Hölzerne Männer: Entscheidung gefallen

Veröffentlicht am 12. September 2019 von Johannes Michel

Vor drei Jahren wurde ein Konzept präsentiert, wie die Hölzernen Männer sicher konserviert werden könnten. Viel Zeit ist erneut vergangen – Zeit, in der die Hölzernen Männer, das Wahrzeichen der Stadt Baunach, nicht für die Öffentlichkeit zugänglich waren. Nun wurde im Stadtrat beschlossen, in welcher Form und an welchem Ort sie bald wieder gezeigt werden sollen. Wieso aber sind sie eigentlich eingelagert?

Im Baunacher Stadtrat am 10. September 2019 waren die Hölzernen Männer das große Thema. Schon acht Jahre lang können sie nicht mehr besichtigt werden – das soll sich bald wieder ändern.

Warum sind die Hölzernen Männer so bedeutend für Baunach?

Die Darstellung, die Ritter Kurt von Baunach und seinen Gefährten Hans von Giech zeigt, stammt aus dem Jahr 1710 – und ist damit über 300 Jahre alt. Ursprünglich stand das Eichenholz-Tor vor dem Kastenhof, dem früheren Gericht. 1910 wechselte es in die Nähe der Zehntscheune vor dem damaligen Waisenhaus. Sechs Jahre später, im Jahr 1916, werden die Hölzernen Männer dann erstmals als besonderes Kunstdenkmal im Inventar der Kunstdenkmäler Bayerns geführt. 1971 wurden sie erneut versetzt – an den südöstlichen Ortseingang unweit des Kindergartens. Nach einer Restaurierung Ende des Jahrtausends wurde nahezu am Ursprungsstandort ein passender Platz für die Aufstellung geschaffen – mit Bänken und dem Hechtbrunnen. Aufgrund erneuter Schäden am Holz wurden die Männer aber im September 2011 abgebaut und eingelagert.


So präsentierten sich die Hölzernen Männer bis zum Jahr 2011.

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Wie groß sind die Schäden an den Hölzernen Männern?

Die Witterung hat dem Holztor stark zugesetzt. Mehrfache Restaurierungen führten nicht zum dauerhaften Erhalt. Sollten sie erneut im Freien aufgestellt werden, wären laut Restauratorin Anja Fuchs erneut umfangreiche Maßnahmen nötig, teilweise auch der Austausch ganzer Holzteile – die Hölzernen Männer würden einen Teil ihres Charakters verlieren. Fuchs äußerte sich dazu deutlich in einem Brief an die Stadt. Außerdem würden Sonne und Regen wohl dazu führen, dass nach nur einem Jahrzehnt wieder große Schäden auftreten. Eine Sanierung für die Aufstellung in einem geschlossenen Raum wäre zudem kostengünstiger (15.000 zu 45.000 Euro). Das wichtigste Kriterium, so Bürgermeister Ekkehard Hojer, sei der Erhalt des Wahrzeichens.

Welche Standorte kamen in Frage?

Christian Brückner vom Architekturbüro Brückner & Brückner zeigte im Stadtrat noch einmal die Varianten und Ideen der vergangenen Jahre. Eine Einhausung am bisherigen Platz für rund 250.000 Euro wurde nicht weiterverfolgt, da diese laut Restauratorin Anja Fuchs kaum helfen würde. Auch das Bürgerhaus Lechner-Bräu sei immer wieder Thema gewesen. Einzig der Bereich vor dem Haupteingang käme in Frage – aber auch hier wären umfassende Baumaßnahmen nötig. So müssten die Hölzernen Männer dann in einer Art Glasvitrine platziert werden, was kein Durchgehen mehr ermögliche und das Erlebnis einschränke. Auch die Kosten seien schwer zu kalkulieren. Die Zehntscheune hingegen biete viele Vorteile: Es käme zur Vereinigung zweier Denkmäler, sie sei bereits saniert, werde zudem bisher nur an wenigen Tagen im Jahr genutzt – und sei als Lagerraum eigentlich zu schade.

Standort Zehntscheune – was genau ist hier geplant?

Schon vor bald drei Jahren zeigte Christian Brückner erste Pläne, wie die Hölzernen Männer in der Zehntscheune untergebracht werden könnten. Diese wurden nun verfeinert – und vom Stadtrat bei zwei Gegenstimmen angenommen. In der Scheune sollen einige Holzteile zurückgebaut werden, so dass die eigentliche Tragekonstruktion des Scheunendachs sichtbar wird. An Stelle der bisherigen Holztore soll ein gläsernes Schaufenster jederzeit Einblicke ermöglichen. Den Zugang ermöglicht dann eine Glastür, wobei sich das „Schaufenster“ für Veranstaltungen auch komplett öffnen lassen soll. Somit entsteht nicht nur ein Ausstellungsbereich für die Hölzernen Männer, sondern auch ein Veranstaltungsraum für 50 bis 60 Personen – gut geeignet etwa für standesamtliche Trauungen, Vorträge oder andere Ausstellungen in den warmen Monaten. Denn eine Heizung soll nicht eingebaut werden. Um auch in den Abendstunden zu wirken, soll eine Lichtinstallation die Männer ins rechte Licht rücken. Die Vereine sollen beim Straßenfest des Musikvereins oder bei der Kirchweih die Zehntscheune zudem weiterhin wie bisher nutzen können. Nachdem die Scheune bei einem hundertjährigen Hochwasser (HQ 100) im Überschwemmungsbereich liegt, werden die Hölzernen Männer wohl auf einem Sockel leicht angehoben platziert.


Die Zehntscheune in Baunach.

Was kostet die Unterbringung der Hölzernen Männer in der Zehntscheune?

Architekt Brückner geht von Gesamtkosten von rund 550.000 Euro aus. Für die Stadt Baunach verbleiben davon, nach Abzug der Förderungen und Zuschüsse, etwa 145.000 Euro. Allein 381.000 Euro erhält die Stadt aus dem Förderprogramm „Innen statt Außen“. „Eine solche Chance darf sich Baunach nicht entgehen lassen“, meinte Bürgermeister Hojer zu den Zahlen. Wann genau die Arbeiten an der Zehntscheune starten, steht noch nicht fest.

Die Zehntscheune ist zweigeteilt – der linke Teil gehört der Stadt, der rechte einem Privateigentümer. Hat das Auswirkungen auf das Projekt?

Sämtliche Maßnahmen beziehen sich aktuell nur auf den linken Teil der Scheune. Allerdings, so Hojer, habe er die schriftliche Zusage des Eigentümers der rechten Seite, dass ein Verkauf an die Stadt stattfinden werde. Was dann hier entstehen könnte, werde in Zusammenarbeit mit den Nutzern der Scheune und auch den Vereinen abgestimmt. In Frage kämen beispielsweise ein Stuhllager, Toiletten oder eine Küche. Würde das Projekt nun pausiert, um auf den Kauf des rechten Teils zu warten, wäre gegebenenfalls sogar ein kompletter Neubeginn nötig, da mit den Fördergebern nur der linke Teil abgestimmt ist.

Was passiert mit dem bisherigen Standort?

Hechtbrunnen und Bänke wirken momentan etwas verlassen. Das sollte sich schnell ändern – und Architekt Brückner hatte eine Idee mitgebracht: Anstelle der Hölzernen Männer könnte eine Stahlplatte mit einem aufgedruckten oder gelaserten Bild der Männer zeigen, wo sie standen und wie das einmal aussah. Ein Texthinweis könnte dann auf die Zehntscheune verweisen. Das Konzept kam im Stadtrat gut an und wurde in den Gesamtbeschluss mit aufgenommen. Brückner geht von Kosten von etwa 20.000 Euro aus.

Tipp zum Weiterlesen: In unserem Artikelarchiv finden Sie eine umfangreiche Sammlung aller unserer Artikel rund ums Thema „Hölzerne Männer“…

 

Fotos von den Hölzernen Männern und dem geplanten Umbau der Zehntscheune mit Erläuterungen unter den Fotos finden Sie in unserer  Bildergalerie (zum Öffnen einfach ein beliebiges Foto anklicken, zum Beenden der Anzeige das X in der Ecke oben wählen).

Bilder: Stadt Baunach, Brückner & Brückner Architekten

 

Weitere Themen in der Stadtratssitzung vom 10. September 2019

Steffen Gaul vom Büro Gaul Ingenieure präsentierte den Stadträten die Zustandsbewertung und das Sanierungskonzept zum Kanalnetz. Über zehn Jahre gestreckt könnten hier Investitionen von 2,8 Millionen Euro auf die Stadt zukommen. Nach umfangreichen Kamerabefahrungen wurden die Kanäle bewertet und in sechs Schadensklassen eingeteilt (0 bis 5). Rund zehn Kilometer des insgesamt 34,5 Kilometer langen Kanalnetzes seien den Stufen 3 bis 5 zuzuordnen, wobei letztere dringenden Handlungsbedarf gebiete. An vielen Stellen sei aber kein Neubau notwendig, sondern die Sanierung mittels Inlinern. Dabei wird eine mit Harz getränkte Gewebematte eingebracht, die Risse und kleinere Schäden überlagert.

In den kommenden Jahren möchte die Stadt ihre Straßenbeleuchtung auf LED-Technik umstellen. Stadtrat Volker Dumsky (CWU) hatte einen entsprechenden Antrag eingebracht. Nun sollen, was einstimmig beschlossen wurde, entsprechende Angebote eingeholt werden. „Auf einen Schlag wird die Umstellung nicht möglich sein“, so Bürgermeister Hojer. „Erste Mittel können wir aber im Haushaltsjahr 2020 zur Verfügung stellen. Die Umstellung an sich ist eine gute Sache – sie spart nicht nur Geld, sondern leistet auch einen Beitrag zur CO2-Reduzierung.“

Unter „Sonstiges“ kam die Frage nach dem aktuellen Stand in Sachen Bebauungsplan Reiterhof auf. Hojer berichtete, dass das Landratsamt eine Frist bis Jahresende für den Aufstellungsbeschluss gesetzt habe. Höchstwahrscheinlich werde das Thema in der Oktobersitzung behandelt.

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