Alles abgeräumt: Hier fährt mal der ICE …

Veröffentlicht am 21. Januar 2016 von Johannes Michel

Irgendwie ist es schon ein wenig surreal. Innerhalb kürzester Zeit, wenige Tage waren es nur, ist eine komplette Bahnstrecke verschwunden. Lediglich einige Relikte erinnern noch daran, dass bis einschließlich 11. Januar hier Züge führen. Ein Besuch in Breitengüßbach, Unteroberndorf und Ebing.

Überwerfungsbauwerk? Am Standort des viel diskutierten Großbaus machte Nachrichten am Ort Station. Sehen Sie dazu unser kurzes Video …

Rund 48.000 abgebaute Schwellen lagern auf Deponie-ähnlichen Flächen. Strommasten liegen an der Seite, genauso wie zahlreiche Metallteile. Binnen gerade mal einer Woche ist die Bahnstrecke zwischen Breitengüßbach-Süd und Zapfendorf-Nord nahezu verschwunden. Am 11. Januar hatte Nachrichten am Ort noch eine letzte Zugfahrt absolviert, einen Tag später startete schon der Schienenersatzverkehr. Und heute begrüßen uns auf der größten Bahnbaustelle Deutschlands fast 500 Mitarbeiter – vom Bauarbeiter bis hin zu den Ingenieuren. LKWs fahren auf dem Schotter, der bis vor wenigen Tagen noch den Gleisen festen Halt gab.

Der Zeitplan für die Fertigstellung der Bahnstrecke ist ambitioniert. Das betont auch Projektingenieur Christoph Anhalt, der zusammen mit Bahn-Pressesprecher Frank Kniestedt unseren Rundgang begleitet. Mit dabei sind auch die Kollegen von Radiosender Bayern 1, die eine Liveschalte ins Studio vorbereiten. Für sie ist die Baustelle natürlich ein Phänomen, das sie nicht jeden Tag betrifft, sie haben zum Teil eher allgemeine Fragen. Anhalt definiert daher vieles zunächst grundlegend, etwa, warum es bei ein Überwerfungsbauwerk braucht. Die ersten Stützen für die Brücke lassen sich schon deutlich erkennen, weitere Fundamente sind ebenfalls schon da. „Bis September 2016 bauen wir zunächst die bisherige Bahnstrecke neu, so dass dann der Zugverkehr wieder aufgenommen werden kann“, so Anhalt. Erst danach kommt dann die Neubaustrecke dran, auf der ab Ende 2017 der ICE fahren soll. In vier Stunden von München nach Berlin – eine echte Konkurrenz zum Flugzeug.

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Projektingenieur Christoph Anhalt blickt auf die Baustelle, wo gerade …

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… die ersten Stützen für das Überwerfungsbauwerk bei Unteroberndorf entstehen.

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Nachrichten am Ort

„Relikte“ werden immer weniger

Das aktuelle Wetter mit Minustemperaturen kommt dem Bau entgegen, erklärt Anhalt. Kaltes, trockenes Wetter ist für den Rückbau, der momentan noch läuft, sogar förderlich. Außerdem falle weniger Dreck an, was für weniger stark verschmutzte Straßen sorge. Für den anschließenden Wiederaufbau wünsche er sich aber mindestens Temperaturen ab Null Grad aufwärts. Nicht weiter verzögern soll die Witterung die Inbetriebnahme der Behelfsumfahrung von Zapfendorf: Ab Mittwoch, 27. Januar, soll sie befahrbar sein.

Frank Kniestedt, der als Pressesprecher für das gesamte „Verkehrsprojekt Deutsche Einheit, Schiene 8“ (VDE8) verantwortlich ist, lässt es sich ebenfalls nicht nehmen, möglichst oft vor Ort zu sein. Schließlich soll die Bahneigene Informations-Webseite auch regelmäßig mit neuen Bildern gefüllt werden. Vielleicht, so Kniestedt, gibt es demnächst zudem eine Webcam, so dass Interessierte sich jederzeit einen Überblick verschaffen können, was gerade auf der Baustelle los ist. Wo die stehen könnte, ist aber noch nicht bekannt. Gut angenommen werde zurzeit der Informationspunkt am Breitengüßbacher Bahnhof. Rund 30 Besucher seien aktuell täglich zu verzeichnen. Vor Beginn der Bauphase war es am vor zwei Jahren eingerichteten Infopoint ruhiger geworden, aktuell ziehe das Interesse der Bürger aus verständlichen Gründen wieder an.

Bahnbaustelle 20.01.2016 Breitengüßbach
Am Bahnhof in Breitengüßbach und auch …

Bahnbaustelle 20.01.2016 Ebing
… in Ebing gibt es längst keine Gleise mehr.

Bei einer Bürger-Information in Zapfendorf gab es am 12. Januar 2016 interessante Termine zu hören: Die Staatsstraße zwischen Unteroberndorf und Zapfendorf soll Ende des Jahres wieder verfügbar sein, noch länger dauern die Sperrungen der Autobahn: Sie wird ab Ende März nur noch einspurig in beide Richtungen befahrbar sein – bis in den Spätsommer 2017.

Wer aktuell Zeit hat: Die Baustelle ist in vielen Bereichen, ob bei Unteroberndorf, Ebing oder in Zapfendorf, gut zu erreichen, ohne sie wirklich zu betreten. Denn Relikte wie den Ebinger Bahnhof, der momentan noch einsamer als sonst in der Landschaft steht, gibt es nicht mehr lange zu sehen. Und das auch noch bei leichtem Schnee. Also: Sonntagsspaziergang schon einmal regelmäßig fest einplanen.

 

Viele Bilder von der Bahnbaustelle in Breitengüßbach, Unteroberndorf und Ebing finden Sie in unserer großen Bildergalerie (zum Öffnen einfach ein beliebiges Foto anklicken, zum Beenden der Anzeige das X in der linken Ecke oben wählen).

2 Kommentare bisher. Haben Sie etwas dazu zu sagen?
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  1. Elke Schmittlutz 21. Januar 2016 at 15:07 - Antworten

    Ja, ist schon bemerkenswert wie schnell das geht. Wenn die Bahn nur bei der Pünktlichkeit auch immer so im Plan wäre…

  2. Peter Reinhart 27. Januar 2016 at 09:45 - Antworten

    Danke für den interessanten Bericht!

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