Defizit beim Hort – die Gemeinde springt ein

Im Titelbild: Der ehemalige Kindergarten St. Nikolaus in Reckendorf beherbergt seit 2017 den AWO-Kinderhort.

Gute Nachricht für die Eltern aus Reckendorf. Der Hort, betreut von der AWO, kann weitermachen, die Gemeinde übernimmt das Defizit. Unter einer Voraussetzung …

„Seit einiger Zeit ist bekannt, dass der Schülerhort in Reckendorf defizitär arbeitet.“ Bürgermeister Manfred Deinlein führte in den Tagesordnungspunkt „Abschluss einer Defizitvereinbarung für den Betrieb des Kinderhortes durch die AWO, Vorstellung und Diskussion zum weiteren Vorgehen“ ein, der die Gemeinderatssitzung am 17. Januar 2024 bestimmen sollte. „Im Hort wird hervorragende Arbeit geleistet. Die Gemeinde Reckendorf verfügt allerdings nicht über unendlich Geld. Dennoch liegt es uns fern, den Hort zu schließen“, erklärte Deinlein weiter und nahm damit gleich zu Beginn den zahlreichenden anwesenden Eltern eine große Sorge.

Die Details hatte Arbeiterwohlfahrt-Geschäftsführer Matthias Kirsch dabei. Er erläuterte, dass im Mai 2023 ein Hinweis an Bürgermeister Deinlein ergangen sei, dass „Ungemach“ auf die Gemeinde zukomme. Im Juni schließlich wurde die Thematik zum defizitären Hort im nichtöffentlichen Teil einer Gemeinderatssitzung besprochen. Damals sei von einem Defizit von ca. 80.000 Euro als Worst-Case-Szenario die Rede gewesen und die AWO habe die Bitte geäußert, dass der Gemeinderat bis Jahresende eine Entscheidung dazu treffen solle. Im Dezember fanden zudem Gespräche mit dem Vorsitzenden der Verwaltungsgemeinschaft Tobias Roppelt und der Kämmerin Doris Müller in Baunach statt. Problem beim Defizitbetrag ist, dass die Endabrechnung mit dem Freistaat Bayern erst im Sommer vorliegt, so dass der konkrete Betrag erst dann feststeht.

AWO-Geschäftsführer: kein Spielraum mehr

Kirsch hatte auch die Zahlen dabei. In den Jahren 2021 und 2022 hat der Hort ein Defizit von 77.000 und 102.000 Euro eingefahren, 2023 werden es voraussichtlich maximal 65.000 Euro sein. Fürs laufende Jahr ging Kirsch von rund 15.000 Euro aus. „Bisher war es uns möglich, als Träger die Verluste auszugleichen, das geht aber aktuell nicht mehr. Mein Spielraum hier beträgt genau Null Komma Null“, so Kirsch. Dies liege insbesondere an den deutlich gestiegenen Personalkosten nach den Tarifabschlüssen. In Reckendorf komme hinzu, dass das Gebäude nicht als Hort geplant und gebaut sei, so dass mehr Personal nötig sei, um die Anforderungen zu erfüllen. Es gebe zum Defizitausgleich drei Möglichkeiten: eine deutliche Erhöhung der Elternbeiträge, eine Qualitätsabsenkung oder die finanzielle Unterstützung durch die Gemeinde. „Über den 1. September hinaus lässt sich der Hort so nicht weiterbetreiben“, erklärte Kirsch abschließend.

Im Gemeinderat entwickelte sich eine lebhafte Diskussion. Gemeinderat Maximilian Menzel (CSU) wünschte sich den Erhalt des Hortes, was gerade für die berufstätigen Eltern und damit auch die Beteiligung der Gemeinde an der Einkommenssteuer entscheidend sei, aber auch eine tragfähige Lösung für die Zukunft, die er nicht im aktuellen Gebäude sah. Dritten Bürgermeister Ludwig Blum (CSU) störte, dass der Betreiber spät über das Defizit informiert habe und führte aus, dass die Mittagsbetreuung in Reckendorf eigentlich nur deshalb bestehe, weil die AWO im ehemaligen Kindergartengebäude vor zehn Jahren unbegleitete Flüchtlinge unterbringen wollte, was sich dann zerschlagen habe, zuvor aber schon von der AWO ins Gebäude investiert worden sei. Damit diese Gelder nicht verloren seien, habe die Gemeinde einer Errichtung des Horts zugestimmt.

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Nachbargemeinde muss mitmachen

Bürgermeister Manfred Deinlein berichtete über Gespräche mit den Johannitern, die sich vorstellen könnten, einen Hort ohne Defizitausgleich durch die Gemeinde zu führen. Das sei aber eine vorvertragliche Aussage – und es sei zu erwarten, dass sich sowohl viele Eltern als auch das Personal mit einem Betreiberwechsel nicht einverstanden erklären würden.

Deinlein schlug daher vor, dass die Gemeinde 60.000 Euro des Defizits übernehme, für den Fall, dass sich die Gemeinde Gerach beteiligt. Denn aus Gerach besuchen aktuell 14 Kinder den Hort. Matthias Kirsch konterte auf das Angebot mit der Aussage, er stimme zu, wenn Deinlein dafür die Getränke auf dem nächsten Sommerfest der AWO organisiere – was bei einer Brauerei am Ort kein Problem sein sollte. Angesäuert warf Gemeinderat Bernhard Müller (SPD) dazu in den Raum, der Gemeinderat sei kein türkischer Basar, worauf Kirsch entgegnete, er habe mit dem Feilschen nicht begonnen.

Beschlossen wurde am Ende die volle Defizitübernahme durch die Gemeinde ab dem Jahr 2023. Im Beschlussvorschlag hieß es auch, die Betriebsvereinbarung mit der AWO werde bis 31. August 2025 fortgesetzt, wodurch sich die Gemeinde Gedanken über die Zukunft des Gebäudes machen will. Voraussetzung für die Defizitübernahme ist aber eine Beteiligung der Gemeinde Gerach. Die Abstimmung ging neun zu vier aus. Die Eltern müssen sich dennoch auf steigende Beiträge einstellen – bisher liegen sie in Reckendorf 20 Euro unter denen anderer AWO-Kinderhorte.

Weiteres aus der Sitzung vom 17. Januar 2024

Reckendorf bekommt eine Gemeinde-App, zunächst für zwei Jahre. Mit zehn zu drei Stimmen wurde die Beauftragung des Unternehmens Skowo mit der Meine-Heimat-App beschlossen. In der App können sowohl Gemeinde- als auch Vereinsnachrichten an die Nutzerinnen und Nutzer gesendet werden.

Bürgermeister Deinlein berichtete noch über den Neujahrsempfang der Gemeinde am 14. Januar. Als „Wackerer Recke“ wurde Friedrich Schug für 60 Jahre Betreuung der Dreifaltigkeitskapelle gekürt, Helene Fösel wurde verabschiedet (hat kümmerte sich 20 Jahre um die Synagoge, Reinhilde und Josef Sippel wurden für 30 Jahre Mesnerdienst in der Pfarrkirche geehrt und Annika Salomon bekam ebenfalls eine Ehrung, nachdem sie nach 15 Jahren in ihrem Beruf zur Altenpflegerin umgeschult hat – mit hervorragendem Abschluss.

Außerdem befasst sich der Gemeinderat mit Abschluss der Zweckvereinbarung zur Errichtung und zum Betrieb eines gemeinsamen Bauhofes. Dazu fand im November 2023 auch eine ausführliche gemeinsame Sitzung mit den anderen Kommunalparlamenten in der Verwaltungsgemeinschaft statt.

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