Was läuft gut im Markt Zapfendorf und wo gibt es Verbesserungsbedarf? Gemeinderat Andreas Hofmann kandidiert für das Amt des Ersten Bürgermeisters. Wo er Fehler sieht und was er gerne ändern würde, verrät er im großen Nachrichten-am-Ort-Interview.
Sie kandidieren 2026 für das Amt des Bürgermeisters von Zapfendorf – gegen den amtierenden Bürgermeister und eine weitere Mitbewerberin. Was hat Sie persönlich dazu bewogen, anzutreten?
Als Bürger, aber auch als Gemeinderat muss ich leider ein durchwachsenes Fazit über die letzten sechs Jahre ziehen. Uns in Zapfendorf ist es nicht gelungen, unser Potenzial so zu nutzen, wie es andere Kommunen um uns herumgetan haben. Oft haben wir als Gemeinderat zwar schnell entschieden und Projekte vorangetrieben, aber die Umsetzung geht, wenn überhaupt sehr schleppend voran.
Im Beruf und Ehrenamt bin ich es gewohnt, voranzugehen und die Dinge zu Ende zu bringen. Das möchte ich nun auch als Erster Bürgermeister in unserer Gemeinde tun. Dazu wurde nicht nur bei den Themen Windenergie und Unterkunft für Asylsuchende deutlich, dass wir große Defizite bei der Kommunikation sowie bei der Einbeziehung der Bürger haben. Hier haben wir als ZuZ und auch ich eine komplett andere Herangehensweise als der amtierende Bürgermeister.
Nur reden, den Finger in die Wunde zu legen und zu sagen, dass ich das besser kann, ist nicht meine Art. Ich habe den festen Willen, gemeinsam etwas zu bewegen und deswegen bin ich gerne bereit, auch Verantwortung zu übernehmen und mich zur Wahl zu stellen. Unsere Demokratie lebt schließlich von Auswahl und Wettbewerb.
Welche Erfahrungen – beruflich, politisch oder ehrenamtlich – bringen Sie mit, die Sie für dieses Amt besonders geeignet machen?
Es ist die Mischung aus vielen Bereichen, denn das Berufsbild eines Bürgermeisters ist sehr vielschichtig. Er benötigt Sachverstand in der Verwaltung und Führungskompetenz im Rathaus, repräsentiert uns alle und ist nicht nur als Impulsgeber der Verantwortliche dafür, dass es in unserer Gemeinde voran geht. Und als wäre das noch nicht genug, braucht man Weitsicht und auch viel Empathie und Spürsinn für die Sorgen und Anliegen der Bürgerinnen und Bürger.
Vor meiner Tätigkeit als Geschäftsleiter der Staatsanwaltschaft Coburg habe ich viele Jahre erfolgreich Projekte für die bayerische Justiz geleitet und abgeschlossen. Dabei ging es immer darum, die Arbeit für die Mitarbeiter besser zu machen. In den fast 25 Jahren Tätigkeit im öffentlichen Dienst durfte ich an verschiedenen Behörden Erfahrungen sammeln und kann mein Wissen und meine Erfahrung um eine moderne, effektive, aber auch bürgernahe und pragmatische Verwaltung gut einbringen.
Seit 2020 bin ich Mitglied des Gemeinderats. In dieser Zeit habe ich mich intensiv in die für unsere Gemeinde wichtigen Themen einarbeiten und dabei auch feststellen können, was gut in unserer Gemeinde läuft und wo wir noch besser werden können. Dabei hilft mir auch die Verwurzelung mit der Heimat, mein Amt in der Vorstandschaft des SV 1920 Zapfendorf und als aktiver Feuerwehrler in Zapfendorf. Über das Ehrenamt bekommt man sehr schnell mit, wo der Schuh drückt und was wir brauchen. Gerade beim Sportverein konnte ich in den letzten Jahren viel bewegen und möchte das nun auf die gesamte Gemeinde übertragen.
Zu guter Letzt, bin ich natürlich durch die eigene Familie auch sehr nah an vielen Themen dran. Egal ob es um Kinderbetreuung, Jugendarbeit, medizinische Versorgung oder um Pflege geht.
Das Aquarena-Freibad ist eines der meistdiskutierten Themen in Zapfendorf – insbesondere wegen des jährlichen Defizits. Wie rechtfertigen Sie den hohen Kostenfaktor gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern?
Mit Blick auf die Kennzeichen auf dem Parkplatz wird klar, das Aquarena ist ein überregionales Aushängeschild unserer Gemeinde. Aber nicht nur für die Gäste aus nah und fern ist das Bad ein bedeutender Faktor der Freizeitgestaltung, auch für uns hier vor Ort ist das Schwimmbad im Sommer, nicht nur bei schönem Wetter, ein wichtiger sozialer Treffpunkt. Hier kommen Jung und Alt zusammen. Es wird geschwommen, geratscht und in der Sauna gemeinsam entspannt. Ein Ort des Zusammenkommens und Miteinanders. Oder eine Möglichkeit, nach Feierabend zu entspannen oder Sport zu treiben. Nicht umsonst gehört bei uns in der Familie die Jahreskarte für das Aquarena einfach zum Sommer dazu und ich freue mich sehr, wenn sich unsere Kinder mit Freunden verabreden und ihre Freizeit im Aquarena verbringen oder ich selbst den Tag dort ausklingen lassen kann.
Aber auch neben diesen emotionalen Faktoren gibt es gute Gründe, die für unser Schwimmbad sprechen. Ich denke, wir sind uns alle darüber einig, wie wichtig es ist, dass Kinder sicher Schwimmen lernen und es regelmäßig trainieren können. Auch für die älteren Mitbürger ist die Bewegung im Wasser eine ausgezeichnete Möglichkeit, um sich fit zu halten. Ein gut erreichbares und preislich attraktives Bad, wie unser Aquarena, ermöglicht all dies.
Unser Schwimmbad ist für sein Alter in einem wirklich guten Zustand. Das liegt maßgeblich an der vorausschauenden 1991 abgeschlossenen Sanierung. Mit den Edelstahlbecken war es seiner Zeit damals weit voraus. Bereits beim Neubau, aber auch der Sanierung haben die Zapfendorfer viel Weitsicht und auch Mut gezeigt. Dabei haben sie nicht nur einen ideellen Wert geschaffen – denn so wie es heute dasteht, könnten wir das Aquarena gar nicht mehr neu bauen. Mit einer Schließung und einem Rückbau würden wir also auch einen großen materiellen Wert vernichten.
Deswegen ist es so wichtig, dass wir das strukturelle Defizit reduzieren und den Betrieb sichern. Denn wie sehr uns Aquarena fehlen kann, haben wir während der coronabedingten Schließung 2020 schmerzlich erfahren.
Gab es in den vergangenen Jahren Momente, in denen Sie selbst gezweifelt haben, ob der Betrieb des Freibads langfristig tragbar ist? Und welche Schritte wurden ergriffen, um das Bad zukunftsfähig zu machen?
Ja, als im Zuge die Energiekrise nicht nur die Stromkosten, sondern durch die Inflation alles deutlich teurer wurde. Da drohten die Kosten des Defizits wirklich über die für die Gemeinde, tragbare Schmerzgrenze zu explodieren. In einem ersten Schritt wurden in der Konsequenz die Öffnungszeiten und Saisonlänge angepasst, um die Personalkosten zu optimieren. Weiter wurde auf Initiative aus allen Gemeinderatsfraktionen die Beschaffung einer PV-Anlage auf dem Schwimmbaddach einstimmig beschlossen und eine Reihenfolge im Rahmen eines Gesamtkonzepts vereinbart. Daher waren wir schon sehr verwundert, als im Vorschlag zum Haushalt die Anlage mit der größten Wirtschaftlichkeit immer weiter nach hinten geschoben werden sollte. Gott sei Dank konnten wir uns hier gemeinsam mit den anderen Gemeinderäten durchsetzen und die Anlage ist seit letztem Sommer in Betrieb.
Zu erwähnen ist natürlich, dass es aufgrund von Verhandlungen auf verschiedenen Kanälen endlich gelungen ist, dass sich der Landkreis Bamberg 2025 am Defizit beteiligt hat. Hier haben die Mitarbeiter der Verwaltung wirklich sehr gute Vorarbeit geleistet und ich werde mich dafür einsetzen, dass für die Zukunft nun eine dauerhafte Unterstützung erfolgt.
Zur Zukunftsfähigkeit gehört aber auch die technische Ertüchtigung unseres Aquarenas. Zwar haben wir jetzt zum zweiten Mal Interesse an der Aufnahme am Bundesförderprogramm zur Sportstättenerneuerung bekundet, das Programm ist aber maßlos überzeichnet und wenn man sieht, wie intensiv andere Kommunen, im Gegensatz zu den Verantwortlichen in Zapfendorf, offensive öffentliche Lobbyarbeit bei den Entscheidungsträgern machen, habe ich da keine große Hoffnung.
Wir müssen also einen Plan B entwickeln, um zumindest die Wärmeversorgung und Steuerungstechnik zu erneuern. Um beides effizienter und damit kostengünstiger zu betreiben. Bei der Wärmeversorgung könnte man zum Beispiel im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung (die bisher übrigens auch vernachlässigt wird) an eine gemeinsame Lösung mit dem neuen Baugebiet Süd III denken und so Synergien bündeln. Einfach das große Ganze in den Blick nehmen und Lösungen finden, die mehrere Ziele abdecken.
Wenn uns das gelingt, dann bin ich sehr zuversichtlich, dass wir unser Aquarena fit für die nächsten 50 Jahre bekommen und uns das Schwimmbad auch weiterhin leisten können.
Die Baustellen rund um Wasser und Abwasser und der Umbau des Horts sind aktuell die großen baulichen Themen. Im Gemeinderat wurde aber auch schon über eine komplette Sanierung der Ortsdurchfahrt, inklusive Verkehrsberuhigung, gesprochen. Wie sehen Sie Zapfendorf in den genannten Bereichen aufgestellt? Waren die getroffenen Entscheidungen richtig? Und wie soll es weitergehen?
Die Entscheidung für die Sanierungen von Wasser- und Abwassernetz im Rahmen von RZWas war bereits eine sehr sinnvolle zukunftsorientierte Entscheidung des Gemeinderates in der letzten Wahlperiode. Wir haben da 2020 nur angeknüpft und es konsequent weiterverfolgt. Die vorgenommenen Investitionen, wären ohnehin auf uns zugekommen und so wird durch die staatliche Förderung (auch wenn dieses im 2025er Programm etwas gesunken ist) der Anteil, den wir Bürger über die Wasser- und Abwassergebühren gegenfinanzieren müssen, deutlich gesenkt.
Beim Umbau des Horts habe ich persönlich zwar eine Lösung im Zuge einer Sanierung des B-Baus favorisiert, aber es ist Zeit die gefassten Beschlüsse zum Umbau des alten Schulhauses nun konsequent umzusetzen. Über das Thema haben wir bereits 2020 und auch während der aktuellen Wahlperiode genug diskutiert. So richtig kommen wir aber aktuell nicht vom Fleck und müssen an Tempo zulegen, da die Übergangslösungen für den Hort nur befristet genehmigt wurden. Wichtig ist es aber auch im Hinblick auf mögliche alternative Nutzungen, endlich ein Gesamtraumkonzept für das ganze Schulgebäude zu erarbeiten und dies mit allen Betroffenen abzustimmen.
Etwas länger wie über den Umbau des Horts für die Ganztagsbetreuung reden wir in Zapfendorf ja schon über die Sanierung der Ortsdurchfahrt, inklusive Verkehrsberuhigung und der Umgestaltung vieler Bereiche im Ort. 2014 waren wir hier schon weiter als heute. Damals wurde in einem Städtebaulichen Entwicklungskonzept (SEK) schon recht genau definiert, wie wir in unserem Ort die Lebensqualität steigern und diesen für die Zukunft weiterentwickeln können. Fakt ist, bei der städtebaulichen Entwicklung müssen wir wirklich gesamtheitlich denken. Also von der Kirche bis raus zum Sportplatz, aber auch wie es mit der Bamberger Straße (zum Beispiel Erneuerung Verrohrung Laufer Bach oder dessen Freilegung) weitergehen soll. Ideen dazu, was einen Mehrwert nicht nur für den Ort Zapfendorf selbst, sondern für die ganze Gemeinde hat, gibt es viele. Das sehen wir aktuell auch in unserer Onlineumfrage der ZuZ zur Pizzeria.
Für den nächsten Gemeinderat wird es also eine wichtige Aufgabe sein, zu definieren was, wo und wie entstehen soll und diese Idee gemeinsam mit einem Städteplaner in ein Gesamtkonzept zu integrieren und so das SEK zu überarbeiten. Wenn das passiert ist, kann man auch die Kosten realistisch einschätzen und Aussagen zur Finanzierung und Realisierbarkeit treffen. Realistisch betrachtet ist das also kein Projekt, dass wir in den nächsten sechs Jahren abschließen werden. Für mich ist das das „Jahrhundertprojekt“, mit dem wir unsere Gemeinde für unsere Kinder fit für die Zukunft machen. Das schließt aber natürlich nicht aus, dass Einzelmaßnahmen schon vorher umgesetzt werden können oder wie das Thema „Verrohrung vor der Sparkasse“ sogar müssen.
Mit Blick darauf, dass wir in den kommenden sechs Jahren nicht nur die vorgenannten Projekte, sondern noch genug andere Themen zu erledigen haben, wird das kein leichtes Unterfangen. Mit dem Neubau des Feuerwehrgerätehauses in Zapfendorf, der Sanierung von Ortsverbindungs- und Innerortsstraßen, dem kommunalen Wohnungsbau, den Auswirkungen der noch zu erstellenden kommunalen Wärmeplanung oder der Erschließung von Baugebieten und Gewerbeflächen haben wir noch einige Großprojekte zu erledigen.
Auch die Themen Glasfaserausbau in allen Ortsteilen und die Zukunft des ehemaligen Veolia Geländes werden uns beschäftigen.
Der mögliche Neubau eines Feuerwehrhauses steht schon seit Jahren in der Diskussion. Braucht Zapfendorf wirklich einen solchen Neubau?
Kurz und knapp „Ja“. Bereits 2019 wurde unter anderem nach einer Begehung im Rahmen der DGUV feststellt, dass eine „Sanierung und Schaffung zusätzlicher Flächen oder Neubau eines Feuerwehrhauses aus fachlicher Sicht zwingend erforderlich“ ist. Auch durch die Kreisfeuerwehrführung wurde der dringende Handlungsbedarf bestätigt.
Unsere ehrenamtlichen Feuerwehren in der Gemeinde leisten 24 Stunden, an sieben Tagen in der Woche das ganze Jahr lang eine hervorragende und professionelle Arbeit. In meinen Augen ist es zwingend erforderlich, dass wir ihnen als Kommune auch das passende Handwerkszeug zur Verfügung stellen. Nicht nur bei den Fahrzeugen und der sonstigen Ausstattung, sondern auch bei den Gerätehäusern. Das haben wir so im Feuerwehrbedarfsplan festgeschrieben. Für mich ist das auch ein Zeichen von Wertschätzung und Anerkennung des Engagements und Ehrenamtes.
Aus dem einst angedachten Medizinischen Versorgungszentrum mit Hausarztpraxis wurde ein Gesundheitszentrum ohne Arzt, dafür unter anderem mit großer Physiopraxis. Wie ist der Stand bei diesem Projekt – und was hat die Gemeinde diesbezüglich überhaupt noch selbst in der Hand? Vor allem mit Blick darauf, dass das „Haus für Gesundheit“ ein sehr ortsbildprägendes Grundstück nutzen wird?
Das Projekt ist leider vor Kurzem durch den Ausstieg des Investors gescheitert. Für uns als Gemeinde ist das nicht nur aus einem Grund ein großer Rückschlag. Zum einen, wäre das Haus der Gesundheit mit der Physiopraxis und den von uns als Gemeinde als Ankermieter bereitgestellten Räumlichkeiten für eine Arztpraxis für die Sicherung der medizinischen Versorgung in Zapfendorf ein echter Meilenstein gewesen. Zum anderen war das Projekt auch das Signal dafür, dass sich auf dem Hofmann-Gelände etwas tut und wir endlich beginnen dieses zentrale Grundstück in Zapfendorf zu gestalten.
Da sich diese Entwicklung aber bereits in den letzten Monaten abgezeichnet hatte, ist es für mich verwunderlich, warum man in dieser Zeit nicht versucht hat, einen Plan B, sei es mit einem anderen Standort für „Haus für Gesundheit“ (auf dem Gelände ist schließlich genug Platz) oder einem anderen Investor zu finden. Dazu müssen jetzt dringend Gespräche geführt werden.
Denn die Nutzung des Grundstücks ist ein zentraler Bestandteil der städtebaulichen Weiterentwicklung Zapfendorfs. Ich könnte mir hier gut eine neue soziale Dorfmitte vorstellen, bei der Alt und Jung zusammenkommen, in der altersgerechte Wohnformen, ein Treffpunkt für Jugendliche entstehen und unsere Vereine eine (neue) Heimat finden können. Wie man jetzt sehen kann, hat die Fläche vor dem alten Brauhaus und der Scheune durchaus auch als Dorfplatz Potenzial.
Auch die Verkehrspolitik steht immer wieder im Fokus. Radwege Richtung Scheßlitz und besonders Unteroberndorf wären nötig, Busse fahren in den kleineren Orten kaum, den Bürgerbus gibt es nicht mehr. Was kann die Gemeinde hier tun?
Der Radweg nach Unteroberndorf ist seitdem ich mich erinnern kann, ein großes Thema in Zapfendorf. Schon in meiner Jugend war das Projekt für die Verantwortlichen eine unendliche Geschichte. 25 Jahre später gibt es zwar kleine Fortschritte und es wird immerhin schon über die konkret benötigten Grundstücke gesprochen, der große Wurf ist das bisher aber noch nicht. Vielleicht wäre es zumindest eine Überlegung wert, hier über eine alternative Routenführung auf der rechten Mainseite zu sprechen um ähnlich wie beim Radweg nach Scheßlitz zunächst eine kleine, aber machbare, Lösung realisieren zu können.
Der Bürgerbus ist noch vorhanden und könnte, Fahrer vorausgesetzt, sehr schnell wieder eingeführt werden. Der Landkreis Bamberg strebt im Rahmen seines Nahverkehrskonzeptes auch die flächendeckende Einführung eines Nahverkehrs auf Abruf an – das wäre für mich eine gute Gelegenheit, das lokale Angebot mit dem des Landkreises zu verbinden und so die öffentliche Verkehrsanbindung unserer Gemeindeteile wieder zu verbessern.
Wie stabil sind die Gemeindefinanzen aktuell, und wo sehen Sie die größten Risiken für die nächsten Jahre?
Klar gibt es im Landkreis finanzstärkere Kommunen, aber mit einem Haushaltsvolumen von über 20 Millionen Euro musste sich Zapfendorf in den letzten Jahren auch nicht verstecken. Die Verschuldung ist seit 2020 zwar etwas angestiegen, aber mit der Westtangente, der Kinderkrippe Wiesenhaus und den umfangreichen Sanierungen im Wasser- und Kanalnetz wurde auch viel investiert. Also Werte geschaffen und gerade bei den Maßnahmen zu Wasser und Kanal sind wir als Kommune mit der Entscheidung für eine langfristige Gegenfinanzierung aus den Nutzungsgebühren und gegen Verbesserungsbeiträge auch bewusst in Vorleistung getreten. Das bindet natürlich Mittel im gemeindlichen Haushalt.
Mit Blick auf die anstehenden großen Investitionen, wie dem Bau des neuen Feuerwehrgerätehauses, dem Schulumbau oder der Sanierung unseres Straßennetzes, werden wir es leider nicht ohne weitere Schulden schaffen. Wichtig dabei ist es, dass wir stets die Tilgung und die finanzielle Leistungsfähigkeit, im Auge behalten. Bei den Aufgaben also priorisieren und uns auch finanzielle Handlungsspielräume offenhalten. Im Grunde so wie wir das privat bei einer Hausfinanzierung oder als Unternehmer bei Investitionen in den Betrieb auch tun.
Risiken im Haushalt, haben wir immer dann, wenn wir von Entscheidungen anderer abhängig sind. Unser Kämmerer predigt immer wieder zu Recht „Der Gemeindehaushalt fängt bei der Kreisumlage an“. Diese ist allein in den letzten sechs Jahren von knapp zwei Millionen Euro auf über 2,7 Millionen Euro gestiegen. Geld, dass uns am Ende für Investitionen vor Ort fehlt. Aber auch wenn wir für Projekte Fördermittel von Bund und Freistaat bekommen, ist es oft nicht mehr kalkulierbar, wann diese ausgezahlt werden. Gerade in den letzten Jahren mussten wir hier die Erfahrung machen, dass dies sehr lange dauern kann. Zumindest für die mittelfristige Finanzplanung ist ein zuverlässiger Zahlungsfluss aber sehr wichtig.
Ein Punkt, der mir wirklich Bauschmerzen bereitet, sind die finanziellen Nachwirkungen des ICE-Ausbaus. Hier sind mit der Deutschen Bahn noch einige streitige Punkte zu klären und können den Handlungsspielraum für die anstehenden Investitionen durchaus spürbar einschränken.
Wenn Sie Prioritäten setzen müssen: Wo darf aus Ihrer Sicht nicht gespart werden – und wo schon?
Auf keinen Fall darf an Zukunftsinvestitionen gespart werden. Den Investitionen, die helfen zukünftige Kosten einzusparen oder gar einen positiven Beitrag zum Gemeindehauhalt beitragen können. Zukunftsinvestitionen sind aber auch Investitionen in unsere Infrastruktur, denn wenn wir hier nicht handeln und weiter auf Verschleiß fahren, werden die Aufwände und Kosten hierfür nur noch größer.
In den vergangenen sechs Jahren haben wir uns keinen Luxus gegönnt und wir haben weiterhin viele Pflichtaufgaben zu erfüllen. Die größten Sparpotenziale bestehen also in der Art und Weise der Ausführung (zum Beispiel Modulbauweise), einer vernünftigen Planung und Priorisierung. Gerade bei der Priorisierung ist es wichtig, realistische Umsetzungszeiträume ins Auge zu fassen, diese offen zu kommunizieren und am Ende die Vorhaben auch verlässlich umzusetzen. Mit Blick auf das Investitionsprogramm, hat das in den letzten Jahren leider nicht gut funktioniert.
Wenn Sie an Zapfendorf im Jahr 2032 denken: Was soll dann rückblickend mit Ihrer Wahl verbunden werden?
Dass es der Beginn war, sich den Aufgaben und Herausforderungen wieder mit einem langfristigen Plan zustellen. Dass dann schon klar ist, wo wir unsere Gemeinde 2038 sehen und wie wir dieses Ziel erreichen. Und vor allem, dass Bürgermeister und Verwaltung wieder näher an die Bürger und deren Bedürfnisse gerückt sind. Wir offen miteinander auf Augenhöhe kommunizieren und informieren. Transzparenz, Akzeptanz und Bürgernähe also keine Phrasen mehr sind.
Wenn Sie drei Wünsche an die „große Politik“, also Richtung München, Berlin oder Brüssel, frei hätten: Was wären diese?
Im Grunde sind es drei ganz einfache Dinge:
- Eine nachhaltige angemessene finanzielle Ausstattung der Kommunen und nicht nur Aufgaben von oben nach unten zu verlagern.
- Das Leben nicht unnötig kompliziert zu machen und mehr Möglichkeiten für praktikable pragmatische Lösungen vor Ort zu schaffen.
- Mehr sachorientiertes Miteinander und lösungsorientiertes Denken, so wie wir das hier in unserer Gemeinde leben.
Zum Schluss: Warum sollten die Zapfendorferinnen und Zapfendorfer Ihnen ihr Vertrauen schenken?
Für eine zukunftssichere und attraktive Gemeinde gilt es in den nächsten sechs Jahren viele Entscheidungen zu treffen und tatkräftig umzusetzen. Ich habe bewiesen, dass ich mit Einsatz, Erfahrung, Kompetenz, aber auch Teamgeist und guter Kommunikation etwas in unserer Heimat bewirken kann.
Mit einem „Weiter so“ werden wir unsere Ziele nicht erreichen, aber gemeinsam und dem Mut zur Veränderung schon.
Zur Person:
Andreas Hofmann, 43 Jahre alt, verheiratet, vier Kinder (2 Mal Zwillinge im Alter von 15 und 12) , aus Zapfendorf.
Nach dem Abitur und Grundwehrdienst duales Studium zum Dipl. Rechtspfleger (FH).
Nach Stationen beim Amtsgericht Lichtenfels und der Landesjustizkasse Bamberg seit 2023 Geschäftsleiter der Staatsanwaltschaft Coburg.
Seit 2020 für die ZuZ im Gemeinderat engagiert. Ehrenamtlich als 2. Vorsitzender des SV 1920 Zapfendorf e.V. und als Atemschutzgeräteträger bei der FFW Zapfendorf aktiv.





