Von Bauwerken, die einfach wieder mit der Natur verschmelzen

Im Titelbild: Tobias Roppelt, Erik Hojer und Thomas Morgenroth unterwegs auf Damm der „Winkelgasse“.

Im Juni 2016 sorgten Überschwemmungen insbesondere in Dorgendorf und Priegendorf für zahlreiche Schäden. Um die Folgen von Starkregenereignissen zu entschärfen, hat die Stadt Baunach in den vergangenen Jahren viel investiert – und bald wird die letzte Baustelle abgeschlossen sein.

„Es ist eines der wichtigsten Anliegen in dieser Legislaturperiode. Es gibt nichts Schlimmeres als Feuer und Wasser.“ Bürgermeister Tobias Roppelt unterstreicht, wie wichtig ihm die Projekte rund um die Verbesserung des Schutzes vor Starkregenereignissen waren. „Wir haben hier in den vergangenen Jahren rund eine Million Euro investiert – und zusätzlich auch unsere Feuerwehren, besonders die kleinen Ortswehren, besser ausgestattet.“ Gebaut wurde viel – und die Wehren haben zum Beispiel einen mobilen Hochwasserschutz erhalten, um schnell reagieren zu können. Das Sandsäcke-Schleppen entfällt.

Was alle Maßnahmen rund um Hochwasserschutz und Schutz vor Sturzfluten gemeinsam haben: Zunächst sind große Baustellen zu sehen, viel Schmutz, blanke Erde. Das ist auch bei der aktuell noch laufenden Baustelle im Südwesten von Baunach so. In der Verlängerung des Röderwegs wird aktuell gebaggert, in einem Bereich, wo einmal der ausgelagerte Pferdehof hätte entstehen sollen, direkt oberhalb der Tennisplätze des TC Baunach. Oder ein paar Meter weiter, wo Rückhaltebecken zu sehen sind. Und auch südlich vom Spitalweiher – hier wurden die Becken entlang des Wirtschaftsweges ertüchtigt und ausgebaut. Nur wenige Monate später, und auch das ist an anderen Stellen bereits gut zu erkennen, hat sich die Natur vieles wieder zurückgeholt. Der Bewuchs ist wieder da, das eingepflanzte Schilf wächst – von „Bauwerken“ ist nichts mehr zu sehen.

Oberhalb vom Spitalweiher wurden gerade erst „Badewannenbecken“ ertüchtigt.

Stauvolumen ist das A und O

2021 wurde im Stadtrat beschlossen, die vom Ingenieurbüro Höhnen & Partner im Rahmen des Sturzflutrisikomanagements erarbeiteten Vorschläge umzusetzen. Und nun ist es bald soweit, in wenigen Wochen wird die letzte Baustelle zum Abschluss kommen. „Natürlich ist kein hundertprozentiger Schutz möglich“, erklärt Bürgermeister Roppelt. „Wir sehen aber schon jetzt, dass die Rückhaltungen greifen – und bekommen hier auch viele positive Rückmeldungen von den Bürgern und den Feuerwehren.“

Was aber ist baulich überhaupt möglich? Entscheidend ist zunächst, weit außerhalb der Ortschaften anzufangen, bevor das Wasser überhaupt die Chance hat, in die Nähe der Bebauung zu kommen. Also Stauvolumen zu schaffen. Rund um Baunach waren es vor allem „Badewannenbecken“ entlang von Wegen, die neu gebaut oder ausgebaggert wurden und die in ihrer Vielzahl eine ganze Menge Regenwasser aufnehmen können. Oder auch kleinere und größere Dämme. Ein Musterbeispiel ist zwischen Dorgendorf und Priegendorf zu sehen. Hier führte die Winkelgasse zum Sportplatz der DJK Priegendorf bisher durch eine Senke. Die Straße wurde nun höhergelegt, ein Damm ist entstanden. Und der sorgt künftig dafür, dass das Regenwasser nicht mehr unkontrolliert über den Sendelbach durch Dorgendorf fließt. Über Schieber und ein Rohr lässt sich nach dem Regen das Wasser gezielt wieder ableiten.

Im Einklang mit dem Naturschutz

Ebenfalls in Dorgendorf befindet sich ein weiteres großes Bauwerk. Die Stadt erwarb einen ehemaligen Fischweiher – und dieser dient nun als Regenrückhaltebecken, aber auch als Löschwasserbecken für die Feuerwehr. Auch hier kann das Wasser aufgestaut werden und später gedrosselt wieder abfließen. „Wichtig ist immer: Du brauchst Leute, die mitmachen. Denn oft ist Grunderwerb nötig. Zum Glück war das aber kein Problem, wir sind auf sehr viel Verständnis gestoßen“, so Roppelt. Immer stand die Stadt Baunach dabei auch im Austausch mit dem Wasserwirtschaftsamt oder dem Naturschutz. „Natürlich müssen da auch mal Kompromisse eingegangen werden. Denn der Schutz der Bevölkerung steht an erster Stelle. Aber wir konnten an vielen Stellen die Situation auch bezüglich des Naturschutzes deutlich verbessern – und haben etwa die Schilfrohre in den Becken belassen oder auch Neuanpflanzungen durchgeführt“, berichtet Bauamtsleiter Erik Hojer. Hinzu komme, dass in vielen Bereichen noch die Flurbereinigungsverfahren aus den 1960er und 1970er Jahren Stand der Dinge gewesen seien – alles aktuelle basiere aber auf dem so genannten HQ100 plus 15 Prozent Klimazuschlag. Durch permanentes Wasservolumen in den Becken, die nun nur noch selten ganz austrocknen, sind zudem neue Lebensräume entstanden.

Aus einem ehemaligen Fischweiher im Wald bei Dorgendorf wurde ein großes Rückhaltebecken. Über den Steg ist der Auslauf zu erreichen, der je nach Situation geöffnet oder geschlossen werden kann.

Die Bilanz ist beeindruckend. „Fast 100 Maßnahmen haben wir in den vergangenen Jahren abgearbeitet“, erklärt Bautechniker Thomas Morgenroth. Und für den Bauhof heißt das in den kommenden Jahren auch: regelmäßige Wartung und Pflege, Schlamm entfernen und die Bauwerke prüfen. Aber dafür ist der Bauhof gut aufgestellt. Und Roppelt hat zudem viel Lob für seine Mitarbeiter übrig. Denn von der Situationsanalyse bis hin zu Ausschreibung und schließlich dem Projektabschluss – ohne gute Mitarbeiter wäre so etwas nicht zu stemmen.


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