Vereinsleben, Einnahmen … Wie die Corona-Krise ganze Vereine lahmlegt.

Veröffentlicht am 18. Juni 2020 von Johannes Michel

In der Liste, wen die Corona-Krise wohl mit am stärksten getroffen hat, stehen die Vereine ganz weit oben. Kein Spielbetrieb im Fußball, keine Konzerte – keine Einnahmen. Auch nicht durch bereits lange im Voraus geplante Feste – wie etwa das 100-jährige Jubiläum des SV Zapfendorf oder das 40-jährige des Musikvereins Stadt Hallstadt. Den Musikverein stoppte Corona eine Woche vor den Jubiläumskonzerten …

„Wir hätten heuer mit dem Musikverein Stadt Hallstadt unser 40-jähriges Vereinsjubiläum gefeiert. Alle organisatorischen Fragen zu diesem Jubiläumsjahr waren geklärt und die Vorbereitungen getroffen. Auftakt dieses Festjahres sollte das Jubiläumskonzert am 21. und 22. März sein. Dann kam Corona, eine Woche vor unserem Konzert.“ Thomas Müller, Vorsitzender des Musikvereins, kann es rückblickend immer noch nicht fassen, was da eigentlich passiert ist. Denn wer sich im Leben eines Vereins ein wenig auskennt, der weiß, wie lange solche Feste vorbereitet werden, wie viel Arbeit da drinsteckt. Und: „Natürlich fehlen uns mit den ausgefallenen Veranstaltungen auch wichtige Vereinseinnahmen. Laufende Kosten müssen aus den Rücklagen gedeckt werden. Eine Haupteinnahmequelle wäre das Jubiläumskonzert an den beiden Konzerttagen gewesen. Dieses Geld fehlt nun gänzlich.“

Aber es sind nicht nur die Feierlichkeiten, die einen (Musik-)Verein ausmachen. Schließlich wollen die meist jungen Musiker auch etwas lernen, zusammen üben. Aber auch das hat Corona erst einmal unmöglich gemacht. „Seit dem Beginn der Corona-Pandemie lag das Vereinsleben brach. Keine Vereinsaktivitäten sind mehr möglich, keine Orchesterproben, keine Nachwuchsausbildung, keine Vereinsratssitzungen.“ Ausgefallen sind auch die Nachwuchsausbildung mit Einzelunterricht, Registerproben und natürlich die Proben des gesamten Orchesters. „Einige unserer Instrumentalausbilder versuchten, den Einzelunterricht online aufrecht zu erhalten – was nicht immer gelang. Der Einzelunterricht im Onlinemodus ist zwar besser als gar kein Instrumentalunterricht, aber kann ihn nicht ersetzen.“ Nichtsdestotrotz war und ist es wichtig, dass die Ausbilderinnen und Ausbilder den Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern pflegen. „Was unserer Musikerinnen und Musikern aber fehlt, ist eine Perspektive. Denn sie arbeiten immer auf Auftritte hin, möchten das Erlernte zeigen. Daher fällt vielen das Üben zu Hause trotz viel freier Zeit sehr schwer.“

Der Musikverein Stadt Hallstadt beim Frühlingskonzert 2019.

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Besondere Abstandsregeln für Musiker

Was Thomas Müller ärgert, war die Vernachlässigung des Kulturbereiches, auch bei den nach und nach verkündeten Lockerungen. „Wenn der Kulturbereich ja nicht systemrelevant ist, sollte man sich mal seine Umgebung vorstellen ohne Musik im Radio und Fernsehen, bei Streaming-Diensten oder sonstigen digitalen Medien. Und natürlich vor Ort – in unserer Region ist es üblich und ein echtes Highlight, dass bei vielen Veranstaltungen in der Stadt Musik mit dabei ist.“

Damit die Musikerinnen und Musiker wieder zusammenfinden, hat der Musikverein Stadt Hallstadt schob im Mai ein Hygienekonzept erarbeitet und mit der Stadt abgestimmt. Seit 18. Mai ist daher Einzelunterricht wieder in städtischen Räumen möglich. „Auch Orchesterproben wären ohne größere Einschränkungen mit den notwendigen Abstandsregeln und Hygienevorschriften im Freien oder auch in Räumen problemlos machbar“, erklärt Müller. Über zwischenzeitliche Lockerungen zeigt sich Müller aber enttäuscht. „Einige Vorgaben sind für uns Musikvereine nicht nachvollzieh und umsetzbar. Ein Beispiel: Die Abstandsvorgabe nur für uns Musiker zu erhöhen ist im wahrsten Sinne des Wortes aus der Luft gegriffen. So müssen wir zu jedem zwei Meter Abstand in alle Richtung einhalten. In Österreich sind die Abstände der Musiker mit einem Meter vorgegeben. Ich weiß nicht, was in Österreich anders ist als bei uns?! Wir sind in der Stadtkapelle Hallstadt ca. 50 Musiker bei den Orchesterproben. Das heißt, wir können in unserem Probenraum nur mit einem Bruchteil proben.“

Es sind aber nicht nur die lange fehlenden Proben, die den Verein und seinen Vorstand beschäftigen. „Ein weiteres Problem ist die Nachwuchswerbung. Mit den Einschränkungen konnten und können wir keine aktive Nachwuchswerbung betreiben. Es ist natürlich nicht möglich wie in den vergangenen Jahren, die Kinder bei der Wahl eines Instrumentes durch Ausprobieren verschiedener Instrumente zu unterstützen. Wir versuchen, dies anderweitig zu ersetzen und mit Informationen und Erläuterungen die Kinder und ihre Eltern für das Erlernen eines Instrumentes bei uns im Musikverein zu begeistern.“

Fotos: Archiv, Musikverein Hallstadt

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