Zwei erfolgreiche Kommunalwahlen liegen schon hinter Thomas Söder, nun möchte er zum dritten Mal Hallstadter Bürgermeister für die CSU werden. Im Interview sprechen wir mit ihm über Erreichtes, die finanzielle Lage der Stadt und wichtige künftige Projekte.
Sie sind seit 2014 Bürgermeister von Hallstadt. Wie würden Sie Ihre bisherigen beiden Amtszeiten rückblickend in einigen Sätzen beschreiben?
Wir konnten Hallstadt und Dörfleins in dieser Zeit deutlich voranbringen, in vielen Bereichen umfassend modernisieren und langersehnte Jahrhundertprojekte (wie zum Beispiel Hochwasserschutzertüchtigung, Marktplatzsanierung, Bau Feuerwehr Hallstadt, Neubau Dreifachturnhalle) planen und verwirklichen. Dies ist durch die Einigkeit in Bevölkerung und Stadtrat möglich gewesen, die diesen Weg mitgegangen sind. Durch die Geschlossenheit in unserer Stadt konnten auch schwierige äußere Einflüsse (Flüchtlingskrisen, Corona, Ukrainekrieg, Wirtschafts- und Energiekrise, Weggang Michelin) vergleichsweise gut bewältigt werden und wir gehen deshalb gestärkt in die Zukunft.
In Ihrem Interview zur Kommunalwahl 2020 haben Sie drei große Handlungsfelder benannt: Arbeit, Wohnen und Leben. Damals ging es unter anderem um die Nachnutzung des Michelingeländes, bezahlbaren Wohnraum sowie den Erhalt von Umwelt und Vereinsleben. Wenn Sie heute, sechs Jahre später, darauf blicken: In welchen Bereichen sehen Sie Ziele als erreicht – und wo besteht weiterhin Handlungsbedarf?
Genau vor sechs Jahren war die Entscheidung von Michelin das Reifenwerk mit 860 Mitarbeitern nach 50 Jahren zu schließen natürlich ein schwerer Schlag für die Mitarbeiter, deren Familien und unsere Stadt. Durch unsere Zusammenarbeit mit Michelin, dem Landkreis Bamberg und der Politik aus Land und Bund konnten wir innerhalb von kürzester Zeit mit dem Cleantech Innovation Park eine vielversprechende Nachnutzung auf den Weg bringen. Dies gelingt nur wenigen Gemeinden. Insgesamt haben wir im Bereich Arbeiten trotz der schwierigen Rahmenbedingungen viele Umbrüche gut gemeistert, so zum Beispiel die Nachnutzung von Real zu Kaufland. Hallstadt ist weiterhin wirtschaftlich eine der stärksten Gemeinden in der Region Bamberg.
Im Bereich Wohnen sind bis zum Ukrainekrieg viele Bauprojekte realisiert worden. Der Wohnraum in Hallstadt und Dörfleins ist dadurch deutlich gewachsen. Durch die Zinswende und steigende Baukosten und den Wegfall von staatlichen Förderungen im sozialen Wohnungsbau ist der Wohnungsbau auch bei uns nahezu zusammengebrochen. Es ist deshalb besonders erfreulich, dass mit unserer Unterstützung das Wohnprojekt hinter dem Anwesen Marktplatz 15 realisiert wird und hierdurch 25 neue Wohnungen direkt im Stadtkern geschaffen werden. Weitere Wohnprojekte stehen in den Startlöchern, die mit den Mitteln des Konjunkturprogrammes der Bundesregierung verwirklicht werden sollen.
Auch im Bereich der Ökologie haben wir mit dem 1000-Bäume-Programm, Entsiegelung und Begrünung des Kiliansplatzes, der Fortsetzung unserer Förderprogramme (PV + Speicher, Regenwassernutzung usw.) viel erreichen können. Unser Vereinsleben ist weiterhin intakt und viele ehrenamtliche Kräfte setzen sich tagtäglich für unsere Stadt ein. Es wird weiterhin wichtig sein, das Ehrenamt in unserer Stadt zu unterstützen, damit unsere Gemeinde lebendig bleibt.
Der Cleantech Innovation Park (CTIP) auf dem ehemaligen Michelin-Gelände ist inzwischen eröffnet und weiter gewachsen. Wie bewerten Sie die Entwicklung des Parks seit dem offiziellen Start – und wie wichtig ist er für die Stadt?
Die Entwicklung des Cleantech Innovation Park ist hervorragend und findet national und international große Beachtung. Mit unserer Konzeptidee haben wir gerade auf die Zukunftsthemen wie KI, E- Mobilität, Wasserstoff gesetzt. Dabei haben wir bereits vor sechs Jahren die Entwicklungen vorausgesehen, dass wir in Deutschland nur durch Forschung und Entwicklung zukunftsfähige und hochwertige Arbeitslätze erhalten und aufbauen können. Der Cleantech Innovation Park ist für unsere Stadt von größter Bedeutung, um unsere Industriebetriebe, wie Brose, am Standort zu halten und neue Betriebsansiedlungen zu ermöglichen. Die Einnahmen von unseren Betrieben sind die Grundlage, um unsere gesamte Infrastruktur (Kinderbetreuung, Schule, Straßen, Kanäle, Freibad und vieles mehr) zu finanzieren.
Die städtischen Finanzen stehen weiter im Fokus: Wie beurteilen Sie die aktuelle finanzielle Situation Hallstadts – gerade angesichts großer Zukunftsinvestitionen wie die kommende Dreifachsporthalle?
Wir haben in den vergangenen Jahren sehr hohe Beträge in die Verbesserung unserer Infrastruktur und Projekte investiert. Trotzdem haben wir eine solide Finanzlage und können mit unseren Rücklagen die geplanten Projekte verwirklichen. Durch den Cleantech Innovation Park haben wir auch unsere Einnahmesituation stabilisieren können.
Hallstadt investiert auch weiter in den sozialen Bereich, etwa in Kinderbetreuung und Bildung. Welche Fortschritte sehen Sie hier?
Wir können seit einigen Jahren alle Varianten der Betreuung anbieten: Kinderkrippe, Kindergarten, Mittagsbetreuung, Hort und Ganztagsschule. Wir haben in den vergangenen zwölf Jahren die Zahl der Betreuungsplätze nahezu verdoppelt, alle Kinderbetreuungseinrichtungen wurden erweitert und weitestgehend saniert und sind in einem sehr guten Zustand. Wir haben die gute Partnerschaft mit den Trägern der Betreuungseinrichtungen intensiviert und sind sehr dankbar für das Engagement.
Die Schule ist bestens ausgestattet und die Zusammenarbeit mit der Schulleitung funktioniert sehr gut. Die Stadtbücherei wird finanziell stark unterstützt und das Büchereiteam leistet einen wichtigen Beitrag in der Bildungslandschaft unserer Stadt. Mit Projekten wie der Artothek und der Technothek hat unsere Bücherei auch eine einzigartige Breite an Bildungsangebote. Mit dem Paul-Maar-Museum werden wir zudem in den nächsten Jahren ein Bildungsangebot schaffen, dass für Kinder, Familien und Schulen ein Anziehungspunkt wird. Die Leseförderung für Kinder ist nach wie vor von entscheidender Bedeutung für den Schulerfolg und die berufliche Zukunft. Wir wollen mit dem beeindruckenden Lebenswerk von Paul Maar, die Freude am Lesen vermitteln.
Wie unterstützt die Stadt das Ehrenamt – etwa Feuerwehr, Vereine oder soziale Initiativen?
Wir unterstützen unsere Vereine mit einem großen Bündel an Förderungen. Finanziell: Vereinszuschüsse, Zuschüsse zu Beschaffungen, Logistik: Bauhof, Material der Stadt (Zelte, Toilettenwagen usw.). Auch hier sind wir landkreisweit eine der Gemeinden, die die ehrenamtlichen Kräfte am meisten unterstützt. Diesen hohen Standard wollen wir auch in Zukunft erhalten, weil die vielfältigen Aktivitäten der Vereine gerade unsere Stadt lebens- und liebenswert machen.
Der Bereich Marktplatz / Lichtenfelser Straße wurde neu gestaltet, Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung inklusive. Hat das Fortschritte gebracht, um den Durchgangsverkehr zu reduzieren? Und wie gestaltet sich die Verkehrssituation in Hallstadt aktuell – etwa in Bezug auf ÖPNV, Radwege oder Parkraum?
Die Sanierung des Marktplatzes und der Lichtenfelser Straße hat Hallstadt deutlich aufgewertet und wird von vielen gelobt. Die Neugestaltung hat auch zu einer Reduktion des Durchgangsverkehres geführt, auch wenn uns klar war, dass die Lichtenfelser Straße nach wie vor eine der Hauptstraßen in unserer Stadt bleiben wird. Für unsere Gewerbetreibenden ist es auch wichtig, dass diese erreichbar bleiben und auch Kunden- und Besucherparkplätze vorhanden sind. Insoweit sind unsere Planungen auf alle Gesichtspunkte abgestimmt und haben sich in den ersten Jahren bewährt.
Das Thema Verkehr ist natürlich in allen Gemeinden und Städten ein Dauerthema und es sind nicht alle Interessen der Beteiligten vollständig in Einklang zu bringen. Hallstadt ist dabei als Handels- und Industriestandort von überregionaler Bedeutung besonders vom Quell-, Ziel- und Durchgangsverkehr belastet. Insgesamt haben wir immer darauf Wert gelegt, mit allen Gruppen die Verkehrsplanung zu optimieren und soweit wie möglich alle Interessen, wie z.B. Begrünung und Parkraum, zu berücksichtigen.
Beim ÖPNV sind wir insgesamt gut aufgestellt und konnten für Dörfleins eine Erweiterung der Stadtbusanbindung in den Morgenstunden erzielen. Für die Anbindung der neuen Bushaltestellen am Marktplatz und der Lichtenfelser Straße sind wir in Gesprächen mit den Stadtwerken Bamberg, diese nach der Baustellenphase der neuen Autobahnbrücke nach Bamberg neu anzubinden. Auch bei den Fahrradwegen haben wir mit den Radwegen auf den Deichen eine große Verbesserung erzielt. In diesem Jahr wird auch die Geh- und Radwegbrücke über die ICE-Strecke neugebaut und steht dann wieder zur Verfügung. Hier konnten wir mit der Autobahn und der DB eine für uns sehr günstige finanzielle Vereinbarung abschließen, um die ca. 30 Jahre alte Brücke im Zuge der Ausbauarbeiten von Bahn und Autobahn nach dem heutigen Stand der Technik und Anforderungen neu bauen zu lassen.
Bürgerbeteiligung und Transparenz sind wiederkehrende Themen. Welche Formate oder Initiativen haben sich bewährt – und was würden Sie künftig stärken?
Wir haben hier ein umfassendes Angebot geschaffen, damit sich die Bürger über die Entwicklungen in unserer Stadt informieren können, so zum Beispiel die Heimat Info-App, Amtsblatt, Bürgerversammlungen, Homepage und vieles mehr. Mit dem virtuellen Mitarbeiter Kilian hat auch die künstliche Intelligenz bei uns Einzug gehalten und kann zu jeder Tag- und Nachtzeit Fragen der Bürger beantworten. Wir werden in den nächsten Jahren den Weg der Digitalisierung unserer Verwaltung konsequent weiterverfolgen, ohne jedoch den persönlichen Kontakt und Service für Bürger, die eventuell mit den neuen Technologien nicht so bewandert sind, auszuschließen.
Sie treten 2026 erneut zur Wahl an, diesmal gegen einen weiteren Bewerber. Was motiviert Sie persönlich für eine weitere Amtszeit?
Ich möchte mich weiter in den Dienst unserer Stadt stellen, um die positive Entwicklung unserer Stadt voranzutreiben. Viel konnten wir gemeinsam in den letzten zwölf Jahren für unsere Stadt erreichen, die Hallstadt zu einer der beliebtesten Wohn- und Arbeitsgemeinden gemacht haben. Um diesen hohen Stand zu erhalten und weiter auszubauen, möchte ich mich mit meiner Erfahrung, Kompetenz und Leidenschaft weiterhin mit voller Kraft einsetzen.
Welche drei zentralen Ziele möchten Sie in der nächsten Wahlperiode unbedingt verwirklichen?
Zentrale Ziele der nächsten Jahre sind es unseren Wirtschaftsstandort durch den Aufbau des Cleantech Innovation Park zukunftsfest zu machen, unsere geplanten wichtigen Projekte (wie den Pfleger Campus, Revitalisierung der Gaststätte Diller, das Paul-Maar-Museum, Neubau Feuerwehr in Dörfleins) umzusetzen und Hallstadt und Dörfleins weiter als liebens- und lebenswerten Ort für Alteingesessene und Neubürger zu stärken.
Wo sehen Sie Hallstadt im Jahr 2032 – wirtschaftlich, sozial und strukturell?
Wirtschaftlich als Spitzenstandort für Forschung, Entwicklung, Handwerk und Handel. Sozial als lebendige Gemeinde, die für alle Angebote in Bildung, Schule, Pflege und Betreuung, Sport, Kultur und Kunst und Freizeit bietet. Strukturell weiterhin mit stabilen Finanzen, einer leistungsfähigen Verwaltung mit Bauhof und Feuerwehren in Hallstadt und Dörfleins.
Wenn Sie drei Wünsche an die „große Politik“, also Richtung München, Berlin oder Brüssel, frei hätten: Was wären diese?
Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer hat es bei seinem Besuch in Hallstadt treffend geschildert: Die „große Politik“ muss sich darauf besinnen, den Gemeinden und Städten mehr Entscheidungsspielräume zu geben, um auf den konkreten Einzelfall nach den Gegebenheiten vor Ort reagieren zu können. Deshalb Abschaffung des Vergaberechtes, Neuordnung der Finanzverteilung zwischen Kommunen und staatlichen Ebenen zugunsten der Kommunen (das Geld soll da bleiben, wo es erwirtschaftet wird und gebraucht wird), keine Aufgabenabwälzung auf Kommunen ohne finanziellen Ausgleich.
Zum Schluss: Was möchten Sie den Wählerinnen und Wählern persönlich mitgeben, kurz bevor am 8. März gewählt wird?
Sie können weiterhin darauf vertrauen, dass ich für klare Werte, eine klare Linie und klare Ziele stehe und für die Interessen von Hallstadt und Dörfleins mit Kompetenz, meiner Erfahrung und Leidenschaft eintreten werde.
Zur Person:
Thomas Söder, 48 Jahre, ist seit 2014 erster Bürgermeister der Stadt Hallstadt. Zuvor war er als Rechtsanwalt bei einem Unternehmen angestellt. Seit 2002 ist er Mitglied des Stadtrates. Er vertritt seit 2018 den Stimmkreis Bamberg als Bezirksrat in Bayreuth und ist seit 2020 auch als Kreisrat für den Kreistag des Landkreises Bamberg tätig.





