Wo sie gebraucht wurde, ging sie hin

Veröffentlicht am 23. Juli 2019 von Johannes Michel
Logopädie Scheßlitz


In den vergangenen Monaten kamen die Benediktinerinnen in der Abtei Maria Frieden, Kirchschletten, kaum aus dem Feiern heraus: Im November wurde Schwester Humilitas 85, Schwester Lumen im März 90. Dann stand ein großes Helferfest an und vor einigen Tagen konnte Schwester Nieves ihr Goldenes Professjubiläum begehen. Und am 19. Juli wurde nun ein 95. Geburtstag gefeiert.

Man sieht Schwester Milagros ihre 95 wirklich nicht an. Klar, dass sie noch mithilft, wo es geht. „Wenn in der Küche etwas besonders klein geschnitten werden muss, bin ich dabei“, erklärt sie dann auch bei einer kleinen Kaffeerunde mit Äbtissin Mechthild Thürmer und Bürgermeister Volker Dittrich am Vormittag ihres Geburtstages. Rufina, wie sie bürgerlich heißt, wurde am 19. Juli 1924 als Tochter des Uhrmachers Gaudencio Espiritu und seiner Ehefrau Silvestra Chrisotologo in Vigan/Philippinen, geboren. Sie besuchte die Hauptschule und ließ sich später, nach dem Eintritt in das Kloster, zur Lehrerein für Religion und Katechismus ausbilden.

Ihre Hinwendung zu Gott erfuhr Sr. Milagros sehr früh durch ihren Vater, Mitglied der Nocturnal Adorers, der keine Hl. Messe ausließ. Als sie einmal mit ihrem Vater und Freunden die nächtliche Messe besuchte, sah sie auch zum ersten Mal die Benediktinerinnen vom Eucharistischen König. Für die junge Frau war das eine besondere Begegnung, die ihren weiteren Lebensweg prägte. Die schöne Kirche des Konventes, die Stille und die Ruhe beeindruckten sie sehr.


Äbtissin Mechthild (links) und Bürgermeister Volker Dittrich gratulierten Sr. Milagros zu ihrem 95. Geburtstag.

1975 folgte sie dem Ruf nach Deutschland

Kurz nach ihrem 18. Geburtstag im Jahre 1942 trat sie in das Kloster in Santa Maria Ilocous Sur mit einer älteren Freundin ein. Zu dieser Zeit waren die Philippinen von japanischen Truppen besetzt, es war schwierig für die junge Frau, die Mittel für die Aufnahme in das Kloster und für die Einkleidung aufzutreiben. Es gelang ihr mit Hilfe von Freunden und ihrem spirituellen Begleiter, dem argentinischen Pater Miguel Dittler.

Sr. Milagros bezeichnet die Zeit ihres Noviziats und auch später nach den Ewigen Gelübden, am 12. September 1944, als sehr hart. Es herrschten Elend und Krankheit überall, die Lebensmittelknappheit traf auch das Kloster, und die jungen Schwestern wurden in die entlegenen Provinzen geschickt, um zu helfen, wo es ging. M. Edeltraud aber machte immer Mut, damit alle ihren Dienst an den Menschen mit Hingabe erfüllen konnten. Sr. Milagros brachte dann in öffentlichen und katholischen Schulen den Kindern den Katechismus nahe, wurde mit wichtigen Einkäufen für das Kloster betraut und später mit der Beschaffung der Visa für die nach Deutschland in das neugegründete Kloster Maria Frieden in Kirchschletten entsandten Schwestern.

Sie selbst folgte dem Ruf der Äbtissin Gertrude von Calderon nach Deutschland im Jahre 1975 mit fünf weiteren Schwestern. Sie ist jedoch die einzige dieser Gruppe, welche noch hier in Kirchschletten arbeitet. Nach der für sie schwierigen klimatischen Eingewöhnung übernahm Sr. Milagros die Arbeit in der Küche, in der Wachswerkstatt und in der Pflege der kranken Schwestern. Oder, wie Sr. Milagros betont, überall, wo sie gebraucht wurde oder der Ruf sie ereilte, da ging sie hin. Mit großem Vergnügen widmet sie sich heute noch der Herstellung von Briefkarten, die sie künstlerisch gestaltet.

1996 reist sie das erste Mal auf die Philippinen, 2001 und 2006 besuchte sie ihre Verwandtschaft in den USA. Ihre Heimat, so sagt sie, sei das Kloster Maria Frieden.

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