Wie fühlt es sich an, wenn die gewohnte Umgebung plötzlich voller Hindernisse steckt? Ende März lud die Jugendpflegerin Antonia Schröter gemeinsam mit der Behindertenbeauftragten Sabine Saam zu einem besonderen Aktionstag ins Jugendheim ein. Unter dem Motto „Wenn anders sein normal ist“ erlebten 24 Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren am eigenen Leib, was es bedeutet, mit einer Beeinträchtigung durch den Alltag zu navigieren.
Statt trockener Theorie stand für die jungen Teilnehmer das aktive Ausprobieren im Vordergrund. An verschiedenen Stationen erfuhren die Kinder spielerisch, wie Menschen mit Behinderungen ihren Alltag meistern und welche Hilfsmittel dabei entscheidend sind.
Vom Tunnelblick bis zur Bordsteinkante
Besonders eindrucksvoll war die Station zu Sehbehinderungen: Mit speziellen Simulationsbrillen wurden verschiedene Augenerkrankungen nachempfunden. „Plötzlich war alles verschwommen oder ich hatte nur noch einen ganz kleinen Tunnelblick“, berichtete ein Teilnehmer erstaunt.
Noch aktiver wurde es beim Thema Mobilität. Ausgestattet mit Rollstühlen, Krücken und Rollatoren erkundeten die Kinder die Umgebung. Ein Höhepunkt war das Überqueren einer nahegelegenen Fußgängerampel. Was sonst im Vorbeigehen erledigt wird, wurde mit dem Rollstuhl oder auf Krücken zur echten Konzentrationsaufgabe – vom Zeitdruck der Grünphase bis hin zur oft unterschätzten Höhe einer Bordsteinkante.
Dominik Czepluch mit Antonia Schröter und Sabine Saam.
Starke Unterstützung durch das Mediteam Gesundheitszentrum
Ein Projekt dieser Art lebt von der authentischen Erfahrung, die nur durch echtes Equipment möglich wird. Ein herzlicher Dank gilt hierbei dem Mediteam Gesundheitszentrum. Dominik Czepluch, Mitglied der Geschäftsleitung, unterstützte das Vorhaben unkompliziert und großzügig, indem er sämtliche Hilfsmittel – von Rollstühlen über Rollatoren bis hin zu Unterarmgehstützen – kostenlos zur Verfügung stellte.
„Die richtige Ausrüstung war der Schlüssel, um Berührungsängste abzubauen und echtes Verständnis zu wecken“, betonten die Organisatorinnen dankbar. „Ohne die Hilfe von Dominik Czepluch hätten wir diesen realistischen Einblick nicht ermöglichen können.“
Emotionale Reflektion und ein starkes Fazit
Zum Abschluss des Nachmittags kamen alle 24 Kinder zu einer gemeinsamen Reflektionsrunde zusammen. Trotz der herausfordernden Übungen war bei allen Teilnehmern eine durchweg positive Stimmung wahrnehmbar. Die Kinder teilten ihre Eindrücke offen mit und zeigten, wie tief die Erfahrung gewirkt hatte. Ein Kind brachte es in der Runde auf den Punkt: „Mensch ist Mensch. Völlig egal, ob mit oder ohne Behinderung.“
Die Behindertenbeauftragte Sabine Saam zog ebenfalls ein begeistertes Resümee: „Echtes Verständnis entsteht nicht durch Reden, sondern durch Fühlen. Heute haben 24 Kinder bewiesen, dass Inklusion Spaß macht und wir alle voneinander lernen können!“
Das Fazit des Tages: Inklusion beginnt im Kopf – und am besten mit einer persönlichen Erfahrung.
Sabine Saam. Bilder: Dominik Czepluch



