In Reckendorf stellt sich Bürgermeister Manfred Deinlein nicht mehr zur Wahl. Zwei Bewerber wollen seine Nachfolge antreten, eine von Ihnen ist Gemeinderätin Clarissa Schmitt. Im Interview stand sie uns Rede und Antwort über wichtige Projekte, die finanzielle Situation Reckendorfs und klare Prioritäten.
Sie kandidieren 2026 für das Bürgermeisteramt in Reckendorf. Was hat Sie dazu motiviert, Verantwortung in dieser Funktion zu übernehmen – und wie würden Sie Ihren eigenen Führungsstil charakterisieren?
Reckendorf ist meine Heimat. Hier bin ich aufgewachsen, hier bin ich zuhause. Deshalb engagiere ich mich bereits seit zwölf Jahren aktiv im Gemeinderat. Ich kenne die Herausforderungen und Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger sowie die der Gemeinde aus erster Hand. Ich kandidiere, weil ich Verantwortung übernehmen und unsere Gemeinde in eine stabile, verlässliche Zukunft führen möchte. Es gibt viel zu tun – und ich bin bereit, Entscheidungen klar vorzubereiten, transparent zu kommunizieren und konsequent umzusetzen.
Ich setze auf eine ehrliche, kommunikative, pragmatische und konsequente Teamarbeit. Ich möchte bürgernah gestalten, indem ich den Bürgerinnen und Bürgern zuhöre, mit ihnen einen ehrlichen Austausch pflege und alle Talente unserer Gemeinschaft in die Teamarbeit einbinde. Gute Politik entsteht im Dialog – aber sie braucht auch Klarheit und Verlässlichkeit.
Welche langfristigen Projekte erscheinen Ihnen am wichtigsten – und wo würden Sie neue Akzente setzen?
Es gibt viele wichtige Projekte und Themen, die teilweise bereits initiiert sind. Aber die wichtigsten Projekte, im Sinne von Dringlichkeit, gibt uns die Gegenwart vor. Die Sanierung der Hauptstraße muss beendet werden. Weiter müssen wir uns intensiv um das Thema Schulkindbetreuung kümmern. Schließlich müssen wir die Weichen für die Zukunft unseres Feuerwehrhauses stellen.
Diese Projekte betreffen Sicherheit, Familienfreundlichkeit und Infrastruktur – also zentrale Bereiche unseres Gemeindelebens. Hier müssen wir konzentriert und verantwortungsvoll weiterarbeiten. Mir ist wichtig: Wir schließen Begonnenes verlässlich ab und planen Neues mit Augenmaß. Reckendorf soll auch in zehn Jahren ein lebenswerter Ort für Familien, Senioren und junge Menschen sein.
Die Sanierung und Erneuerung der Ortsdurchfahrt (B 279) und der Hauptstraße wurden in den letzten Jahren wiederholt zum Thema – mit Vollsperrungen, Umleitungen und teils kritisierter Informationspolitik. Wie beurteilen Sie das aktuelle Projekt – und wie würden Sie künftig solche Großbaustellen in der Gemeinde begleiten?
Die Fertigstellung der Sanierung der Hauptstraße ist eingeleitet. Notwendige Förderanträge sind gestellt, nach deren Verbescheidung werden die notwendigen Ausschreibungen erfolgen und dann wird zügig in die Umsetzung übergegangen. Die Sanierung wurde von der überwältigenden Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger von Reckendorf über viele Jahre erwartet, ja gefordert. Die Dimension dieser Aufgabe und die Herausforderungen für jeden Einzelnen haben viele aber nun doch überwältigt.
Wir werden nach Abschluss der laufenden Baustelle analysieren, was gut, was schlecht lief, was geändert werden kann und muss, und werden diese Ergebnisse bei künftigen großen Bauvorhaben entsprechend berücksichtigen. Wichtig ist in jedem Falle eine transparente und frühzeitige Information. Bei künftigen Großprojekten möchte ich auf regelmäßige Updates, klare Zeitpläne und eine enge Begleitung setzen. Gute Kommunikation schafft Verständnis – auch wenn Baustellen nie angenehm sind.
In den vergangenen Jahren wurde im Gemeinderat mehrfach auf eine angespannte finanzielle Lage hingewiesen, mit steigenden Ausgaben und Krediten für Pflichtaufgaben. Wie würden Sie die Finanzsituation der Gemeinde einschätzen?
Die finanzielle Situation unserer Gemeinde ist kein Geheimnis, die Haushaltslage ist angespannt. Steigende Pflichtaufgaben und Investitionen fordern uns heraus. Gerade deshalb braucht es klare Prioritäten und einen verantwortungsvollen Umgang mit unseren finanziellen Möglichkeiten. Nicht alles Wünschenswerte ist sofort machbar. Mein Ziel ist es, Schritt für Schritt das Notwendige umzusetzen, ohne die Gemeinde langfristig zu überfordern.
Große Ideen gibt es viele, gerade mit Blick aus das Stolbinger-Areal entlang der Hauptstraße. Auch längerfristig scheinen dafür aber keine Finanzmittel vorhanden zu sein – oder?
Ob und wie das Stolbinger-Areal entwickelt werden kann, würde ich im Fall meiner Wahl zeitnahe prüfen. Konkrete Gespräche über Fördermöglichkeiten und deren Höhe stünden am Anfang der Prüfung. Unter Umständen ist eine sukzessive Entwicklung des Areals unter sukzessiver Nutzung von Fördermöglichkeiten der Weg, um dieses Vorhaben, ungeachtet unserer Finanzlage, umsetzen zu können. Auch gibt es keine Denkverbote wie die Entwicklung gestaltet werden kann. Auch ein privater Investor könnte sich der Entwicklung des Areals annehmen. Wichtig ist ein Konzept, das zu Reckendorf passt und unsere finanzielle Situation berücksichtigt.
Reckendorf ist gut an Bahn und Straße angebunden. Welche wirtschaftlichen Chancen sehen Sie für die Gemeinde – etwa bei Gewerbeflächen, Ansiedlungen oder digitaler Infrastruktur – und wie können diese genutzt werden?
Es liegen bereits Planungen für ein weiteres Baugebiet vor. Herausforderung für dessen Umsetzung ist es, zu erreichen, dass Grund und Boden für die Bürgerinnen und Bürger bezahlbar bleibt. Dasselbe gilt für ein zusätzliches Gewerbegebiet. Ich werde im Fall meiner Wahl diese beiden bereits vorhandenen Planungen in die Hand nehmen und gewissenhaft prüfen, unter welchen Maßgaben hier was, wann und wie umgesetzt werden kann.
Der Glasfaserausbau ist in unserem Gemeindegebiet bereits in vollem Gange. Straßenzüge, die nicht in den Genuss des Ausbaus kommen, werden wir versuchen unter Ausschöpfung von Fördermitteln, aber auch Eigenmitteln der Gemeinde ebenfalls technisch auf die Zukunft vorzubereiten.
Welche weiteren Möglichkeiten uns als Gemeinde aus einer stabilen digitalen Infrastruktur erwachsen, werden wir genau beobachten und gegebenenfalls verfolgen.
Kinder, Familie, Senioren, auf sie richten sich oft die Blicke, wenn es um gemeindliche Investitionen geht. Was kann Reckendorf hier tun – und was wäre aus Ihrer Sicht ein wichtiges neues Angebot für junge Familien?
Wichtig für junge Familie ist die Sicherstellung einer verlässlichen Kinderbetreuung, eines sicheren Umfeldes und Freizeitangebote. Der Thematik Schulkindbetreuung hat sich die Gemeinde bereits angenommen und wir werden dieses Thema weiterentwickeln. Sichere Wege, gute Freizeitangebote, lebendige Spielplätze und ein aktives Vereinsleben sind entscheidend für Lebensqualität. Reckendorf soll ein Ort sein, an dem junge Familien gerne bleiben.
Ein aktives Vereinsleben ist wichtig für Reckendorf. Wie kann die Gemeinde Vereine unterstützen – und wie würden Sie den Austausch zwischen Rathaus, Gemeinderat und Einwohnerinnen und Einwohnern weiter verbessern?
Zunächst einmal ist mir der ständige, offene und ehrliche Austausch mit allen Bürgerinnen und Bürger unbedingt wichtig. Daher bin ich für meine Mitbürgerinnen und Mitbürger ansprechbar, werde diesen aufmerksam zuhören und Rückmeldungen ernst nehmen. Weiter gibt es Stellschrauben, um die Kommunikation innerhalb der Gemeinde förderlich zu pflegen. Ich denke hier zum Beispiel an Bürgerversammlungen auch in den Ortsteilen.
Reckendorf setzt auf digitale Angebote – etwa durch eine App für kommunale Informationen oder neue Online-Services der Verwaltung. Welche Bedeutung messen Sie der Digitalisierung für Verwaltung und Bürgernähe bei – und wo würden Sie hier Schwerpunkte setzen?
Digitalisierung ist ein elementarer Baustein unserer Zukunft. Dabei dürfen wir jedoch heute nicht so weit gehen, dass wir Mitbürger vergessen oder abhängen, die aus welchen Gründen auch immer, nicht über eine technische Affinität verfügen.
Wir in Reckendorf unterhalten keine eigene Verwaltung. Unsere Verwaltungsaufgaben werden durch die Verwaltungsgemeinschaft Baunach erledigt. Diese ist im Bereich der Digitalisierung heute schon gut aufgestellt, was sich in der Auszeichnung als „Digitales Amt“ durch das Staatsministerium für Digitales bereits 2023 zeigte. Im Fall meiner Wahl werde ich ein besonderes Augenmerk auf eine stetige, sinnstiftende Weiterentwicklung der Digitalisierung haben.
Wenn Sie an Reckendorf im Jahr 2032 denken: Wie soll sich die Gemeinde Ihrer Vorstellung nach entwickelt haben – im Alltag der Menschen, bei wichtigen Infrastrukturen und im sozialen Miteinander?
2032 erscheint so weit entfernt, anderseits wird es sehr viel schneller kommen, als wir es uns vorstellen. Ich verspreche keine Wunder, aber ehrliche, verlässliche Arbeit. Wenn ich mit dieser erreichen kann, dass wir als Gemeinde es schaffen, unseren Zusammenhalt nicht nur zu bewahren, sondern auszubauen, dann wäre viel erreicht. Infrastrukturvorhaben werden von der Gemeinschaft nicht nur ertragen, sondern getragen, gemeinsam angegangen und umgesetzt, so wünsche ich mir unsere Gemeinde im Jahr 2032.
Wenn Sie drei Wünsche an die „große Politik“, also Richtung München, Berlin oder Brüssel, frei hätten: Was wären diese?
Erstens: Mehr Vertrauen in die Kommunen und weniger Bürokratie. Städte und Gemeinden müssen eigenständig und flexibel entscheiden können – ohne übermäßige gesetzliche Hürden.
Zweitens: Eine gerechtere Finanzverteilung. Das Geld sollte stärker dort bleiben, wo es erwirtschaftet wird und wo die Aufgaben anfallen – für echte Planungssicherheit vor Ort.
Drittens: Keine neuen Aufgaben ohne vollständige Finanzierung. Wer Verantwortung überträgt, muss auch dauerhaft die Mittel dafür bereitstellen.
Kurz gesagt: mehr Handlungsspielraum, eine solide finanzielle Basis und faire Rahmenbedingungen für die kommunale Ebene.
Zum Schluss: Welche zentrale Botschaft möchten Sie den Wählerinnen und Wählern in Reckendorf mit auf den Weg geben, bevor sie am 8. März 2026 ihre Stimme abgeben?
Zukunft. Gemeinsam. Neu starten. Für Reckendorf.
Am 8. März entscheiden Sie mit Ihrer Stimme darüber, wie sich unsere Gemeinde und unser Landkreis in den kommenden Jahren entwickeln. Mir ist wichtig, dass Sie diese Entscheidung bewusst und gut informiert treffen. Kommunalpolitik betrifft unseren Alltag unmittelbar – von Infrastruktur über Finanzen bis hin zum Miteinander in unseren Ortsteilen – hier wird Politik greifbar.
Ich stehe für eine verlässliche, transparente und bodenständige Politik, die zuhört, abwägt und verantwortungsvoll handelt. Mit Ihrem Vertrauen möchte ich gemeinsam mit Ihnen und meinem Team dafür sorgen, dass Reckendorf in den kommenden Jahren eine klare, verlässliche und bürgernahe Spitze erhält. Ich verspreche keine Wunder, sondern ehrliche Arbeit, klare Prioritäten und einen verantwortungsvollen Umgang mit den finanziellen Möglichkeiten unserer Gemeinde.
Und auch im Kreistag möchte ich Verantwortung übernehmen. Ich kandidiere auf Platz 8 der Liste 1 (CSU). Besonders unser nördlicher Landkreis braucht dort eine engagierte und durchsetzungsstarke Vertretung.
Nutzen Sie am 8. März Ihr Wahlrecht und gestalten Sie aktiv mit.
Zur Person:
Clarissa Schmitt, 35 Jahre, Soziologin (M.A.), arbeitet an der Hochschule Coburg im Bereich Gesundheit. Zuvor war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin in einem Abgeordnetenbüro tätig.
Seit 2014 ist sie Mitglied des Gemeinderates und seitdem auch Jugendbeauftragte. Sie hat weitere Ehrenämter inne: ehrenamtliche Richterin am Landgericht Bamberg, Lektorin in der Pfarrei St. Nikolaus, 2. Vorsitzende Ortskulturring, CSU-Ortsvorsitzende, Digitalbeauftragte CSU-Kreisverband, Geschäftsführerin FU-Kreisverband, Mitglied JU-Kreisverband





