Historisches Gebäude soll weichen

Veröffentlicht am 8. Januar 2020 von Adelheid Waschka

Einen wahren Marathon leistete der Gemeinderat Reckendorf in seiner Dezember-Sitzung. Schon die Informationen des „Kurzberichts“ von Bürgermeister Manfred Deinlein zeigten sich abendfüllend. So erfuhren die Anwesenden unter anderem, dass die Arbeiten am Leichenhaus nun abgeschlossen seien und nur noch ein paar Restarbeiten anstünden.

Für den Disco-Bus fielen bei 168 Nutzern aus Reckendorf 3,87 Euro pro Mitfahrer an, weshalb die Fahrten bei steigenden Nutzerzahlen auch weiterhin beibehalten werden sollten. „Die Sicherheit unserer Kinder geht vor“, hörte man die Zustimmung aus den Reihen des Gemeinderates.

In der VG-Sitzung in Baunach haben alle Vertreter der Gemeinde Reckendorf gegen eine VG-Archivsatzung gestimmt, nachdem Bürgermeister Deinlein seine Bedenken gegen die Archivierung „aller Belange“ geäußert hatte. Es solle nun geklärt werden, inwieweit die Umsetzung der Satzung tatsächlich ordnungsgemäß sei. Während der Verkehrsschau am 6. Dezember in Obermanndorf wurde geklärt, dass der Wunsch einer Rückverlegung der Vorfahrtsstraße Richtung Gräfenholz von der Behörde insoweit abgelehnt wurde, da es bei dem wartenden Verkehr keinen Rückstau und kein Blockieren der Gleise geben darf. Am Ehrenamtsabend wurde Anton Schneiderbanger für seine spontane Nächstenliebe zum „Wackeren Recken 2019“ gekürt.

Wasserschutz und Klärschlamm

Ein großes Anliegen der am 14. November bei der Bürgerversammlung anwesenden Reckendorfer war die Neufestsetzung des Wasserschutzgebietes der Reckendorfer Brunnen gewesen, weshalb diese Angelegenheit auch zum Tagesordnungspunkt erhoben wurde. Die große Mehrheit der präsenten Bürger hätte das hydrogeologische Gutachten des beauftragten Ingenieurbüros in Frage gestellt und den Wunsch nach Beibehaltung der bisherigen Wasserschutzzone II und der vorherigen strengeren Auflagen für Wasserschutzzone III zum Ausbringen von Gülle und Dünger geäußert. So kam es auch zur Sprache, dass nicht alle Grundstückseigentümer von der Behörde schriftlich von den Vorhaben benachrichtigt wurde und viele Rückläufer eingingen. Gemeinderat Bernhard Müller (SPD) konnte das nicht nachvollziehen, „da er über 25 Jahre an dem gleichen Ort wohne“, und Gemeinderat Erwin Wahl (CSU) stimmte aus seiner Erfahrung dieser Tatsache ebenfalls zu. Auf die Frage von Müller auf das „warum, weshalb, wieso“ der Änderung des Wasserschutzgebietes, fügte Markus Sippel (WBFW) hinzu, er hätte beim Landratsamt nachgefragt. Angeblich hätte für das Vollzugsschreiben vom 26. Juni 1990 kein hydrologisches Gutachten vorgelegen, weshalb es jetzt neu festgelegt wurde. Ein Einspruch der Gemeinde werde geltend gemacht, so stellte Bürgermeister Deinlein schließlich fest, aber die Kommune könne die Wasserschutzzonen nicht festlegen.

Nähere Informationen zum Stand der Klärschlammentsorgung im Landkreis Bamberg lieferte das Gemeindeoberhaupt, indem er das Projekt des Fachbereichs 52 „Klimaschutz und Energiemanagement“ zur Erprobung einer Trocknungsanlage vorstellte, für das sich sieben Gemeinden zusammengeschlossen hatten. Gemeinderat Ludwig Blum (CSU) bedauerte es, warum man die Nachrichten aus dem Kreistag nicht schon eher zugetragen bekommen hätte, und Andreas Knab (parteilos) monierte, dass der Informationsfluss nicht funktioniere: „Man müsse sich diesen mühsam selber herholen“.

Kein Denkmalschutz: Abriss eines historischen Wohnhauses?

Heiß diskutiert wurde die Voranfrage auf Abbruch und Neuerrichtung eines Wohnhauses mit Einzelgarage in der Bahnhofstraße durch Wilhelm Müller. Bürgermeister Manfred Deinlein zeigte hierzu ein historisches Foto aus der vorherigen Jahrhundertwende und erklärte, dass es sich um ein so genanntes „Judenhaus“ handeln würde, indem früher die Viehhändlers-Familie Herrmann, der „Julius“, vor seiner erzwungenen Auswanderung in die Vereinigten Staaten gewohnt hätte: „Es ist eines der ältesten Häuser in Reckendorf, stehe aber nicht unter Denkmalschutz“,  stellte Deinlein fest.

Gemeinderat Falko Badura (SPD) nahm die Tatsache auf, dass es sich bei diesem Gebäude um eines der ältesten im Ort handeln würde, und es traurig sei, wenn man es so sehe. „Schade ist es auch“, fügte er hinzu, „dass es erst jetzt bekannt wurde, dass es zum Verkauf stand, denn man hätte jemandem die Chance geben müssen, dass er das Haus erhält“. Dagegen erwiderte Gemeinderat Hubert Rottmann (WBFW), dass es in keinem guten Zustand sei, und dass das Haus nach den Bauplänen eine Aufwertung darstellen würde. Ludwig Blum (CSU) stimmte dem zu, es müsste kernsaniert werden, da es ziemlich heruntergekommen sei, allerdings sei er hin und hergerissen, „ja, es schlügen zwei Herzen in seiner Brust“.

Für das Haus „Bahnhofstraße 4“ wurde Voranfrage auf Abriss gestellt. Foto: Adelheid Waschka

Auch Hartwig Pieler (CSU) kämpfte mit den „zwei Herzen“, jedoch monierte er, dass die Gestaltungssatzung mehr und mehr zu Grund und Boden gestoßen werde, da man bisher schon zahlreiche Ausnahmen befürwortet hatte und bemerkte: „Dieser Weg sei endlich zu korrigieren“. Denn die vorgelegten Neubaupläne sehen ein Krüppelwalmdach vor, das dem historischen nachgeahmt sei. Allerdings wäre die beabsichtigte Breite der Dachgaupen nicht mit der „Gestaltungssatzung – Ortskern Reckendorf“ vereinbar, eine Ausnahme könne nur für die Balkone auf der Hofseite erteilt werden, da diese dort von der Straße nicht einsehbar wären. Auch die Garage ist im Blickfeld.

Als Zwischenergebnis fasste Bürgermeister Deinlein zusammen, dass das historisches Gebäude abgerissen werden soll, die Neubaupläne würden sich von dem bisherigen Bestand nicht groß unterscheiden, immerhin soll Leerstand bekämpft werden!

Historisches Foto aus dem Jahr 1911 mit den Ehepaaren Haas, Hellmann und Walter aus San Francisco. Foto: Familienarchiv Hellmann

Jürgen Baum (WBFW) bekräftigt mit seinem Beitrag das Engagement, dass hier jemand investiert, „es schaut super aus“ und Axel Cron (SPD) stimmte ebenfalls den Neubauplänen zu, da der Aufwand für eine Renovierung wohl zu groß sei. Obwohl Falko Badura noch einmal daran erinnerte, dass mit dem Bauantrag auch der Abbruch des Gebäudes verbunden wäre, wurde er vom restlichen Gemeinderat überstimmt: „Gegen die Größen der geplanten Gauben und die geplante Loggia“ bestünden jedoch laut Beschluss „Bedenken“.

Stören die LEDs?

Die nächtliche, in den letzten Jahren auf LED-Beleuchtung umgerüstete Straßenbeleuchtung in der Bahnhofstraße fand nach Antrag der Familie Schneider als nächster Tagesordnungspunkt ihren Platz in der Ratssitzung. Von jener wurde die Notwendigkeit der dichten Anhäufung von Straßenlaternen (fünf auf ca. 100 m) und der jetzigen hohen Farbtemperatur (geschätzte 4000 Kelvin; tatsächliche 3000 Kelvin) infrage gestellt, verursachten sie doch in einem unter Denkmalschutz gestellten Haus, dass keine Außenrollos zuließe, „bei Nacht ein unerträgliches Wohlbefinden“.

Eine Abschirmung, wie bei einem der Nachbaranwesen, finde zu ihrem Gebäude hin nicht statt. Markus Sippel (WBFW) bestätigte, dass sich auch Anwohner im Seitenbach durch die Lichtintensität gestört fühlten. Vom Gemeinderat wurden nun die unterschiedlichen Möglichkeiten diskutiert, wobei die Verkehrssicherheit innerhalb der Gemeinde nicht außer Acht gelassen werden durfte. „Dimmbarkeit nach 22 Uhr“ (Bernhard Müller/SPD) oder „Ausschalten im Abstand von zwei oder drei Lampen“ (Axel Cron/SPD) waren Vorschläge, die von Bürgermeister Deinlein (SPD) abgelehnt wurden, da sich die jetzigen Lampenköpfe für eine Nachrüstung nicht eigne. Somit wurde einstimmig beschlossen, dass sich die Verwaltung der VG bei der Fa. Bayernwerk erkundigen soll, welche Möglichkeiten es zu einer Nachtabsenkung oder Umrüstung auf 2000 Kelvin oder auf Dimmbarkeit gebe.

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Bürgerbus: Ja oder Nein?

Anschließend kam die Sprache auf das Konzept eines zukünftigen Bürgerbusses. Bürgermeister Deinlein erklärte, dass der Standort bei der neuen Halle an der alten Kläranlage sein und die Belegung vom Büro des Wasserzweckverbandes aus koordiniert werden könnte. Wartung und Pflege liefe über den Bauhof. Die Fahrgastversicherung würde die Gemeinde übernehmen. Anschließend wurde ein angenommener Bedarf an Zielen und Strecken, wie zu den Seniorentreffen, Theaterveranstaltungen, für die Wallfahrt, zu Arztterminen nach Ebern oder Baunach aufgelistet sowie die Benützung durch Vereine und den JAM (Jugendarbeit) in Erwägung gezogen, so dass eine ungefähre Fahrleistung von 16.000 Kilometern pro Jahr, also mehr als die benötigten 15.000, zusammen kommen könnten.

Gemeinderat Jürgen Baum (WBFW) hinterfragte die vorgetragene Aufstellung, mit dem Bemerken, was denn mit der Förderung passieren würde, wenn die erforderlichen Kilometer nicht erreicht werden? Gemeinderat Erwin Wahl (CSU) hatte sich in Ebern erkundigt, dass dort der Bürgerbus eingestellt worden sei, nur das „Bürgermobil“, ein Neunsitzer auf Abruf zum Haus, werde angenommen und über die Apotheke organisiert. Allerdings waren sich alle Anwesenden bewusst, dass es ein „Drauflegegeschäft“ sein würde, und dass klare Regeln bestehen müssten.

Das Hauptproblem, keine Fahrer zu finden, so Seniorenbeauftragter Hubert Rottmann (WBFW) stelle sich in Reckendorf nicht, da sich genügend gemeldet hätten. Gerhard Pförtsch (CSU) regte zudem an, die Kosten für ein Elektroauto einzuholen und gegenüberzustellen. Erwin Wahl brachte allerdings den Einwand, dass man zu den bisher vorhandenen Unternehmen nicht in Konkurrenz treten müsse. Gemeinderat Hartwig Pieler (CSU) bemängelte im Allgemeinen die Unvollständigkeit des Konzeptes, da die Kosten der Umsetzung, nämlich Ankauf, Unterhalt und Betriebskosten, fehlen würden. Auch müsse ein Abwägen zum Förderprogramm des Landkreises erfolgen, weshalb von dort erst noch eine Stellungnahme zum Nahverkehr einzuholen wäre. Die Anschaffungs- und Unterhaltungskosten sollten zuerst ermittelt werden, so lautete schließlich der einstimmige Beschluss.

Bürgermeister blickte auf das Jahr 2019 zurück

Im Turbotempo schilderte Bürgermeister Deinlein dann den Jahresrückblick 2019: Die Kinderbetreuung „läuft“, die Spielplätze seien durch großzügige Unterstützung des Caritas-Fördervereins für Kinder- und Jugendarbeit attraktiv gestaltet worden, die Arbeiten am Bahnhof konnten durch die ehrenamtlichen Helfer abgeschlossen werden, vor allem Wolfgang Sippel und Norbert Schleelein sei hierfür besonderer Dank ausgesprochen. Im Baugebiet „Knock“ konnte der letzte Bauplatz vermittelt werden, aufgrund der dortigen Probleme mit der Oberflächenentwässerung seien noch keine abschließenden Bescheide möglich.

Die Förderung der Leerstandsbeseitigung wurde als Kommunale Bauberatung auf die Wege gebracht, die Teilaufhebung des Bebauungsplanes Reckendorf-Ost entlastet die Verwaltung der VG. Für die Kläranlage konnte eine Bodenplatte für die Fällmittelstation organisiert werden, welche erhebliche Ersparnisse mit sich bringt. Der Auftrag für den fehlenden Abschnitt an der Bahnhofstraße wurde vergeben, auch die Planung der Querungshilfe „ist durch“, allerdings solle man auf Empfehlung des Stadtplaners „bei der Gehwegsituation nicht lockerlassen“. Das Leichenhaus ist mit einem größeren Aussegnungsraum und einer neuen Kühlzelle mit rund 100.000 Euro saniert worden. Das Städtebauliche Entwicklungskonzept hat die Gemeinde im Jahr 2019 stark beschäftigt und ein erstes Zwischenergebnis werde in Kürze vorgestellt. Für 2020 stehen noch die Ergebnisse für Modul 2 und Modul 3 des Kommunalen Denkmalkonzepts aus.

Der Bürgermeister dankte allen zuarbeitenden Büros, der Verwaltung bei der VG, allen Kooperationspartnern in der Baunach-Allianz und vielen anderen. Danach übernahm der zweite Bürgermeister, Erwin Wahl, das Wort und gab den Dank an das Gemeindeoberhaupt mit Hinweis auf die gute Kooperation der Räte zurück. Vieles sei beschlossen worden, aber vieles sei auch noch offen. Die Vereine wurden vom Gemeinderat wohlwollend behandelt und unterstützt. Auch der gemeindliche Bauhof hat sich positiv dargestellt, außergewöhnlich hilfsbereit, und sei von der Bevölkerung allseits gelobt worden. Was noch an Projekten ausstünde, sei das Umfeld des Bahnhofes, „die dortigen ehrenamtlichen Arbeiten wurden von vielen vom Zug aus beobachtet und gelobt“, so erklärte Wahl und schloss mit den Worten: „Die sechsjährige Wahlperiode ginge für diesen Gemeinderat nun bald zu Ende, doch der neue hätte noch einiges zu tun!

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