Seit 2020 ist Ronny Beck Bürgermeister der Gemeinde Lauter. Welche Herausforderungen kommen auf die Gemeinde zu? Was ist trotz der schwierigen Haushaltssituation an Projekten möglich? Und was wünscht sich Beck von der „großen Politik“? Darüber haben wir mit ihm im Interview gesprochen …
Seit 2020 sind Sie Bürgermeister der Gemeinde Lauter. Was hat sich seitdem in Lauter verändert? Welche Ziele konnten Sie erreichen?
Die letzten Jahre konnten vordringlich kleinere Projekte umgesetzt werden. Ich zähle nun das in Stichpunkten auf:
- Moderne sichere Spielplätze in allen Ortsteilen
- Festplatzanschlüsse für Vereinsfeste in Lauter und Deusdorf
- E-Bike-Ladeinfrastruktur in der gesamten Gemeinde
- Neue Feuerwehrfahrzeuge in Deusdorf und Leppelsdorf
- Windgroßpark durch Investoren verhindert
- Radweg nach Baunach fertig gestellt
- Kanalsanierung in Appendorf
- Radweg nach Baunach fertig gestellt
- Planung Radweg nach Oberhaid
- Glasfaser für ALLE gesichert
- Kindergarten Lauter gesichert (Erwerb)
- Maßnahmen gegen Sturzfluten auf den Weg gebracht und teilweise mit der ALE umgesetzt
- Ortsdurchfahrt Deusdorf Mitte umsetzungsreif geplant
- Ortsdurchfahrt Appendorf Ost geplant
Im Interview vor sechs Jahren nannten Sie Herausforderungen wie die finanzielle Belastung durch die Schulhaussanierung im Schulverband Baunach und notwendige Investitionen in Kanal- und Kläranlagen. Wie beurteilen Sie heute die finanzielle Lage der Gemeinde und die Spielräume für eigene Projekte?
Zu Beginn der Wahlperiode konnten noch einige bereits begonnene Projekte fertig gestellt werden. Jedoch lag hier die finanzielle Belastung über den der Planungen. Für die Kläranlage liegt zwar eine Planung vor, jedoch würde die finanzielle Belastung den Rahmen sprengen.
In den letzten beiden Jahren waren jeweils 500.000 Euro Gewerbesteuereinnahmen eingeplant. Jedoch waren keine Einnahmen zu verzeichnen, sondern vielmehr Rückzahlungen. Deswegen musste sogar noch ein Kredit aufgenommen werden. Insgesamt sind die finanziellen Spielräume kleiner geworden und der Gürtel muss enger geschnallt werden. Es muss sich noch mehr auf die Pflichtaufgaben konzentriert werden.
In den letzten Jahren wurde der Glasfaserausbau deutlich vorangebracht. Wo sehen Sie noch Handlungsbedarf in der digitalen Daseinsvorsorge?
Glasfaser kommt 2026 und zwar für alle in der Gemeinde. Dafür habe ich mich stark gemacht und der Gemeinderat folgte dem Vorschlag. Mit der digitalen Daseinsvorsorge machen wir in der VG Baunach bereits große Schritte. Mitte 2026 kommt eine neue übersichtlichere Homepage und auch im Bereich des digitalen Rathauses spielen wir hier eine Vorreiterrolle.
Der Radweg zwischen Baunach und Appendorf wurde fertiggestellt und eröffnet. Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht die weitere Vernetzung von Rad- und Fußwegen – auch im Hinblick auf die Alltagsmobilität in und um Lauter?
Ein Radweg wurde zwar fertiggestellt, jedoch ist gibt es momentan noch in der Gemeinde Lauter eine Sackgasse im Bereich der Radwege. Jeder, der die rege Nutzung des Rad- und Fußweges nach Baunach gesehen hat, ist überzeugt, dass das hier angelegte Geld keine Fehlinvestition war. So soll es auch weiter gehen.
Bereits seit 2009 laufen die Überlegungen bezüglich des Radweges zwischen Oberhaid und Appendorf. Jedoch stagnierte es danach. Durch intensive Bemühungen in den letzten Jahren liegt nun erstmals ein Plan mit der Trassenführung vor. Die Abstimmungen mit den beteiligten Behörden laufen und so ist laut Planer eventuell schon im Jahr 2027 mit dem Baubeginn zu rechnen.
Lauter hat eine sehr aktive Vereinslandschaft, und Sie haben 2020 das Ehrenamt als Herzensanliegen bezeichnet. Welche konkreten Maßnahmen haben Sie in Ihrer Amtszeit ergriffen, um Ehrenamtliche – etwa in Feuerwehr, Vereinen und Jugendarbeit – zu stärken?
Ich unterstütze die Arbeiten wo es nur geht. Bei Anträgen übernehme ich gerne die Schreibarbeiten, da diese wie zum Beispiel bei der Kleinprojektförderung über die BaunachAllianz doch einige Zeit in Anspruch nimmt. Auch unterstütze ich durch Spenden die Arbeiten – durch finanzielle Spenden oder auch Sachspenden (wie mal ein Fässla Bier bei Arbeiten). Auch lade ich die Ehrenamtlichen bei Umzügen wie der Fronleichnamsprozession, Volkstrauertag, … zu einem gemeinsamen Umtrunk ein. Alles bezahle ich hier aus meiner eigenen Tasche und nicht von der gemeindlichen Kasse.
Ein Dauerthema im Gemeinderat war die ehemalige Gastwirtschaft Stern. Seit Jahren wird hier um eine Nachnutzung gerungen. Warum geht das Projekt derart langsam voran?
Momentan müssen wir hier leider ein wenig auf die Bremse treten. Zwar gibt es eine sehr hohe Förderung, aber auch mit Förderung muss die Gemeinde einiges investieren. So traurig wie es sich anhört: Wir müssen uns erstmal auf unsere Pflichtaufgaben konzentrieren.
Was tut die Gemeinde Lauter für Kinder, Familien und Senioren – und wo sehen Sie noch Verbesserungsmöglichkeiten?
In der Gemeinde Lauter läuft momentan der Erwerb des Kindergartens. So kann zum einen der Betrieb weiter gewährleistet werden und zum anderen kann hier die ehrenamtliche Vorstandschaft entlastet werden. Die Spielplätze in der Gemeinde Lauter wurden in den letzten sechs Jahren überholt und alle auf einen sicheren und aktuellen Stand gebracht. Auch wurden über die Baunach-Allianz Seniorenspielgeräte angeschafft, die im Bereich des großen Parkplatzes in der Schulstraße aufgestellt wurden.
Es wäre nun noch wünschenswert, dass wir einen barrierefreien Raum für zukünftige Seniorentreffen hätten. Leider macht eine Gastwirtschaft nach der anderen zu und die entsprechenden Örtlichkeiten werden immer rarer. So würde sich die Gastwirtschaft Stern anbieten – jedoch haben wir hier wieder das finanzielle Problem.
Erneuerbare Energien, vor allem Windkraft und Photovoltaik, sollen stark ausgebaut werden. Wie wichtig ist Ihnen das Thema – und sollten die Gemeinden und die Bürgerinnen und Bürger nicht auch finanziell davon profitieren?
Wir haben zwei Windvorranggebiete in der Gemeinde Lauter. Zunächst wurde durch die 10-H-Regel dem Bau von Windrädern der Riegel vorgeschoben. Durch das Wind-an-Land-Gesetz wurden diese Gebiete wieder reaktiviert und Investoren drehten bereits ihre Runde. Um ein aktives Mitspracherecht zu haben und die Wertschätzung vor Ort zu lassen, haben wir als Gemeinde einen Teil der Flächen gesichert und betreiben nun selbst die Planung für die Errichtung von Windrädern – mit Maß und Ziel. Eine GmbH wurde zur Planung gegründet und bei der Fertigstellung der Planung soll vor der Umsetzung die Beteiligung für Gemeindebürger ermöglicht werden.
Sie treten 2026 erneut an, gegen einen Mitbewerber. Was treibt Sie an, eine weitere Amtszeit in Angriff zu nehmen – und welche drei Ziele möchten Sie in der kommenden Wahlperiode unbedingt verwirklichen?
Meine aktuelle Amtszeit begann 2020 mit dem bekannten Lockdown, der viele Einschnitte mit sich brachte. Hier war es sehr schwierig etwas zu erreichen, da die Mobilität eingeschränkt und viele im Home Office waren. Mittlerweile ist es so, dass sich die Erreichbarkeit zwar gebessert hat, jedoch noch nicht so wie gewünscht. Teilweise ist Home Office immer noch verbreitet, was Abklärungen erschwert, da die Telefone teilweise nicht umgestellt sind.
Es gibt nicht nur drei Ziele, die ich verwirklichen will. Jedoch hängt vieles von den finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde ab, die nicht gerade rosig sind. Hier die drei Hauptprojekte, die voran getrieben werden sollen:
- Abwasserbeseitigung: Bereits seit längerem muss das Projekt Abwasserbeseitigung angegangen werden. Nach einem Ausschreibungsverfahren haben wir zwar mittlerweile eine konkrete Kostenberechnung, jedoch würde die Belastung für die Einleiter, sprich Bürger, in keinem Verhältnis stehen. Deswegen wurden mit dem neuen Planungsbüro Alternativen zum Neubau einer Kläranlage besprochen. Diese werden nun ausgearbeitet. Es muss eine bezahlbare Abwasserbeseitigung werden.
- Windkraft: Seit 2014 sind in Lauter zwei Windvorranggebiete vorhanden. Aufgrund der dann eingeführten 10-H-Regelung war eine Bebauung ausgeschlossen. Durch das Wind-an-Land-Gesetz änderte sich dies. Investoren tauchten auf und wollten eine maximale Belegung der ausgewiesenen Flächen. Die Gemeinde Lauter unternahm die Flächensicherung und beplant nun selbst die Flächen in einem verträglichen Maße. Wäre die Gemeinde Lauter nicht in die Flächensicherung eingestiegen, hätten wir keinerlei Mitspracherecht mehr. Es soll ein Bürgerwindpark mit Beteiligung der Bürger ohne große Investoren entstehen.
- Infrastruktur: Zum einen soll 2026 der Glasfaserausbau in der Gemeinde Lauter umgesetzt werden. Hier sollen alle Bürger und jeder Haushalt in der gesamten Gemeinde versorgt werden – egal ob in den Ortschaften oder Gehöfte außerhalb. Zum anderen sollen die beiden Ortsdurchfahrten Appendorf und Deusdorf ausgebaut werden. Diese werden im Rahmen der laufenden Flurbereinigungsverfahren federführend durch ALE Oberfranken geplant. Für Deusdorf Mitte (Bereich um das Feuerwehrhaus mit alter Sandsteinbrücke) existiert ein fertiger Plan, der bereits vorgestellt wurde. Für Appendorf dauert es leider noch, da hier eine Abhängigkeit von der Baumaßnahme der B279 in Reckendorf besteht. Die Ortsdurchfahrt Appendorf dient als Umleitungsstrecke und darf somit nicht gleichzeitig gesperrt werden.
Wenn Sie drei Wünsche an die „große Politik“, also Richtung München, Berlin oder Brüssel, frei hätten: Was wären diese?
Hört endlich mehr auf die Bürger und deren Belange. Viele Bürger fühlen sich nicht mehr ernst genommen, da bei uns nichts mehr ankommt.
Bürokratieabbau: Anstatt die Arbeiten und der normalen Bevölkerung zu erleichtern, werden immer mehr Forderungen gestellt und die Hürden bei Anträgen werden immer höher. Einfach den Menschen Vertrauen entgegenbringen und nicht alles überregulieren.
Förderungen: Anstatt das Geld in einem peruanischen Radweg oder für die Entwicklungshilfe nach China zu geben, die uns eh bald überholen, lieber in Projekte vor Ort stecken. Die Infrastruktur (Straßen und Radwege) sind bei uns sehr in die Jahre gekommen und brauchen dringend der Sanierung beziehungssweise überhaupt den Bau. Auch versteht keiner, warum sich andere Bundesländer (zum Beispiel Berlin) Sachen leistet, die sich Bayern nicht leistet.
Was würden Sie den Wählerinnen und Wählern gerne mit auf den Weg geben, bevor sie am 8. März 2026 ihre Stimme abgeben?
Wählen gehen ist ein Grundrecht. In vielen Ländern besteht keine Meinungsfreiheit. Ich verstehe so einige, die Politikverdrossenheit haben. Jedoch ist es nicht zielführend, nicht wählen zu gehen. Egal wie, geht wählen und nehmt am Schluss das Votum an, dass die Mehrheit abgegeben hat. Das Leben geht am nächsten Tag weiter und wir müssen weiter in einer Gemeinschaft weiterleben.
Zur Person:
Ronny Beck wurde im Februar 1979 in Bamberg geboren und wuchs fortan in Lauter auf. Nach der Grundschule besuchte er Schulen in Ebern und schloss im Jahr 1995 die Realschule mit gutem Erfolg ab. Danach absolvierte er eine Lehre bei Möbel Neubert in Hirschaid und schloss hier mit sehr gutem Erfolg ab. „Da es mir jedoch zu eintönig war, nur im Geschäft ohne Tageslicht tätig zu sein, entschloss ich mich die Polizeiausbildung zu machen. Hier waren fortan die Stationen in Würzburg, Sulzbach-Rosenberg, Nürnberg, Bamberg, Bad Staffelstein und jetzt nun Lichtenfels. Hier bin ich nun Dienstgruppenleiter.“
Im Privaten verblieb Beck in Lauter. Seine Frau hat er in München in der Allianz-Arena kennengelernt, obwohl sie auch aus dem Bamberger Raum stammt. Nach dem Hausbau und der Heirat folgten drei wunderbare Kinder, die noch alle die Schule besuchen.
Nach wie vor ist Beck in zahlreichen Vereinen aktiv und unterstützt hier die ehrenamtlichen Arbeiten. „Im letzten Jahr habe ich zum Beispiel mit meinem großen Sohn (elf Jahre) die neue modulare Grillbude gebaut, da es mir nach zig Jahren der Diskussion über die Art und Weise der Bauweise zu lange dauerte. Einige sagten, man müsste was machen, andere wieder so müsste es gemacht werden, wiederum andere so nicht. So habe ich kurzerhand das Heft in die Hand genommen und den Bau durchgeführt – ohne große Diskussion.“


