Mit der Abschlusssitzung des Gemeinderats ist in Kemmern die Wahlperiode 2020 bis 2026 zu Ende gegangen. Bürgermeister Rüdiger Gerst nutzte die Sitzung für einen Rückblick auf sechs Jahre Kommunalpolitik – und auf fast ein Vierteljahrhundert an der Spitze der Gemeinde.
Seit 24 Jahren ist Gerst Bürgermeister von Kemmern. In dieser Zeit habe das Gremium zahlreiche Entscheidungen getroffen, Weichen gestellt und auch schwierige Phasen gemeistert, erklärte Gerst rückblickend. Allein seit Mai 2002 fanden 357 Gemeinderatssitzungen mit insgesamt 4.940 Tagesordnungspunkten statt – für Gerst ist das ein Beleg dafür, wie vielfältig und anspruchsvoll kommunalpolitische Arbeit ist. Entscheidungen müssten nicht nur gewollt, sondern auch finanzierbar sein. Viele Projekte bräuchten daher einen langen Atem, Planung und Beharrlichkeit.
Zu den bedeutenden Themen der vergangenen Jahre zählte Gerst die Neuordnung rund um die Bahnstrecke. Nach vielen Verhandlungen sei für Kemmern ein verbesserter Lärmschutz erreicht worden. Auch für den aufzulassenden Bahnübergang sei eine aus Sicht der Gemeinde bestmögliche Ersatzlösung gefunden worden. Als Meilenstein nannte der Bürgermeister auch den Hochwasserschutz. Nach jahrzehntelangen Planungen konnten die neuen Bauwerke in diesem Jahr offiziell eingeweiht werden. Auch darüber hinaus habe sich die Gemeinde stark entwickelt. Gerst erwähnte unter anderem der Bau des neuen Feuerwehrhauses, die Modernisierung mit LED-Straßenbeleuchtung und Photovoltaik auf öffentlichen Gebäuden, die Sanierung der Schulturnhalle, der Ausbau des Radwegenetzes sowie zahlreiche Maßnahmen zur Ortskernsanierung.
Ein Schwerpunkt lag in den vergangenen Jahren zudem auf Familien, Kindern und Senioren. So investierte die Gemeinde in Schule, Turnhalle, Pausenhof und Spielplätze. Mit dem Mehrgenerationenprojekt entstand ein Campus-Gelände, das verschiedene Altersgruppen zusammenführen soll. Dazu gehören das betreute Wohnen, die Tagespflege mit 22 Plätzen sowie ein erweitertes Angebot in der Kinderbetreuung.
Kemmern verliert viele Jahre Gemeinderatserfahrung
In den vergangenen sechs Jahren beschäftigten außerdem mehrere personelle Veränderungen außerdem das Gremium. Im Dezember 2022 legte Jochen Gottwald sein Mandat nieder. Im Januar 2023 folgten Jochen Förtsch, Helmut Wild und Julia Schatkowski-Amtmann. Da niemand aus der gut gefüllten Wahlliste von „Zukunft für Kemmern“ bereit war nachzurücken, blieben vier Sitze unbesetzt. Der Gemeinderat bestand seither nur noch aus zehn Mitgliedern plus Bürgermeister. Ein beispielloser und einmaliger Vorgang.
Hinzu kamen mehrere Sterbefälle. Während der Wahlperiode verstarben Wolfgang Graupe, Jochen Gottwald (wenige Wochen nach seinem Rücktritt), Günter Schwank und Mitte April Zweiter Bürgermeister Volker Pflaum. Aufgrund dessen wurde die Verabschiedung von Bürgermeister Gerst vorerst abgesagt – sie wird zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.
In den Mittelpunkt der Sitzung am 23. April stellte Gerst die Gemeinderatsmitglieder, die nach vielen Jahren ausscheiden. Verabschiedet wurden Harald Dorsch und Werner Weinkauf nach jeweils 32 Jahren kommunalpolitischer Arbeit. Silvia Jung und Uli Brehm gehörten dem Gremium 24 Jahre an. Andrea Albrecht war fünf Jahre Mitglied des Gemeinderats. Alle fünf hätten ihre Aufgaben gewissenhaft wahrgenommen und Verantwortung für die Gemeinde übernommen, betonte der Bürgermeister. Besondere Erwähnung fand das Engagement von Silvia Jung, die zuletzt weitere Stellvertreterin des Bürgermeisters war, aber auch das Amt der Seniorenbeauftragten inne hatte. Viele Jahre lang hatte sie sich auch als Jugendbeauftragte zur Verfügung gestellt. Kommunale Selbstverwaltung lebe von Bürgerinnen und Bürgern, die bereit seien, sich ehrenamtlich einzubringen, so Gerst. Zum Abschluss gratulierte er seiner gewählten Nachfolgerin Denise Müller und wünschte ihr für das Amt eine glückliche Hand. Kemmern, so Gerst, könne mit Zuversicht in die Zukunft blicken.
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