Europa muss Verantwortung übernehmen

Mürsbach hat sich als Bundesgolddorf im Jahr 2013 einen Namen gemacht und taucht somit auch heute noch bundesweit als Reisetipp auf. Am 30. August kam ein besonderer Gast: Manfred Weber, Fraktionsvorsitzender der Europäischen Volkspartei im Europäischen Parlament und stellvertretender CSU-Vorsitzender.

Den meisten Applaus gibt es, als die CSU-Ortsvorsitzende aus Mürsbach, Sabina Sitzmann-Simon, erwähnt, dass nicht nur sie Manfred Weber gerne anstatt von Ursula von der Leyen als EU-Kommissionspräsident gesehen hätte, auch wenn sie in der Frauen-Union engagiert ist. Die Zuhörerinnen und Zuhörer, die sich im Biergarten eingefunden hatten, waren bis dahin bereits rund anderthalb Stunden tapfer geblieben, zwischenzeitlicher Regen hielt niemanden davon ab, der Rede von Manfred Weber zu folgen. Bei der ging es um natürlich auch um Wahlkampf, aber größtenteils um Grundsätzliches.

„Es darf die Frage gestellt werden: Habt ihr es gut gemacht?“ Manfred Weber lud die Besucherinnen und Besucher dazu ein, selbstbewusst zu sein. Deutschland verzeichne hohe Steuereinnahmen, gute Jahre lägen hinter dem Land. Aber man dürfe auch kritisch sein. Gerade in der Corona-Pandemie seien manche Entscheidungen vielleicht zu spät getroffen worden. Mit Blick auf die Europäische Union sei es ähnlich. Vieles laufe gut – man habe einen europaweit gültigen Impfpass auf den Weg gebracht, Länder finanziell unterstützt, die Entwicklung von Impfstoffen vorangetrieben. Es sei aber auch zu beobachten gewesen, dass viele wieder auf Egoismus umgeschaltet hätten. „Deutschland lieferte keine Masken mehr an Italien, an vielen Grenzen stand wieder Militär.“ Corona sei eine echte Belastungsprobe gewesen.

Manfred Weber bei seiner Rede im gut besuchten Biergarten in Mürsbach.

Deutsche Technik nicht verbieten

Weber brachte dem Publikum auch den Green Deal der EU nahe. Bis 2050 wolle die EU klimaneutral werden. Ein ambitioniertes Ziel, mit dem Europa der Welt aber zeigen könne, was möglich ist. Es gelte dabei, alle Menschen mitzunehmen, auch die finanziell schwächeren. Und, das war Weber besonders wichtig: „Wir sollten hier keine ideologieorientierte, sondern eine technologieoffene Politik machen.“ Vieles wüssten die Ingenieure und Wissenschaftler nun einmal besser. Weber warnte vor einem generellen Ausstieg aus Otto- und Dieselmotoren. Es sei durchaus möglich, dass durch die Entwicklung von Biokraftstoffen der klimaneutrale Betrieb von Verbrennungsmotoren bald möglich sei. „Ein Verbot wäre ein Geschenk an die Chinesen.“

Nach Osten blickte Weber mehrfach. Aber auch über den Atlantik. Jeder, der in Europa Dienste anbiete, müsste die hier geltenden Vorschriften und Spielregeln respektieren – und Steuern zahlen. Auch Afghanistan ließ er nicht unterwähnt. Der Westen müsse bei internationalen Aufgaben realistischer werden. „Wir können nicht überall die Demokratie nach westlichem Vorbild einführen.“ Und er warb dafür, dass Europa mehr Verantwortung übernehmen müsse, wenn die Vereinigten Staaten von Amerika sich zurückzögen. „Sonst wachen wir schnell in einer Welt auf, die nicht mehr unsere ist“, sagte Weber mit Blick auf den wachsenden Einfluss von Staaten wie China und Russland.

Nach Webers Rede waren die Besucherinnen und Besucher eingeladen, Fragen zu stellen. Dabei ging es um Mehrgenerationenprojekte, Lebensmittel, Long-Covid und die Ostpolitik der EU. Zusammen mit den Bundestagskandidatinnen Emmi Zeulner und Anna Schmitt verabschiedete Sabina Sitzmann-Simon den Gast nach rund einer Stunde – für ihn stand noch ein weiterer Termin auf dem Programm.


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