1200 Jahre Breitengüßbach: Ein etwas anderer Rückblick in Buchform…

1989 verfasste Konrad Schott eine Chronik der Gemeinde Breitengüßbach. Zur 1200-Jahr-Feier 2012 entschied die Gemeinde, erneut ein Buch über die Geschichte des Ortes herauszubringen. Klar war nur: Die alte Chronik soll auf jeden Fall aktuell bleiben. Daher entschied sich ein Arbeitskreis für ein Jubiläumsbuch, das eher auf persönliche Geschichten und Erlebnisse setzt. Koordinator Bernhard Pfister schreibt, wie das Buch entstand.

Wenn ich nun auf die Entstehungsgeschichte unseres Jubiläumsbuches zurückblicke, dann gab es zunächst eine Idee unseres Bürgermeisters zur 1200 Jahrfeier unseres Ortes. Diese Idee sah vor, eine ganz neue Ortschronik zu schreiben, war jedoch noch ohne klare Strukturen mit weit gefassten Formulierungen und sehr wagen Vorstellungen. Um nun diese skizzenhaften Ansätze mit Leben zu füllen, hat Reiner Hoffmann nach Menschen gesucht, die diese Aufgabe anspricht und ein Team auf die Beine gestellt, das seine Idee lebendig werden ließ.

Schnell hat er im Anschluss daran auch Bürger gefunden, die hier mitarbeiten wollten und ihre Bereitschaft signalisierten.Viele brachten bereits zum ersten Treffen  ihre alten und neuen Fotos mit und wollten sich auch mit ihren ganz persönlichen Geschichten und Erlebnissen einbringen. Zeitnah gründete sich ein Redaktionsteam, das nun die Flut an Informationen ordnen und für eine neue Ortschronik aufbereiten sollte.

Bereits nach den ersten Redaktionssitzungen wurde uns klar, dass es keinen Sinn macht, neben der bereits bestehenden Ortschronik von Konrad Schrott ein neues Buch, das in ähnlicher Form, die Geschichte der vergangenen 100 Jahre zeigt, zu schreiben. Das von Konrad Schrott verfasste Buch hat bereits die Geschichte  Breitengüßbachs mit Zahlen, Daten und Fakten, in wissenschaftlicher Form aufbereitet und präzise dargestellt. Auf der Suche nach einem gangbaren und vernünftigen Weg ist uns dann der Begriff „Zeitzeugen“ begegnet. Zeitzeugen sind Menschen, die uns mit ihren persönlichen Erlebnissen und Erfahrungen die Geschichte ihrer und somit auch unserer Zeit erzählen. Ab diesem Zeitpunkt haben wir uns vom Begriff „Ortschronik“ gelöst und das Jubiläumsbuch war geboren. Ein Buch, in dem Bürger und Bürgerinnen über ihre persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen die Geschichte ihrer Zeit erzählen, also Ortsgeschichte in den Geschichten und Erzählungen der Bürger lebendig wird.

 


Beim Neujahrsempfang am 8. Januar 2012 wurde das Jubiläumsbuch der Öffentlichkeit präsentiert.

In sechs Kapiteln hat das Redaktionsteam die Erzählungen der Menschen aufbereitet und auch für jeden Beitrag im Buch den richtigen Platz gefunden. Der große Teil der Erzählungen im Jubiläumsbuch ist auf der Basis von Interviews entstanden. Über 100 Bürger und Bürgerinnen unserer Gemeinde haben bereitwillig, bildhaft und mit viel Phantasie über ihr Leben erzählt und so dem Jubiläumsbuch seine ganz besondere Note gegeben.

Als einer der Interviewer durfte ich im Rahmen dieser Arbeit die Menschen in meiner Gemeinde von einer ganz anderen Seite kennen lernen. Nach manchmal sehr zaghaften Ansätzen konnte ich aber nach den einzelnen Interviews immer witzig und individuell erzählte Geschichten mit einem beachtenswerten Informationsgehalt und vielen Details mit nach Hause nehmen.

In unseren regelmäßigen Redaktionssitzungen haben Harald und Heike Schuberth sowie Franz-Josef Rother von ähnlichen Erfahrungen berichtet. Insbesondere wir Interviewer bekamen hautnah mit, wie tief und nachhaltig doch Geschichte in den Bürgern einer relativ kleinen Ortschaft verwurzelt ist und ohne präzise Zeitangaben, die Stimmungen und Geschehnisse der Vergangenheit und Gegenwart aufgreift. Die Welt ist bunt!

Und weil das nun mal so ist, erscheint auch unsere in den Menschen lebende Ortsgeschichte  in einem vielfarbigen Licht. Die unterschiedlichen Sichtweisen werden dem aufmerksamen Leser des Jubiläumsbuches  immer wieder in ansprechender, amüsanter oder gar kurioser Form beim Studieren des Buches begegnen. Menschen berichten darin  über das Ende des Krieges 1945, über den damaligen Arbeitsmarkt, über die Landwirtschaft und verschiedene Unternehmensgründungen, über kirchliche Ereignisse, über Vereine und Traditionen, über Schule und Kindergarten und über Menschen mit nicht alltäglichen Lebensphilosophien und Fähigkeiten.

Kapitel für Kapitel haben wir in den letzten 16 Monaten diese Geschichten und Erzählungen thematisch zugeordnet, überarbeitet, mit den Erzählern abgestimmt und mit vielen Bildern deren Aussagekraft unterstrichen. Mein besonderer Dank gilt daher der Firma „i.motion“ aus Bamberg, Ottmar Geuß, Franz-Josef Rother und Heike und Harald Schuberth für ihre Tätigkeit als Interviewer und ihre konstruktive Mitarbeit im Redaktionsteam; der Gemeindeverwaltung und hier insbesondere Silke Beuerlein, Anja Binkert, Johannes Franz und Sylvia Hatzold, die die Bilder gesammelt und bearbeitet, die Texte auf die Richtigkeit der Sachverhalte überprüft, die Launen der Interviewer ertragen und in die Buchgestaltung ihre eigenen Ideen mit viel Fantasie eingebracht haben.

Die Texte, die wir als Einleitung in den einzelnen Kapiteln verwenden stammen zum großen Teil von Annette Schäfer und Barbara Spies, die uns mit ihrer Projekterfahrung in Sachen Heimatliteratur in Bezug auf die Grundkonzeption beraten und kritisch begleitet haben. Ihre wertvollen Hinweise haben uns oft in verzwickten Situationen wieder auf den richtigen Weg gebracht.

Ich kann nur noch hoffen, dass sie viel Spaß beim Lesen dieses ganz anderen Heimatbuches haben werden und Breitengüßbach in diesem „Spiegel der Zeit“ wiederfinden.

Das Buch können Sie im Rathaus für 19,90 Euro erwerben.

Bernhard Pfister, Fotos: Johannes Michel

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