1000 Jahre Kemmern: Festgottesdienst und ein volles 2000-Personen-Zelt

Veröffentlicht am 2. Juli 2017 von Johannes Michel

Viele Jahrhunderte lang unterstand die Gemeinde Kemmern direkt dem Bamberger Bischof. Und auch heute noch arbeiten politische und kirchliche Gemeinde in Kemmern eng zusammen. Somit war es selbstverstĂ€ndlich, dass das große Festwochenende zum 1000-JĂ€hrigen der Gemeinde mit einem Festgottesdienst startete.

Eine große Kirchenparade holte die FestgĂ€ste am Ortseingang ab, angefĂŒhrt vom Musikverein Kemmern. Am Pfarrhaus stießen dann die Geistlichen hinzu, gekommen war auch Erzbischof Ludwig Schick. Diesen begrĂŒĂŸte BĂŒrgermeister RĂŒdiger Gerst zu Beginn des Festgottesdienstes – und betonte dabei die enge Verbindung zwischen Kirche und Politik in Kemmern. Allein schon aus der Geschichte ergebe sich, dass die Kirche nicht umsonst baulicher Mittelpunkt des Ortes sei. Ebenso entscheidend seien aber auch die Pfarrer, die sich in Kemmern oftmals ĂŒber ihre eigentlichen Aufgaben hinaus engagiert hĂ€tten. Das gelte auch fĂŒr Pfarrer Valentin Tempel, der ĂŒbrigens vergangene Woche sein 25-jĂ€hriges und damit silbernes PriesterjubilĂ€um feierte.

Erzbischof Ludwig Schick stellte in seiner Predigt das eigentlich Zentrale fĂŒr eine Kommune heraus – die Menschen. „Bedeutend sind meistens die Kleinen“, so Schick. Exemplarisch nannte Schick KindergĂ€rtnerinnen, Ehrenamtliche, die vielen in Vereinen aktiven BĂŒrger – etwa im Musikverein, dessen Teilnahme an einer Kirchenparade wie am heutigen Tag nicht selbstverstĂ€ndlich sei. Er hob auch die Rolle der Familie fĂŒr die 1000-jĂ€hrige Geschichte des Ortes hervor. Ohne die Familien und ihren Zusammenhalt könne keine Kommune bestehen. Mit Familie meinte Schick ausdrĂŒcklich das klassische Bild aus Mutter und Vater. „Das bedeutet nicht, dass wir andere Lebensweisen abwerten wollen, dennoch leben wir aus diesen Familien“, erlĂ€uterte Schick.

Kein Platz mehr zu kriegen: Die Kemmerner Pfarrkirche wÀhrend des Festgottesdienstes. Rechts Erzbischof Schick bei seiner Predigt.

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Goldenes Buch bekam viele neue EintrÀge

Nach dem Festgottesdienst zogen, erneut voraus der Musikverein Kemmern, die EhrengĂ€ste und auch die zahlreichen Gottesdienstbesucher, ins Festzelt auf dem Festplatz am Main, wo die Feierlichkeiten mit dem großen Festabend weitergingen. Nach und nach fĂŒllte sich das 2000 Personen fassende Zelt bis auf wenige PlĂ€tze

BĂŒrgermeister Gerst begrĂŒĂŸte die EhrengĂ€ste des Abends und auch den Musikverein Zapfendorf unter Leitung von Daniel Dippold, der sich fĂŒr die musikalische Unterhaltung verantwortlich zeigte. Erzbischof Schick durfte sich zum zweiten Mal in das Goldene Buch der Gemeinde Kemmern eintragen. WĂ€hrenddessen traf auch der Schirmherr, Bayerns Finanz- und Heimatminister Dr. Markus Söder, ein. „Es ist auch in Bayern etwas ganz Besonderes, wenn eine Gemeinde ihr 1000-JĂ€hriges feiert. Daher hat unser Heimatminister sich auch bereiterklĂ€rt, die Schirmherrschaft zu ĂŒbernehmen“, sagte Gerst und bat Söder fĂŒr seine Festrede direkt auf die BĂŒhne, nachdem die Kapelle den Bayerischen Defiliermarsch gespielt hatte

„Sie haben einen Fehler begangen, denn der Bayerische Defiliermarsch ist eigentlich dem MinisterprĂ€sidenten vorbehalten“, erklĂ€rte Söder gleich zu Beginn. „Damit habe ich aber kein Problem“, ergĂ€nzte er unter GelĂ€chter des Publikums. Er lobte zunĂ€chst die Heimat, denn das Beste an Berlin sei immer der RĂŒckweg nach Bayern. Wenn man dann aber von MĂŒnchen nach Franken komme, wisse man die eigene Heimat noch einmal umso mehr zu schĂ€tzen. „Ich betrachte es als eine meiner Hauptaufgaben, dass Nordbayern und Franken die gleiche finanzielle Aufmerksamkeit bekommen wie der SĂŒden.“ Kleine Gemeinden und der lĂ€ndliche Raum seien genauso wichtig wie die StĂ€dte.

Empfang des Schirmherrn: Zweiter BĂŒrgermeister Hans-Dieter Ruß, BezirkstagsprĂ€sident Dr. GĂŒnther Denzler, BĂŒrgermeister RĂŒdiger Gerst, Schirmherr Dr. Markus Söder, Landrat Johann Kalb, RegierungsprĂ€sidentin Heidrun Piwernetz und Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner.

MĂ€c HĂ€rder und der große Zapfenstreich

Söder erwĂ€hnte auch die guten Kontakte zu vielen der Anwesenden, etwa RĂŒdiger Gerst. Ganz besondere GrĂŒĂŸe richtete er an den Landtagsabgeordneten Heinrich Rudrof, der aus gesundheitlichen GrĂŒnden nicht dabei sein konnte. Bayern sei vor allem deshalb erfolgreich, weil Engagement in den Gemeinden und Vereinen stimmten. „In den meisten anderen BundeslĂ€ndern gibt es so etwa nicht. Die 1000 Jahre hier in Kemmern sind kein reines Geschichtsdatum, sondern Beweis fĂŒr die VitalitĂ€t Ihrer Gemeinde.“

Ein bisschen Politik musste natĂŒrlich auch sein. Jeder dĂŒrfe bei uns leben, mĂŒsse sich aber unseren Sitten und GebrĂ€uchen anpassen, erklĂ€rte Söder. Dann habe Bayern eine große Zukunft, auch wenn sich die Welt um uns herum verĂ€ndere. Das gehe auch an Kemmern nicht vorbei. Aber Europa sei nur so stark, weil Deutschland stark sei. Und bei Deutschland denke in Sachen StabilitĂ€t kaum jemand an Berlin, sondern eher an Bayern – und damit an die großen StĂ€dte MĂŒnchen und NĂŒrnberg, aber auch an kleine Gemeinden wie Kemmern. Zum Abschluss wĂŒnschte er Kemmern alles Gute und verfasste ebenfalls einen Eintrag ins Goldene Buch von Kemmern, genauso wie viele der anwesenden EhrengĂ€ste.

Der Musikverein Zapfendorf sorgte fĂŒr die musikalische Unterhaltung – bis hin zum Zapfenstreich am spĂ€ten Abend.

Moderiert wurde der Abend von Andi Ebert vom Bayerischen Rundfunk. FĂŒr die Unterhaltung war außerdem Kabarettist MĂ€c HĂ€rder zustĂ€ndig. Sein Thema war vor allem Franken, denn: Am Tag nach dem Festabend =(2. Juli) war schließlich „Tag der Franken“.

Um 22 Uhr stand dann das Böllerschießen auf dem Programm, ein alter Brauch fĂŒr Jubilare – in diesem Fall natĂŒrlich die Gemeinde Kemmern. Eine Stunde spĂ€ter gab es den großen Zapfenstreich mit einer Abendserenade. Mit dabei war auch der Reservisten-Ehrenzug Oberfranken unter Leitung von Stabsfeldwebel der Reserve Michael Ries. Denn in diesem Jahr feiert nicht nur Kemmern ein großes JubilĂ€um, sondern auch die Soldaten- und Reservistenkameradschaft Kemmern: Sie besteht seit 125 Jahren.

 

Viele Fotos vom Festgottesdienst und vom Festabend in Kemmern finden Sie in unserer großen Bildergalerie (zum Öffnen einfach ein beliebiges Foto anklicken, zum Beenden der Anzeige das X in der Ecke oben wĂ€hlen).

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