Energetische Sanierung: Schulturnhalle soll auf neuesten Stand gebracht werden

Veröffentlicht am 22. Januar 2019 von Nadine Rener

Bereits im vergangenen Jahr hatte sich die Gemeinde Kemmern um Fördergelder aus dem KIP-S-Programm für die energetische Sanierung der Schulturnhalle beworben. Mit Erfolg. Nun wurde die Schulturnhalle durch das beauftragte Architekturbüro näher untersucht und Maßnahmen für die energetische Sanierung des Gebäudes in der vergangenen Gemeinderatssitzung von Architekt Karl-Heinz Rösch vorgestellt.

So sehen die Planungen des Büros beispielsweise einen Austausch der Fenster vor. Aktuell besitzt das Gebäude Glasbausteine, die entfernt und durch Fenster ersetzt werden sollen, die sich nach außen kippen lassen. Daneben sollen laut Architekt Rösch die Fenster in das Sonnenschutzsystem einbezogen und mit Sonnenschutzglas ausgestattet werden. Dies solle dazu führen, dass auf Jalousien verzichtet werden könne, da diese zum einen anfällig für Defekte sind und zum anderen sehr viel mehr kosten würden, so Rösch. Mit einem guten Belüftungssystem könne man zudem sicher stellen, dass es nicht zu einer Überhitzung kommt. Zur Dämmung der Wände soll Mineralwolle genutzt werden, die Fassade des Gebäudes soll verputzt und im unteren Bereich Panzergewebe mit eingebaut werden, um die Wand zu stärken und Beschädigungen zu vermeiden.

Heizsystem: Wärmerückgewinnung oder Heizplatten?

Für das Heizungssystem schlägt Rösch sechs große Plattenheizstrahlkörper vor, die an der Decke montiert würden und mittels Strahlungsenergie das Gebäude erwärmen sollen. Dies sei die übliche Beheizung für punktuell genutzt Gebäude wie Turnhallen und sorge bei Bedarf in kurzer Zeit für ein angenehmes Raumklima. Zudem kollidieren diese Platten nicht mit Sportgeräten in der Halle und sollen ballwurfsicher gestaltet werden. Allerdings könnte das Gewicht der sechs Platten, das auf 1,5 Tonnen kommt, zum Problem werden, da dieses an der Deckenkonstruktion befestigt wird. Daher muss mit einem Statiker abgesprochen werden, ob die Decke dieses Gewicht tragen kann, alternativ könnte das Gebäude aber auch mit einer Wärmerückgewinnungsanlage ausgestattet werden. 

Bei der Begehung des Gebäudes durch das Büro seien aber auch zum Teil beträchtliche Mängel aufgefallen, wie sehr tiefe Risse an allen Gebäudeecken. Dies könne laut Rösch zum einen daher kommen, dass Elemente des Gebäudes nicht mit Stahl verbunden, sondern nur lose aufeinander betoniert seien. Zum anderen vermutet er einen weiteren Grund dafür in den Fundamenten. So wurden zwar noch keine tieferen Grabungen unternommen, aber die Frostfreiheit der Fundamente sei womöglich nicht gegeben. Als Lösung dafür schlug Rösch vor, die Fundamente weitläufig anzuschütten und das Gebäude mit einem Bewegungsprofil auszustatten. Auf Nachfrage, ob diese Risse gefährlich seien, erklärte Rösch, dass durch die Risse Wasser eindringen könnte, was aber mit dem Bewegungsprofil gelöst würde. Die Standsicherheit sei zudem gewährleistet.

Die Westseite der Turnhalle aktuell …

… und nach der Sanierung.

Auch Mängel sollen behoben werden

Dokumentiert wurden außerdem Wasserflecken an der Decke der Turnhalle, die Rösch auf die Eindeckung des Daches zurückführt. Das Dach besitzt eine Neigung von 20 Grad, doch eignen sich die Ziegeln, die sich momentan auf dem Dach befinden, nicht für diese Neigung. Deswegen empfiehlt er, diese mit geeigneten zu ersetzen. Nach Röschs Einschätzung ist der Dachstuhl grundsätzlich in gutem Zustand und gut ausgelüftet.

Rösch empfahl der Gemeinde auch, Maßnahmen in Betracht zu ziehen, die die Akustik in der Halle verbessern, da diese auch für Veranstaltungen genutzt wird. Insgesamt würde die Turnhalle so zu einem sehr gut energetisch saniertem Gebäude werden, so Rösch, und setzt für die Sanierung eine Bruttosumme von etwa 382.000 Euro an. Größere Posten sind hierbei die Kosten für Zimmerer und Dachdecker von etwa 79.000 Euro, die Anschaffung von Alufenstern mit Isolierglas für rund 87.000 Euro oder die Putzarbeiten und die Kosten für Heizungsbauer von circa 86.000 Euro. Darin enthalten sind außerdem die Kosten für die Beseitigung der aufgeführten Mängel von etwa 80.000 Euro. Bürgermeister Rüdiger Gerst zeigte sich froh, dass das Büro die Halle vertieft untersucht und dabei die Mängel entdeckt hatte. Dabei herrschte auch Einigkeit im Gemeinderat, diese Mängel, die früher oder später ohnehin hätten beseitigt werden müssen, im Rahmen der Sanierung in Angriff zu nehmen.

Somit wurde den Planungen des Architekturbüros grundsätzlich ohne Gegenstimme zugestimmt. Im nächsten Schritt sollen nun die notwendigen Antragsunterlagen erstellt werden, um bis zum 8. Februar 2019 eine Zuwendung aus dem Förderprogramm KIP-S für dieses Vorhaben zu beantragen.

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Hochwasserschutz: Einwendungen wurden in die Planungen eingearbeitet

Daneben ging es in der Sitzung um die geplanten Maßnahmen für den Hochwasserschutz. Die Planungen dazu liegen aktuell bis zum 29. Januar 2019 aus, danach können für zwei Wochen noch Einwände vorgebracht werden. Der Gemeinderat hat sich oft mit diesem Thema auseinandergesetzt, auch in Bürgerversammlungen wurden die Planungen zwei Mal vorgestellt und Einwendungen der Bürger mit aufgenommen. Nun wurden sie noch einmal intensiv geprüft und entsprechen dem, was bisher erarbeitet und abgesprochen wurde, berichtete Bürgermeister Gerst. So wird beispielsweise die Zufahrtsmöglichkeit im Bereich Am Bächlein weiterhin bestehen. Vorgesehen war dafür anfangs eine Rampe mit einer Neigung von 18 Prozent, mit Rücksicht auf Einsatzfahrzeuge und den landwirtschaftlichen Verkehr soll die Neigung nun auf zwölf Prozent verringert werden.

Aufgenommen wurde außerdem eine Anregung aus den Reihen der Bürger bezüglich der Übergänge im Bereich Leigraben. Dort sollen zwei zentrale Übergänge geschaffen werden, so dass die Gärten zu Fuß und mit kleineren Gerätschaften, wie Schubkarren, nach wie vor zu erreichen sind. In den Planungen ist außerdem die Möglichkeit vorgesehen, dass die Hallstadter Straße in Hinsicht auf den Bau eines Radweges verbreitert werden kann sowie dass das Pumpwerk drei neue Pumpen bekommen wird und die Betriebssicherheit durch ein Notstromaggregat gewährleistet werden soll.

Foto und Grafik: Architekturbüro Rösch Hanisch

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