Damit das Trinkwasser nicht mehr gechlort werden muss …

Veröffentlicht am 4. Oktober 2019 von Johannes Michel

Natürlich war die Werksschließung von Michelin großes Thema im Stadtrat in Hallstadt am 2. Oktober 2019. Allerdings ging es auch um eine Sache, welche die Stadt schon seit Jahren beschäftigt: die Trinkwasserversorgung. Gerade wird der Hochbehälter saniert, aber auch an anderer Stelle wird am Netz gearbeitet. Ziel: Die Chlorung des Trinkwassers soll mittelfristig beendet werden.

Mehrfach kam es in den vergangenen Jahren vor, dass die Stadt Hallstadt ein Abkochgebot für das Trinkwasser vermelden musste. Das soll nicht mehr passieren – und so wird das Wasser gechlort und die Stadt investiert gerade viel ins Trinkwassernetz. Fast abgeschlossen ist die Sanierung des Hochbehälters am Kreuzberg, hier werden die Wände neu ausgekleidet und beschichtet sowie die komplette Anlagentechnik erneuert, auch neue Anbindeleitungen wurden verlegt. Die Maßnahmen kosten rund 1,1 Millionen Euro.

Der Hochbehälter ist allerdings nur ein Baustein im Gesamtpaket, das Trinkwassernetz fit für die Zukunft zu machen. Notwendig sind auch intensive Spülungen des Netzes, die Beseitigung von Rohrbrüchen und die Qualifizierung der Bauhofmitarbeiter. Dieses Konzept wurde von Günter Rehlein von der Fernwasserversorgung Oberfranken (FWO) näher erläutert – Hallstadt arbeitet hier seit Juni intensiv mit der FWO zusammen, ein Mitarbeiter steht dafür dauerhaft zur Verfügung.


So sieht es im Hochbehälter nach der Sanierung aus.


Archivfoto: Der Eingang zum Hochbehälter vor den Sanierungsarbeiten.

Verschiedenste Maßnahmen, um Verunreinigungen zu vermeiden

Mit Hilfe eines Kompressors wurden bereits die so genannten Düker, das sind Druckleitungen zur Unterquerung von Straßen oder der Bahnstrecke, intensiv gespült. Aufgrund ihrer besonderen Form sind diese Leitungen anfällig für Ablagerungen. Netzberechnungen, die gerade an eine Fachfirma vergeben wurden, sollen zudem weitere Stellen zeigen, wo die Fließgeschwindigkeit deutlich herabgesetzt ist. Denn langsamer fließendes Wasser begünstigt Ablagerungen. Ein Thema sind auch nach wie vor Wasserverluste – auf seinem Weg geht an bisher unbekannten Stellen Trinkwasser verloren. An solchen Bruchstellen könnten auch Verschmutzungen ins Netz gelangen.

Die Stadträte hatten nach Rehleins Vortrag einige Nachfragen. So ging es um die stichprobenartige Überprüfung von Hausanschlüssen. Hier liegen die Berichte im Rathaus aktuell zur Bearbeitung, die Hausbegehungen sind aber noch nicht abgeschlossen, wie Bauamtsleiterin Michaela Frizino erklärte. Zweiter Bürgermeister Ludwig Wolf (BBL/FW) fragte nach einem möglichen Ende der Chlorung. Rehlein meinte dazu, dass die Vorgabe des Gesundheitsamts aktuell noch sei, kein Wasser ohne Chlorung ins Netz einzuspeisen. Wenn die erste Kammer des Hochbehälters wieder befüllt und in Betrieb genommen sei, seien zunächst verschiedene Beprobungen des Wassers nötig. Etwa Ende Oktober könne dann möglicherweise auf das Gesundheitsamt zugegangen werden.

60 Fußballfelder

Wie schon in den Vorjahren beschloss der Stadtrat, die Konzessionsabgabe (Entgelt, das der Stromversorger für das Recht, Leitungen zu verlegen und zu betreiben, zahlt) nicht im Haushalt der Stadt zu vereinnahmen, sondern direkt an die Verbraucher weiterzugeben. Die Stadt verzichtet damit auf Einnahmen von ca. 500.000 Euro.

Unter „Mitteilungen“ informierte Bürgermeister Thomas Söder über die geplante Schließung des Michelin-Werkes. „Das Thema bewegt uns alle, die Schließung ist ein schwerer Schlag für die Stadt. Wir haben eine Straße nach Michelin benannt, eine Partnerschaft mit Frankreich aufgebaut, es bestehen enge Verbindungen.“ Aktuell gelte es, die Beschäftigten in den Vordergrund zu stellen und ihnen neue Perspektiven zu ermöglichen. Aber auch das Areal müsse in den Fokus rücken. Insgesamt nutzt Michelin eine Fläche von fast 35 Fußballfeldern auf rund 240.000 Quadratmetern. Ein Umbau an dieser Stelle werde die Stadt über viele Jahre beschäftigen, so Söder.

Stadtrat Hans-Jürgen Wich (SPD) forderte, nicht nur die Landes-, sondern auch die Bundespolitik mit einzubeziehen. Im Rahmen des technologischen Wandels sei es auch denkbar, eventuelle Fördergelder der Europäischen Union zu beantragen. Auch im nichtöffentlichen Teil der Stadtratssitzung sollte Michelin dann weiter Thema sein. Die Anfrage von Wich, das Thema komplett öffentlich zu behandeln, befand Söder allerdings nicht für gut. Schließlich gehe es auch um privatwirtschaftliche Fragen sowie die direkten Auswirkungen auf die Gewerbesteuereinnahmen der Stadt. Das sollte zunächst unter Ausschluss der Öffentlichkeit diskutiert werden, so Söder.

Fotos: Stadt Hallstadt

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