Dreht sich seit 15 Jahren: Das Bürgerwindrad in Sassendorf

MIT GROSSER BILDERGALERIE!

Mit der 1990er Jahre fanden sich engagierte Menschen aus dem Umfeld des Bund Naturschutz und des Vierether Kuckucks-Ei zusammen, um dem drohenden AKW-Standort Viereth einen positiven Gegenentwurf entgegenzusetzen: Die Idee zu einem Bürgerwindrad wurde geboren. Als Standort kristallisierte sich der Berg zwischen Ebing und Sassendorf in der Gemeinde Zapfendorf heraus. Am vergangenen Sonntag wurde „15 Jahre Windrad Sassendorf“ gefeiert – eine Gelegenheit, das Windrad einmal genauer anzuschauen. Natürlich war auch für die Unterhaltung gesorgt: Eine Samba-Band und der Zapfendorfer Kindergarten St. Christophorus traten auf.

Wer mit ausgetretenen Pfaden brechen will, stößt naturgemäß auf den Widerstand derer, die sich einträglich in den bestehenden Verhältnissen eingerichtet haben“, heißt es beim Vierether Kuckucks-Ei. Denn die Regierung von Oberfranken hatte das Windrad Sassendorf abgelehnt. Daher geriet die Genehmigungsphase des Bürgerwindrads zu einer Zitterpartie. Das Projekt stand kurz vor dem Aus. Nur dank des unermüdlichen Einsatzes der „Rädelsführer“, allen voran Ludwig Trautmann-Popp vom Bund Naturschutz, Zapfendorfs Bürgermeister Josef Martin und der Firma Aerius (Kropp/Ebitsch) klappte es am Ende doch.

Anlage mit 1,5 Megawatt Leistung

Nach einem Schreiben ans Bayerische Umweltministerium stellte sich im August 1997 der Erfolg ein. Staatssekretär Willi Müller teilte dem Bund Naturschutz mit, dass dem Vorhaben aus naturschutzfachlicher Sicht keine wesentlichen, hoch zu gewichtende Bedenken entgegenstehen. Die Bezirksregierung wurde deshalb gebeten, die landesplanerische Beurteilung des Vorhabens wieder aufzunehmen. Zum Jahreswechsel 1997/98 lag die Baugenehmigung für eine Anlage vor, Ende März 1998 erfolgte der Startschuss für den Bau. Der Grundstein wurde am 27. Mai 1998 gelegt, auf dem am 16. Juni das Windrad, eine Enercon E-66 mit 1,5 MW Nennleistung, aufgerichtet wurde. Und am 26. Juli fand die kirchliche Weihe im Rahmen eines Festaktes mit 500 geladenen Gästen statt.


Die Technikzentrale des Windrades zeigt jederzeit Windgeschwindigkeit und erzeugte Energie an.

So wurden die Teilhaber, die Bürger der Gemeinde Zapfendorf und natürlich die Sassendorfer zu Windkraftpionieren in der Region. Nach 15 Jahren läuft das Windrad immer noch rund – in jeglicher Hinsicht: Keine nennenswerten technische Probleme, die Kredite sind längst abbezahlt, die seriöse Rendite der Anteilseigner wird planmäßig erwirtschaftet. Allen Gerüchten zum Trotz.

Aufgrund des windtechnisch günstigen Standorts könnten in Sassendorf in den nächsten Jahren bis zu fünf weitere Anlagen entstehen. Der Verein Kuckucks-Ei und auch der Bund Naturschutz wünschen sich weitere Windräder in Oberfranken, am liebsten viele Bürgerwindräder. Die Energiewende ist viel zu wichtig um sie den Großkonzernen zu überlassen – schließlich ist es auch unser Strom, der da produziert werden soll, und unsere Umwelt und Zukunft die es zu schützen gilt“, heißt es in einer Presseerklärung.

Vorranggebiete für weitere Windräder reichen nicht aus

Zufrieden ist man beim Kuckucks-Ei mit den Vorranggebieten für neue Windräder allerdings nicht: „Die ausgewiesenen Flächen sind insgesamt zu klein und/oder zu wenige, um den Strombedarf zu decken. Zudem sollen die besten Flächen ausgeschlossen werden. Wir fragen uns: Stecken auch hier wieder die Großkonzerne dahinter?“, so Karin Zieg vom Vorstand. Ihr Kollege Jens Garleff ergänzt: „Weiterhin fordern wir, dass die Rahmenbedingungen der Energiewirtschaft so geändert werden, dass ein wirksamer Anreiz zum Energiesparen geschaffen wird. Bisher reden wir nur über die umweltfreundliche Stromerzeugung. Es wird jedoch kaum gelingen, die Energiewende erfolgreich zu gestalten, ohne am verschwenderischen Umgang mit Energie etwas zu ändern. Es müssen daher massive wirtschaftliche Anreize geschaffen werden, damit sich Energieeffizienz lohnt.


Panoramaaufnahme: Windfest in Sassendorf (zum Vergrößern anklicken).


Panoramaaufnahme: Windfest in Sassendorf (zum Vergrößern anklicken).

Johannes Michel, Karin Zieg (Kuckucks-Ei)

 

Viele Fotos vom Windfest in Sassendorf finden Sie in unserer Bildergalerie (zum Öffnen der Galerie einfach auf ein beliebiges Foto klicken, zum Beenden der Anzeige genügt ein Klick auf das geöffnete Bild)…

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