Ein versperrter Durchgang und die steinerne Brücke

Veröffentlicht am 21. Februar 2020 von Adelheid Waschka

Im Gemeinderat in Reckendorf verursachte der Tagesordnungspunkt zum Erlass einer Vorkaufssatzung, um von der Hauptstraße einen östlichen Zugang zum „Haus der Kultur“ zu erreichen, viel Irritation. Denn diese Planung wurde dem Gemeinderat von Bürgermeister Manfred Deinlein erstmals in der acht Tage vorher ergangenen Sitzungsladung bekannt gegeben. Auch die Eigentümer der dafür vorgesehenen, west-und nördlich von der „ehemaligen Synagoge“ gelegenen Grundstücke kamen in die Sitzung, um sich über diesen Sachverhalt zu informieren.

Das Gemeindeoberhaupt begründete die Vorgangsweise damit, dass die neuen Eigentümer eines bisher im öffentlichen Sinne genutzten Fußweges (Verlängerung Ahornweg) die Verbindung verschlossen hatten. Der Zugang zum beliebten Veranstaltungsort erfolgt seither in einem Umweg über die Eidelsgasse und den Mühlweg. Den Vorschlag zu einer nach § 25 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 BauGB aufzustellender Vorkaufssatzung begründete der Bürgermeister damit, im Sinne einer städtebaulichen Maßnahme den Zugang zum Haus der Kultur über die Hauptstraße wiederherzustellen. Die anwesenden Grundstückseigentümer wurden mit dem Hinweis beruhigt, dass dieses Vorkaufsrecht nur greifen würde, wenn der Verkauf eines der betroffenen Grundstücke bevorstehe.

In der anschließenden Diskussion äußerte Gemeinderat Bernhard Müller (SPD) seine Ansicht, dass sich durch diese Vorkaufssatzung der Wert für den Grund und Boden vermindern würde, worauf Markus Sippel (WBFW) erwiderte, dies wäre nicht der Fall, solange es nicht in Abteilung II des Grundbuches erwähnt sei. Zweiter Bürgermeister Erwin Wahl (CSU) bezweifelte die Realisierbarkeit des Vorhabens, müssten doch mehrere Grundstücke erworben werden, um einen Weg auf der Achse zu erbauen. Auch für Gemeinderat Ludwig Blum (CSU) war das Gebiet zu groß. Er hätte sich zudem gewünscht, „dass alle beteiligten Leute eingeladen und die Vor- und Nachteile im Vorfeld abgeklärt worden wären“. „Die Vorgehensweise sei unmöglich“, so Gemeinderätin Clarissa Schmitt (CSU), und Gemeinderat Gerhard Pförtsch (CSU) fügte hinzu, dass „genauso wie immer mit der Öffentlichkeit umgegangen werde: Der zweite Schritt wurde vor dem ersten gemacht!“ Dritter Bürgermeister Hubert Rottmann argumentierte gegen den Satzungsvorschlag, dass der Weg über die Eidelsgasse zumutbar sei, was auch Gemeinderat Jürgen Baum (WBFW) bestätigte. Thomas Stößel (WBFW) erinnerte an den Beschluss, dass man ja ein kommunales Förderprogramm auf die Beine stellen will: „Da wird der Anspruch auf diese Grundstücke geregelt. Wir bekommen ansonst ein riesiges Gebiet, das finanziell schwer zu tragen ist“.

Der seit Sommer 2018 versperrte Ahornweg. Das Verkehrszeichen rechts vom Tor „Sackgasse. Durchfahrt für Fahrzeuge aller Art verboten!“ bezieht sich auf eine straßenverkehrsrechtliche Anordnung des Gemeinderates aus dem Jahr 1954

Gemeinderat Andreas Knab erinnerte schließlich daran, weswegen dieser Weg gesperrt wurde: „Ausgangspunkt sei eine ‚20-Euro-Frage‘ gewesen!“. Er habe in Erfahrung gebracht, dass die Anwohner den Fahrradverkehr eingedämmt haben wollten und um die Anbringung eines Pfahls als Sperre gebeten hatten. Zunächst gewährt, wurde ihnen kurz darauf eine Absage erteilt. Daraufhin wurde der Weg mit Tor und Zaun abgeschlossen. Da zwölf Gemeinderäte gegen den Beschlussvorschlag stimmten, wurde der Antrag abgelehnt.

340.000 Euro für Sanierung und Verbreiterung der steinernen Brücke

Nach längerem Zeitraum erhielt das Gremium eine Übersicht über den aktueller Stand der Entwurfsplanung „Sanierung und Verbreiterung der steinernen Brücke über die Baunach“. Nach der Beauftragung des Büros m4 Ingenieure (München), dem einzigen Bewerber, die unter gravierenden Baumängeln leidende Baunachbrücke zu überprüfen sowie eine anschließende Sanierung zu planen, wurden dem Gemeinderat die geschätzten Kosten vorgestellt. Dabei erhöhten sich die Ausgaben auf den aktuellen Betrag in Höhe von 340.000 Euro. Im Vergleich zum Vorentwurf waren dies 120.000 Euro mehr, was für eine beidseitige Verbreiterung vorgesehen wird: Neben dem bisherigen Gehweg soll auf der anderen Seite ein Radweg entstehen. Letzterer werde durch das Anbetonieren eines Stahlbetontragarms erreicht. Geschätzte Kosten in Höhe von 40.000 Euro fallen für die Widerlager und eine Schleppplatte an, welche Setzungsdifferenzen der historischen Brücke (Baujahr 1865) zum Damm ausgleichen sollen. Die Böschungssicherung des Bauwerkes, das im Hochwassergebiet liegt, schlägt mit weiteren 16.000 Euro zu Buche. Die Begrenzung der Verkehrslast muss nach der vorgesehenen Erweiterung unter Berücksichtigung der Traglastsicherung dauerhaft auf maximal 30 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht erfolgen.

Da für die weitere Bearbeitung des Zuschussantrags bei der Regierung von Oberfranken noch eine Vielzahl von Unterlagen fehlen würden, konnte die Höhe der Zuwendungen, die sich bis auf 90 Prozent der förderfähigen Kosten belaufen können, noch nicht ermittelt werden.

Die Baunachbrücke in Reckendorf während des jüngsten Hochwassers (5. Februar 2020)

Der Gemeinderat wurde nach Bekanntgabe der Auskünfte aufgefordert, über das weitere Vorgehen zu beraten und abzustimmen. Dies war durchaus nicht einfach, denn Gemeinderat Jürgen Baum fragte nach, ob die Planung noch näher vorgestellt werde. So vermisste Erwin Wahl eine grobe Übersicht und fragte, „wo fangen die Wege an, wo hören sie auf?“ Worauf Deinlein antwortete, dass die Erweiterung nach Norden hin erfolgen sollte, „Richtung Spielplatz“. Ludwig Blum mahnte, „wir dürfen die Brücke nicht totsanieren“, das passiere, wenn die Reduzierung von 40 auf 30 Tonnen Traglast erfolge. Schließlich konstatierte Bürgermeister Deinlein, dass man erst wissen müsse, was welche Variante kosten würde, um einen Beschluss fassen zu können; die Verwaltung werde angehalten, die förderfähigen Kosten zu prüfen.

Community-Forum für Reckendorf

Des Weiteren wurden nach Einlauf einer Anregung an die Verwaltungspoststelle die Vorteile eines Community-Forums für Reckendorf diskutiert. Gerade in Bezug auf Nachbarschaftshilfe könne die Koordination der Vorschläge und deren Umsetzung hilfreich sein, weshalb die Administration den Gemeinderäten das mögliche Vorgehen vorgelegt hatte: Es werden Interessengemeinschaften gebildet, die Informationen könnten vertieft werden und behielten eine Nachhaltigkeit. Etwaige Nachteile wurden nicht aufgeführt. Allerdings müsse der Betrieb nicht nur eingerichtet, sondern auch gepflegt und moderiert werden. Das bedeutet; Wenn Straftaten passieren, müsse der Betreiber darauf mindestens nach zwei Tagen reagiert haben, führte der Bürgermeister aus. Er selbst könne dies nicht leisten, ein Aufwand von zwei bis drei Stunden in der Woche sei zu erwarten. Gemeinderat Jürgen Baum erinnerte daran, dass so ein Forum für Senioren relevant sein könne. Worauf Thomas Stößel nachfragte, ob es keinen anderen in der VG gäbe, der dies übernehmen könne? Im heutigen Zeitalter ist so etwas sehr zeitaufwendig, und man brauche zwei Mann, nämlich eine Vertretung während der Urlaubszeit. Die Einrichtung sei davon abhängig, da waren sich alle einig, ob sich jemand dafür finden ließe. Von Falko Badura (SPD) kam der Vorschlag, dieses Thema in der Gemeinschaftsversammlung der VG Baunach anzusprechen, denn „für uns allein sei der Aufwand zu groß“. Auch Hubert Rottmann war der Meinung, es wäre hauptamtlich zu regeln, weshalb der Antrag zunächst zurückgestellt wurde.

Schließlich standen noch Informationen zum möglichen Projekt „Baunachtal“ innerhalb der Baunach-Allianz auf Anregung der Projektgruppe NaturVielfaltBayern an. Letztere stellte die überregionale Biotopverbundachse zwischen dem Maintal und Grabfeld in den Mittepunkt und verwies auf die hohe Bedeutung des Baunachtals als Wiesenbrütergebiet. Nachdem in Pfarrweisach bereits durch die Wildland-Stiftung (Stiftung des Bayerischen Jagdverbandes) ein Naturschutzprojekt umgesetzt wurde, steht die Baunach-Allianz mit ihren elf Mitgliedsgemeinden kurz davor, ein Biotopverbund-Projekt „Baunachtal“ zu gründen, welches innerhalb des Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzeptes (ILEK) umgesetzt werden kann. Dabei sollen neben der Baunach und Weisach auch weitere Zuflüsse und Seitentäler die Projektkulisse erweitern. Die Landwirte sollen vor Ort rechtzeitig informiert und eingebunden werden.

Kurzbericht, weitere TOPs und Sonstiges

Die Ergebnis der Drohnenbefliegung über das Gebäudeensemble der ehemaligen Brauereien Lechner/Stolbinger und der dendrochronologischen Untersuchungen wurden in einem Informationsheft zum Thema Denkmalschutz veröffentlicht.

Die Gemeinde Reckendorf erhielt bei der Aktion „Marktplatz der Generationen“ eine Absage. Wie der Webseite des Staatsministeriums zu entnehmen war, gab es eine hohe Teilnehmerzahl, so berichtete der Seniorenbeauftragte und dritte Bürgermeister Hubert Rottmann. Er wollte sich erkundigen, nach welchen Kategorien die Auswahl getroffen worden sei, aus Oberfranken waren nämlich nur fünf Gemeinden ausgewählt worden.

Der Planentwurf der 1. Änderung des Bebauungsplanes „Breitenäcker I“ in der Fassung vom 8. Oktober 2019 wurdegebilligt und als Satzung beschlossen. Die Veröffentlichung erfolgt im amtlichen Mitteilungsblatt und digital/online.

Andreas Knab mahnte an, dass man zum Stand der Entwicklung „Klärschlamm-Entsorgung“ keine Informationen bekomme, „das Ausbringen müsse doch in Kürze anstehen“. Auf seine Frage, wann der Zeitpunkt gekommen sei, erwiderte Bürgermeister Deinlein, „wenn die Stapelbehälter voll sind!“

Auch der aktuelle Stand zu den Untersuchungen einer reduzierten Straßenbeleuchtung wurde von Knab nachgefragt. Er hatte nämlich in Erfahrung gebracht, dass es sich tatsächlich um 4.000 Kelvin Betriebstemperatur handle, und nicht wie bei der letzten Sitzung berichtet um 3.000 K. Die Stadt Fulda würde zum Beispiel komplett abgeschaltet und werbe als „Sternenstadt“. Auch wäre die Anbringung von Lampenschirmen in Kegelform zu diskutieren, die nur nach unten abstrahlen, so schlug Knab vor. Das Gemeindeoberhaupt gab bekannt, dass die Firma Bayernwerk weitere Möglichkeiten der Reduzierung prüfe; feststehe, dass die jetzigen Leuchten nicht dimmbar seien, und die Abschaltung jeder zweiten Laterne einen Zebraeffekt verursachen würde. Bei einer nächtlichen Abschaltung zwischen 12 beziehungsweise 1 Uhr und 4 Uhr müsse geprüft werden, was die Haftpflichtversicherung dazu sage.

Thomas Stößel bat Bürgermeister Manfred Deinlein schließlich noch, die Ergebnisse zum Stand „Bahnhofstraße 4“ (Abriss) aus dem Bauausschuss zu berichten, wozu dieser mitteilte: „Es habe eine Besichtigung durch die Denkmalschutzbehörde stattgefunden.

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