Der Haushalt der Gemeinde Kemmern wächst 2026 auf 8,75 Millionen Euro. Trotz steigender Einnahmen bleibt der finanzielle Spielraum begrenzt. Vor allem die Kreisumlage belastet. Der Gemeinderat beschäftigte sich außerdem dem Sturzflutrisikomanagement und und Lagerflächen für Vereine.
Acht Jahre lang kam die Gemeinde ohne neue Darlehen aus. 2026 ändert sich das: Im Haushalt ist eine Kreditaufnahme in Höhe von 455.000 Euro vorgesehen. Allerdings handelt es sich dabei nicht um eine plötzlich entstandene Finanzierungslücke. Die Darlehensaufnahme war bereits im Haushalt 2023 genehmigt worden, wurde bislang aber nicht benötigt und immer wieder aufgeschoben. In diesem Jahr muss die Gemeinde die Kreditermächtigung nun nutzen, wenn sie nicht verfallen soll.
Kämmerer Markus Diller stellte dem Gemeinderat den rund 250 Seiten starken Haushaltsplan vor. Dabei konnte er zunächst auf ein besser als erwartet abgeschlossenes Jahr 2025 zurückblicken. Mehreinnahmen bei Gewerbesteuer und Einkommensteuerbeteiligung sorgten dafür, dass die geplante Kreditaufnahme erneut vermieden werden konnte. Auch ein Jahresüberschuss blieb übrig. Nun empfahl er allerdings, die seit 2023 bestehende Kreditermächtigung über 455.000 Euro in Anspruch zu nehmen. Nach der aktuellen Finanzplanung soll bis 2029 kein weiteres Darlehen notwendig werden.
Das Gesamtvolumen des Haushalts steigt gegenüber dem Vorjahr an. 8,75 Millionen Euro stehen 2026 auf der Einnahmen- und Ausgabenseite, 2025 waren es 7,95 Millionen Euro. Davon entfallen 6,04 Millionen Euro auf den Verwaltungshaushalt und 2,71 Millionen Euro auf den Vermögenshaushalt, über den Investitionen abgewickelt werden. Insgesamt wächst der Etat damit um knapp 800.000 Euro.
Höhere Einnahmen – aber auch höhere Belastungen
Auf der Einnahmenseite rechnet die Gemeinde mit 540.000 Euro bei der Gewerbesteuer und damit 100.000 Euro mehr als 2025. Der Gemeindeanteil an der Einkommensteuer soll von knapp 1,99 Millionen auf 2,07 Millionen Euro steigen. Zusammen mit Umsatzsteueranteilen und Einkommensteuerersatzleistungen werden daraus Einnahmen von insgesamt 2,29 Millionen Euro. Die Schlüsselzuweisung erhöht sich ebenfalls leicht auf knapp 1,15 Millionen Euro.
Unverändert bleiben die Hebesätze. Für die Grundsteuer A gelten 195 Prozent, für die Grundsteuer B 250 Prozent und für die Gewerbesteuer 360 Prozent. Gerade der Blick auf mögliche künftige Kreditaufnahmen zeigte allerdings, warum diese Zahlen keineswegs auf Dauer festgeschrieben sein müssen. Nach Angaben der Verwaltung hat die staatliche Rechnungsprüfung deutlich gemacht, dass bei einem zusätzlichen Darlehensbedarf auch die Einnahmeseite verbessert werden müsste. Dann könnten unter anderem höhere Grundsteuerhebesätze sowie Einschnitte bei freiwilligen Leistungen notwendig werden. Gerade deshalb sei es zu empfehlen, so Diller, die bestehende Kreditermächtigung jetzt zu nutzen.
Besonders deutlich wird die Belastung durch die Kreisumlage. Sie steigt 2026 um knapp 147.000 Euro auf fast 1,5 Millionen Euro. Der Umlagesatz des Landkreises liegt bei 47 Prozent, im vergangenen Jahr waren es noch 45,5 Prozent. Diller hatte die Entwicklung im Vorbericht zum Haushalt konkret dargestellt – im Jahr 2020 zahlte Kemmern noch fast 500.000 Euro weniger an den Landkreis.
Weiterhin viele Investitionen
Gleichzeitig investiert die Gemeinde weiter. Restliche Mittel sind unter anderem für die Abrechnung des umgebauten Pausenhofs und der erneuerten Schulsportanlage eingeplant. Handlungsbedarf besteht außerdem am undichten Flachdach über dem Umkleidebereich der Turnhalle sowie beim Brandschutz an der Grundschule. Die größeren Brandschutzarbeiten sollen nach derzeitiger Planung in den Sommerferien 2027 erfolgen. Für Straßensanierungen sind 80.000 Euro eingeplant. Bei der Ortskernsanierung wird der Bauabschnitt 7 abgerechnet, während mit dem letzten Abschnitt 5C in der Breitengüßbacher Straße begonnen wird. Hinzu kommen unter anderem Grundstückskäufe, der Grunderwerb für einen geplanten Radweg an der Hallstadter Straße sowie ein bereits beschaffter Geräteträger für den Bauhof.
Diller bewertete die finanzielle Entwicklung Kemmerns im Vergleich mit anderen Kommunen weiterhin als ordentlich. Der finanzielle Spielraum sei nach der aktuellen Finanzplanung bis 2029 sogar etwas besser als zuletzt angenommen. Groß sei er allerdings nicht. Die allgemeine Rücklage liegt derzeit bei rund 1,15 Millionen Euro. Durch die Kreditaufnahme ist 2026 zunächst keine größere Entnahme erforderlich, in den folgenden Jahren wird der Bestand nach der Finanzplanung jedoch deutlich zurückgehen. Der Gemeinderat verabschiedete Haushalt und Finanzplanung jeweils einstimmig.
Geld aus dem Investitionsbudget für Sturzflutmaßnahmen?
Eng mit der Haushaltslage verbunden war die Diskussion um das Kommunale Investitionsbudget. Kemmern erhält daraus 345.624 Euro. Die Gemeinderäte Otto Fuchs, Thomas Ochs und Dr. Anne Schmitt hatten beantragt, mindestens 100.000 Euro davon für künftige Maßnahmen zur Starkregenvorsorge und zum Regenwasserrückhalt vorzusehen. Gleichzeitig sollte die Gemeinde ein integrales Sturzflutrisikomanagement erarbeiten lassen. Hintergrund war insbesondere das Starkregenereignis vom 1. Juli, bei dem im Gemeindegebiet mehr als 50 Einsatzstellen abgearbeitet werden mussten.
Bürgermeisterin Denise Müller stellte klar, dass die Verwaltung einem solchen Konzept grundsätzlich nicht ablehnend gegenüberstehe. Aus finanzieller Sicht sollten die Mittel aus dem Investitionsbudget aber zunächst für bereits bekannte Investitionen genutzt werden. Würden 100.000 Euro für noch nicht feststehende spätere Maßnahmen reserviert, könnte nach Berechnungen der Verwaltung in den kommenden Jahren ein zusätzlicher Kreditbedarf entstehen. Welche Maßnahmen sich aus einem Sturzflutkonzept ergeben und welche Kosten damit verbunden wären, sei zudem derzeit noch völlig offen.
Der Gemeinderat folgte dieser Argumentation einstimmig. Die Reservierung von Geldern aus dem Investitionsbudget für spätere Sturzflutmaßnahmen wurde damit nicht weiterverfolgt. Über die Erstellung eines Sturzflut-Risikomanagementkonzepts selbst soll dagegen in einer der kommenden Sitzungen noch entschieden werden.
Unmittelbar danach legte der Rat fest, wofür die 345.624 Euro aus dem Investitionsbudget verwendet werden sollen. 250.000 Euro fließen in die Sanierung des Flachdachs über dem Umkleidebereich der Schule. Die verbleibenden 95.624 Euro werden für den neuen Geräteträger des Bauhofs eingesetzt. Auch diese Entscheidung fiel einstimmig.
Keine Vereinslager am ehemaligen Wasserhaus
Keine Zukunft hat dagegen zunächst die Idee, auf dem gemeindlichen Grundstück am ehemaligen Wasserhaus am Langäcker zusätzliche Lagerflächen für örtliche Vereine zu schaffen. Auch diesen Antrag hatten Fuchs, Ochs und Anne Schmitt gestellt. Sie wollten zunächst ergebnisoffen untersuchen lassen, ob dort entsprechende Möglichkeiten bestehen. Die Verwaltung kam allerdings zu einem klaren Ergebnis. Das Grundstück wird bereits vom Bauhof genutzt, außerdem befinden sich nördlich die Alarmausfahrt der Feuerwehr, zudem der vorgeschriebene Lärmschutzwall und vor allem wichtige Anlagen der Wasserversorgung. Im südöstlichen Bereich wird das Fernwasser in das gemeindliche Leitungsnetz eingespeist. Damit gehören Einrichtungen auf dem Gelände zur kritischen Infrastruktur. Die Verwaltung riet deshalb von einer zusätzlichen Nutzung und auch von unbeaufsichtigtem Zugang für andere Personen ab. Der Gemeinderat folgte dieser Einschätzung einstimmig.
Kurz beschäftigte sich das Gremium außerdem erneut mit dem Sanierungsgebiet Ortskern. Dessen Gültigkeit war bereits 2021 bis Ende 2026 verlängert worden. Da der noch ausstehende Bauabschnitt 5C bis dahin voraussichtlich nicht vollständig abgeschlossen werden kann, verlängerte der Gemeinderat den Durchführungszeitraum einstimmig bis Ende 2027.
Im allgemeinen Bericht informierte Bürgermeisterin Denise Müller darüber, dass der frühere Bürgermeister Rüdiger Gerst die ihm vom Gemeinderat verliehene Ehrenbezeichnung „Altbürgermeister“ angenommen hat. Die Urkunde soll voraussichtlich bei seiner offiziellen Verabschiedung im November übergeben werden. Zudem zog Müller ein positives Fazit der Kirchweih, die im Ortskern gefeiert wurde und dankte den beteiligten Vereinen, Helferinnen und Helfern sowie den Gästen.

