Kommune bedeutet: Zusammen!

Im Titelbild: Blick durch den Zaun des Grundstücks im Industriering

Die Kommunikation ist vielleicht nicht ganz optimal gelaufen. Klar ist aber: Die Unterkunft für Flüchtlinge als Containeranlage in Breitengüßbach wird kommen. Bei einem Infoabend konnten die Bürgerinnen und Bürger ihre Ängste ansprechen. Viele zeigten sich auch offen.

„Die Planungen für die ersten beiden von zunächst vier Wohncontaineranlagen für Flüchtlinge im Landkreis Bamberg werden konkreter. Ab Anfang Februar werden Unterkünfte in Breitengüßbach mit 50 und in Burgebrach mit 60 Plätzen entstehen.“ Dies verlautete das Landratsamt Bamberg Anfang Dezember in einer Pressemitteilung. Für die Breitengüßbacherinnen und Breitengüßbacher schlug das Thema ohne jegliche Vorbereitung auf. „Das hat Ängste erzeugt“, so ein Teilnehmer beim Infoabend in der Gemeindeturnhalle am 18. Januar 2023. Dies habe zu Unterschriftenlisten, heißen Diskussionen in sozialen Medien und nicht zuletzt dazu geführt, dass nun unter anderem der „III. Weg“ und „Kolletiv, Zukunft schaffen – Heimat schützen“ in Breitengüßbach demonstrieren. „Diese Ängste müssen jetzt erst einmal wieder abgebaut werden.“

Eingeladen hatten Bürgermeisterin Sigrid Reinfelder, der Landkreis – vertreten durch Uta von Plettenberg (Bereich Soziales, Familie, Jugend, Gesundheit am Landratsamt Bamberg) und die Arbeiterwohlfahrt als Betreiber der künftigen Einrichtung. Hier nahm Geschäftsführer Matthias Kirsch am Infoabend teil. Reinfelder erklärte, dass manchmal eine schnelle Information wünschenswert sei, der heutige Termin habe aber erst jetzt Sinn gemacht, da im Dezember vieles noch abgestimmt werden musste. Die Bürgermeisterin erklärte auch, dass der Gemeinderat geschlossen hinter dem Projekt stehe. Damit es gelinge, sei aber auch die Unterstützung der Bürgerschaft nötig.

Die Gemeindeturnhalle war sehr gut besucht.

Einrichtungen sollen überschaubar groß bleiben

Was genau ist geplant? Auf einem Grundstück im Industriering soll sehr bald, voraussichtlich bis März, eine zweigeschossige Wohncontaineranlage für Geflüchtete entstehen. Das Projekt ist zunächst auf drei Jahre angelegt. Die Kapazität wird bei 50 Personen liegen, neben den Wohnbereichen kommen auch Gemeinschaftsräume wie Küche, Hauswirtschaftsraum und das Büro eines „Hausmeisters“ hinzu. Dieser soll, so Matthias Kirsch, tagsüber der erste Ansprechpartner sein. In Randzeiten und nachts stünden weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der AWO per Rufbereitschaft zur Verfügung. Kirsch verwies auf die langjährige Erfahrung der AWO in der Flüchtlingsarbeit. Vor Ort wolle man auch eine Sozialberatung an ein bis zwei Tagen die Woche anbieten.

Uta von Plettenberg informierte über die Hintergründe. So habe sich bei der Flüchtlingswelle im Jahr 2015 gezeigt, dass die Aufgabe gut gestemmt werden könne, wenn alle Gemeinden im Landkreis mitmachen. So sei eine dezentrale Verteilung der Personen möglich, es entstünden keine Einrichtungen mit hunderten Bewohnerinnen und Bewohnern. Aktuell kämen vermehrt Menschen aus Syrien, Georgien, Moldawien, der Ukraine und Russland an, in den kommenden Wochen sei mit 30 bis 40 pro Woche zu rechnen. „Bisher konnten wir die Menschen meist in privaten Häusern unterbringen, diese gibt es aber nicht mehr in ausreichender Zahl. Die Alternative wären Notunterkünfte wie Turnhallen.“ Und hier wäre Breitengüßbach sicher betroffen, da es mehrere Turnhallen gibt. Daher habe sich der Landkreis auf Containeranlagen als Alternative festgelegt. Bürgermeisterin Reinfelder ergänzte, dass das Grundstück nicht der Gemeinde gehöre, der Landkreis pachte es vom Eigentümer. „Breitengüßbach muss keine Kosten aufwenden, profitiert aber auch nicht.“

Bürgermeisterin Sigrid Reinfelder (rechts) und Uta von Plettenberg

Die Chancen sehen

Nach der Vorstellung eröffnete Reinfelder die Fragerunde. Bei der Frage nach der Sicherheit für die Bevölkerung verwies Reinfelder auf das starke Helfernetzwerk in Breitengüßbach, zudem dürfe man nicht davon ausgehen, dass jeder, der in eine solche Einrichtung komme, kriminell sei. Bisher seien die Erfahrungen im Landkreis andere. Gleichwohl, das bestätigte auch von Plettenberg, sei mit einer hohen Quote alleinstehender junger Männer zu rechnen, auch einige Familien seien angedacht. Konkret lasse sich das aber nicht vorhersagen. Alle Bewohnerinnen und Bewohner hätten Asylanträge gestellt und befänden sich in einem laufenden Verfahren. Vergrößern lasse sich die Anlage nicht, die Kapazität von 50 Personen sei fix, je nach Verlauf der Flüchtlingsbewegung könne aber nicht ausgeschlossen werden, dass weitere Häuser oder Grundstücke benötigt würden.

Anwesend waren auch Vertreterinnen und Vertreter der beiden Kirchengemeinden. Pfarrer Andreas Schlechtweg rief zum Zusammenhalt auf. Kommune bedeutete „zusammen“. Aus seiner Erfahrung aus Hallstadt berichtete er, dass es bei der letzten Flüchtlingswelle keinen Sicherheitsdienst gebraucht habe, der durch die Stadt patrouilliere. „Sicherheit entsteht durch Kontakt, durch Begegnung. Gehen Sie auf die Menschen zu!“ Auch der Hallstadter Pfarrer Christoph Uttenreuther ergriff das Wort und verwies auf die Chancen, die sich durch die neuen Menschen ergeben. „Sehen Sie auch den Gewinn.“ Bürgermeisterin Reinfelder versprach, auch für alle weiterhin als Ansprechpartnerin zur Verfügung zu stehen, die ihre Sorgen und Ängste an die Gemeinde herantragen wollen. Kritik übte sie an Diffamierungsaktionen in sozialen Netzwerken.

Das Grundstück ist eingezäunt und mit einem Sichtschutz versehen. Es gehört einem Unternehmer.

Insgesamt zeigte sich bei der Infoveranstaltung: Viele Breitengüßbacherinnen und Breitengüßbacher stehen hinter der Entscheidung. Zahlreiche andere aber auch nicht. Insbesondere der Standort im Gewerbegebiet liegt für viele zu abseits. Ein Diskussionsteilnehmer wurde aus der Versammlung nach draußen begleitet, ansonsten verlief der Abend eher ruhig. Mit Applaus aus dem Publikum für die Redebeiträge der einen, aber auch die der anderen Seite.

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