Hochwasser, Starkregen, Eigenverantwortung

Hochwasser- und Starkregen-Ereignisse können große Schäden anrichten. Nach starken Überschwemmungen im Juni 2016 wurde in vielen Kommunen im Landkreis Bamberg darüber nachgedacht, wie sich Schäden minimieren ließen. Im Stadtrat in Baunach gab es nun die Ergebnisse zum „Sturzflutrisikomanagement“ für das Stadtgebiet zu hören. Und auch die Archivpflege war Thema.

Erneut war Martin Löffler vom Ingenieurbüro Gaul zu Gast in einer Baunacher Stadtratssitzung. Diesmal stand aber nicht mehr der Weg zu einer Analyse in Sachen „Sturzflutrisikomanagement“ im Fokus, sondern die Ergebnisse der Studien. „Nun können konkrete bauliche Maßnahmen kommen“, so Bürgermeister Tobias Roppelt zur Einführung. Und Löffler berichtete anhand einer Präsentation über die Arbeit der vergangenen Monate. Das „integrale Konzept zum kommunalen Sturzflutrisikomanagement“ umfasst die Stadt Baunach und auch die Gemeinde Lauter. Nach einer Bestandsanalyse seien Gefahrenermittlung und Risikobeurteilung erfolgt und auch bereits Maßnahmenvorschläge entwickelt worden, so Löffler. Dazu wurden vergangene Ereignisse dokumentiert, eine topografische Analyse durchgeführt, Simulationen für Hochwasser- und Starkregensituationen durchgespielt.

Für die Lauter, die das Baunacher Stadtgebiet von Westen durchfließt, ist das Wasserwirtschaftsamt Kronach zuständig (Gewässer II. Ordnung), für den Sendelbach die Stadt Baunach (Gewässer III. Ordnung). Um am Sendelbach einen Schutz vor einem hundertjährigen Hochwasser plus Klimazuschlag (HQ100 + 15%) zu erreichen, müsste die Stadt bis zu 1,3 Millionen Euro investieren, bei einer Förderquote durch den Freistaat Bayern von bis zu 75 Prozent. Ein geringerer Schutz, zum Beispiel gegen ein zehnjähriges Hochwasser (HQ10) mache, so Löffler, kaum Sinn. Die Kosten lägen hier zwischen 275.000 und 900.000 Euro und könnten damit für die Stadt sogar höher sein als beim Schutz vor einem HQ100. Denn für Baumaßnahmen gegen ein HQ10 gibt es keine Fördergelder. Löffler zeigte auch Vorschläge zur besseren Ableitung von Wasser im Starkregenfall. Nicht unerwähnt ließ er, dass auch die Eigenvorsorge der Hausbesitzer ein wesentlicher Punkt sei.

Priegendorf und Dorgendorf wären bei einem über die Ufer tretenden Sendelbach stark von Hochwasser betroffen, wie die Simulation zeigt.

Archivpflege künftig in Zusammenarbeit mit einem Verein des Landkreises?

Bürgermeister Roppelt erklärte, in diesem Jahr eine Bürgerversammlung zum Thema anbieten zu wollen. So hätten die Bürger auch die die Möglichkeit, sich genau über die Situation ihrer Grundstücke zu informieren. Auf einer vom Ingenieurbüro erarbeiteten Karte lassen sich die Bedrohungen detailliert erkennen. „Für den Sendelbach gilt nun: Wir müssen die Grundstückseigentümer mitnehmen, da wir für Verbesserungen Flächen benötigen werden.“ Parallel werde der Bauhof diverse Maßnahmen zeitnah angehen. Im Haushalt soll pro Jahr ein Betrag eingeplant werden, um die Lage kontinuierlich zu verbessern.

Als weiterer Gast war Christian Chandon, Geschäftsführer des Archivpflegevereins des Landkreises Bamberg, bei der Sitzung am 2. Februar 2021 anwesend. Er stellte die Arbeit des im September 2019 gegründeten Vereins vor. Derzeit sind 19 Kommunen aus dem Landkreis Mitglied. Die Mitarbeiter des Vereins betreuen dabei die Archive dieser Städte und Gemeinden, sorgen für die Bestandserhaltung, bearbeiten Anfragen. Zum Einsatz kommt eine spezielle Software, die für einzelne Kommunen im Alleingang sehr teuer wäre. Pro Jahr beträgt der Mitgliedsbeitrag zurzeit 148 Euro. Die Arbeit der Archivare wird nach Aufwand bezahlt, die Kommunen können dazu halbe oder ganze Tage buchen. Der halbe Tag schlägt mit 150 Euro zu Buche. Mitarbeiterin ist auch Barbara Spies, die aktuell das Archiv in Baunach bereits betreut.

Ein Beitritt zu diesem Verein, so Bürgermeister Roppelt, hätte zahlreiche Vorteile. Die Personalkosten würden sich im Vergleich zur jetzigen Situation kaum ändern, dafür stehe eine bessere Software bereit. Sinn mache ein Beitritt aber nur, wenn alle Mitgliedskommunen der Verwaltungsgemeinschaft Baunach, also auch Gerach, Lauter und Reckendorf, sich ebenfalls dafür entscheiden würden. Dies sei in Kürze auch in Sitzungen dort Thema. Der Beschluss des Baunacher Stadtrats fiel schon einmal einstimmig aus – der Beitritt erfolgt unter dem Vorbehalt, dass auch Gerach, Lauter und Reckendorf mitmachen.

Digitalfunk-Update für die Feuerwehr

In seinem Kurzbericht informierte Roppelt über die Online-Infoveranstaltung zur Schulhaussanierung vom 22. Januar. Viele Fragen konnten hier beantwortet werden. In einem weiteren Tagesordnungspunkt kam die Schule ebenfalls zur Sprache. Die FBB-Stadträte hatten einen Sachstandsbericht beantragt – der, so Roppelt, sei aber nach der Infoveranstaltung hinfällig. Er wies zudem darauf hin, dass die Schulsanierung in den Zuständigkeitsbereich der VG-Versammlung falle und Entscheidungen dazu nicht vom Stadtrat getroffen werden könnten. Sehr wohl wolle er aber die Stadträte über aktuelle Entwicklungen informieren.

Für die Feuerwehren in der Stadt Baunach werden nach einstimmigem Beschluss des Stadtrats 46 digitale Pager beschafft. Der Erwerb läuft über eine Ausschreibung erfolgt über das Landratsamt. Durch die landesweite Ausschreibung können günstige Gerätepreise erzielt werden. Pro Pager (Kosten 600 Euro pro Stück) sind zudem 80 Prozent Förderung möglich. Ab dem Jahr 2022 soll dann auch die Umrüstung der Sirenen erfolgen.

Und: Die Telekom wird in Baunach demnächst einen weiteren Breitbandausbau durchführen. Damit sollen in weiteren Bereichen Geschwindigkeiten von bis zu 100 Mbit möglich werden. Der Ausbau kann größtenteils ohne größere Baumaßnahmen stattfinden und wird im Mai starten. „Es hat sich demnach gelohnt, dass wir an die Telekom zahlreiche Beschwerden unserer Bürger weitergegeben haben“, fügte Roppelt hinzu.

Grafiken: Ingenieurbüro Gaul

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.