Für und Wider: Neuer Pferdehof-Standort gefällt nicht allen

Veröffentlicht am 19. April 2018 von Johannes Michel

Der Pferdehof des Vereins Pferdepartner Franken braucht einen neuen Standort. Schon oft hat sich der Stadtrat in Baunach mit diesem Thema beschäftigt, der Landschaftsplan im Bereich Südwest wurde geändert – und damit der Weg freigemacht für einen so genannten vorhabenbezogenen Bebauungsplan. Dass der Pferdehof dort eine neue Heimat finden könnte, stößt nicht nur auf Zustimmung. Ein neuer Verein hat sich gegründet.

Die „Initiative gegen die Ausweisung einer Sonderbaufläche Reiterhof in Baunach-Südwest“ dürfte in Baunach schon eine gewisse Bekanntheit erreicht haben. Seitenlange Einwendungen der Initiative wurden in den Stadtratssitzungen verlesen, welche die Änderung des Flächennutzungs- und Landschaftsplans auf der Tagesordnung hatten. Der Stadtrat war von den Argumenten der Initiative allerdings nicht überzeugt. Ganz davon abgesehen, dass der Wunsch nach einem neuen Standort für den Reiterhof nicht nur bei den Pferdepartnern gegeben ist, sondern auch bei Bürgermeister Ekkehard Hojer und den Stadträten.

Eine Änderung des Flächennutzungs- und Landschaftsplans konnte die Initiative mit ihren Einwendungen somit nicht verhindern. Will der Verein Pferdepartner Franken nun Ernst machen und seinen Hof wirklich verlegen, stünde als nächster Schritt die Erarbeitung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans an. Und gegen den könnte die Initiative dann erneut Einsprüche erheben. Die wird es wohl geben, nicht zuletzt deshalb, weil sich aus der Initiative mittlerweile selbst ein Verein gegründet hat. Sein Name: „Bürgerforum lebenswertes Baunach“. Eine Internet- und Facebookseite gibt es auch schon, erster Vorsitzender ist Peter Wurm.


So wurde der Flächennutzungsplan geändert: Der neue Standort für den Pferdehof findet sich unter Punkt 2.


Abstände: So weit ist das mögliche Grundstück von den Wohnhäusern beziehungsweise dem neuen geplanten Baugebiet entfernt. Im Norden der bisherige Standort des Hofes.

Verkehr, Größe, Standort

Auf welche Argumente stützt sich der neue Verein? Die Rede ist von der Zerstörung eines beliebten Naherholungsgebiets, das vor allem durch Hundebesitzer, Sportler und Spaziergänger genutzt werde. Ein Dorn im Auge ist den Mitgliedern außerdem die Verkehrssituation – mehr Fahrzeuge würden, um den neuen Standort des Reiterhofs zu erreichen, den Röderweg befahren, besonders weil viele Mitglieder von Pferdepartner Franken gar nicht aus Baunach kämen. Und den Abstand von rund 150 Metern zwischen künftigem Gelände des Pferdehofs und einem neu auszuweisenden Baugebiet erachtet der neue Verein als zu gering, zur bestehenden Bebauung sind es rund 250 Meter. Außerdem sei das Gelände zu klein. Bei dieser Aussage stützt sich der Verein auf die Internetseite des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten aus Ansbach. Dort ist ein Flächenbedarf von 1,5 Hektar für 30 Pferde genannt, hinzugerechnet werden müssen die Weideflächen. Die mögliche neue Fläche für den Pferdehof kommt auf knapp unter einen Hektar (10.000 Quadratmeter).

Kompromissbereit scheint der Verein beim Standort nicht zu sein. In einem Brief an Nachrichten am Ort heißt es: „Mit Kompromissen für diesen Standort können wir uns nicht abfinden, zumal die Betreiber des Pferdehofes sich bisher in keiner Weise an Gesetze und Vorschriften gehalten haben, z.B. Verstöße gegen das Baurecht, Umweltrecht, Tierschutzgesetz, genehmigte Anzahl der Tiere (vier genehmigt, bis zu 20 vorhanden). Da ihnen bisher jegliches Unrechtsbewusstsein fehlte, kann man dies wohl auch in Zukunft nicht erwarten.“ Und wenn sich der Standort komplett ändern würde? „Wir hätten jedoch kein Problem damit, wenn sich der Reiterhof im Osten oder Norden von Baunach ansiedeln würde, vorausgesetzt: ausreichende Entfernung von der Wohnbebauung und Einhaltung der Richtlinien des Amts für ländliche Entwicklung.“ Zumal im Osten von Baunach laut Angaben des Vereins Flächen und Gebäude eines stillgelegten Bauernhofs vorhanden sind. Und noch zwei andere Alternativvorschläge hat der Verein parat: Umzug des Reiterhofs in einen von mehreren zum Verkauf stehenden Reiterhöfen im Landkreis oder Angliederung an einen bestehenden Reiterhof im Landkreis.


So sieht das Grundstück für den Pferdehof momentan aus.


Mit diesen Häusern endet aktuell die Wohnbebauung. Ganz links sollen noch weitere Bauplätze folgen.

Grundstück als einzige Möglichkeit

Die Suche nach dem neuen Standort ist ein Prozess, der den Baunacher Stadtrat schon seit Oktober 2013 begleitet. Damals war die Änderung des Flächennutzungsplans zur Errichtung eines Reiterhofs am jetzigen Standort abgelehnt worden – und die Stadtverwaltung wurde beauftragt, nach anderen Flächen zu suchen. „Dass es letztendlich zum jetzigen Standort kam ist dem geschuldet, dass keine anderen Flächen gefunden werden konnten“, erklärt Bürgermeister Ekkehard Hojer gegenüber Nachrichten am Ort. „Im Osten haben wir Hochwassergebiet, FFH, SPA, Naturschutzgebiet, im Norden Wasserschutzgebiet, FFH, Hochwassergebiet, und daraus folgend keine Anbindungsmöglichkeit, wie sie vom LEP (Landesentwicklungsprogramm) gefordert wird. Eine Genehmigung wäre chancenlos. Im Süden ist die Topographie ungeeignet, im Westen liegen die Fischteiche und der Naturpark Hassberge – ebenfalls ohne Anbindungsmöglichkeit. Die einzige machbare Fläche liegt im Südwesten, hier sind wir außerhalb des Landschaftsschutzgebietes des Naturparks Hassberge und können ‚anbinden‘. Laut Regierung von Oberfranken sollten wir sogar näher an die Bebauung ran, um so einen Widerspruch zu Ziel 3.3 des Landesentwicklungsprogramms Bayern zu entkräften.“

Zur Information: In Punkt 3.3 des Landesentwicklungsprogramms Bayern heißt es: „Eine Zersiedelung der Landschaft und eine ungegliederte, insbesondere bandartige Siedlungsstruktur sollen vermieden werden. Neue Siedlungsflächen sind möglichst in Anbindung an geeignete Siedlungseinheiten auszuweisen.“ (die Redaktion)

Dass im Osten der Stadt ein stillgelegter Bauernhof zur Verfügung stünde, ist laut Hojer nicht der Fall. „Das Wohnhaus ist noch bewohnt, die Nebengebäude scheinen auch benutzt zu werden. Auch befinden sich keine zum Anwesen gehörenden Flächen im Umfeld.“ Und: Das Grundstück liegt sehr nah an anderen Wohnhäusern.

Pferdehof als Bereicherung

Dass die Attraktivität des Areals durch den Bau einer Reitanlage sogar erweitert würde, meint Michaela Hohlstein vom Verein Pferdepartner Franken. So könnten Spaziergänger mit Kindern etwa die Pferde besuchen. Zudem sei vorgesehen, die Anlage von zwei Seiten durch Hecken und Büsche einzufrieden, was zugleich Lebensraum für Vögel und andere Tiere schaffe. Den Vorwurf, dass sich der Hol- und Bringverkehr negativ auf die Verkehrssituation auswirke, kann Hohlstein ebenfalls nicht verstehen: „Unsere Mitlieder kommen, wie bei anderen Vereinen in Baunach auch, aus der kompletten Verwaltungsgemeinschaft und dem näheren Umland. Die Träger öffentlicher Belange haben im Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplans eindeutig dazu Stellung genommen, dass die Zahlen des Verkehrsaufkommens eines Reiterhofes unerheblich sind.“


Bisher liegt der Reiterhof (im Hintergrund) nur wenige Meter neben der Bebauung.

Und wie geht es weiter? Das erläutert Bürgermeister Hojer: „Der Pferdepartner Franken e.V. muss einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan, nach Vorgaben der Stadt, in Auftrag geben. Beim Bebauungsplan ist dasselbe Procedere wie beim Flächennutzungsplan vorgeschrieben: Aufstellungsbeschluss, Auslegung, Beteiligung, Abwägung und so weiter. Die Verwaltung wird das Ganze objektiv begleiten und sich strikt an das Baugesetzbuch halten.“

Gerne können Sie hier Ihren Kommentar zum Artikel hinterlassen.


Bitte geben Sie Ihren richtigen Namen (kein Pseudonym) an, ansonsten können wir Ihren Kommentar nicht veröffentlichen.
Ist dies Ihr erster Kommentar, erfolgt vor der Freischaltung zunächst eine Prüfung.
Für den Inhalt von Kommentaren ist die Redaktion nicht verantwortlich.
Indem Sie auf "Kommentar absenden" klicken, erlauben Sie uns, Ihre Daten (Name, E-Mail-Adresse, IP-Adresse und Kommentar) digital zu speichern und zu verarbeiten und Sie ggf. zu kontaktieren.