Rüdiger Gerst: Mein Herzensprojekt sind die Menschen in Kemmern

Veröffentlicht am 20. Februar 2020 von Johannes Michel

Am 15. März möchte Rüdiger Gerst (CSU) in eine vierte Amtszeit als Bürgermeister gewählt werden. Im Interview mit Nachrichten am Ort spricht er über die wichtigsten Zukunftsthemen für Kemmern und erläutert, warum Kemmern zu einer Vorzeigegemeinde in Bayern geworden ist.

Seit 18 Jahren sind Sie Bürgermeister der Gemeinde Kemmern. Wenn Sie ein wenig zurückschauen: War es eine erfolgreiche Zeit für Kemmern?

Die zurückliegenden 18 Jahre waren eine spannende Zeit. Viele Projekte konnten angestoßen und vorangetrieben, vieles auch umgesetzt und abgeschlossen werden. Große Herausforderungen, wie zum Beispiel der ICE-Ausbau oder die Zunahme der Verkehrsemissionen von der Autobahn, haben uns schwer beschäftigt.

Bei der Breitbandversorgung zählten wir zu den ersten Gemeinden in ganz Oberfranken, die für ihre Wohnbebauung – in Eigeninitiative in Zusammenarbeit mit der Telekom – bis 100 Mbit/s ermöglicht haben. Kemmern ist zudem eine der beiden von den 36 Landkreisgemeinden, die beim Mobilfunk über eine Vollversorgung verfügen. Dies ist nur durch entsprechende zielgerichtete Maßnahmen der Gemeinde möglich geworden.

Die Ortskernsanierung wurde und wird im Rahmen des Städtebauförderungsprogrammes konsequent vorangetrieben, als deren Herzstück konnte der Kirchplatz völlig neu gestaltet werden. Ein attraktiver Ortskern dient auch der Innenverdichtung, für die auch ein Baulückenkataster erstellt worden ist.

Bei der Kinderbetreuung handeln wir bedarfsorientiert. Eine Kinderkrippe wurde ebenso eingerichtet wie die die Mittags- und Hausaufgabenbetreuung für die Schulkinder. Auf Grundlage des nunmehr rechtskräftigen Bebauungsplanes werden wir jetzt im Rahmen des Mehrgenerationenprojektes auch eine weitere KiTa in Zusammenarbeit mit der AWO bauen, die Generalsanierung und Modernisierung der bestehenden katholischen Kindertagesstätte werden wir umfassend unterstützen.

Wir haben uns erfolgreich um Fördermittel aus dem KIP-S-Programm beworben, um jetzt unsere Schulturnhalle energetisch zu sanieren.

Die Bushaltestellen haben wir in Kemmern nicht nur ausgeweitet, sondern zum Teil im Zuge der Ortskernsanierung auch neu gestaltet.

Weil uns unsere Senioren wichtig sind, achten wir auf eine seniorenfreundliche Gestaltung im Rahmen der Ortskernsanierung. Im Zuge des Mehrgenerationenprojektes kann auf Grundlage des neuen Bebauungsplanes nun ein Haus mit Einheiten für betreutes Wohnen und ambulanter Pflege entstehen.

Eine für die Gemeinde nicht einfache und langwierige Phase war insbesondere die Planung des Ausbaus der ICE-Trasse. Hier konnte schließlich durch hartnäckige Verhandlungen bis nach München, Bonn und Berlin der zu beseitigende Bahnübergang durch eine leistungsfähige Wirtschaftswegeüberführung ersetzt werden, um auch weiterhin die östlichen Gemarkungsbereiche erreichen zu können. Im Planfeststellungsverfahren für den ICE-Ausbau konnten auch hinsichtlich des Bahnlärms enorme Verbesserungen gegenüber den ersten Planungen erreicht werden. So wird jetzt eine Lärmschutzwand mit 1.110 Meter Länge und vier Meter Höhe realisiert, die für unsere Wohnbebauung einen Volllärmschutz bedeutet. Das Bohren dicker Bretter war auch beim Lärmschutz an der A73 erfolgreich. Durch intensiven Einsatz auf allen politischen Ebenen konnte erreicht werden, dass die Konstruktionsweise der neu zu bauenden Autobahnbrücke einen effektiven Lärmschutz bewirkt.

Im Gewerbegebiet konnten nicht nur geeignete Betriebe angesiedelt werden, sondern auch Kemmerner Gewerbetreibenden neue Standorte ermöglicht werden. Die weitere Erschließung des Gewerbegebietes wurde in die Wege geleitet, um die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit sicherzustellen.

Seit 2003 setzt sich die Gemeinde Kemmern konsequent für eine Verbesserung des bestehenden Hochwasserschutzes durch den Freistaat Bayern ein. Der lange Atem hat sich gelohnt: Das Planfeststellungsverfahren ist abgeschlossen. Eine für Kemmern äußerst günstige Finanzierungsvereinbarung wurde unterzeichnet. Damit sind die wesentlichen Weichen gestellt.

Beim Brandschutz wurde nicht nur ein neues Feuerwehrfahrzeug angeschafft, sondern auch ein modernes und konzeptionell zukunftsweisendes Feuerwehrhaus geplant und gebaut.

Kemmern ist umweltfreundlich: Wir sparen Energie durch Umstellungen bei der Straßenbeleuchtung ein, erhalten Biotope, legen Streuobstwiesen an, begrünen unsere Ortsbereiche, bewahren unsere historische Kulturlandschaft und schützen damit unsere Arten. Unsere öffentlichen Gebäude werden umweltfreundlich mit Gas beheizt. Das Fahrradwegenetz wurde ebenso ausgeweitet wie Naherholungsmöglichkeiten (z. B. Nordic Walking-Strecken etc.) geschaffen. Der sanfte Tourismus wird gefördert. Mit dem Abwasseranschluss an Bamberg, der lange vorverhandelt wurde, werden wir auch im Interesse der ökologischen Nachhaltigkeit aus der Klärschlammausbringung aussteigen. Zugleich konnte eine finanziell sehr günstige Lösung für uns erzielt werden.

Wir sind eine ausgesprochen lebendige Gemeinde, in der das Ehrenamt und der Zusammenhalt gepflegt und gefördert werden. Hierfür sind wir im ganzen Landkreis und auch darüber hinaus bekannt. Besonders eindrucksvoll zeigte sich dies während des ganzen Jahres der 1000-Jahrfeier in den über 30 erfolgreichen Veranstaltungen in Kemmern. Dies hat nicht nur unseren Schirmherrn Dr. Markus Söder tief beeindruckt, sondern viele auswärtige Gäste. Und sicherlich war dieses Fest auch weiter identitätsstiftend in unserer Gemeinde.

Unser erfolgreicher Weg wurde auch bestätigt durch die Goldmedaille, die Kemmern im Bezirksentscheid beim Bundeswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden – unser Dorf hat Zukunft“ für Oberfranken errungen hat. Und im Ergebnis des Landeswettbewerbs 2012 darf Kemmern sich immerhin offiziell zu den 15 schönsten und zukunftsträchtigen Dörfernim gesamten Freistaat Bayern zählen.

Wenn Sie mich nach einem Fazit fragen: Alles in allem, ja, es war eine erfolgreiche Zeit. Vieles konnte bewegt, Wichtiges erreicht werden.

Was hat Sie bewogen, sich am 15. März erneut zur Wahl zu stellen?

Ich möchte, dass es gut in Kemmern weitergeht. Mich motiviert vor allem die Möglichkeit des Gestaltens: Egal, ob es um Großprojekte wie Lärmschutz oder um scheinbar Kleines wie Bushaltestellen geht, die Menschen sind direkt davon betroffen. Dieses direkte Lebensumfeld liegt mir besonders am Herzen. Der tägliche Kontakt mit Menschen und deren Ideen, Anliegen und manchmal auch Problemen macht die Aufgabe des Bürgermeisters so reizvoll, und dafür arbeite ich.

Neben meiner Erfahrung, meinen Ideen und meinem Pragmatismus möchte ich gerade auch meine guten Verbindungen zu den maßgeblichen politischen Entscheidungsträgern für Kemmern weiterhin einsetzen. Es gibt wichtige bereits eingeleitete Projekte, die zu Ende geführt werden müssen. Kemmern ist eine besonders lebens- und liebenswerte Gemeinde. Dass das so bleibt, ist für mich nicht nur eine Pflichtaufgabe, sondern eine Herzensangelegenheit. Dafür möchte ich auch in Zukunft Verantwortung übernehmen.

Was sind die Herausforderungen in nächster Zeit für Kemmern?

Auch in Kemmern gibt es eine Reihe von neuen Projekten und neuen Entwicklungen, denen wir gerne Rechnung tragen. Ich denke an die umfassende Betreuung von Kindern, die wir – auch auf Elternwunsch hin – weiter ausbauen. Wir gehen aktiv das Thema „Gut im Alter leben“ an. Dabei wollen wir verbinden: Mit der AWO zusammen wollen wir ein Mehrgenerationenprojekt realisieren. Im Zuge eines Neubaus sollen eine Kindertagesstätte mit zwei Krippen- und zwei Kindergartengruppen entstehen. Für unsere Senioren wird dabei ein Haus mit Einheiten für betreutes Wohnen und eine Tagespflege gebaut.

Das Thema Wohnen ist auch relevant für Kemmern. Wir sind eine sehr attraktive Gemeinde – daher ist der Bedarf und der Wunsch nach Baumöglichkeiten in unserer Gemeinde sehr groß. Bauland für junge Familien ist eine große Herausforderung. Wir gehen daher das Neubaugebiet Bettelweg an. Hierzu wurde ein externer Erschließungsträger gefunden und beauftragt, mit dem Ziel einer schnellstmöglichen Realisierung. Wir unterstützen zudem durch verschiedene Maßnahmen die Bebaubarkeit im Sinne der Innenverdichtung.

Im Bereich der Infrastruktur konnten wir beim Lärmschutz sehr große Erfolge erzielen. Hier gilt es weiter zu arbeiten, am Ball zu bleiben. Die Ortskernsanierung ist auf der Zielgeraden, aber auch hier sind noch wichtige Maßnahmen durchzuführen. In diesen Themenbereich gehört für mich auch die notwendige Verbesserung des Hochwasserschutzes für Kemmern. Das Planfeststellungsverfahren ist abgeschlossen. Jetzt geht’s an die Umsetzung.

Bei der künftigen Neugestaltung des ÖPNV im Landkreis Bamberg habe ich mich schon heute aktiv für unsere Gemeinde eingebracht. Wenn dann die Neuausschreibungen der Linienbündel kommen wird, wird Kemmern bei der Taktung der Verkehrsanbindung deutliche Verbesserungen erfahren.

Wo liegen Ihrer Meinung nach die Stärken und Schwächen der Gemeinde?

Hier gilt nach wie vor, die Schwächen sind auch Stärken: Kemmern ist umgeben vom Hochwasserschutzgebiet im Norden, Westen und Süden, vom Trinkwasserschutzvorranggebiet im Norden, und im Osten begrenzt von den Verkehrssträngen. Dadurch sind die geografischen Weiterentwicklungsmöglichkeiten für weitere Wohnbebauungen sowie für Gewerbeflächen durchaus beschränkt. Daher ist ein besonderes Ressourcenbewusstsein beim Umgang mit Flächenverbrauch auch zugunsten künftiger Generationen geboten. Andererseits ist Kemmern durch seine Lage am Main und zu Füßen der Hassberge eingebettet in das Grün der Landschaft und konnte sich mit seiner historischen Kulturlandschaft und sehr seltenen Tier- und Pflanzenarten echte Alleinstellungsmerkmale bewahren. Und obwohl unsere Gemeinde hervorragend an das überregionale Straßennetz angebunden ist (Autobahn, Bundes- und Staatstrassen), ist es vom Durchgangsverkehr unbelastet. Die reichliche Gastronomie und viele Feste und Feiern laden Gäste zum Verweilen bei uns ein. Dadurch hat der sanfte Tourismus sich mittlerweile zu einem wichtigen Wirtschaftszweig entwickelt. Die Gemeinde flankiert dies durch gezielte Maßnahmen. Der naturnahe Charakter von Kemmern und die gelebte Tradition verbinden sich mit allen Strukturelementen einer modernen, zukunftszugewandten Gemeinde.

Wir können mit Stolz sagen, dass wir im Landkreis Bamberg eine Vorzeigekommune sind. Egal ob es um Breitband, Mobilfunk, oder Naturschutz geht. Kemmern ist hier spitze. Uns zeichnet vor allem der starke Zusammenhalt aus. Hier stehen wir füreinander ein, hier engagieren wir uns für die Gemeinde und das gute Miteinander. Das zeigt sich im äußerst aktiven Vereinsleben. Das zeigt sich, wenn es Veranstaltungen in der Gemeinde gibt. Alle packen an, alle machen mit. Das ist Lebensqualität von und für die Kemmerner!

Rüdiger Gerst

Was wären, sollten Sie die Wahl gewinnen, Ihre „Herzensprojekte“ der Zukunft?

Mein Herzensprojekt sind die Menschen in Kemmern – mit ihren großen und kleinen Problemen, mit ihren Ideen und ihren Anliegen. Dafür möchte ich da sein. Ich möchte, dass unser Zusammenhalt weiter bleibt. Deshalb gehe ich alle meine Projekte mit Herzblut, aber auch mit nüchternem Verstand an. Denn ein guter Bürgermeister braucht beides.

In Kemmern hat sich einiges getan. Ein neues Feuerwehrhaus wurde eingeweiht, die Ortskernsanierung kommt voran, Kemmern konnte auch sein 1000-Jähriges feiern. Nun wird ein Mehrgenerationenzentrum mit Kindertagesstätte und Seniorenwohnen gebaut. Ist Kemmern auf dem richtigen Weg?

Ja. Weil wir nicht warten, sondern aktiv die nötigen Aufgaben angehen. Weil wir sehr gut dastehen und uns trotzdem nicht ausruhen. Weil wir immer den Zusammenhalt und das Gemeinsame fördern – in allen Bereichen.

Der Standort des Mehrgenerationenzentrums und auch das Projekt an sich wurden in Kemmern heiß diskutiert. Wurden Ihrer Meinung nach Fehler gemacht?

Grundsätzlich sind „heiße“ Diskussionen nichts Schlimmes, sondern in der Politik durchaus möglich. Letztendlich muss man dabei aber immer fair miteinander und fair mit den Fakten umgehen. Man sollte – trotz aller Emotionen – bei Entscheidungen ruhig abwägen. Stimmungs- und Angstmache haben da nichts verloren.

In Kemmern besteht in der Bevölkerung Bedarf nach betreutem Wohnen und auch für eine Tagespflege. Auch im Bereich der Kinderbetreuung haben wir frühzeitig den Bedarf der Zukunft erkannt und werden entsprechend nach den Bedürfnissen der Kinder und Eltern das Angebot ausbauen. In Kemmern sind die baulichen Möglichkeiten, wie bei Stärken und Schwächen oben bereits angesprochen, sehr beschränkt. Zum einen ermöglicht der Flächennutzungs- und Landschaftsplan nur im vorgesehenen Bereich eine entsprechende Nutzung, zum anderen muss das Gelände für ein solches Projekt der Gemeinde gehören. Beides ist im geplanten Bereich möglich. Und welcher Bereich sollte geeigneter sein?

Senioren und Kinder gehören in die Mitte der Gesellschaft, eine Randlage ist sicher nicht angebracht. Ebenso brauchen gerade auch unsere Kinder großzügige Außenbereiche zum Spielen und so weiter. Und warum sollte etwa die neue KiTa nicht benachbart zu den bisherigen Einrichtungen für unsere Kinder, wie Grundschule und katholischer Kindertagesstätte liegen?

Transparenz ist mir grundsätzlich und gerade bei einem solchen Projekt sehr wichtig. Alle Planungsschritte sind von Anfang an auch in den öffentlichen Sitzungen des Gemeinderates behandelt worden, zu diesen wird öffentlich eingeladen. Und über die Ergebnisse wurde, sowohl in den digitalen als auch den Printmedien, immer wieder unter Darstellung der gerade aktuellen Pläne, als auch im Amtsblatt berichtet. Der jeweilige Planungsstand wurde auch in den Bürgerversammlungen vorgestellt, Anregungen der Bürgerinnen und Bürger sind hier stets willkommen und werden in Kemmern auch im Gemeinderat behandelt. Für die Beteiligung der Bürger/innen im Bebauungsplanverfahren Mehrgenerationenhaus wurden nicht nur die gesetzlichen Standards mit Auslegung im Rathaus, Planunterlagen im Internet ersichtlich etc., eingehalten, sondern auch eine themenbezogene Bürgerversammlung abgehalten, um deren Erkenntnisse neben den Bürgereingaben auch in der Entscheidungsfindung des Gemeinderates einbeziehen zu können. Die Schulfamilie ist bei der Neugestaltung des Pausenhofbereichs und des Schulgeländes aktiv einbezogen.

Dass dieses Mehrgenerationenprojekt grundsätzlich konsensgetragen ist, zeigt sich auch im weitgehend einhelligen Abstimmungsverhalten im Gemeinderat. Fehler wurden hier sicher keine gemacht, sondern eben sorgfältig das Beste aus der gegebenen Rahmensituation entwickelt.

Weitere Projekte sind die Verbesserung des Hochwasserschutzes und die Aufgabe der eigenen Kläranlage – das Abwasser wird künftig nach Bamberg fließen. Kann Kemmern so viel stemmen, ohne sich finanziell und personell zu übernehmen?

Alles auf einmal geht natürlich nicht, selbstverständlich müssen wir im Sinn einer sorgsamen Haushaltsführung auch nach vernünftigen Prioritäten arbeiten und die Umsetzung der großen Projekte sinnvoll steuern. Zudem haben wir in den Vorjahren systematisch die Verschuldung zurückgefahren, um bei Bedarf handlungsfähig zu sein. So konnten für den notwendigen Neubau des zukunftsweisenden Feuerwehrhauses auch Mittel aus einem Sonderkreditprogramm für Infrastrukturmaßnahmen in Anspruch genommen werden.

Besonders wichtig war und ist es bei vielen Projekten, bei denen wir auf Kooperationspartner und/oder auf Fördermittel angewiesen sind, alles Machbare auszuloten, sorgfältig und mit Geschick zu verhandeln. Nur so können finanziell die günstigsten Lösungen für Kemmern und seine Bürger erreicht werden. Dies ist uns bei allen wesentlichen Projekten gelungen: Beim Abwasseranschluss wurde ein bayernweit einzigartiges Modell entwickelt, bei dem Bamberg als Bauherr in Vorleistung tritt und höhere Abwasserabgabenrückverrechnungen mit dem Staat möglich werden. So werden Gemeindehaushalt und -Bürger bei dieser Maßnahme finanziell geschont. Bei der Ersatzlösung für den aufzulassenden Bahnübergang Kemmern ist es nach intensiven Verhandlungen gelungen, dass unsere Gemeinde Kemmern von den 4,9 Millionen Euro Gesamtkosten für die Wirtschaftswegebrücke nach Abzug aller Zuwendungen unterm Strich lediglich vergleichsweise geringe 300.000 Euro Investitionsaufwand trägt. Bei der Verbesserung des Hochwasserschutzes konnte nach jahrelangen Verhandlungen nun am 23. Januar eine Finanzierungsvereinbarung zwischen der Gemeinde Kemmern und dem Freistaat Bayern unterzeichnet werden, bei der eine äußerst günstige Lösung für Kemmern erzielt wurde: Grundsätzlich ist nach dem Wassergesetz der Staat der Vorhabenträger der Maßnahme, die Gemeinde Zuschussgeber. Die Gemeinde Kemmern beteiligt sich als RmbH-Gemeinde mit 35 Prozent an den anteiligen Kosten in Höhe von rund 5,8 Millionen Euro. Die Gesamtkosten werden mit 7,2 Millionen Euro kalkuliert. Durch die Übernahme von Unterhalts- und Instandsetzungsarbeiten wird der Beteiligtenbeitrag der Gemeinde ausgeglichen, so dass die Gemeinde im Ergebnis diesbezüglich gar keine Geldzahlungen mehr an den Freistaat zu leisten hat. Und für die energetische Sanierung unserer Schulturnhalle sind wir eine der wenigen Gemeinden des Landkreises, die nach fundierter Bewerbung in den Genuss des bayerischen Kommunalinvestitionsprogramms Schulinfrastruktur (KIP-S) kommt und hier sehr hohe Förderungen erhält. Auch bei der Durchführung der Ortskernsanierung erhalten wir aus staatlichen Städtebauprogrammen Förderungen in Höhe von 60 Prozent der förderfähigen Kosten.

Nur auf diese Weise sind uns die Durchführung von derart vielen Großprojekten möglich.

Diskutiert wurde immer wieder über Neubaugebiete und neue Gewerbeflächen. Was muss hier in den kommenden sechs Jahren passieren, damit sich Kemmern für die Zukunft gut aufstellen kann?

Auch hier sind die Weichen entsprechend gestellt. Wir gehen das Neubaugebiet Bettelweg an. Allerdings müssen wir hier noch den ein oder anderen gordischen Knoten durchschlagen. Hierzu wurde ein externer Erschließungsträger beauftragt, mit dem Ziel einer schnellstmöglichen Realisierung. Wir unterstützen zudem durch verschiedene Maßnahmen die Bebaubarkeit im Sinne der Innenverdichtung. Wir haben das Thema ganzheitlich im Blick, wir machen das Eine, ohne das Andere zu lassen.

Neue Gewerbeflächen werden gebraucht. Jetzt, damit die Gewerbetreibenden aus Kemmern zum Beispiel die Möglichkeit haben sich zu verändern, sich zu vergrößern und dazu den Ort nicht verlassen müssen. Mit den vorhandenen Gewerbeflächen können wir eine aktive Wirtschaftspolitik gestalten. Wir müssen abwägen, welche Firmen und Unternehmen zu uns passen. So die Firma Scale – ein echter Vorzeigebetrieb. Die weitere Erschließung dieses Gebiets für Gewerbeflächen, auch für unsere heimischen Gewerbetreibenden, wurde in die Wege geleitet.

Neben Ihnen stellen sich noch weitere Kandidaten zur Wahl. Ganz konkret: Warum sollten die Bürger Ihnen ihre Stimme geben?

Viele Projekte können heutzutage erst nach schwierigen und langwierigen Verhandlungen realisiert werden. Hierzu nutze ich meine über viele Jahrzehnte erarbeiteten guten Verbindungen und Kontakte zu maßgeblichen Entscheidungsträgern in Politik und Verwaltung. Hierdurch und durch meine langjährige Erfahrung können bereits eingeleitete, für Kemmern wichtige Projekte zu einem guten Ende geführt werden.

Kemmern ist eine besonders lebens- und liebenswerte Gemeinde, das von einem herausragenden Miteinander der Bürgerinnen und Bürger, aber auch der Institutionen wie Gemeinde, Kirche und Vereine geprägt ist. Dass dies so bleibt ist für mich nicht nur eine Pflichtaufgabe, sondern eine absolute Herzensangelegenheit.

Eine persönliche Frage noch zum Schluss: Was gefällt Ihnen an Kemmern besonders? Haben Sie einen Lieblingsplatz?

Mir gefällt an Kemmern besonders der Zusammenhalt, in unserer lebendigen Dorfgemeinschaft wird die kulturelle Identität gelebt und bürgerschaftliches Engagement gepflegt, auch in Form von Veranstaltungen. Die Kooperation zwischen politischer Gemeinde, Kirchengemeinde und Vereine funktioniert beispielhaft gut. Dies hat sich gerade beim 1000-jährigen Jubiläum wieder gezeigt, und darum werden wir von außerhalb durchaus auch beneidet.

Mein Lieblingsplatz ist die Helenenkapelle. Dieser Ort der Ruhe, wo man auch viel von der Geschichte Kemmerns verspüren kann, hilft mir, um vom hektischen Alltagsgeschehen etwas abschalten zu können.

Rüdiger Gerst ist 58 Jahre alt, verheiratet, aufgewachsen in Kemmern und lebt seither hier. Seine Studien der Politik- und Verwaltungswissenschaften sowie der Geschichte schloss er an der Universität Bamberg als Diplom-Politologe und als Magister Artium ab. 1989 wurde er zum Lehrbeauftragten für Politikwissenschaften an der Universität Bamberg bestellt. Mit dem Leibniz-Verlag gründete er einen eigenen Buchverlag. Durch seine jahrzehntelange ehrenamtliche politische Tätigkeit auf allen politischen Ebenen, so als Landesvorsitzender des RCDS in Bayern, konnte er sich wertvolle politische Kontakte zu wichtigen politischen Entscheidungsträgern erarbeiten. Zu seinen zahlreichen Ehrenämtern zählte von 2001 bis 2008 das eines ehrenamtlichen Richters am Bayerischen Verwaltungsgericht in Bayreuth.

Seit 24 Jahren wirkt Gerst als Kreisrat des Landkreises Bamberg und trägt seit 2014 als Stellvertreter des Landrates Verantwortung. In Kemmern ist Gerst langjähriges Mitglied in vielen Vereinen (Sportclub, Freiwillige Feuerwehr, Gesangverein, Musikverein, Kath. Männerverein, Soldaten- und Reservistenkameradschaft, Sportkegelclub, Obst- und Gartenbauverein, Wander- und Heimatverein etc.), Ehrenvorsitzender der Jungen Union sowie seit 1997 Vorsitzender des CSU Ortsverbandes.

Seit 18 Jahren ist er Bürgermeister der Gemeinde Kemmern und führt als Vorsitzender den Zweckverband Kommunale Selbsthilfe im Landkreis Bamberg. Als Verbandsrat im Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Bamberg-Forchheim seit 1996 liegt ihm die rettungsdienstliche Versorgung auch der ländlichen Gegenden im Landkreis Bamberg sehr am Herzen.

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  1. Claudia Dinkel 8. März 2020 at 11:01 - Antworten

    Ihnen liegen die alten Menschen am Herzen. Das ehrt Sie.
    Ich frage mich nur, wo sollen die alten Menschen, welche nicht über ein Auto verfügen, einkaufen?
    Ich bin in Kemmern aufgewachsen und habe den größten Teil meines Lebens in dem Ort verbracht.
    Aber das die Gemeinde nicht in der Lage ist einen vernünftigen Einkaufsmarkt in den Ort zu bringen und auch da zu halten ist eine Schande.

  2. Silvia Jung 11. März 2020 at 09:24 - Antworten

    Eine Schande wäre es, würde sich keiner (Bürgermeister und Gemeinderat) der Problematik annehmen. Dies ist jedoch nicht der Fall. Es wurden in der Vergangenheit mehrmals Versuche unternommen, wieder eine Einkaufsmöglichkeit für Kemmerner zu finden, jedoch erfolglos. Ein Arbeitskreis, der sich in Kemmern gebildet hat, kann auch keine Erfolge vorweisen. Es wurde ein Flyer erstellt und im Amtsblatt mit verteilt, der Einkaufsmöglichkeiten in Kemmern, z. B. für Fleisch, Wurst, Getränke (Heimlieferservice), Gemüse, Obst, Eier, Nudeln, Honig, Backwaren etc. auflistet. Das Angebot ist sehr umfangreich.
    Zusätzlich wurde von der Gemeinde eine Buslinie nach Breitengüßbach eingeführt, so können Senior*innen ohne Auto Einkäufe in den großen Märkten tätigen z.B. Drogerieartikel, die man bei uns im Ort nicht bekommt. Aber seien Sie sicher, der Bürgermeister und der Gemeinderat wird auch in Zukunft nach einer adäquaten Lösung suchen.

  3. Gerhard Kraus 11. März 2020 at 11:18 - Antworten

    Sehr geehrte Frau Dinkel,

    ich denke mal, dass Sie Ihren Kommentar von Ungarn aus (seit ungefähr 7 Jahre Ihr aktuelles Wohnsitzland) geschrieben haben. Sie leben ja nun seit vielen Jahren nicht mehr in Kemmern, können sich somit auch kein direktes Bild über die aktuelle Situation und Gegebenheiten in Kemmern machen. Es ist auch – mit Verlaub – etwas unangemessen wenn Sie glauben urteilen zu können, was für Kemmern eine Schande ist oder was nicht.

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