Was ist gut, was könnte verbessert werden?

Veröffentlicht am 28. September 2018 von Johannes Michel

Stellen Sie sich vor, eine Kommune plant eine größere (Bau-)Maßnahme. Einfach einen Förderbescheid stellen und ihn genehmigt bekommen reicht aber nicht mehr aus, um auch Geldmittel aus der Städtebauförderung zu erhalten. Eine wichtige Voraussetzung ist außerdem ein ISEK. Was das genau ist und was sich die Baunacher wünschen, zeigte eine Bürgerversammlung.

Ja, Baunach geht es gut. Dieser Ansicht waren nicht nur die politischen Vertreter der Stadt, sondern auch viele Besucher der Bürgerversammlung am 25. September 2018. Verbesserungsmöglichkeiten gibt es aber dennoch immer wieder, denken wir nur an die Reaktivierung der Lechner Bräu, die heute als Bürgerhaus zum Mittelpunkt der Stadt geworden ist. Ohne Mittel aus der Städtebauförderung wären solche Projekte nicht denkbar. Um auch zukünftig von den Förderungen profitieren zu können, erarbeitet Baunach nun ein ISEK (Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept). Es wird in den Handlungsfeldern Ortsbild / Denkmalschutz, Umwelt / Nachhaltigkeit, Verkehr / Parksituation sowie Tourismus / Naherholung die Leitlinie für den Stadtrat werden – für die nächsten 15 bis 20 Jahre.

„Wohin soll sich unsere Stadt entwickeln?“, fragte daher Bürgermeister Ekkehard Hojer bei der Auftaktveranstaltung zum ISEK, die gleichzeitig auch als Bürgerversammlung ausgelegt war. „Wir müssen uns fragen: Wollen wir nach den jüngsten Großprojekten erst einmal eine Phase der Konsolidierung oder neue Investitionen?“ Baunach habe in den vergangenen 15 Jahren einen großen Schritt nach vorne gemacht – Hojer erwähnte neue Baugebiete, das sanierte Jagdschloss, die großzügigen Parkplätze inklusive dem Altstadtparkplatz, das Brückenensemble über die Baunach und das Bürgerhaus. „Natürlich sind die Unwägbarkeiten in letzter Zeit größer geworden. Wir dürfen aber nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern müssen uns noch intensiver mit Zukunftsfragen beschäftigen.“


Angeregt wurde im Bürgerhaus diskutiert …

Viele grüne und rote Zettel

Das ISEK wird vom Büro für Städteplanung Valier, Bamberg und von Planwerk, Nürnberg ausgearbeitet. Vertreter beider Büros stellen sich auch vor. Der Fokus sollte beim ISEK, so Phillip Meinardus von Planwerk, auf der demografischen Entwicklung liegen. Auch in Baunach werde sich die Altersstruktur ändern – im Jahr 2028 werde jeder vierte Baunacher über 65 Jahre alt sein.

Wichtig für die Planer war, aus der Versammlung die Wünsche der Bürger mitzunehmen. Dazu wurden, passend zu den vier Handlungsfeldern, Pinnwände aufgestellt, die sich im Verlauf einer Stunde mit vielen positiven (grüne Zettel) und negativen (rote Zettel) Gedanken füllten. Unter anderem folgende Gedanken waren dabei:

Ortsbild / Denkmalschutz

Umwelt / Nachhaltigkeit

  • Positiv: Aktive Bürgerschaft (z.B. Baunachhaltigkeit), wunderbare Flüsse und Seen, Blühflächen, Naturerlebnispfad
  • Negativ: Planung neuer Bauplätze trotz Baulücken, Reiterhof im Naturschutzgebiet, fehlende Radwege im Innenstadtbereich, Naturzerstörung durch Kiesabbau

Verkehr / Parksituation

  • Positiv: Engagierte Eltern als Schulweghelfer, ÖPNV, gelungener Umbau der Bahnhofstraße
  • Negativ: Fehlende Umgehung für die B279, zu wenige Anliegerparkplätze im Innenstadtbereich, Einkaufsmöglichkeiten nur mit dem Auto zu erreichen, fehlende Kontrolle von Geschwindigkeitsbegrenzungen und Parkverboten

Tourismus / Naherholung

  • Positiv: Stadtfest, Brückensanierung und -Neubau über die Baunach, Fachwerkhäuser am Marktplatz
  • Negativ: Zu wenig Übernachtungsmöglichkeiten inklusive im Sommer geschlossener Gastronomie, Wohnmobilstellplatz zu günstig, Radwegenetz verbessern


Zu den Handlungsfeldern kamen viele Statements zusammen.

Die Eingaben der Bürger wurden von den beiden Planungsbüros aufgenommen und werden nun ausgewertet. Auf der Internetseite der Stadt Baunach soll es dazu bald ausführliche Informationen geben. Im Herbst wird außerdem eine Haushaltsbefragung durchgeführt. Und im Frühjahr 2019 soll eine Planungswerkstatt die gesammelten Eindrücke zusammenführen und konkretisieren.

Was die Baunacher sonst noch beschäftigte …

Nach dem Auftakt zum ISEK beantwortete Bürgermeister Hojer eingegangene Fragen aus der Bürgerschaft im Rahmen einer Bürgerversammlung. Auch hier spielten Themen eine Rolle, die sich im ISEK wiederfinden werden. Zur Parksituation in der Innenstadt verwies Hojer auf die 284 im Stadtbereich vorhandenen Parkplätze – insbesondere die Anwohner und Gewerbetreibenden müssten auch bereit sein, ein paar Meter zu laufen, indem sie etwa den Altstadtparkplatz nutzen. Im Rahmen des ISEKs werde aber ein Verkehrs- und Parkkonzept erarbeitet. In Sachen Umgehungsstraße gebe sich die Stadt mit dem aktuellen Stand nicht zufrieden. Denn im Bundesverkehrswegeplan ist die Umgehung zwar enthalten, wird aber aufgrund vorrangiger Projekte aktuell nicht weiter betrachtet.

Das momentan eingelagerte Wahrzeichen der Stadt, die Hölzernen Männer, war auch Thema. Eine Wiedererrichtung am alten Standort stehe nicht zur Debatte, da er keinen Schutz biete. Das Holz sei, gerade in den unteren Bereichen, schon stark angegriffen, daher komme nur eine Unterbringung in einem Gebäude infrage. Im Stadtrat sei schon mehrfach die Zentscheune zur Sprache gekommen, die allerdings umgebaut werden müsste. Zum Zeitpunkt der Bürgerversammlung lief eine Bewerbung der Stadt für ein Förderprogramm, das 80 Prozent Förderquote versprach. Laut aktuellen Informationen wurde das Projekt aber nicht ausgewählt – Bürgermeister Hojer erklärte auf Anfrage, der Stadtrat müsse sich nun neu positionieren. Der Umbau der Scheune als Ausstellungsraum würde rund 550.000 Euro kosten, die Restaurierung der Hölzernen Männer etwa 40.000 Euro.

Lange ging er abschließend auf Fragen zum Verkehr im Röderweg und der möglichen Umsiedlung des Pferdehofs ein. Eine Verkehrsberuhigung der Fahrbahn im Röderweg sei eigentlich schon angedacht gewesen, aber aufgrund der vom Freistaat Bayern ausgesetzten Straßenausbaubeiträge aktuell vertagt. Kleinere bauliche Maßnahmen wie der Einbau von Verengungen werde aber geprüft. Durch die neuen Baugebiete ergebe sich aber keine gravierende Mehrbelastung für die Anwohner. Die eigentlich schon seit rund zehn Jahren versprochene Linksabbiegespur von Breitengüßbach kommend werde ebenfalls noch auf sich warten lassen, da ein Umbau des Bereichs mit Abschluss der Brückenneubauten vor Baunach erfolge. Beim Pferdehof sah Hojer für die Gegner einer Umsiedlung „subjektiv keine Mehrheit“. Außerdem handle es sich aktuell nur um einen Flächennutzungsplan, der lediglich die Absichten der Stadt widerspiegele. Als nächstes stünde ein Bebauungsplan auf dem Programm, hier liege der Ball beim Verein Pferdepartner Franken. Er sei sich bewusst, dass eine wohnwirtschaftliche Entwicklung der Stadt Baunach nur im Westen möglich sei – dem widerspreche der Pferdehof an dieser Stelle nicht.

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