Marktplatz, Verkehr, Lebensqualität: Visionen für Baunach

Veröffentlicht am 11. Oktober 2019 von Johannes Michel

Wie soll Baunach in zehn, 15 oder 20 Jahren aussehen? Wo besteht der größte Handlungsbedarf? Und wie lässt sich die Stadt noch attraktiver machen? Mit solchen Fragen beschäftigt sich das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK), das aktuell erstellt wird. Im Stadtrat präsentierten die Stadtplaner dazu ihre Visionen – die durchaus für Diskussionen sorgen werden. Nun muss der Stadtrat die Prioritäten festlegen.

Mehrere Workshops, eine Bürgerversammlung zum Start und viele Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern – die Stadtplaner, die sich gerade intensiv mit der Stadt Baunach auseinandersetzen, haben schon viel Arbeit geleistet und spannende Ideen zusammengetragen, die dazu beitragen können, Baunach in die Zukunft zu führen. Das Konzept ist die Voraussetzung, um in den nächsten Jahren Gelder aus der Städtebauförderung zu erhalten, denn viele Projekte kann eine Kommune nicht allein stemmen. Auch in Nachbargemeinden wie Breitengüßbach oder Zapfendorf wurden solche Entwicklungskonzepte bereits ausgearbeitet.

Und auch in Baunach zeigt sich nun, dass der Blick von außen, also von Personen, die nicht aus Baunach kommen, sondern in ihrer Arbeit schon viele andere Städte und Gemeinden „untersucht“ haben, sinnvoll sein kann. Vier Handlungsschwerpunkte haben die Planer erarbeitet: „Ortsbild / Innenentwicklung“, „Verkehr und Parken“, „Umwelt / Nachhaltigkeit / Tourismus / Naherholung“ sowie „Daseinsvorsorge / Soziales / Kultur“. Die Stadtplaner Leonhard Valier und Carmen Sommer stellten die Ideen vor.

Vision für den Baunacher Marktplatz

Zentral ist die Frage, wie sich die Aufenthaltsqualität am Marktplatz verbessern lässt. Valier schlug vor, den nördlichen Bereich weiterhin als Parkfläche zu nutzen, aber ein Parkraummanagement und eine Parkraumüberwachung einzuführen. „Unsere Auswertung hat ergeben, dass im Stadtgebiet ausreichend Parkplätze zur Verfügung stehen und das manche, etwa der Altstadtparkplatz, wenig ausgelastet sind.“ Daher sei es möglich, den südlichen Bereich rund um den Überkum-Brunnen vollständig neu zu gestalten und die hier befindlichen Parkplätze zu entfernen. Im Marktplatz-Workshop Anfang September habe sich zudem gezeigt, dass der Brunnen den Teilnehmern gar nicht so wichtig sei, die Überkum-Statue aber schon. Daher mache es Sinn, den Brunnentrog abzubauen und rund um den Überkum beispielsweise Wasserspiele anzuordnen. Bäume könnten zudem für Verschattung sorgen, die Fläche wäre außerdem so planbar, dass eine mobile Überdachung für Veranstaltungen Platz fände. Der gesamte Marktplatz wäre dann ein verkehrsberuhigter Bereich.


Der nördliche Teil des Marktplatzes könnte fürs Parken reserviert bleiben. Allerdings sei es notwendig, die Parkplätze optisch besser zu markieren und das ordungsgemäße Parken auch zu kontrollieren, so Stadtplaner Leonhard Valier.

Seinen historischen Stadtkern könnte Baunach außerdem mit einem Kulturweg aufwerten, bis hoch zur Magdalenenkapelle. Auf der Route läge dann auch die Zehntscheune, wo die Hölzernen Männer ihre neue Heimat finden werden. Eine weitere Maßnahme in Sachen Ortsbild und Innenentwicklung könnte die Neugestaltung des Stadtgrabens werden – die historische Stadtmauer wäre dann sicht- und erlebbar, eine Mehrgenerationenfläche würde der Erholung dienen. Die von der Stadt ohnehin geplante Sanierung des alten Rathauses mit der Erstellung eines neuen Konzeptes für das Heimatmuseum sah Valier ebenfalls als wichtig an. Und er regte eine Machbarkeitsstudie zur Innenentwicklung an, die aufzeigen könne, wo noch Potenzial für Bebauung bestehe. Denn auch im Innenbereich finden sich noch brachliegende Grundstücke.

Vision für besseres Verkehrskonzept

Carmen Sommer stellte die Ideen zu „Verkehr und Parken“ vor. An den Stadteinfahrten auf der Bundesstraße könnten zu installierende Elemente (etwa Verkehrsinseln) den einfahrenden Verkehr abbremsen, ein Parkleitsystem den Besuchern noch intensiver den Altstadtparkplatz nahe bringen. Der Parkplatz am Bürgerhaus könnte geöffnet und mit einer längeren Parkdauer (vier Stunden) besser ausgelastet werden. Dafür mache es Sinn, in der Überkumstraße auf Kurzzeitparkplätze zu setzen, um für die Geschäfte wie Bäcker und Apotheke, in denen sich die Kunden ohnehin nur kurz aufhalten, Parkflächen freizuhalten. Aber auch die Fußgänger und Radfahrer sollten beachtet werden: Ein Radewegekonzept für Baunach könnte dafür sorgen, dass der Radverkehr nicht mehr entlang der Bundesstraße, sondern durch den Altstadtbereich geleitet werde. Bei der Entwicklung der Wegeverbindungen für Fußgänger sei die Beleuchtung zu bedenken – eine Unternehmerin aus Baunach habe in den Workshops berichtet, dass es den bis in die Abendstunden arbeitenden Angestellten nicht zuzumuten sei, von der Innenstadt zu ihren Autos auf dem Altstadtparkplatz zu laufen, wenn der Weg fast komplett dunkel sei.

Visionen für mehr Lebensqualität

Nicht nur bauliche Maßnahmen spielen im ISEK eine Rolle, sondern auch weiche Faktoren. Leonhard Valier brachte ins Gespräch, erneut die Etablierung eines Wochenmarktes zu versuchen – was den Marktplatz noch weiter aufwerten würde. Kulturprojekte könnten noch intensiver zwischen Baunach und Reckendorf abgestimmt, Strukturen zur Nachbarschaftshilfe aufgebaut werden. Für die Weiterentwicklung der Spielplätze könnte ein Spielplatzkonzept Möglichkeiten aufzeigen, der zuvor vorgestellte Kulturweg für mehr Tourismus sorgen.

Nach der Vorstellung diskutierten die Stadträte ausführlich über die verschiedenen Ideen. Klar wurde, dass sich der Stadtrat intensiv mit den Maßnahmen auseinandersetzen muss, denn „sie stellen die Weichen für die Entwicklung der Stadt Baunach für die nächsten zehn, 15 und 20 Jahre“, so Valier. So sollen sich zunächst die drei Bürgermeister zusammen mit den Fraktionsvorsitzenden und den Stadtplanern die einzelnen Punkte noch einmal detailliert Vornehmen und die Prioritäten festlegen. Im neuen Jahr könnte das ISEK dann fertiggestellt und veröffentlicht werden.

Sanierung des Röderwegs

Nach mehreren Begehungen, auch mit den Anwohnern, hat die Stadtverwaltung einen Sanierungsplan für den Röderweg erarbeitet. So sollen vier Grüninseln erstellt, ein Teil der Fahrbahn erneuert sowie ein Kreisverkehr im Kreuzungsbereich von Mainleite – Hemmerleinsleite – Röderweg neu gebaut werden. Er wurde so geplant, dass auch größere LKWs und landwirtschaftliche Fahrzeuge problemlos passieren können. Erreicht wird dies durch einen überfahrbaren gepflasterten Bereich. Die Gesamtkosten für Sanierung und Neubau liegen bei rund 350.000 Euro, könnten aber noch steigen. Denn für den Bereich liegt kein Bodengutachten vor, so dass die Untergrundsituation nicht bekannt ist. Und: Die Gehwege im Friedhofsumfeld könnten mit dem gleichen Pflaster versehen werden wie die Wege im Friedhof, um diese Gestaltung aufzunehmen.

„Die Idee für den Kreisverkehr kam von einem Anwohner“, erklärte Bürgermeister Ekkehard Hojer. „Er ist ein guter Kompromiss, wenn damit ein wenig zur Verlangsamung des Verkehrs beigetragen wird.“ Dem stimmten die Stadträte mehrheitlich zu, lediglich Andrea Weigler (CSU) sah aufgrund der bisherigen Rechts-vor-links-Regelung und der damit ohnehin notwendigen Geschwindigkeitsreduzierung keinen Handlungsbedarf. Nächster Schritt: Die Ausschreibung der Arbeiten.

Bahnhof als Drehscheibe für ÖPNV und Individualverkehr

Bürgermeister Hojer präsentierte zudem das intermodale Mobilitätskonzept des Landkreises Bamberg, bei dem Baunach eine der Pilotgemeinden ist. Angedacht ist, auf dem Bahnhofsplatz eine Mobilstation zu errichten, um die verschiedenen Verkehrstypen wie Auto, Bahn, Bus und Radfahrer besser miteinander zu verknüpfen. „Dies ist ein kleiner Schritt zur Verbesserung des ÖPNV. Wir fördern damit außerdem beispielsweise den Radverkehr“, so Hojer. Auch eine Ladesäule für Elektrofahrzeuge soll aufgestellt werden, genauso wie eine kleine Fahrradgarage, in der auch hochwertigere Räder angeschlossen werden können.


Der Röderweg wird in diesem Bereich umgestaltet – mit neuen Grüninseln sowie einem anschließenden Kreisverkehr.

Insgesamt sei mit Kosten von circa 100.000 Euro zu rechnen, wobei im günstigsten Fall der Stadt Baunach aufgrund der Förderungen durch die Regierung von Oberfranken und den Landkreis Bamberg keine Kosten entstünden. Hojer schlug vor, dennoch 20.000 Euro vorzusehen, was auch einstimmig beschlossen wurde. Im Rahmen des Mobilitätskonzeptes des Landkreises sollen nach und nach Strukturen geschaffen werden, die ein einheitliches Erscheinungsbild im ganzen Landkreis zeigen (Wiedererkennungswert). Auch in Zapfendorf wurde der Umsetzung erst kürzlich vom Gemeinderat zugestimmt.

Weitere Themen der Sitzung vom 8. Oktober 2019

Einstimmig verabschiedete der Stadtrat auch eine Vereinbarung mit dem Freistaat Bayern und der Gemeinde Lauter zur Errichtung des Radweges zwischen Baunach und Appendorf. „Der Radweg befindet sich bereits in der Planung, lediglich Fragen des Naturschutzes sind noch zu klären“, informierte Bürgermeister Hojer. „Der Freistaat Bayern gewährt eine Förderung, entzieht sich aber seiner Aufgabe und überlässt den Bau uns Kommunen.“ Der Radweg soll entlang der Staatsstraße führen. Im Rahmen des Radwegebaus soll auch die Straße, die sich „in miserablem Zustand“ (Stadtrat Tobias Roppelt, CBB) befindet, mitsaniert werden – allerdings nur bis zum Kutscherweg. Die Ortsdurchfahrt in Baunach bis zur Bundesstraße ist davon also ausgenommen.

Martin Löffler von Gaul Ingenieure erläuterte die nächsten Schritte in Sachen Sturzflutrisikomanagement. Hier wird gerade ein Konzept erstellt, welches das Risiko- und Gefährdungspotenzial beschreibt und Handlungsfelder aufzeigen soll. Die bisher durchgeführten Berechnungen müssen nun vom Wasserwirtschaftsamt und dem Landesamt für Umwelt geprüft werden, bevor Anfang des neuen Jahres dann weitergearbeitet werden kann.

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