Bierkulturzentrum: Reckendorf interessiert

„Kulturgut soll man schätzen.“ So begann Bürgermeister Manfred Deinlein die außerordentliche Gemeinderatssitzung in Reckendorf. Als Referenten durfte er Christiane Werthmann vom Büro für Städtebau und Bauleitplanung (Wittmann, Valier und Partner, Bamberg) und Dr. Thomas Gunzelmann vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege begrüßen. Denn es gibt dringenden Handlungsbedarf, insbesondere bei den ehemaligen Brauereianwesen.

Doch wozu jetzt die Eile, denn im Zuge des integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes waren doch bereits Modul I – das Kommunales Denkmalkonzept (KDK, an Christiane Reichert) und Modul II – die Vorbereitenden Untersuchungen (VU, an Büro für Städtebau) – vom Gemeinderat vergeben worden? Dabei soll der Denkmalwert des Untersuchungsgebietes – des historischen Ortskerns – festgestellt und mit Hilfe der Leerstandskartierung ein Handlungsbedarf erarbeitet werden. Doch würde dies noch einige Zeit in Anspruch nehmen, bis die Bürgerbeteiligung mit den späteren Nutzungsideen in Einklang gebracht werde. Ziel ist es, die Denkmalwerte im Ortsbild zu erhalten. Diese Untersuchungen seien auch Voraussetzung für eine spätere Förderung durch die Regierung (bis zu 60 Prozent), wenn die Sanierungsmaßnahmen im öffentlichen Bereich in Angriff genommen werden sollen, so erklärte Städtebauplanerin Werthmann das Vorgehen.

Dringenden Handlungsbedarf sahen Manfred Deinlein und Denkmalpfleger Dr. Thomas Gunzelmann bei den beiden ehemaligen Brauerei-Anwesen Hauptstraße 53 und 55, Lechner- und Stolbinger-Bräu. Letzteres stehe schon seit Jahrzehnten leer, „so dass bereits die Spinnweben historischen Wert besäßen“. Hier sieht jedoch der Fachmann ein großes Potenzial, nämlich in diesen beiden Anwesen das vom Landratsamt Bamberg geplante „Bierkulturzentrum“ einzurichten. Die ehemalige Brauerei und Mälzerei Stolbinger bringe alles mit: mittelalterliche Kelleranlagen, einen ehemaligen Tanzsaal, Mälzerei und Gasthaus mit gründerzeitlichem Nebenzimmer. Auch das Lechner-Gasthaus, welches bisher nicht unter Denkmalschutz steht, besäße einen Dachstuhl aus dem 18. Jahrhundert. Die Braugeräte aus der Mitte des 20. Jahrhunderts seien noch komplett vorhanden, so schwärmte der Denkmalpfleger in seinen weiteren Ausführungen.


Blick in die ehemalige Brauerei Lechner (Archivfoto: Adelheid Waschka)


Die ehemalige Brauerei Stolbinger auf einer Postkarte (Archiv der Gemeinde Reckendorf)

Deinlein ergänzte, dass man mit den beiden bestehenden Brauereien – bei der Schlossbräu befindet sich die derzeit modernste Brauanlage – alle Sparten abdecken würde, die ein Bierkultur-Interessierter kennen müsse. In der direkten Umgebung gäbe es weitere Kelleranlagen und Eisweiher, so dass auch ein Bezug nach außen hin dargestellt werden kann, erklärte Dr. Gunzelmann. Die Empfehlung ging nun dahin, dass die Machbarkeitsstudie für die beiden Anwesen vorgezogen werde, man müsse in die Offensive gehen und eine Modellvorstellung – in 3-D – entwickeln, wie man das vorgesehene Museum mit Probe-Brauerei in den Räumlichkeiten unterbringen könne. „Wer hat schon einen Brauhausturm mit Storchennest“, so appellierte Dr. Gunzelmann an die Gemeinderäte. Dabei stellte er auch eine Förderung aus dem städtebaulichen Projekt „Innen statt Außen“ in Aussicht.

Als „Plan B“ könne man auch ein Projekt „für altersgerechtes Wohnen“ entwickeln. Diese zusätzliche Variante würde aber mehr Kosten verursachen. Die Lösungen müssten im Anschluss diskutiert werden. Das Entwickeln sei das Entscheidende. Für das Modul 3 werde eine Kostenschätzung in Höhe von 100.000 bis 150.000 Euro erwartet, die eine 80-prozentige Förderung erwarten ließe. Im Vordergrund soll der Erhalt der Denkmale stehen. Am Ende der Ausführung stand die Aufforderung der Fachleute, „man müsse den Weg hierzu frei machen“.

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