Bei der Bürgermeisterwahl in Lauter fordert Christian Albrecht Amtsinhaber Ronny Beck heraus. Was hat ihn bewogen, sich 2026 zur Wahl zu stellen? Und wie sieht er Lauter aufgestellt? Dies und noch viel mehr ist Thema in unserem Interview.
Sie treten 2026 gegen den amtierenden Bürgermeister Ronny Beck an. Was hat Sie motiviert, für das Bürgermeisteramt in Lauter zu kandidieren – und was unterscheidet Ihre Vorstellung von der des Amtsinhabers?
Bevor ich hierauf antworte, möchte ich betonen, dass ich mich mit Ronny Beck sehr gut verstehe und wir uns gegenseitig respektieren und keinerlei Streit oder ähnliches hegen. Bereits bei der Kommunalwahl vor knapp sechs Jahren habe ich darüber nachgedacht, mich als Bürgermeisterkandidat aufstellen zu lassen. Damals war ich persönlich noch nicht so weit. Ich hatte kurz vorher erst eine neue Firmenfiliale aufgemacht. Hier wusste ich nicht, was für Arbeit auf mich zukommt, und deswegen kandidierte ich damals nicht. Jetzt sehe ich mich aber bestens gerüstet, das Amt auszuführen und mich voll reinzuhängen. Die Motivation kommt daher, dass ich mehr Transparenz, mehr Bürgerinformation und mehr Bürgerbeteiligung haben möchte. Ich habe die Zeit, die Lust und die Kraft dieses Amt gut auszuführen.
Mit welchen persönlichen Erfahrungen, Qualifikationen oder Ideen wollen Sie sich in das Amt einbringen – gerade auch mit Blick auf die Herausforderungen der kommenden Jahre?
Bereits seit über 30 Jahren bin ich ehrenamtlich unterwegs. Neben jahrelanger Erfahrung in der Vereins-und Vorstandschaftsarbeit (1. Vorstand Musikverein Stadtkapelle Baunach, ehem. Schriftführer SpVgg Lauter, Vorstand Stammtisch Rudelbrüder, ehem. Vorstand Caritasverein Lauter, ehem. Jugendbeauftragter und nunmehr 18 Jahre Gemeinderat und sechs Jahre 3. Bürgermeister und Vorsitzender des Rechnungsprüfungsausschusses) ist vor allem meine Selbstständigkeit ein großer Vorteil. Neben der freien Zeiteinteilung habe ich Erfahrung im Bereich Mitarbeiterführung und bin auch geprüfter Ausbilder. Durch meine berufliche Erfahrung bin ich es auch gewohnt, mit vielen verschiedenen Charakteren umzugehen und mich in die Situation anderer Menschen zu versetzen.
Wie beurteilen Sie die finanzielle Lage der Gemeinde und die Spielräume für eigene Projekte? Vor allem mit Blick auf Projekte wie die Schulhaussanierung in Baunach, die viel Geld kostet?
Natürlich haben wir große Brocken vor uns. Neben der Schulhaussanierung in Baunach auch noch die Themen Erneuerung/Ertüchtigung der Kläranlage, Straßen- und Kanalausbau und -sanierung, Windkraft und vieles mehr. Jedoch bin ich nicht bereit, den Kopf in den Sand zu stecken, sondern will mit Mut und Zuversicht in die Zukunft gehen. Vor allem wir als Kommune müssen den Bürgern Mut machen und nicht nur jammern. Es muss weitergehen und wir als Kommune sollten hier auch Vorbild sein.
In den letzten Jahren wurde der Glasfaserausbau deutlich vorangebracht. Wo sehen Sie noch Handlungsbedarf in der digitalen Daseinsvorsorge?
Wir erhalten als eine der wenigen Gemeinden den Glasfaserausbau für alle Ortsteile und jeden einzelnen Haushalt. Dies war schon ein großer Schritt in die richtige Richtung. Nun müssen wir beziehungsweise auch der Bayrische Staat viel mehr auf das Thema Digitalisierung eingehen und schnellstmöglich vor allem die Verwaltung auf digital umstellen.
Der Radweg zwischen Baunach und Appendorf wurde fertiggestellt und eröffnet. Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht die weitere Vernetzung von Rad-und Fußwegen – auch im Hinblick auf die Alltagsmobilität in und um Lauter?
Dies ist ein wichtiger Punkt, um auch im Bereich Tourismus und den „Wohlfühlfaktor“ unserer Bürger zu stärken. Der Radweg Baunach – Appendorf wird rege genutzt und zeigt, wie wichtig dieser war. Die Gemeinde plant bereits den nächsten Weg von Deusdorf Richtung Leppelsdorf. Hier muss dann der Lückenschluss Richtung Unterfranken erfolgen. Auch der Radweg Appendorf – Oberhaid wird viele Vorteile bringen und ich hoffe, dass dieser zeitnah umgesetzt werden kann.
Lauter hat eine sehr aktive Vereinslandschaft. Was wollen Sie tun, um Ehrenamtliche – etwa in Feuerwehr, Vereinen und Jugendarbeit – zu stärken?
Neben der bestehenden Jugendförderung müssen wir hier als Gemeinde versuchen, die Vereine zu unterstützen. Dies kann zum Beispiel durch Schnupperkurse auf Kosten der Gemeinde erfolgen. Eine weitere Möglichkeit wäre, den ersten Jahresbeitrag für die Kinder und Jugendlichen seitens der Gemeinde zu übernehmen, um die Vereine und somit auch die Ehrenamtlichen zu stärken. Gleiches gilt für die bei uns sehr guten VHS-Angebote. Auch hier kann und sollte die Gemeinde unterstützen.
Ein Dauerthema im Gemeinderat war die ehemalige Gastwirtschaft Stern. Seit Jahren wird hier um eine Nachnutzung gerungen. Sollte ein solches Projekt nicht deutlich schneller vorankommen? Und woran liegt dies?
Die ehemalige Gastwirtschaft Stern und ihre Nachnutzung ist ein Thema, das in der Bevölkerung stark polarisiert. Hier gibt es zwei Lager, die es gilt auf einen Nenner zu bringen. Vor allem das Thema Denkmalschutz, die Fördermöglichkeiten und Voraussetzungen hierfür nehmen einfach viel Zeit in Anspruch. Auch im Hinblick auf die Punkte, die wir vor uns haben (Kläranlage, Straßen-und Kanalsanierungen, Windkraft) steht dieses Projekt nicht ganz oben auf der Prioritätenliste. Ungeachtet dessen habe ich viele Ideen, was wir aus dem ehemaligen Gasthaus Stern (immerhin das älteste Gebäude Lauters!) machen können. Dies soll und wird für alle Bürger der Gemeinde eine Bereicherung werden. Aber vorher müssen wir die anderen Punkte abarbeiten.
Was tut die Gemeinde Lauter für Kinder, Familien und Senioren – und wo sehen Sie noch Verbesserungsmöglichkeiten?
Wir versuchen durch die Unterstützung der Vereine die Jugendarbeit aufrecht zu erhalten und auszubauen. Durch die Beteiligung an JAM bieten wir in unserem Jugendraum auch einiges an. Das Ferienprogramm innerhalb der Verwaltungsgemeinschaft läuft auch gut. Für die Kleineren sind wir mit unserem Kindergarten gut aufgestellt, wollen und müssen diesen aber erneuern und gegebenenfalls sogar ausbauen. Somit versuchen wir, durch entsprechende Öffnungszeiten auch die Vereinbarkeit von Familie und Arbeit zu gewährleisten. Unser Seniorenbeauftragter ist sehr umtriebig und die Seniorennachmittage werden gut besucht. Auch das Team der Kirchenverwaltung in Lauter ist hier sehr engagiert. Trotzdem müssen wir die Gesamtsituation weiterhin verbessern. Die Daseinsvorsorge wie Einkaufsmöglichkeiten und die Mobilität sind Herausforderungen für die Lösungen gefunden werden müssen. Ideen hierfür habe ich und werde diese an unseren Infoständen sowie den Wahlveranstaltungen auch gerne erläutern.
Erneuerbare Energien, vor allem Windkraft und Photovoltaik, sollen stark ausgebaut werden. Wie wichtig ist Ihnen das Thema – und sollten die Gemeinden und die Bürgerinnen und Bürger nicht auch finanziell davon profitieren?
Die erneuerbaren Energien sind natürlich wichtig und mit den im Gemeindegebiet vorhanden PV-Anlagen auf Privatgebäuden erreichen wir schon viel. Durch die vorhanden Windvorranggebiete hat sich der Gemeinderat bereits dazu entschlossen, Bürgerwindräder zu errichten. Dadurch und durch die Gründung einer gemeindlichen GmbH haben wir die Weichen dafür gestellt, dass auch die Bürgerinnen und Bürger von der Windkraft profitieren.
Welche drei Ziele würden Sie in der kommenden Wahlperiode unbedingt verwirklichen wollen?
Mehr Bürgerinformation, vor allem zeitnah, mehr Bürgerbeteiligung, Stärkung des öáentlichen Nahverkehrs auch für unsere Gemeinde.
Wenn Sie drei Wünsche an die „große Politik“, also Richtung München, Berlin oder Brüssel, frei hätten: Was wären diese?
Wesentlich weniger Bürokratie und mehr Freiheit für die Kommunen wären wichtig. Ebenso das Steuern von Investition so, dass die heimische Wirtschaft profitiert. Und: Eine finanzielle Entlastung der Bürger und der Kommunen.
Was würden Sie den Wählerinnen und Wählern gerne mit auf den Weg geben, bevor sie am 8. März 2026 ihre Stimme abgeben?
Seht positiv in die Zukunft und habt Mut zur Veränderung.
Zur Person:
Geboren 1977 in Bamberg
Aufgewachsen in Lauter und seit Geburt Einheimischer
Qualifizierter Hauptschulabschluss 1993
Mittlere Reife an der Wirtschaftsschule Bamberg 1995
Ausbildung zum Bankkaufmann 1995 in der Deutschen Bank Bamberg
Seit 2000 Selbständiger Bank-und Finanzkaufmann sowie Ausbilder
Vorstand und aktiver Musiker im Musikverein Stadtkapelle Baunach
Vorstand Stammtisch Rudelbrüder Lautergr./Ofr.
Gemeinderat, 3. Bürgermeister
Vorsitzender Rechnungsprüfungsausschuss
Verheiratet, zwei erwachsene Töchter





