigung der Lichtenfelser Straße nicht in die Wohngebiete?“

Verkehrsplaner Helmuth Ammerl stellte in seinem Vortrag die Möglichkeiten vor, wie sich der Bereich Marktplatz und Lichtenfelser Straße angehen ließe. Grundlage seiner Vorschläge waren umfangreiche Verkehrszählungen und Befragungen. Sie haben gezeigt, dass die Lichtenfelser Straße täglich von rund 10.000 Fahrzeugen befahren wird, ein großer Teil davon ist dem Durchgangsverkehr zuzurechnen. Und dieser könne Hallstadt eigentlich gut umfahren – über die Verlängerung des Berliner Rings. Aus seiner Sicht komme eine Innenstadtsanierung nicht um eine Verkehrsberuhigung der Lichtenfelser Straße herum, vergessen werden dürften aber nicht Maßnahmen in den angrenzenden Bereichen. Ammerl nannte Kilianstraße, Bahnhofstraße und Seebachstraße. Denn ansonsten würde sich der Verkehr eben andere Wege suchen.

Lediglich „Tempo 30“-Schilder aufzustellen genüge nicht. Und so schlug er für den Bereich zwischen Mainstraße und Kemmerner Weg einen „verkehrsberuhigten Geschäftsbereich“ mit Tempo 30 und ausgewiesenen Kurzparkplätzen vor. Der Rest der Lichtenfelser Straße könne ebenfalls mit Tempo 30 versehen werden. Damit einher ginge die Reduzierung der Straßenbreite auf knapp über sechs Meter, um auch optisch eine Einengung zu realisieren. Mit diesen Maßnahmen ließe sich eine deutliche Entlastung umsetzen, Ammerl sprach von 3.000 bis 5.000 Fahrzeugen pro Tag.

Hallstadt Neue Mitte Handlungskonzept
So könnte in Hallstadt bald eine Verkehrsberuhigung aussehen.

Verkehrskonzept Hallstadt 2016 (1)
Helmuth Ammerl (links) erläuterte die Pläne.

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Abschnitte sind noch nicht fix

An sich sollte es bei der Bürgerbeteiligung am 22. Februar 2016 nur um den Verkehr an sich gehen, gestalterische Möglichkeiten werden bei einem weiteren Termin besprochen. Dennoch brannte einigen Hallstadtern der Leerstand von Gebäuden oder eine schon mehrmals diskutierte Allee am Stadteingang auf der Seele. Moderator Roland Wölfel verwies auf das Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) der Stadt – das Thema Leerstand habe man auf dem Schirm, und Stadtrat Ludwig Wolf begründete, warum eine Allee vom Stadtrat abgelehnt wurde. Angesprochen wurden auch Bereiche außerhalb der Planungen. Denn Ammerl verlor einige Worte über die Seebachstraße, die aktuell viel mehr Verkehr aufnimmt, als eigentlich nötig sei – viele Autofahrer nutzen sie als Abkürzung, um der Ampel an der Kreuzung Mainstraße zu entgehen. Ein Anwohner der Mainstraße meinte daraufhin, dass es bei einer Entlastung der Seebachstraße logischerweise zu einer Mehrbelastung der Mainstraße käme. Ammerl verwies auf die überörtliche Wirkung der Mainstraße als Staatsstraße.

Bürgermeister Thomas Söder stellte zu den vorgestellten Plänen klar: „Die Abschnitte sind noch nicht fixiert. Wir können immer noch Anfang und Ende anpassen und uns um Detailfragen kümmern.“ Die Pläne von Ammerl deckten sich aber sehr stark mit den Ergebnissen der ersten Runde der Bürgerbeteiligung im vergangenen Jahr. Nach der Vorstellung des Verkehrsgutachtens konnten die Bürger per Klebepunkt wieder über die vorgestellten Planungen abstimmen. Das Ergebnis war einhellig: Von den rund 280 Anwesenden stimmten 81 Prozent zu, 14 Prozent waren neutral eingestellt und lediglich fünf Prozent sind skeptisch. Niemand lehnte die Planung komplett ab.

Hallstadt Neue Mitte Handlungskonzept
Die Ergebnisse aus der ersten Runde der Bürgerbeteiligung deckten sich zum großen Teil mit Ammerls Vortrag.

Verkehrskonzept Hallstadt 2016 (2)
Fragen und Wünsche der Bürger wurden wieder gesammelt.

Tipp zum Weiterlesen (extern): Viele Informationen zum Verkehrskonzept finden Sie auch auf der Internetseite der Stadt Hallstadt.

Pläne: CIMA, Obermeyer

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