Wie schön wäre ein Dorfplatz ohne Verkehrsbelastung!

Modul 2 des „Kommunalen Denkmalkonzepts“, der Jahresbericht in Sachen Jugendarbeit und eigentlich die Vorstellung der Planungen in Sachen Sanierung der Hauptstraße – die Tagesordnung der Gemeinderatssitzung Reckendorf war umfangreich. Einer der großen Punkte viel aber fast vollständig weg.

Im Mai vergangenen Jahres wurde das Modul 1 zum Kommunalen Denkmalkonzept im Reckendorfer Gemeinderat präsentiert. Dabei ging es insbesondere darum, wo es überhaupt denkmalgeschützte Gebäude gibt und welche nah dran sind, zum Denkmal zu werden. Auch die Stärken des Ortes spielten eine Rolle. Modul 2, das Nadja Seebach vom Büro „Reichert Stadt- und Denkmalpflege“ nun am 19. Januar 2022 präsentierte, beschäftigt sich vor allem mit den Schwächen. Wo finden sich Defizite? An welchen Stellen besteht erhöhter Handlungsbedarf?

Ein Thema sind dabei die „Platzstrukturen“. Denn Reckendorf verfügt eigentlich über einen kombinierten Dorf- und Kirchplatz. Viel zu sehen ist davon aber nicht, da die Bundesstraße eine Trennlinie zieht. „Hier gibt es einen besonderen Handlungsbedarf, um den Denkmalwert für die Zukunft zu entwickeln und die Ortsmitte lebenswerter zu machen“, erkläre Seebach. Zudem sei der Bereich stark versiegelt, es gebe wenig Grün. Im Innenort nannte Seebach noch eine weitere Schwäche: In der Vergangenheit wurden oft die Gebäudestellungen und Raumkanten aufgegeben. Die Gemeinde sollte daher darauf achten, dass bei künftigen Bauanträgen mögliche Ersatzbauten diese Raumkanten wiederherstellen. Aber auch die zahlreichen Leerstände, die Verkehrssituation an der Hauptstraße und die sanierungsbedürftigen, aber erhaltenswerten und ortsbildprägenden Gebäude wurden angesprochen.

Jugendarbeit in Corona-Zeiten

Was könnte Reckendorf tun, um Verbesserungen zu erreichen? Seebach stellte dazu verschiedene Möglichkeiten vor. Ein Fokus sollte darauf liegen, an bestimmten Stellen zu zeigen, was sich konkret machen lässt. Beispiele wären die alte Schule (hier wäre eine Machbarkeitsstudie für die Nachnutzung notwendig), das Stolinger-Areal (hier läuft bereits eine Machbarkeitsstudie), das Bahnhofsgebäude oder die Umnutzung der Kläranlage und des alten Bauhofs, sollte ein Gemeinschaftsbauhof in der VG Baunach kommen. Bezüglich der Hauptstraße gelte es, Gespräche mit der Regierung von Oberfranken zu suchen und erste Planungen anzugehen – also den Startschuss für ein langwierigeres Projekt zu geben. Das Modul 2 des Denkmalkonzeptes soll im Frühjahr abgeschlossen werden. Ausstehend ist, auch für Modul 1, noch die Bürgerbeteiligung, die, je nach Corona-Situation, in Präsenz oder digital durchgeführt werden müsste.

Ein Auszug aus dem Entwurf des Moduls 2 zum Denkmalkonzept.

Christopher Blenk und Christian Schmidt von JAM waren ebenfalls in der Sitzung zu Gast und berichteten über die Jugendarbeit im zurückliegenden Jahr. Nach einer Phase mit digitalen Treffen über die App Discord konnte auf Präsenz umgestellt werden. Zusätzlich gab es mehrere Angebote, bei denen sich möglichst wenige Personen am gleichen Ort aufhielten – wie eine Schnitzeljagd. Beeindruckend sei das Allrad-Projekt verlaufen, wo mit Unterstützung durch Spenden Fahrräder angeschafft wurden, um auch Kinder und Jugendliche einzubinden, die keine Gelände-tauglichen Räder besitzen. In der Sommerferien fanden VG-weit 44 Veranstaltungen statt, zehn in und aus Reckendorf. Insgesamt wurden mit dem Jugendtreff 53 Kinder und Jugendliche erreicht, 71 beim Sommerferienprogramm.

Hauptstraße: Thema vertagt

Die Vorstellung der Planung zur Hauptstraße durch das Ingenieurbüro Strunz entfiel. Aufgrund einer wenige Tage nach der Sitzung anstehenden Besprechung vor Ort wurde die Präsentation verschoben. Bürgermeister Manfred Deinlein gab lediglich ein paar Informationen weiter – etwa zu den noch über Dachständer verlaufenden Stromleitungen oder zur Straßenbeleuchtung, wo ein Angebot zur Erneuerung beim Bayernwerk angefordert worden sei. Auch um Kanäle ging es dabei. Mehrere Gemeinderäte kritisierten, dass in Sachen Hauptstraße schon seit langer Zeit nichts vorangehe und dass nicht nur eine Präsentation durch die Architekten sinnvoll wäre, sondern vorab eine Klärung, was überhaupt genau passieren soll. Der Gemeinderat wolle dabei eingebunden sein. „Wir haben einige Fragen und auch Wünsche diesbezüglich“, sagte dritter Bürgermeister Ludwig Blum (CSU).

Unter „Sonstiges“ wurde noch kurz über ein Schreiben diskutiert, das von Bürgermeister Deinlein an die Vereinsvorstände versendet worden war. Erwin Wahl (CSU) kritisierte, dass darin der Gemeinderat schlecht bezüglich des geplanten Kneipp-Beckens weggekommen sei. Die Anlage sei aus dem Regionalbudget herausgenommen worden, da sämtliche Angebote von Unternehmen dazu außerhalb der im Regionalbudget förderfähigen Kosten gelegen hätten, ergänzte Markus Sippel (WBFW). Der Gemeinderat habe aber das Becken nicht abgelehnt und auch keine Fördergelder liegen lassen. Ludwig Blum bezeichnete den Inhalt des Schreibens als „nicht einmal aus Halbwahrheiten bestehend“. Deinlein kündigte an, sich die Sache noch einmal anzuschauen.

Plan/Bild: Reichert Stadt- und Denkmalpflege

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