Kleines Bauwerk mit großer Wirkung

Auf den ersten Blick sind die Dimensionen des Gebäudes nicht zu erkennen. Erst ein Blick ins Innere verrät: Hier geht es drei Stockwerke und rund zehn Meter in die Tiefe. Laut wird’s im untersten Geschoss, wenn die Pumpe anspringt, um das Abwasser Richtung Bamberg zu transportieren.

Die eigene Kläranlage in Kemmern ist seit Mitte September Geschichte. Nun wartete die Gemeinde auf die Abrissgenehmigung. Nur wenige Meter daneben ist seit dem Spatenstich im November 2020 Großes entstanden. Ein vierstöckiges Pumpwerk sorgt dafür, dass das Abwasser aus Kemmern gesammelt und anschließend über die rund viereinhalb Kilometer lange Druckleitung an Hallstadt vorbei zur Kläranlage im Bamberger Hafengebiet geschickt wird.

Auf der Leitungsstrecke sind acht Schächte entstanden, um die Leitungen zugänglich zu machen. Die Arbeit erledigen zwei große Pumpen, von denen in den meisten Fällen aber nur eine läuft. 54 Kubikmeter Abwasser kann eine von ihnen pro Stunde bearbeiten. Die zweite Pumpe dient insbesondere der Redundanz, die bei dem Projekt sehr wichtig war. Denn eigentlich liegen unter der Erde auch gleich zwei Druckleitungen – falls an einer einmal Probleme auftreten sollten, kann das Abwasser aus Kemmern weiterhin Richtung Bamberg fließen. Vorgehen wurde auch eine Notstrom-Einspeisung, die „Bamberger Service Betriebe“ (BSB) halten hierfür Aggregate vor.

Christian Esser vom Ingenieurbüro Höhnen & Partner, Bambergs Dritter Bürgermeister Wolfgang Metzner und Kemmerns Erster Bürgermeister Rüdiger Gerst im untersten Geschoss des Pumpwerks zwischen den beiden Pumpen.

Bau günstiger als geplant

Die ersten Ideen zum Anschluss an die Bamberger Kläranlage sind schon mehr als 20 Jahre alt. Wirklicher Start des Projekts war aber die Unterzeichnung einer Zweckvereinbarung im Januar 2018, danach wurden Genehmigungen eingeholt und weitere Verträge geschlossen – bis hin zum Spatenstich Ende 2020. Am 21. September 2022 erfolgte schließlich die so genannte Umbindung des Abwassers aus Kemmern an das neue Pumpwerk. Gekostet hat das Gesamtprojekt 4,2 Millionen Euro, veranschlagt waren eigentlich 4,8 Millionen Euro.

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Hans-Jürgen Scheerbaum

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Karin Eminger

Durch die Zusammenarbeit mit den BSB spart sich Kemmern die Sanierung beziehungsweise den Neubau der eigenen Kläranlage. Die bisherige stammte aus den 1960er Jahren und erfüllte, so Bürgermeister Rüdiger Gerst in seiner Rede bei der offiziellen Inbetriebnahme des Pumpwerks, bis zuletzt die Voraussetzungen und Anforderungen, die bei ihrem Bau galten. Natürlich kamen über die Jahre neue Gesetze und Grenzwerte hinzu – darum muss sich Kemmern aber künftig nicht mehr kümmern. Auch die Klärschlammausbringung in Kemmern ist damit vorbei, lediglich Restbestände werden noch abgebaut.

Neben Bamberg, Hallstadt, Bischberg und Litzendorf ist Kemmern damit der fünfte Partner der Kläranlage in Bamberg. Finanziert wird das Projekt nicht über einmalige Beitragsbescheide, sondern über Gebühren. Wie stark die Abwassergebühren in Kemmern steigen, ist aktuell noch nicht bekannt.


Fotos von der alten Kläranlage sowie vom neuen Pumpwerk finden Sie in unserer großen Bildergalerie (zum Öffnen einfach ein beliebiges Foto anklicken, zum Beenden der Anzeige das X in der Ecke oben wählen).

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