Was 2001 mit einem einzigen Raum in der Schule begann, ist längst zu einem Treffpunkt für Menschen aller Generationen geworden. Nun feiert die Gemeindebücherei Breitengüßbach ihr 25-jähriges Bestehen – mit einem bunten Programm am 8. November. Und wenig später kommt sogar ein bekannter fränkischer Schriftsteller nach Breitengüßbach.
Der jüngste Leser ist gerade einmal ein Jahr alt, der älteste kommt auf 94 Lebensjahre. Dazwischen liegen mehrere Generationen, ganz unterschiedliche Interessen und Tausende Bücher, die in den vergangenen 25 Jahren über die Ausleihtheke der Gemeindebücherei Breitengüßbach gewandert sind. Wobei: Nur Bücher sind es längst nicht mehr. Auch Tonies, Tiptoi-Medien, Gesellschaftsspiele und sogar Disc-Golf-Scheiben gehören mittlerweile zum Angebot. Letztere sind vor Ort, weil sich unweit der Bücherei an der Sportanlage ein Disc-Golf-Parcours befindet. Und wer die Sportart ausprobieren möchte, kann sich die passenden Scheiben einfach ausleihen.
Dass es in Breitengüßbach überhaupt eine eigene Bücherei gibt, ist engagierten Bürgerinnen und Bürgern zu verdanken. Als der Landkreis Bamberg im Jahr 2000 seine Bücherbusse einstellte, wollte man sich vor Ort damit nicht einfach abfinden. Eine Gruppe um die spätere Ehrenbürgerin Renate Hartmann setzte sich für eine eigene Einrichtung ein. Der damalige Bürgermeister Reiner Hoffmann, der Gemeinderat und die Kirche unterstützten das Vorhaben. Im Herbst 2001 war es schließlich so weit: Die Gemeindebücherei öffnete in einem Raum der Schule ihre Türen.
Start mit 22 Ehrenamtlichen
Die erste Leiterin war Inge Liedl, unterstützt von damals bereits 22 ehrenamtlich tätigen Frauen. Von 2003 bis 2013 übernahm Brigitte Cichon die Leitung. Ihr habe die Bücherei sehr viel zu verdanken, betont die heutige Leiterin Karin Schneiderbanger-Vogt. Sie führt die Einrichtung seit 2013, unterstützt von ihrer Stellvertreterin Elisabeth Kell und Brigitte Kraus, die sich um die Buchbestellungen kümmert. Gemeinsam bilden die drei nach Schneiderbanger-Vogts Worten ein perfektes Team.
Aus dem einen Raum von damals sind mittlerweile vier geworden. Ein wichtiger Schritt war die Erweiterung im Jahr 2014. Die Bücherei erhielt zusätzliche Räume, sodass fortan fast 200 Quadratmeter zur Verfügung standen. Kinder- und Jugendbücher, Romane und Sachliteratur bekamen mehr Platz, ebenso Veranstaltungen und Aktionen zur Leseförderung.
Heute zählt das Team 24 Frauen. Was sie alles leisten, bekommen die Besucherinnen und Besucher oft nur zum Teil mit. Natürlich kümmern sie sich um die Ausleihe und beraten bei der Suche nach passendem Lesestoff. Doch damit ist es längst nicht getan. Neue Bücher müssen bestellt, eingearbeitet und einsortiert werden. Hinzu kommt die Organisation von Veranstaltungen, Lesenächten, Bücherflohmärkten oder die Aktion „Bibfit“, bei der Kinder an die Nutzung einer Bücherei herangeführt werden. Rund 2.000 Stunden ehrenamtlicher Arbeit fallen so jedes Jahr an. Eine beachtliche Leistung, zumal viele der Mitarbeiterinnen schon seit langer Zeit dabei sind. Neun von ihnen werden beim Jubiläum mit der goldenen Ehrennadel für 25 Jahre ehrenamtliche Tätigkeit ausgezeichnet. Sie haben also schon Bücher verliehen, als die Bücherei gerade erst ihre Türen geöffnet hatte.
Der Medienbestand ist in dieser Zeit auch kräftig gewachsen, auf rund 13.500 Medien. Neben klassischer Literatur für Kinder, Jugendliche und Erwachsene haben längst auch neue Angebote Einzug gehalten. Gerade bei den Jüngeren sind Tonies und Tiptoi-Bücher beliebt. Und wer lieber gemeinsam spielt, findet ebenfalls eine Auswahl.
Auch Veranstaltungen bietet die Bücherei regelmäßig an.
Bücherei als Treffpunkt
Dabei soll die Bücherei nach dem Wunsch des Teams nicht einfach nur ein Ort sein, an dem ausgeliehen und zu dem anschließend wieder zurückgebracht wird. Menschen sollen sich dort gerne begegnen, miteinander ins Gespräch kommen und sich austauschen können. Schneiderbanger-Vogt erinnert in diesem Zusammenhang an ein Zitat des Buchhändlers Nathan Pine, der Menschen mit Interesse am gedruckten Wort als eine besondere Spezies bezeichnet: kundig, freundlich, wissbegierig und einfach menschlich. Genau so erlebe sie auch die Menschen in ihrer Bücherei.
Dass Bücher nicht zwingend in einer Bücherei stehen müssen, zeigen die mittlerweile drei Bücherhäusla in den Ortsteilen. Den Anfang machte 2018 eine umgebaute Telefonzelle in Zückshut, die zunächst auch an anderen Standorten zum Einsatz kam. Inzwischen gibt es feste Bücherhäusla in Zückshut, Unteroberndorf und Hohengüßbach. Das Prinzip ist einfach: Wer ein Buch mitnehmen möchte, darf das tun. Und wer selbst Bücher übrig hat, kann sie dort für andere bereitstellen.
Auch über Breitengüßbach hinaus ist das Engagement des Büchereiteams nicht unbemerkt geblieben. 2017 erhielt die Einrichtung den mit 5.000 Euro dotierten Kinderbibliothekspreis. Im Juli dieses Jahres folgte zum zweiten Mal die Auszeichnung „Lesezeichen“ des Bayernwerks, verbunden mit 1.000 Euro für neue Kinder- und Jugendbücher. Hinzu kommt das Büchereisiegel in Gold, das die Einrichtung vom Diözesanverband mittlerweile zum fünften Mal erhalten hat. Eine weitere Anerkennung gab es im Rahmen einer Aktion zum Heiligen Jahr von Papst Franziskus. Dabei wurde die Gemeindebücherei als einer der „Orte der Hoffnung“ ausgezeichnet. Für Schneiderbanger-Vogt zeigen all diese Auszeichnungen, was das Team Jahr für Jahr für seine Leserinnen und Leser möglich macht.
Ein Fest mit vielen kleinen Künstlern
Am Sonntag, 8. November, wird nun gefeiert. Und dabei spielen nicht nur die Erwachsenen eine Rolle. Verschiedene Kindergruppen aus Breitengüßbach bereiten seit Wochen eigene Beiträge zum Jubiläum vor. Sie haben sich dafür mit dem Thema Bücherei beschäftigt, Lieder einstudiert, Tänze geprobt und ein Theaterstück vorbereitet. Schneiderbanger-Vogt hofft auf viele Besucherinnen und Besucher, damit die Kinder für ihre Mühe auch die verdiente Wertschätzung bekommen.
Beginn der Jubiläumsfeier in der Gemeindebücherei in der Schulstraße 12 ist um 14 Uhr mit der offiziellen Eröffnung, Grußworten und Ehrungen. Ab 15 Uhr gehört die Bühne den Kindern: Die Waldstrolche aus der gemeindlichen Kindertageseinrichtung führen ein Theaterstück auf, die Bewegungshelden des United Dance Teams des TSV Breitengüßbach zeigen eine Tanzeinlage und der Kinderchor des Musikvereins Breitengüßbach präsentiert ein eigens vorbereitetes Büchereilied.
Um 16 Uhr ist die Kinderbuchautorin Judith Allert zu Gast und lädt zu einer interaktiven Lesung ein. Während des Nachmittags gibt es außerdem einen großen Spiele- und Bücherflohmarkt. Für Kaffee, Kuchen und weitere Leckereien ist gesorgt. Eine besondere Aktion hat sich das Büchereiteam ebenfalls ausgedacht: Wer sich am Jubiläumstag neu anmeldet, darf ein ganzes Jahr lang kostenlos Medien ausleihen.
Damit sind die Feierlichkeiten allerdings noch nicht vorbei. Am Freitag, 20. November, kommt mit Ewald Arenz einer der bekanntesten fränkischen Schriftsteller nach Breitengüßbach. Bürgermeisterin Sigrid Reinfelder ist es gelungen, den Autor für eine Lesung im Rahmen des Jubiläums zu gewinnen. Beginn ist um 19 Uhr in der Aula der Schule. Der Eintritt ist frei, sodass alle Literaturinteressierten die Gelegenheit haben, den Schriftsteller persönlich zu erleben.
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Fotos: Gemeindebücherei Breitengüßbach


