Hochwasser und Starkregen: Wie sich Schäden minimieren lassen könnten

Veröffentlicht am 7. Juni 2019 von Annika Göttmann

Auch bei sommerlich hohen Temperaturen rief am 4. Juni wieder die Pflicht im Baunacher Rathaus. Bei der Stadtratssitzung lag der inhaltliche Schwerpunkt auf der Vorstellung des Projekts rund um das Sturzflutrisikomanagement in Baunach. Mit diesem Konzept sollen sich künftig starke Überschwemmungen vermeiden lassen. Als Beispiel diente das Gewerbegebiet.

Bereits im Mai stellte Martin Löffler vom Ingenieurbüro Gaul das Projekt im Gemeinderat in Lauter vor – Baunach und Lauter arbeiten hierbei eng zusammen. Nun war Baunach an der Reihe. Ausgangspunkt, um über ein Sturzflutrisikomanagement nachzudenken, war der 17. Juni 2016, als es im Landkreis Bamberg nach einem Gewitter mit Starkregen zu vielfachen Überschwemmungen kam. Auch die Stadt Baunach mit ihren Stadtteilen erlitt damals Schäden, so standen unter anderem der Stadtteil Dorgendorf und das Teile des Gewerbegebiets unter Wasser. Durch das Sturzflutrisikomanagement sollen solche Überschwemmungen zukünftig vermieden werden.


Im Juni 2016 kam es unter anderem in Dorgendorf aufgrund eines Gewitters zu starken Überschwemmungen.

Das Projekt ist im vollem Gange

Im Februar 2017 wurde ein erstes Konzept entwickelt und der Auftrag im Oktober 2018 an das Ingenieurbüro Gaul vergeben. Im Februar dieses Jahres fiel schließlich der Startschuss. Martin Löffler erklärte nun im Stadtrat, dass es bei einem solchen Projekt einiges zu beachten gebe. So sei es zunächst wichtig, sich unter anderem an die Kriterien des Sonderförderprogramms vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz zu halten. Denn der Freistaat Bayern übernimmt bis zu 75 Prozent der Projektkosten. Um den Zuschuss des Förderungsprogramms auch weiterhin zu erhalten, gilt es, die fünf vorgegebenen wesentliche Schritte durchzuführen.

Im ersten Schritt muss zunächst eine Bestandsanalyse durchgeführt werden, um Informationen zu sammeln und eine erste Einschätzung der Gefahrenlage vornehmen zu können. Im Rahmen dieser Analyse werden Unterlagen und Pläne anhand von historischen Karten aus dem Jahr 1860, sowie mit Hilfe von Luftbildern ausgewertet. Dabei nimmt das Bayerische Vermessungsamt alle Geländeoberflächen auf, indem ein Flugzeug ausgestattet mit zwei Laserimpulsen die Geländehöhe ermittelt. Löffler betonte während seines Vortrags, dass bei den ermittelten Werten jedoch mit mit einer gewissen Unschärfe von 20 Zentimetern gerechnet werden müsse. Anhand des entstandenen Oberflächenmodells kann schließlich das Einzugsgebiet eingegrenzt werden. Außerdem erfolgt eine topographische Analyse, mit der Fließwege, Hangneigungen, Flächennutzungen und Relief erfasst werden. Dieser erste Schritt, einschließlich der Bestandsanalyse und der Vermessungen, ist im Falle des Baunach-Projekts bereits abgeschlossen.

Weiter geht es hier in den nächsten Wochen mit der Gefahrenermittlung, bei der mittels Starkregensimulierungen ermittelt wird, wo Hochwasser auftreten kann und an welchen Stellen mögliche Gefahrenzonen entstehen. Als Fertigstellungstermin ist der 13. September angedacht. Daraufhin folgt eine Gefahren- und Risikobeurteilung, dem schließt sich eine konzeptionelle Maßnahmenentwicklung an. Im letzten Schritt geht es dann um die Umsetzung, also etwa baulicher Art.

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Zum Ende des Jahres soll das „Paket geschnürt“ sein

Wie eine Starkregenberechnung konkret abläuft, stellte Löffler anhand des Beispiels vom Gewerbegebiet Eichen in Baunach vor. Bei solch einer Berechnung erfolge der Ablauf „vom groben Werkzeug zum feinen Werkzeug“, so Löffler. Schritt eins ist die bereits erwähnte topografische Analyse der Oberfläche – aus dieser entsteht schließlich ein feines Modell, welches detaillierte Infos zu den Strukturen gibt. Daraufhin wird eine 2D-Simulation des Oberflächenabflusses und eine 2D-Überflutungssimulation erstellt. Hier wird ein Starkregen im gesamten Einzugsgebiet samt Intensität und zeitlichem Verlauf simuliert und veranschaulicht, welche Flächen welchen Abfluss haben. Das Modell erfasst den momentanen Ist-Zustand, so können Maßnahmen zur Vermeidung von Überschwemmungen frühzeitig überlegt und geplant werden.

Zum Ende des Jahres soll laut Löffler das „Paket geschnürt“ sein. Einen besonderen Dank richtete er an die Bürgerinnen und Bürger. Die unterstützten das Projekt tatkräftig, indem sie Fragebögen ausfüllten und an verschiedenen Ortsterminen teilnahmen.

In der Septembersitzung des Stadtrats sollen die Ergebnisse der Gefahrenermittlung vorgestellt werden. Stadträtin Ingrid Ehnes (CBB) betonte außerdem die Wichtigkeit, die Menschen über die aktuelle Entwicklungen des Projekts auf dem Laufenden zu halten. Denn vor allem diejenigen, die von den vorangegangenen Überschwemmungen Schäden erlitten haben, sollen neue Zuversicht bekommen.


Auch im Gewerbegebiet Baunachs kam es bereits zu großen Überschwemmungen. Dies soll in Zukunft verhindert werden.


Eine grafische Darstellung der Fließpfade in Baunach.

Bevor die öffentliche Sitzung geschlossen wurde, standen noch zwei Tagesordnungspunkte an. Zum einem ging es um den Antrag der Durchführung des Stadtfestes mit Kunsthandwerkermarkt einschließlich verkaufsoffenem Sonntag, der alle zwei Jahre am ersten Wochenende im Juli stattfinden soll. Zum anderem erfolgte die Abstimmung über den Selbstbindungsbeschluss hinsichtlich der Förderinitiative „Innen statt Außen“, in dessen Rahmen der Stadtrat bereits im Jahr 2018 beschloss, ein städtebauliches Entwicklungskonzept erstellen zu lassen. Die Regierung von Oberfranken wünschte sich jedoch, dass „die Ernsthaftigkeit der Bemühungen konkretisiert und belegt“ werden müssten. Der neue Beschluss konkretisiert also, dass die Stadt Baunach zur Deckung des Baulandbedarfs vorrangig Baulücken und Brachflächen in Anspruch nimmt. Zudem wurde ein Planungsbüro mit der Erfassung der Baulandpotenziale sowie der Bedarfsermittlung beauftragt.

Beiden Beschlussvorschlägen stimmte der Stadtrat einstimmig zu. Am Ende der Sitzung wurde noch kurz der aktuelle Stand bezüglich der hydraulischen Berechnungen des Feuerwehrhaus in Baunach angefragt. Bürgermeister Hojer lies die Anwesenden wissen, dass die Berechnungen bis September abgeschlossen sein sollen. Auch die Sanierung des Schulhauses wurde kurz thematisiert, hier sollen bei der nächsten Sitzung der Gemeinschaftsversammlung der Verwaltungsgemeinschaft Neuigkeiten vorgestellt werden.

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