Warum sich Fotos stets verändern (sollten)

Veröffentlicht am 13. Juni 2018 von Johannes Michel

Eines haben wir sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram auf jeden Fall zu verdanken: Viele Menschen beschäftigen sich heute mit dem Thema Fotografie – und sind dabei mit Schnappschüssen nicht mehr zufrieden. Denn Fotografie kann mit „einfachen“ Mitteln zur Kunst werden. Das zeigte Gerhard Schlötzer aus Bamberg bei einem Vortrag in der Artothek Hallstadt.

„Bamberg – Zeitgeschichten im öffentlichen Raum“ heißt das Fotoprojekt, das Gerhard Schlötzer bei einem Vortrag in der Artothek Hallstadt, die momentan noch in der Stadtbücherei untergebracht ist, vorstellte. Fotografie werde dann zur Kunst, wenn das Bild an der Wand, genauso wie ein gemaltes Bild, lange den Blicken des Betrachters standhalte – und wenn er immer wieder Neues entdecken könne, erklärte der Fotograf. Genauso wie bei einem gemalten Bild zeigt sich dem Betrachter nie die Wirklichkeit an sich, sondern die Wirklichkeit aus der Vorstellung des Fotografen. Er kann also beeinflussen, wie sein Bild wirken soll. Hinzu kommt der Faktor Zeit: Ein Foto kann heute ganz anders wahrgenommen werden als in 20 Jahren, historische Aufnahmen wirken auf uns heute nie so wie zu der Zeit ihrer Entstehung.

In der Geschichte der Fotografie, auf die Schlötzer ebenfalls einging, war zunächst das Thema „Dokumentation“ entscheidend – sie ersetzte die typische Porträtmalerei und die Malerei zu Dokumentationszwecken, die sehr verbreitet war, um zum Beispiel Gebäude vor Umbaumaßnahmen festzuhalten. Aus diesem Grund konnte die Malerei dann neue Wege gehen, abstrakter werden.


Bürgermeister Thomas Söder (rechts) begrüßte die Besucher zum Vortrag.

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Oft spielt der Zufall mit

Mit seinem Fotoprojekt zeigt Schlötzer eine Stadt wie Bamberg ganz anders als bekannt. Oftmals wird gerade in historisch gewachsenen Städten die „ungestörte Historizität“ abgebildet, also Gebäude ohne Menschen, ohne Veranstaltungen. Auf seinen Bildern hingegen zeigt sich das Leben – bei einer Fronleichnamsprozession, beim einer NPD-Kundgebung 2013 auf dem Maxplatz oder einfach in alltäglichen Situationen. Die Bilder nimmt er mit einer analogen Kamera in schwarz-weiß auf, die Größe der Filmplatte (also des Negativs) liegt bei 20 x 25 Zentimetern. Somit erzielt er eine ungemein hohe Auflösung, seine Fotos lassen später bei der Betrachtung mit einer Lupe winzige Details erkennen.

Warum schwarz-weiß? Und dazu eine historische analoge Kamera? „Wer alle Freiheiten hat, erlebt keinen Widerstand, es entsteht keine Beziehung zwischen Motiv und Fotograf“, erklärte Schlötzer. Ein gutes Foto hänge immer vom Dreiklang aus Motiv, Technik und Fotograf zusammen – wobei das wirklich Interessante oft das sei, was der Fotograf nicht beeinflussen könne: der Zufall.


Gerhard Schlötzer mit seiner Kamera.

Und einen Tipp, wie interessante Fotos gelingen, hatte Schlötzer auch parat: Er setzt stark auf Tor- und Brückensituation. In mehreren seiner Bilder spielt auch Hallstadt eine Rolle – so fotografierte er beispielsweise vom Marktplatz aus den Blick an der Gastwirtschaft Greta Diller vorbei durch die Bamberger Straße hindurch bis hin zur Altenburg (Torsituation) oder das Einkaufszentrum Ertl von der anderen Seite der Autobahn, am Bildrand ist die Brücke des „Schleichwegs“ in der Verlängerung des „Hallstätter Wegs“ zu erkennen (Brückensituation). Und: Schlötzer erzeugt oft sehr viel Tiefe, rahmt seine Motive mit Gebäuden oder der Natur ein.

 

Tipp für Interessierte: Viele der Fotos von Gerhard Schlötzer finden Sie auch auf seiner Internetseite. Zwei Fotografien von ihm sind zudem über die Artothek Hallstadt ausleihbar.

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