SVH: Von Erfolgen, schwierigen Zeiten und der Zukunft

24. November 1922. Zehn Männer gründen in der Brauerei Diller den Vorläufer des heutigen SV Hallstadt. Auf den Tag genau 100 Jahre später wurde das gebührend gefeiert. Mit einem Festkommers der etwas anderen Art.

Bekannte Namen sind am Abend des 24. November 2022 zu hören. Helmut Fleischer etwa, ein Schiedsrichtername, der den meisten Fußballfans sicher mehr als nur bekannt vorkommt. Oder Gertrud Gebhard, geborene Regus, die als erste Schiedsrichterin ein Damen-Länderspiel leitete. Oder Harry Koch, in den 1990ern und frühen 2000er Jahren erfolgreicher Fußballer beim TSV Vestenbergsgreuth und beim 1. FC Kaiserslautern. Was haben sie alle gemeinsam? Sie sind SVHler.

Ein Verein mit Tradition ist der SV Hallstadt ohne Frage. Nach der Gründung vor 100 Jahren, erster Gegner in einem Spiel war der ASV Gaustadt, fanden die Spiele auf dem Borstig statt, wo heute das Freibad steht. In den 1950ern erfolgte der Umzug in den Norden von Hallstadt, wo der Verein auch heute noch beheimatet ist. Die richtig erfolgreichen Zeiten liegen allerdings schon ein wenig zurück. Sie sind verbunden mit dem Engagement von Vorstand Ernst Hoffmann, der den Verein von 1967 bis 1990 führte: In den Jahren 1975 bis 1991 spielte der SVH 13 Jahre lang in der Landesliga, der damals zweithöchsten Amateurklasse in Bayern. In dieser Zeit lockte ein Freundschaftsspiel an Silvester 1975 gegen den 1. FC Nürnberg sagenhafte 5.000 Zuschauerinnen und Zuschauer an den „Maastümpfl“. Bei einem weiteren Freundschaftsspiel 1977 konnte der SVH gegen den Club sogar 2:1 gewinnen.

Zweimal gegen den FC Bayern

1971 spielte die erste Jugendmannschaft des SVH als Oberfränkischer Meister gegen den Oberbayerischen Meister, den mit Nationalspielern gespickten FC Bayern München, um die Bayerische Meisterschaft. 0:7 ging das Spiel verloren, war aber natürlich ein absolutes Highlight. 1994 schaffte die B-Jugend den Aufstieg in die Bayernliga, 1995 stieg auch die A-Jugend in die damals höchste Liga für Jugendliche auf. 1984 hatte der Verein 20 aktive Mannschaften, darunter eine Damenmannschaft. Die stieg bis in die Bayernliga Nord auf und verlor 1989 das Endspiel um die Bayerische Meisterschaft wiederum gegen den FC Bayern München.

800 Mitglieder hatte der SVH zu den besten Zeiten. Heute sind es noch 380. Im Jugendbereich ist der Verein aktuell von der G-Jugend bis zur A-Jugend vertreten, ab der C-Jugend aufwärts als Spielgemeinschaft mit den Partnervereinen SV Gundelsheim und SC Lichteneiche. Es gibt zudem noch eine Herrenmannschaft, die in der Kreisklasse spielt und eine AH-Mannschaft.

Nach finanziellen Schwierigkeiten vor einigen Jahren befindet sich der Verein nun wieder in sicherem Fahrwasser. Ein Blick auf die frühere Blütezeit spornt an, weiterzumachen. Das war beim Festkommers eindeutig zu spüren. Die aktuelle Vorstandschaft hatte zu diesem nach einem ökumenischen Gottesdienst, gehalten von den Pfarrern Christoph Uttenreuther und Andreas Schlechtweg, und einem Fackelzug von der Kirche bis zum Sportheim am Maastümpfl, eingeladen. Auch Gäste aus der Politik wie Bürgermeister Thomas Söder, Landrat Johann Kalb oder Ministerin Melanie Huml gratulierten herzlich.

Im Mittelpunkt des Festkommers stand eine Talkrunde. Teilnehmer: Thomas Deuber (SV Hallstadt), Heike Bräuer (Patenverein SC Kemmern), Landrat Johann Kalb, Bürgermeister Thomas Söder, Bernd Kaufer (Patenverein FC Eintracht Bamberg), Heiko Nitsche (ehem. Vorstand Patenverein SV Dörfleins), Pfarrer Andreas Schlechtweg, Karl Fleischer (ehem. Schiedsrichter, Vater von Helmut Fleischer) und Moderator Harald Werner.

Drei neue Ehrenmitglieder

Für ihre langjährige Tätigkeit für den SV Hallstadt wurden Harald Wich (Vorstandsmitglied, Schülerleiter und Finanzverwaltung), Olaf Wessel (ehemaliges Vorstandsmitglied und Jugendtrainer) und Erwin Buschbacher (langjährige Trainertätigkeit vorwiegend im Jugendbereich) im Rahmen des Festkommers zu Ehrenmitgliedern ernannt.

Der war anders gestaltet als gewohnt. Zwar gab es ein wenig Vereinshistorie sowie Grußworte zu hören, im Mittelpunkt stand aber eine von Harald Werner moderierte Talkrunde. Dabei ging es um Fußball-Anekdoten als allen Zeiten, die Veränderung der Schiedsrichterarbeit durch die Einführung des Videoassistenten, Jugendarbeit und auch einige persönliche Geschichten. Etwa von Bürgermeister Söder oder Landrat Kalb, die beide aus ihrer mehr oder weniger langen fußballerischen Laufbahn berichteten – oder Pfarrer Schlechtweg, der sich als Fußball-begeistert bezeichnete, aufgrund zweier linker Füße aber aufs selber Spielen gerne verzichtete. Abschließend konnten die Diskutanten dann Wünsche für die Zukunft des SVH äußern und auch einen Tipp zur aktuell laufenden Fußball-WM abgeben.

Klar wurde: „Es braucht Menschen, die unterstützen“, wie Vorstand Bernd Römer anbrachte. Denn gerade heute, im Überfluss der möglichen Freizeitaktivitäten, wird es für Vereine immer schwerer, Nachwuchs zu finden. Dabei sind sie nach wie vor wichtig, um Orientierung zu geben. Oder wie in der Talkrunde auch thematisiert wurde: Gerade Migrantinnen und Migranten bekommen durch die Vereine die Möglichkeit, das ganz normale Leben kennenzulernen, abseits von Sorgen und Nöten.


Viele Fotos vom Fackelzug und Festkommers finden Sie in unserer großen Bildergalerie (zum Öffnen einfach ein beliebiges Foto anklicken, zum Beenden der Anzeige das X in der Ecke oben wählen).

Ein Kommentar

  1. Herzlichen Glückwunsch zum 100.
    Insbesomdere die Jugendarbeit war immer vorbildlich!
    Meine Enkel werden weiter gern weiter bei Euch spielen!

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