Anton Hofreiter: „Ich halte den zeitnahen Bau einer Umgehung für äußerst unwahrscheinlich.“

Veröffentlicht am 12. März 2013 von Johannes Michel

Zur Debatte um die B279 bei Baunach und Reckendorf hatten die Grünen den Vorsitzenden des Verkehrsausschusses im Bundestag, Anton Hofreiter, nach Reckendorf eingeladen. Nachdem er sich bei Ortsbegehungen ein Bild von beiden Ausbauvarianten gemacht hatte, gab es im sehr gut gefüllten Sportheim des ASV Reckendorf nach einem Vortrag Hofreiters Gelegenheit zur Diskussion.

„Wir wollen keine Bewertung vornehmen oder uns gar für eine der Varianten aussprechen,“ sagte der Kreisvorsitzende Andreas Lösche bei seiner Begrüßung und verwies darauf, dass der Ausbau der B279 nur eine von zweihundert Umgehungen auf dem Wunschzettel der Staatsregierung zum neuen Bundesverkehrswegeplan sei. Wie gering unter diesen Voraussetzungen die Wahrscheinlichkeit sei, in absehbarer Zeit mit einem Ausbau der B279 rechnen zu können, machte Anton Hofreiter in seinem Vortrag deutlich. So liege der Projektrahmen des aktuellen Bundesverkehrswegeplans noch bei 70 Milliarden Euro, während gerade einmal sieben Milliarden zur Verfügung stünden, wovon lediglich ein Zehntel tatsächlich entscheidbare Finanzmittel seien.

Neben den Niederlanden habe Deutschland das dichteste Straßennetz der Welt und dieses sei in den vergangenen zwanzig Jahren „umfangreich auf Verschleiß gefahren“ worden, betonte Hofreiter. Man müsse daher von einem Unterhaltsrückstand von Minimum zwanzig Milliarden Euro ausgehen, was dazu führe, dass derzeit selbst viele Projekte mit gültigem Baurecht mangels Geldes nicht gebaut würden. „Daher halte ich den zeitnahen Bau einer Umgehung für äußerst unwahrscheinlich,“ sagte der Grünen-Politiker.

Anton Hofreiter Reckendorf 2013
Anton Hofreiter in Reckendorf.

Außerdem müsse man sich im Klaren darüber sein, dass eine Beschleunigung der Bundesstraße nur weiteren Verkehr ins Tal locke. „Umgehungsstraßen dienen in erster Linie dem Fernverkehr, nicht der Entlastung der Menschen,“ stellte Hofreiter klar. Daher sei es angeraten, nach kurzfristigeren Lösungen für die Menschen zu suchen, etwa Tempo-30-Zonen in den Ortschaften und eine Sperrung für LKW über zwölf Tonnen im Transit. Die Anträge der Stadt Baunach und der Grünen im Kreistag gingen da in genau die richtige Richtung.

Gemeinden sollten an einem Strang ziehen

Dass solche Anträge zunächst abgelehnt würden, sei üblich. Mit Hartnäckigkeit sei aber einiges zu erreichen, wie man andernorts etwa an der B8 oder der B25 sehen könne. Neben dem Lärmschutz seien etwa Gefahrenstellen an der Strecke oder Feinstaubbelastung wichtige Argumente für eine Sperrung. Hier am Ball zu bleiben, versicherte Kreisrat Bernd Fricke von den Grünen, der von der ersten Ablehnung des Antrags berichtete. Dass nun Saal an der Saale einen ähnlichen Antrag auf Sperrung für LKW über zwölf Tonnen im Transitverkehr gestellt habe, wertete er als gutes Zeichen. Die Gemeinden an der Strecke sollten gemeinsam an einem Strang ziehen.

Wenig begeistert über die in der Diskussion befindlichen Ausbauvarianten der B279 zeigte sich auch der Vorsitzende des Bund Naturschutz (BN) in Bamberg Stadt und Land, Heinz Jung. Er stellte klar, dass der BN keineswegs, wie fälschlich berichtet wurde, gegen die Osttangente klagt. Vielmehr warte man zunächst konkrete Pläne ab. Seinem Fazit aber schlossen sich Anton Hofreiter, Andreas Lösche und viele der Teilnehmer im Saal an: „Die beiden Varianten bieten die Wahl zwischen Pest und Cholera.“

Andreas Lösche, Kreisverband Bündnis 90/Die Grünen Bamberg Land. Titelfoto: Johannes Michel

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