Stromleitung im Vesperbild bald unter der Erde?

Veröffentlicht am 16. November 2018 von Johannes Michel

Über 30 Jahre ist das katholische Pfarr- und Jugendheim in Hallstadt bereits alt. Genutzt wird es vielfältig – nicht nur kirchlich. Auch der Jugendtreff FLIP ist hier untergebracht, Vereine, Institutionen und auch die Stadt selbst sind gern gesehene Gäste. Nun steht eine Sanierung mit Umbau an. Freuen können sich außerdem die Anwohner im „Vesperbild“ – die 20-kV-Hochspannungsleitung könnte im Rahmen des Bahnausbaus „verschwinden“.

„Das Pfarr- und Jugendheim ist eine wichtige Versammlungsstätte in unserer Stadt“, so Bürgermeister Thomas Söder in der Sitzung des Stadtrats Hallstadt am 14. November 2018. Daher stehe es außer Frage, dass die Stadt bei der notwendigen Sanierung auch finanziell unterstützt. Kirchenpfleger und CSU-Stadtrat Günter Hofmann erläuterte dem Gremium die angedachten Arbeiten. So sollen drei Räume im Erdgeschoss, darunter das Ministranten- sowie das Seniorenzimmer, zu einem größeren Raum zusammengefasst werden. Dieser soll auch vom im Keller befindlichen FLIP erreichbar sein. „Somit müssen wir den großen Saal nicht mehr bei kleineren Veranstaltungen bereitstellen und sparen so auch Heizkosten“, erklärte Hofmann. Außerdem soll eine neue Heizungsanlage eingebaut werden, die bisherige aus den 1980er Jahren sei eine „Energieschleuder“. Außerdem stehen zahlreiche Schönheitsreparaturen an, die Fensterscheiben sollen gegen aktuelle Modelle mit Sonnen- und Wärmeisolierung getauscht werden.

Nachdem vor dem Pfarr- und Jugendheim die Großbaustelle in Sachen Innenstadtsanierung im Gange ist, könnte hier der Belag in den Vorhof eingezogen werden, um eine optische Einbindung zu schaffen. Der Kiliansbrunnen allerdings werde wohl außer Betrieb bleiben oder versetzt werden, so Hofmann. Da er kein Frischwasser, sondern einen Wasserspeicher nutze, kam es in der Vergangenheit immer wieder zu starken Veralgungen.

Für die Sanierungs- und Umbaumaßnahmen im Pfarr- und Jugendheim wurden Kosten von rund 700.000 Euro geschätzt. Die Stadt Hallstadt, so der einstimmige Beschluss, wird sich mit einem Zuschuss von 50 Prozent, maximal 350.000 Euro, beteiligen.


Das Pfarr- und Jugendheim soll umfassend modernisiert und umgebaut werden. (Foto: Stadt Hallstadt)

Dach ist durchgerostet

Und noch ein weiteres Sanierungsprojekt der katholischen Kirchenstiftung St. Kilian stand auf der Tagesordnung. Bei der Errichtung der Kindertagesstätte St. Anna vor 30 Jahren wurde zwar ein modernes Titan-Zinkdach verbaut, das, so Günter Hofmann, eigentlich „uns alle überleben“ sollte. Allerdings wurde die Konstruktion ohne Hinterlüftung ausgeführt, so dass sich unterhalb des Bleches Kondensat bildet, was zu einer Durchrostung führt. Somit muss nun die gesamte Dacheindeckung erneuert werden. Laut einem vorliegenden Angebot belaufen sich die Kosten auf rund 172.000 Euro.

Vergleichbare Maßnahmen hat die Stadt Hallstadt bisher mit 20 Prozent gefördert. Nun wird der Kirchenstiftung ein Zuschuss von 50 Prozent, maximal 86.500 Euro, gewährt. Inkludiert ist eine Sanierung der Fassade, die an einigen Stellen Risse bekommen hat. Die Arbeiten sollen im Frühjahr 2019 durchgeführt werden, bis dahin können kleinere Löcher im Dach abgedichtet werden. Bürgermeister Thomas Söder und sein Stellvertreter Ludwig Wolf erklärten, dass aus der 50-Prozent-Förderung kein Automatismus für eine derart hohe Förderquote für andere Projekte abgeleitet werden könne. „Momentan können wir das aufgrund der guten Haushaltslage stemmen“, ergänzte Söder.

Durch die Erdverlegung wären die Strommasten passé

Eine gute Nachricht für die Einwohner westlich der Bahnstrecke, genauer im Bereich Vesperbild, enthielt Punkt 4 der Tagesordnung. Im Zuge des Ausbaus der ICE-Strecke wurde geprüft, ob die 20-kV-Stromleitung, die auf Höhe der Sportplätze des SV Hallstadt die Gleise quert, in die Erde verlegt werden kann. Vertreter des Eigentümers Bayernwerk, der Bahn und der Stadt absolvierten bereits mehrere Gesprächsrunden, eine Erdverlegung ist grundsätzlich möglich. Im weiteren Verlauf, wo die Leitung mitten durch die Wohnbebauung und teilweise über Wohnhäuser hinweg verläuft, sei ebenfalls eine Erdverlegung denkbar – in städtische Flächen, Straßen und Wege. Die Bahn würde sich mit 50 Prozent an den Gesamtkosten von 500.000 Euro beteiligen, eine Kostenzusage vom Bayernwerk steht noch aus – da aus Sicht des Unternehmens die aktuelle Leitung ihren Zweck erfüllt.

Daher beschloss der Stadtrat einstimmig, im Zweifelsfall die anderen 50 Prozent der Kosten zu übernehmen, zuvor aber mit dem Bayernwerk weiter zu verhandeln. Das bedeutet: Es wird nach aktuellem Stand auf jeden Fall zu einer Erdverlegung kommen. Genutzt werden dafür auch Feldwege nördlich der Wohnbebauung, so dass die Masten aus „Vesperbild“ verschwinden werden. Bürgermeister Söder wies darauf hin, dass die Erdverlegung auch im Interesse des Bayernwerks sei, spare sich das Unternehmen doch die Instandhaltung mehrerer Masten.

Soll die Stadt in Revision gehen?

Ebenso Thema im Stadtrat war der verkaufsoffene Sonntag. Am 11. November wurde zuletzt der Herbstmarkt mit einem solchen durchgeführt – ein voller Erfolg, wie Söder betonte. Laut eines noch nicht rechtskräftigen Urteils des Verwaltungsgerichts Bayreuth (geklagt hatten eine Gewerkschaft und eine katholische Arbeitnehmerbewegung) muss Hallstadt allerdings die betreffende Verordnung aufheben – und der Stadtrat neu über den verkaufsoffenen Sonntag diskutieren. Nachdem das schriftliche Urteil noch nicht vorliegt, steht eine Entscheidung erst einmal aus. Bürgermeister Söder erklärte allerdings, dass das Gericht eine Revision zugelassen habe. Die Verordnung aus dem Jahr 1996 sei an sich nicht anfechtbar, das Gericht könne sie nicht aufheben. „Als Jurist tendiere sich zu einer Berufung“, so Söder, da das Urteil direkt das Selbstverwaltungsrecht der Stadt betreffe.

Dass es im Stadtrat geteilte Meinungen zum verkaufsoffenen Sonntag gibt, zeigte sich in einer anschließenden kurzen Diskussion. Veit Popp (CSU) meinte etwa, es sei ohnehin „nicht ganz in Ordnung“ gewesen, ein altes Marktrecht für einen verkaufsoffenen Sonntag herzunehmen, der dann nicht nur die Stadt, sondern auch das Gewerbegebiet einbeziehe. Neue Wege könnten die Lösung sein, etwa eine lange Verkaufsnacht, wie sie auch Bamberg anbiete. Ludwig Wolf (BBL-FW) meinte dagegen, seine Fraktion sei für einen, aber nicht für weitere verkaufsoffene Sonntage pro Jahr.

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