Bürgermeister: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Dass die Stadt Baunach eine Mehrzweckhalle braucht und auch bekommen wird, ist unstrittig. Der Stadtrat hat bereits darüber entschieden. In einer Sondersitzung stellte sich nun die Frage: Wie soll das Gebäude aussehen? Zwei Varianten wurden dazu präsentiert – und es gab einen klaren Favoriten.

„Das Thema beschäftigt uns schon lange. Der Bebauungsplan wurde bereits 2001 rechtskräftig, wir sind nun an einem Punkt, wo es an die Umsetzung gehen kann. Mit der Planung beauftragt wurde das Architekturbüro Stark, wir haben mit Vereinen und der Schule Gespräche über die Nutzung geführt.“ Bürgermeister Tobias Roppelt führte in einer Sondersitzung des Baunacher Stadtrats am 16. Februar 2021 noch einmal kurz ins Thema Mehrzweckhalle ein. Nachdem in Baunach die Turnhallensituation nicht nur für die Schule, sondern auch die Vereine angespannt ist und oftmals außerhalb der Stadt in anderen Hallen trainiert werden muss, steht eine Mehrzweckhalle ganz oben auf der Wunschliste. In mehreren Stadtratssitzungen wurde schon über sie gesprochen und auch entschieden – ein einstimmiger Beschluss für einen Bau bereitete den Weg.

Die Architekten Jürgen Stark und Peter Martin (beide Stark Architekten, München), stellten nun zwei Entwürfe vor. Ihnen ist gemeinsam, dass es sich nicht um eine reine Sporthalle handeln soll. Die Zuwegung soll von der Bahnhofsseite her erfolgen, der Bahnstrecke damit der Rücken der Halle zugekehrt werden, wobei eine Einbeziehung des Sportgeländes ebenfalls angedacht ist. Die Besucherkapazität werde, so Stark, je nach Bestuhlung bei 700 bis 1.000 Personen liegen. Die Hallenhöhe würde an der höchsten Stelle zehn Meter betragen.

Welche Variante soll’s werden?

Die beiden Varianten, die Stark zeigte, unterscheiden sich beim Sportbereich kaum. Variante 2.2, wie sie offiziell heißt, kommt mit einem großen, die Halle umspannenden Foyer, das sich auch für eigene Veranstaltungen anböte. Ein Musiksaal, an dem sich der Musikverein auch kostentechnisch beteilige, sei ebenfalls dabei. Der große Vorteil dieser Variante: Alles wäre ebenerdig erreichbar, lediglich zu den Zuschauertribünen würden Treppen nach oben führen. Zum Einsatz käme viel Glas.

Variante 2.2: Außenansicht

Variante 2.2: Das Foyer (blau) würde die Halle umspannen.

Die zweite Variante, offiziell Variante 3.2, unterscheidet sich schon allein optisch. Das Foyer ist hier kleiner, der Eingangsbereich somit am Hallenkopf angeordnet. Im Obergeschoss wäre die Unterbringung eines Mehrzweckraums möglich, der bei der anderen Variante fehle. Auch hier wäre der Musikverein mit einem eigenen Raum an Bord. Um die Räume im OG gut erreichen zu können, wäre ein Aufzug nötig.

Variante 3.2: Außenansicht

Variante 3.2: Das Foyer (gelb) ist an der Kopfseite der Halle angeordnet.

Peter Martin ergänzte, dass die Energieversorgung noch nicht zu hundert Prozent geklärt sei. Eine Solaranlage für Brauchwasser, Photovoltaik für Strom oder auch eine Wärmepumpe zur energetischen Unterstützung seien denkbar. Stadtrat Michael Jäger (CWU) brachte auch eine Brennstoffzellen-Lösung ins Gespräch – Martin meinte, das werde geprüft.

Kosten: 8,5 Millionen Euro

Bürgermeister Tobias Roppelt fasste die Ergebnisse aus den Diskussionen mit den Vereinen kurz zusammen. Als Favorit habe sich die Variante 3.2 herauskristallisiert. Selbstverständlich gelte es, mit den Vereinen Nutzungskonzepte zu erstellen und Verträge abzuschließen. Insgesamt sei mit Kosten von ca. 8,5 Millionen Euro zu rechnen, wobei Förderungen beispielsweise über FAG, den BLSV oder beim Umfeld auch über die Städtebauförderung möglich seien. „Wir dürfen hier aber nicht mit Millionenbeträgen kalkulieren, ich gehe von einer Gesamtförderung von einer bis anderthalb Millionen Euro aus“, meinte er. „Das Projekt ist wichtig für Baunach. Und ich weiß auch, dass wir uns damit für Jahre binden. Aber wir haben momentan die niedrigste Pro-Kopf-Verschuldung, die Baunach je hatte. Wenn wir die Mehrzweckhalle nicht jetzt bauen, dann bauen wir sie nie.“ Die Verteilung der Finanzmittel solle auf die Haushaltsjahre 2022 und 2023 erfolgen.

Variante 3.2: Im Foyer führt eine breite Treppen nach oben zu den Zuschauerrängen und weiteren Räumen.

Variante 3.2: So sieht der Innenbereich der Sporthalle aus.

Anschließend eröffnete Roppelt die Diskussion. Stadtrat Peter Großkopf (CBB) bezeichnete die Halle als historische Chance für die Stadt. Rudi Wacker (SPD) sah zwar die hohen Kosten. „Aber wir bekommen auch ein gutes Stück Lebensqualität für das Geld.“ Eine kritische Stimme kam von Stadtrat Markus Stöckl (CSU). Er wollte, genauso wie Manuela Fößel (FBB) wissen, wie die Chancen für die notwendigen Genehmigungen stünden. Denn die Halle weicht in einigen Belangen vom Bebauungsplan ab, zum Beispiel überschreitet sie die Baugrenzen leicht, ist höher, der Eingang wurde auf die der Stadt zugewandte Seite verlegt. Und sie befindet sich im Hochwassergebiet. Roppelt erklärte dazu, nach dem heutigen Beschluss des Stadtrats würden direkt Gespräche mit dem Landratsamt geführt. Die Chancen für die Genehmigung sehe er als gut an, auch Architekt Stark bestätigte dies. Der Lage im Überschwemmungsgebiet werde durch eine Höherlegung der Halle begegnet, der Versicherungsschutz sei in diesem Fall kein Problem. „Bei einem hundertjährigen Hochwasser haben wir an der geplanten Stelle maximal einen halben Meter Wasser stehen. Und um diesen halben Meter bauen wir die Halle höher als das Gelände.“ Außerdem sei davon auszugehen, dass nach der Verbesserung des Hochwasserschutzes in Kemmern auch Baunach für ein solches Projekt an die Reihe komme.

Halle sollte nicht die Rückseite präsentieren

Zahlreiche Nachfragen hatte Manuela Fößel. Auch ihr ging es um die Ausnahmen von den Festlegungen des Bebauungsplans und den Schutz der Anwohner. Architekt Stark sagte dazu, dass die Verlagerung des Eingangs Richtung Bebauung notwendig sei. „Es ist kaum vorstellbar, dass ankommende Besucher sich zunächst der Rückseite der Halle nähern und dann mit Hinweisschildern zum eigentlichen Eingang geführt werden müssen.“ Außerdem werde sich das Publikum in jedem Falle, schon allein aufgrund der Parkplätze, im Bereich Richtung Bebauung aufhalten. Fößel wies auch auf die hohen finanziellen Belastungen hin. „Wir sollten uns bewusst sein, dass die Verschuldung bald deutlich steigen wird und dass wir uns bei anderen Prokelten zurückhalten werden müssen.“

Der Beschluss fiel dann aber einstimmig. Alle Stadträte votierten für die Variante 3.2. Die Stadtverwaltung kann somit weiterarbeiten – im nichtöffentlichen Teil sollten auch die Vergaben für die Fachplaner erfolgen.

Sämtliche Grafiken / Bilder: Stark Architekten, München

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