Alles aus Franken: Vom Kronkorken bis zur Flasche

Veröffentlicht am 29. August 2012 von Johannes Michel

MIT GROSSER BILDERGALERIE!

Zwar gibt es in Franken noch immer eine Brauereidichte, von der andere Regionen in Deutschland und der Welt nur träumen können. Dennoch werden es weniger, durch Aufgabe oder Übernahmen. „Ein Dorf ohne Brauerei ist bei uns einfach weniger wert“, sagt Jörg Binkert, besonders nachdem Breitengüßbachs letzte Brauerei im vergangenen Jahr schloss – und eröffnet am 31. August mit dem „Main Seidla“ eine neue Brauerei. Das Besondere: Die Besucher können mitbrauen.

Anja und Jörg Binkert schwimmen gegen den Strom – und wagen in Zeiten, in denen mehr und mehr über das Brauereistreben zu lesen ist, etwas eigentlich vollkommen abwegiges: Sie gründen eine neue Brauerei. Jörg Binkert, seit vielen Jahren arbeitet er bei Kaspar Schulz in Bamberg, leitet dort die Abteilung Forschung und Entwicklung und ist Diplom-Braumeister. „Die eigene Brauerei ist mein Lebenstraum. Über viele Jahre war ich oft im Ausland unterwegs und habe natürlich auch in unserer Region die Brauereien kennengelernt.“ Vom vielfach herauf beschworenen „Brauereisterben“ will er nichts wissen – und kritisiert Medienberichte, die sich daran entlang hangeln.


Braumeister Jörg Binkert erwartet sehnsüchtig die Eröffnung.

Die Chance, mit dem Main Seidla durchzustarten, sieht er in einem Mentalitätswandel. Während Bier häufig noch als Getränk zum Durstlöschen gilt, hat sich in den vergangenen Jahren eine neue Kultur entwickelt – und Bier nähert sich damit dem Wein immer weiter an. Es gibt Degustationen, Preise fürs beste Bier und damit auch eine Rückbesinnung auf die Handwerkskunst. „Handwerklich gebrautes Bier liegt im Trend“, erklärt Binkert. „Die Winzer wissen schon lange, wie sie ihre Weine verkaufen müssen. Wir Brauer hinken da etwas hinterher. Nun ist die Zeit aber reif, das Bier neu zu entdecken.“

Gegen den Trend und die „Fernsehbiere“

Während in Deutschland und Europa ein starker Konzentrationsprozess herrscht, der auch den Begriff des „Fernsehbiers“ für Brauereien, die sich über Fernsehwerbung definieren, hervorgebracht hat, kommt die neue Entwicklung aus den USA. Während die Großbrauereien Marktanteile verlieren, gewinnen die so genannten „Craft Brauer“ hinzu – 2011 satte 13 Prozent. „Im Gegensatz zum Einheitsbier propagieren wir den Geschmacksunterschied“, erklärt Binkert. Damit möchte er auch in der Gastronomie und im Getränkehandel punkten, wo die Biere des Main Seidla sich etablieren sollen.

Dass es, entgegen dem Sprichwort, nicht die Masse macht, zeigt sich auch am Bierangebot des Main Seidla. Neben dem „Original“, einem untergärigen Pils, gibt es ein Weizen und zusätzlich eine echte Besonderheit: das „Amber Spezial“, Binkerts Antwort auf die Biertrends aus den USA. Dabei wird der Hopfen nicht nur im Sudprozess, sondern auch zur Gärung und Lagerung gegeben. So entsteht ein Zusammenspiel der Aromen auf ganz besondere Art. Getrunken wird das Amber Spezial daher aus einem kelchförmigen Glas, das die Aromen bündelt. Der Stammwürzegehalt des Bieres liegt bei 13,8 Prozent, der Alkoholgehalt bei 5,5 Prozent.


Das Main Seidla am 28. August 2012 von außen. Noch wird hart gearbeitet.

Mitmachen heißt die Devise…

Für Jörg Binkert ist aber nicht nur das Bier an sich entscheidend, sondern auch dessen nachhaltige Produktion. Die eigene Hausheizung mit Holzpellets liefert den Dampf zum Brauen, der Energiebedarf wird damit niedrig gehalten. „Verglichen mit den 1970er Jahren benötigen wir heute nur noch ein Siebtel des damals notwendigen Energieeinsatzes.“ Diese Technik, wie übrigens auch alle weitere im Breitengüßbacher Brauhaus, ist daher bewusst sichtbar, die Räume wurden offen und mit viel Glas gestaltet. Zur Nachhaltigkeit gehört auch, dass sämtliche Ausstattung, von der Brauanlage über die Kronkorken bis hin zur Flasche, aus Franken kommt. „Das war zwar nicht ganz einfach, aber wir zeigen, dass es geht.“

Besucher und „Mitbrauer“ sollen erleben können, wie das Bier entsteht – von den ersten Schritten bis hin zum Schluck aus dem Glas. Dafür will Binkert auch eigenen Hopfen anpflanzen, der dann in zwei bis drei Jahren erntereif sein wird. Im Gastraum des neu errichteten Brauhauses und im angrenzenden Biergarten können die Main-Seidla-Biere selbstverständlich direkt vor Ort probiert werden. Außerdem gibt es kleine Brotzeiten und Bratwürste. Kommt eine größere Gruppe, kann sich diese ein ganzes Fünf-Liter-Fass bestellen, dass dann zum Selbstzapfen an den Tisch gebracht wird. Der Schwerpunkt liegt aber eindeutig auf dem Mitmachen: „Wir sind keine Gasthaus- oder Erlebnisbrauerei, sondern eine Mitmachbrauerei.“ Immer samstags können sich Interessierte, nach Anmeldung, in die Braukunst einführen lassen.


Die Flyer liegen schon bereit…

„Die Brauer sind ein total verrücktes Volk – und sie kennen sich untereinander auf der ganzen Welt“, schwärmt Jörg Binkert. Weltweite Kontakte waren für das Abfüllen seiner Biere aber gar nicht nötig, das übernimmt die Brauerei Wagner aus dem benachbarten Kemmern. Man hilft sich eben unter Brauern…

Die offizielle Eröffnung des Main Seidla findet am 31. August 2012 statt. Besucher sind dann am 1. September ab 11 Uhr eingeladen, zu Bier, Bratwurst und Musik.

Johannes Michel

 

Bilder von der Anlieferung des Sudhauses im Juli und von den letzten Vorbereitungen vor der Eröffnung finden Sie in der großen Bildergalerie (zum Öffnen der Galerie einfach auf ein beliebiges Foto klicken, zum Beenden der Anzeige genügt ein Klick auf das geöffnete Bild) …


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