Wohnen im Schlösschen – Heiraten im Festsaal

„Landschloss; massiver, zweigeschossiger Mansardwalmdachbau mit zwei Eckpavillons, verputzt, mit Eckpilastern, 1735 von Balthasar Neumann. Akten-Nr.: D-4-71-140-55.“ Hinter dieser Beschreibung verbirgt sich ein spannendes Gebäude am Stadtrand von Hallstadt. Und hier ist seit dem Jahr 2017 viel passiert.

Zu finden ist die obige Beschreibung in der ausführlichen Denkmalliste des Onlinelexikons Wikipedia, wenn Hallstadt in die Suche eingegeben wird. Gemeint ist das Mainschlösschen, gleich neben der Mainbrücke Richtung Dörfleins gelegen, das im nächsten Jahrzehnt seinen 300. Geburtstag feiert.

Ein wahrlich historisches Gebäude also – welches in seiner Geschichte bereits vielen Zwecken diente. Gedacht war es eigentlich als Sommersitz des Grafen von Ostheim, damals Kanzler des Fürstbischofs. Die Pläne stammen von Balthasar Neumann, der besonders in Franken aufgrund seiner zahlreichen barocken Bauten kein Unbekannter ist. Untergebracht waren hier aber auch schon eine Gärtnerei, eine Gerberei und eine Gastwirtschaft.

In den vergangenen fünf Jahren hat sich vieles verändert, ja, das Mainschlösschen ist wirklich aus einem Dornröschenschlaf erwacht. Denn nachdem das Künstlerehepaar Susanne Strauss und Harald Strauss-Orlovsky – beide Musiker – das Gebäude im Jahr 2017 kaufte, haben sie es behutsam saniert und stellen mit dem Konzertsaal im Obergeschoss einen Teil auch wieder für Veranstaltungen zur Verfügung. Beim Besuch im Mainschlösschen wird schnell klar, wie aufwändig es war, die historische Substanz zu erhalten, zu ergänzen und vieles wieder zurückzubauen, was in der Vergangenheit eingebaut worden war.

Das Ehepaar mit dem Schlüssel zum Eingangsportal.

Erste Konzerte noch im Mai

Denn im Erdgeschoss befand sich eine Mietwohnung, die Eingangshalle war verbaut. Im Obergeschoss war der Festsaal aufgrund von Zwischenwänden nur noch zu erahnen, auch hier war eine Wohnung entstanden. Und die historische Decke dort war nicht mehr vorhanden, ihre Balken wohl als Kaminholz verschürt worden. Das führte auch zu statischen Problemen, die durch eine neue „Mann-an-Mann-Decke“, das bedeutet, die einzelnen Deckenbalken sind lückenlos aneinander verlegt, beseitigt werden konnten. Entfernt wurden die Einzelöfen, die noch mit Öl befeuert wurden. Und auch Wasser- und Abwasser gibt es nun wie einem modernen Gebäude, vorher stand lediglich ein einziges Fallrohr für das Abwasser zur Verfügung.

An vielen Stellen lässt sich noch erkennen, wie das Mainschlösschen innen einmal gestaltet war. Verbliebene Wandmalereien wurden erhalten und integriert. Zahlreiche barocke Türen mit ihren Beschlägen existieren noch, ebenso die mundgeblasenen Bleiglasfenster. Besonders stolz ist Susanne Strauss, dass es möglich war, für das Eingangsportal einen Schlüssel nachmachen zu lassen. „Unser Ziel war: Alles sollte möglichst so bleiben, wie es ist“, erklärt sie.

Manchmal war das nicht möglich, etwa bei der Decke im Festsaal. Eine neue Stuckdecke wäre zu teuer gewesen, stattdessen sorgt hier nun an der schlichten neuen Decke eine moderne Lichtschiene für die passende Ausleuchtung, die auch für Konzerte notwendig ist. Apropos Konzerte: Noch im Mai finden die ersten im Mainschlösschen statt. Aber sie sind nicht die einzige Nutzung, die möglich wird. Denn nachdem sich die Städtebauförderung und auch die Stadt Hallstadt mit 126.000 beziehungsweise 84.000 Euro an der Sanierung beteiligt haben, wird der Festsaal nach Terminabstimmung auch für Trauungen und gegebenenfalls für Veranstaltungen der Stadt zur Verfügung stehen. Die erste Trauung im bereits als Trauzimmer gewidmeten Saal steht für 7. Juli im Kalender.

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Mit viel Liebe zum Detail

Ohne viel Eigenleistung wäre das, was jetzt zu sehen ist, aber nicht machbar gewesen. „Bis zu fünf Stunden pro Tag habe ich auf der Baustelle verbracht“, erklärt Susanne Strauss. Und ihr Mann Harald Strauss-Orlovsky ergänzt, dass es zwar eine Architektin gegeben habe, die sei aber kaum da gewesen. Und so blieb das meiste doch an der Familie hängen. Viel Wert wurde auf Details gelegt, immer wieder findet sich im Gebäude die Lyra – am Boden mit Jahreswidmung, als Verzierung an den neuen Stühlen für den Saal. Lange wurde auch am originalen Treppengeländer gearbeitet – und bei den Böden möglichst das Holz verwendet, das auch historisch vorgesehen war. Hallstadts Bürgermeister Thomas Söder, der ebenfalls zur Besichtigung gekommen ist, lobt den Blick der neuen Eigentümer fürs Detail und die Ästhetik.

Harald Strauss-Orlovsky mit Bürgermeister Thomas Söder im Festsaal.

Was noch fehlt, ist das Badezimmer im Erdgeschoss – das soll ergänzt werden. Den Raum dafür gibt es schon. Ansonsten hat die Familie hier seit Juli 2021 aber hier eine neue Heimat gefunden – mit Blick Richtung Main, großem Garten und einem Ambiente, in dem wohl die Wenigsten wohnen. Und einem Bereich, den jeder auch bei Konzerten oder anderen Veranstaltungen genießen kann.

Infos zu Konzerten und weiteren Terminen im Mainschlösschen gibt es auch unter https://mainschloesschen.de.


Viele weitere Fotos aus dem Mainschlösschen finden Sie in unserer großen Bildergalerie (zum Öffnen einfach ein beliebiges Foto anklicken, zum Beenden der Anzeige das X in der Ecke oben wählen).

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